Foto von aufgeschlagenen Büchern

Meditation zur Stimmung im Abendmahlssaal

Kaplan Thomas Biju (rk)

21.04.2011 in St. Maria Magdalena in Beyenburg, Wuppertal

Gründonnerstag Abendmahlmesse

Ein paar Leute genossen die Musik in einem chinesischen Restaurant.

Auf einmal stimmte ein Solist eine irgendwie vertraute Melodie an;

Jedermann erkannte sie,

aber niemand erinnerte sich an den Namen.

Sie winkten den prächtig gekleideten Kellner herbei,

und baten ihn herauszufinden,

was der Musiker spielte.

 

Der Kellner watschelte durch das Lokal,

kehrte mit triumphierendem Gesicht zurück

und erklärte, laut flüsternd:

„Geige“.

(Anthony de Mello, Warum der Schäfer jedes Wetter liebt, Herder, Freiburg 1988, 67-68)

 

Liebe Schwestern und Brüder,

 

Wenn ich heute über den Inhalt

oder über die Bedeutung  der Eucharistie predigen würde,

würde  dies nicht viel mehr sagen

als die Aussage des Kellners in der  gerade gehörten Geschichte.

Ich möchte nur eine kleine Meditation

über die Stimmung in dem Abendmahlssaal  machen,

die vielleicht einigen helfen wird,

wenn wir uns wieder in seinem Namen versammeln.

 

Es ist Abend.

Dreizehn Menschen sitzen um einen Esstisch-

ein Meister und seine zwölf Jünger.

Sie haben  unterschiedliche Lebenshintergründe und Lebenserfahrungen.

Seit drei Jahren gehören sie zu einer Gruppe.

Mit unterschiedlichen Erwartungen kamen sie zu dieser Gruppe.

Durch ihr Leben mit dem Meister in den letzten drei Jahren

haben sie  vieles Gemeinsame entwickelt,

aber dennoch sind sie sehr unterschiedlich.

Immer noch haben sie unterschiedliche politische Ansichten

und unterschiedliche Hoffnungen und Pläne für ihr eigenes Leben.

Auch in ihren persönlichen  Eigenschaften sind sie sehr unterschiedlich.

 

Heute sitzen sie wieder zusammen um einen Tisch.

Die Stimmung ist eher bedrückend.

Am Anfang herrschte im Saal eine unangenehme Stille

und keiner wollte ein Gespräch beginnen.

sie sind da um ein Fest – das Passah-Fest- - zu feiern,

aber sie sitzen da mit unterschiedlichen Gefühlen.

 

Die Worte und Handlungen des Meisters leiteten sie alle

miteinander ins Gespräch zu kommen

in ein intensives Gespräch.

Da wurde an unterschiedliche Themen erinnert und darüber gesprochen:

über die vergangene Zeit,

über die Gegenwart

und über die Zukunft,

über die schönen Stunden,

aber auch über die Enttäuschungen,

über die Hoffnungen,

die Trauer,

die Angst,

über das Leben, den Tod und  das Leben nach dem Tod.

Auch darüber, worüber man vorher nicht sprechen konnte und wollte,

haben sie an diesem Abend gesprochen.

 

Es gab Fragen und Antworten,

Erklärungen,

Auseinandersetzungen,

Vorwürfe,

Warnungen und Mahnungen.

An manchen Stellen wurden geschwiegen- hilflos, respektvoll.

 

Auch heute ist es so, wenn wir uns um seinen Tisch versammeln

und sein Gedächtnis feiern.

Es sind manchmal mehr als dreizehn, vielleicht 130,

und manchmal weniger als dreizehn,

wenn wir zusammen kommen um diesen Tisch.

Auch wir haben unterschiedliche  Lebensgeschichten und  Weltanschauungen.

Auch wir haben ungleiche Ansichten und Meinungen.

Auch wir haben unterschiedliche Gefühle und Bedürfnisse,

wenn wir um diesen Tisch stehen.

 

Dieser Tisch ist wie damals, so auch heute

ein Ort der Begegnung.

An diesem  Tisch wird   auch heute gesprochen,

Vieles geklärt,

sich auseinandergesetzt,

Gefühle werden ausgedrückt,

Hoffnungen, Ängste und Pläne einander mitgeteilt

Auch heute wird hier über das Leben,

den Tod und das Leben nach dem Tod gesprochen.

Auch heute, genau wie damals wird an diesem Tisch gebetet

und aneinander gedacht.

Hier wird gegessen, getrunken und Stärkung gefunden.

 

Auch heute sind wir -seine Freunde und Jünger  - eingeladen,

uns an diesem Tisch, an diesem Ort

Zeit zu nehmen,

um innezuhalten,

zusammen zu halten,

überlegt Entscheidungen zu treffen.

 

Das intensive Gespräch untereinander

hat ihnen die unmittelbaren schweren Stunden nicht  genommen.

Die Intensität der Schmerzen und des Leides

wurde dadurch  nicht gelindert.

Aber die Zeit, die sie mit ihrem Meister verbracht haben

und die Gespräche, die sie damals geführt haben,

haben den Jüngern später in ihrem Leben-

in ihrer Arbeit, in ihrer Verkündigung,

in den schweren Stunden ihres Lebens,

in der Zeit der Verfolgung –

geholfen.

Die Zeit mit dem Herrn und die Gespräche mit ihm haben ihnen später

Kraft gegeben überzeugend weiter zu gehen.

 

Auch heute wird das Zusammensein mit dem Herrn,

die Stunden, die wir jetzt, da es uns noch gut geht, verbringen,

uns später Kraft schenken

in unseren schweren Stunden.

Wir werden die Zusammenhänge dann besser verstehen.

 

Wir sind eingeladen- vom Herrn-

mit ihm Zeit zu verbringen.

Wir sind eingeladen mit ihm zu verweilen,

heute und immer wieder.

Amen.