Foto von aufgeschlagenen Büchern

Osterpredigt über Offenbarung 1,4-8

Pfarrer Dr. Horst Jesse. M.A. (ev)

03.04.2010 in der Offenbarungskirche, Berg am Laim in München

Ostern 2010

Liebe Gemeinde,

 

heute Morgen haben wir das Osterfeuer angezündet. Nicht besser können wir den Gegensatz von Licht und Dunkelheit verdeutlichen. Nicht besser den Gegensatz zwischen der dunklen Macht des Todes und der hellen Macht der Auferweckung, des Lichtes, des Lebens herausstellen. Der ewige Gegensatz zwischen Leben und Tod, der uns Menschen erschreckt, ist zerbrochen. Die Auferweckung Jesus Christus durch Gott ist die Botschaft an uns und an die Welt. Es ist Gottes Zuspruch an das Leben: Die Macht des Todes ist gebrochen. Die Menschen des Neuen Testaments sind getragen, ja fasziniert von der Gewissheit, dass der Gekreuzigte nicht im Tod geblieben ist, sondern  lebt, und dass wer sich an ihn hält, ebenfalls leben wird. Auferweckung ist kein Rückgängigmachen des Todes, sondern seine definitive Überwindung. Jesus hat durch seine Auferweckung durch Gott diese letzte Grenze menschlichen Lebens endgültig hinter sich gelassen. Er hat das ewige Leben. Ewiges Leben meint nicht weiter so, sondern bei Gott endgültig „Neues“: Neue Schöpfung, Neugeburt, neue Welt. Wir Glaubende haben eine Hoffnung und damit Leben hier im Diesseits.

Für mich hat Matthias Grünewald dies in seinem Auferstehungsgemälde verdeutlicht. Der Auferstandene mit seinen Wundmalen, den durchbohrten Händen, Füßen und Seitenwunde zeigt sich von hellem Licht umstrahl als der Sieger über den Tod durch Gottes Kraft, der ihn erweckt hat. Jesus erscheint als der Herr und Herrscher. Auf dunklem Hintergrund wird deutlich und klar  die Lichtaura des auferweckten Jesus Christus, so dass die sein Grab zu bewachenden Kriegsknechte erschrocken zu Boden stürzen. Vor dem hellen Licht müssen alle bösen Mächte zusammenbrechen. Mit der Auferweckung Christi hat etwas Neues hier und jetzt angefangen.

Die Auferweckung Jesus Christus zeigt Gottes Größe. Seine Kraft ist größer als wir sie uns vorstellen können. Er erweist sie gegen unseren größten Lebensfeind, den Tod, der menschliches Leben bedroht. Gewiss hat er die Kraft von Gott unser Leben zu beenden. Nach Gottes Willen soll der Tod nicht das letztes Wort haben. Er ist nicht der Herr der Geschichte, wie er immer gezeichnet wird. Herr der Geschichte ist und bleibt Gott, der Schöpfer des Lebens. Für ihn ist das Leben das Wichtigeste. Deshalb spricht Gott in einer Selbstoffenbarung von sich als den Anfang und das Ende der Zeit. Er war, ist und wird sein. Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft sind bei ihm eins. Deshalb steht auf manchem Friedhofseingang geschrieben: „Ergo sum Alpha et Omega“. Es ist ein Zuspruch und Hinweis, dass nicht der Tod das Letzte ist, sondern die lebendige Gemeinschaft mit Gott. Wir haben durch Gottes Selbstoffenbarung eine Hoffnungszusage erhalten und damit auch eine Selbstaufwertung. Wir, Glaubende, sind Gottes Geliebte.

