Foto von aufgeschlagenen Büchern

Liedpredigt über "O Mensch, bewein dein Sünde groß", EG Nr. 76 Vers 1

Pastor Ulrich Fanz

in der Evangelischen Kirchengemeinde Steyerberg

Am Karfreitag, liebe Gemeinde, geht es um die Sünden. Um unsere Sünden.
Und das so, wie wir's gerade gesungen haben:
"O Mensch, bewein dein Sünde groß."
"Beweinen" im Sinne, daß sie uns leid und weh tun.
Aber noch mehr.
Die Melodie macht es deutlich:
Sie geht am Ende der Zeile nach oben:

Orgelspiel zur Verszeile: "O Mensch, bewein dein Sünde groß"
D. h.: das Weinen läuft auf etwas hinaus!
Wie es das ja tut!
Wenn wir etwa ein Sandkorn im Auge haben, dann wird das beim Weinen herausgespült.
Wir sollen unsere Sünden in dem Sinne beweinen, daß wir sie von uns geben.
Und das, weil da einer ist, der bereit steht, sie aufzunehmen: Jesus Christus!
"Darum Christus sein's Vaters Schoß äußert und kam auf Erden," heißt es in dem Lied.
Und das wieder von der Melodie aufgenommen.
Denn genau dort, wo sie ankommt:
"O Mensch, bewein dein Sünde groß" - genau diesen Punkt erreicht sie wieder, wo von Christus die Rede ist.


Orgelspiel zu den Verszeilen: .....darum Christs seins Vaters Schoß"

Und dafür liegt ihm kein Punkt zu weit unten;
wir können mit unseren Sünden noch so tief gesunken sein:
"O Mensch, bewein dein Sünde groß,
darum Christus sein's Vaters Schoß
äußert und kam auf Erden".
Achten wir wieder auf die Melodie:

Orgelspiel zu den Verszeilen: O Mensch"..... bis "und kam auf Erden"
Am Karfreitag geht es um unsere Sünden.
Wir können sie Christus übergeben.
Er steht dafür bereit,
wo immer wir auch stehen mögen.
Und Christus bewältigt sie.
Wie er bewältigt hat!
"Den Toten er das Leben gab",
haben wir gesungen.
Und das war doch so:
Wie waren sie mit sich am Ende,
die zu ihm kamen, geradezu tot.
Und er hat sie zurechtgebracht,
geradezu wieder lebendig gemacht.
Besonders die Kranken.
"Und tat dabei all Krankheit ab",
haben wir gesungen.
Und was war das für ein Sieg!
Für die Menschen, denen er das zugute tat.
Und immer noch bis zu uns,
weil er das immer noch zugute tut.
Erna Vey schreibt in Margaret Fishback Powers Buch "Da habe ich dich getragen":

Lesung durch Kirchenvorsteher:
"Im Februar vergangenen Jahres hatte ich starke Herzbeschwerden. Noch am gleichen Tag wurde ich ins Krankenhaus eingewiesen.
Viele Untersuchungen wurden durchgeführt. Nach Tagen wurde eine Knochenmarkuntersuchung gemacht - Ergebnis: Leukämie!
Ich konnte es zuerst nicht glauben, doch ich mußte mich in die Wahrheit fügen. Für mich und meine Familie war es ein Schock.
Darauf folgten noch viele Untersuchungen. Die Angst vor jedem Ergebnis war groß, vor allem vor der Chemotherapie.
Es war in der Nacht zum Karfreitag. Ich lag im Krankenzimmer, hatte meine Chemo-Tabletten geschluckt, mir war übel. Eine panische Angst vor der Krankheit überfiel mich. Ich las in meinem Gesangbuch, und da stieß ich auf den Vers:

Ich rief zum Herrn in meiner Not:
ach, Gott, erhör mein Schreien!
Da half mein Helfer mir vom Tod
und ließ mir Trost gedeihen.