Mit Jesus Auferweckung ist eine neue Dimension des menschlichen Lebens angebrochen. Bereits Jesus als Irdischer hat Gottes Güte und Barmherzigkeit im Alltagsleben gezeigt. Er wandte sich den Kranken zu, er tröstete und er gab Hoffnung den „Mühseligen und Beladenen“. Durch diese konkreten Taten kündigte Jesus der Welt und den Menschen an, dass sie von der Liebe, Hilfsbereitschaft und Barmherzigkeit leben kann. Dadurch verwies er unsere Welt auf das wahre Menschliche. Jesus hat durch sein Selbstopfer am Kreuz etwas für uns getan: unsere Sünden abgewaschen und uns erlöst. Er nahm dadurch alles Belastende von uns. Er diente uns. Durch sein Selbstopfer wertete er uns auf. Er gibt uns, Glaubende, durch seine Liebe ein neues Selbstverständnis. Damit ist der Auferweckte der wahre König gegenüber all den sterblichen Königen, die sich bedienen lassen. Jesus diente und ließ sich nicht bedienen. Deshalb erhöhte Gott Jesus und machte ihn zum Fürsten über alle Könige. Darin besteht die Ehre Christi. Deshalb dürfen wir von seine Taten singen. 

Jesus handelte aus der Gemeinschaft mit Gott. Er war darin Gott treu. Er zeigte Gottes Geist. Deshalb kann er sagen: Ich und der Vater sind eins. Jesus erfüllte Gottes Wille gegenüber uns Menschen. Deshalb erweckte Gott ihn von den Toten und machte ihn uns als Erstgeborenen von den Toten zum Vorbild. In Jesus beantwortet Gott unsere Lebensfragen: Wer wir sind? Was wir tun sollen? Und was wir hoffen dürfen? All diese menschlichen Fragen lassen sich nur durch die neue Beziehung, in die uns der Auferweckte stellt, beantworten.  

-          Jesus hat uns Glaubende zu Mitherrschern seines Königtums gemacht. 

Wir sind nicht mehr Vereinzelte. Wie heute so gern von Menschen gesprochen wird. Der Glaube an Jesus Christus verbindet. Denn der Glaube an ihn wird durch seine Liebe zu uns begründet. Der Inhalt des Glaubens ist die gegenseitige Liebe zu einander. Christi Kreuzesopfer gilt uns. Er hat uns reingewaschen durch sein Blut. Durch seine Selbstopferung am Kreuz hat er unsere Sünden abgewaschen. Er tat etwas für uns getan. Aus diesem Grund erhob ihn Gott zum Fürsten über alle Könige. Aus diesem Grund kann Christum sein Königtum, seine Kirche, bauen. Wir antworten auf die Tat Christi durch unsren Glauben und haben somit Gemeinschaft mit ihm. Der Glaube verbindet. Wir, Glaubende, gehören als eigenständige Personen zusammen. Dies ist gut zu wissen. Erst vor kurzem erzählte mir ein nach Kanada ausgewanderter deutscher Evangelischer, dass er in  Kanada angekommen, die evangelische Kirche aufgesucht, um in Kanda Gemeinschaft zu haben. Er hat sie in der evangelischen Ortskirche gefunden und fühlt sich seit dem wohl in Kanda. Er ist nun kein Fremder mehr, sondern ein Einheimischer. Dies will das Königtum Christi schaffen. In diesem Sinne mögen wir auch unsere Kirchengemeinde sehen. Sie ist das Königtum und damit Heimat für Glaubende in der Zeit. An den Gemeinschaftsgedanken haben wir wieder zu denken.    

-          Jesus hat uns zu Priestern für Gott gemacht. Es gilt über den Priesterberuf nachzudenken.

Seine ursprüngliche Bedeutung ist und wird bleiben. Priester haben es mit Gott zu tun. Sie sind von Gottes Geist erfüllt und somit als Glaubende seine Boten. Deshalb können sie von Gott sprechen und was vor allem wichtig ist, nach Gottes Weisungen und Gebote leben. Sie sollen durch Wort und Lebensweise Taten Gott und seinen Geist als Glaubende in der Welt anzeigen. Damit verkündigen sie, dass in diese unsere Welt etwas Neues, etwas Anderes, etwas Heiliges hereingebrochen ist und gelten möchte. Das gilt es zu bedenken und wahrnehmen. Aus der neuen Glaubenseinsicht ist zu handeln.