Immer wieder las ich diesen Vers, bis ich ihn auswendig konnte, und auf einmal wurde ich ruhig. Ich spürte: Gott war mir ganz nahe.
Viel Liebe habe ich in dieser Zeit erfahren dürfen durch meine Familie, viele Besucher kamen aus dem Ort, Freunde und Bekannte - und alle sagten: "Erna, wir beten für dich." Das hat mir viel Kraft gegeben und sich auf mein ganzes Befinden ausgewirkt. Mein Hausarzt meinte, ich hätte eine große Chance aufgrund meiner getrosten Einstellung ....
Immer wieder mußte ich zur Kontrolle ins Krankenhaus. Ein Jahr lang alle drei Wochen Chemotherapie, danach Übelkeit und Depressionen - und Angst vor den Ergebnissen. Jetzt sind meine Blutwerte zufriedenstellend. Nach der letzen Untersuchung wurde mir mitgeteilt: "Sie sind als geheilt entlassen!" Mein Arzt sagte dazu: "Sie haben ein einmaliges, außergewöhnliches Glück!" Ich konnte es gar nicht fassen.
Heute bin ich dankbar für jeden Tag, an dem es mir gut geht. Ich weiß: Mein Leben liegt in Gottes Hand. Viele Liedverse habe ich seitdem gelernt, sie begleiten mich am Tag und auch in der Nacht."

Pastor:
"Den Toten er das Leben gab
und tat dabei all Krankheit ab."
Was war und ist das für ein Sieg,
ja, geradezu ein Triumph!
Und wie ist der in die Melodie gebracht!

Orgelspiel zu den Verszeilen: "Den Toten er das Leben gab und tat dabei all Krankheit ab."

Pastor:
"Den Toten er das Leben gab
und tat dabei all Krankheit ab".
In der Melodie geradezu ein Triumphmarsch.
Und deshalb schafft er das andere auch!
Deshalb bewältigt er auch die Sünden.
Wir geben sie nicht ins Leere,
wenn wir sie ihm abgeben.
Und: Er steht nicht nur bereit, sie aufzunehmen.
Er trägt sie und schafft sie aus der Welt.
So wahr er das andere geschafft hat und schafft.
Und das nimmt die Melodie wieder auf:
"daß er für uns geopfert würd, trüg unsrer Sünden schwere Bürd."

Orgelspiel zu den Verszeilen: "daß er für uns geopfert würd,
trüg unserer Sünden schwere Bürd."

Pastor:
"Trüg unserer Sünden schwere Bürd" - wieder mit Tönen des Triumphes.
Des Triumphes über den Teufel,
der uns für die Sünden zugrunde richten wollte
und nicht mehr zugrunde richten kann,
weil er ihn am Kreuz zugrunde gerichtet hat.
Und das hat Folgen!
"O Mensch, bewein dein Sünde groß."
Wir brauchen sie nicht mehr zu beweinen.
Jedenfalls nicht mehr in dem Sinne,
daß sie uns noch weh tun.
Sondern: daß über uns kommt, was der Prophet Jesaja sagt:
"Die Strafe liegt auf ihm, auf daß wir Frieden hätten."
Und dieser Frieden wieder von der Melodie aufgenommen!
Gegen den Liedtext:
"trüg unsrer Sünden schwere Bürd wohl an dem Kreuze lange."
Doch die Melodie drückt Frieden aus.
Hören wir noch einmal zu:


Orgelspiel zu den Verszeilen: "trüg unsrer Sünden schwere Bürd wohl an dem Kreuze lange."

Pastor:
"O Mensch, bewein dein Sünde groß,
darum Christus seins Vaters Schoß äußert und kam auf Erden;
von einer Jungfrau rein und zart für uns er hier geboren ward, er wollt der Mittler werden.
Den Toten er das Leben gab und tat dabei all Krankheit ab, bis sich die Zeit herdrange, daß er für uns geopfert würd, trüg unsrer Sünden schwere Bürd wohl an dem Kreuze lange."
Ja, auch unsere Sünden. Gott sei Dank!