Leben aus Gott ist konkret. So hat der Reformator Dr. Martin Luther dies Wort „Priester für Gott“ verstanden. Es waren ein befreiendes Wort. Denn Jesus hat alle Glaubende zu Priestern durch die Taufe berufen und nicht einen Stand begründet. Denn für Jesus sind Glauben und Handeln eine Einheit. Luther spricht vom „allgemeinen Priestertum der Gläubigen“. Dieses Wort gilt es in seiner Tiefe zu erkennen. Gemeint ist, aus dem Glauben an das Wort und die Heilstat Jesus, zu leben und davon zu sprechen. Deshalb können Glaubende von ihre Hoffnung reden. Glaubende wissen von der Heilswelt Gott in Jesus Christus in dieser Welt. Gott ist nicht fern, sondern nahe. Jeder hat Gott in seinem Leben erfahren. Als Glaubende und somit als Priester haben wir das Heilige nicht bloß im Leben zu zeigen, sondern auch in unserer Arbeitswelt. Luther kann mit Bestimmtheit sagen, auch ein Küchendienst ist Gottesdienst. Ja, jede sinnvolle und nützliche Arbeit für das Gemeinwohl mit Freuden ausgeführt, ist Gottesdienst. Luther legt den Nachdruck auf das Kleine. Gewiss wird von großen Taten mancher Menschen berichtet. Sie sind wichtig. Um aber große Taten zu vollbringen bedarf es der kleinen Zuarbeiter. Gerade sie haben das Leid der Welt, hervorgerufen durch Kriege und Grausamkeiten, gelindert. Glaubende  bringen durch ihre Hilfsbereitschaft Licht in das Dunkle der Welt und damit Hoffnung. Sie zeigen etwas von Gottes Auferweckungskraft. Sie heiligen von ihrem Gottesglauben diese Welt und verändern sie. Das soziale Engagement der Menschen ist eine Stütze für Menschen in Not.  

Viele Glaubende engagieren sich daher im sozialen Bereich. Sie versuchen mit Wort und Tat Menschen zu helfen. Es ist eine Hilfe zur Selbsthilfe. Es ist Hoffnung. Alles was wir aus Glauben tun, ist Weitergabe der durch Christus empfangene Heilstat Gottes. Es ist die Botschaft der Auferweckung: „Siehe ich mache alles neu“. Dies ist im Sinne Luthers der alltägliche Gottesdienst.

-          Wir Christen haben Grund zum Singen. Denn durch Gott ist in der Heilstat Jesu Christus

und in seiner Auferweckung etwas zu unserem Heil geschehen. Wir haben durch Gott eine Lebensbestimmung. Er bittet uns zur Mitarbeit um Christi Willen. Gott hat seine Verheißung als Schöpfer des Menschen und der Welt in Jesu Christus wahrgemacht. Darum gilt es Gott die Ehre zu geben: Er ist der Herr der Zeiten, der Vergangenheit, der Gegenwert und der Zukunft. Er ist der ewig Lebendige und Handelnde. Deshalb dürfen wir lobend singen. Loben enthält die Worte Liebe und Leben. Wer singt, der lebt. Er freut sich und ist durch seine Lieder Gott dankbar.

Glaubende wissen,  dass Gott der Herr der Zeit: Vergangenheit, Gegenwart und der Zukunft ist  Deshalb wird der Auferweckte auf den Wolken durch Gott zum Gericht kommen. Dies ist sein Zeitprogramm mit allen Völkern der Welt. Gott will durch sein Kommen in Christus sein Werk vollenden. Wir Glaubende haben damit einen geschichtlichen Sinn und eine Bestimmung. Als Glaubende könne wir nur antworten wie die ersten Christen: „Ja, Amen“. 

Amen

Lieder:

-          „Wir wollen alle fröhlich sein....“                          Verse:  1-5

-          „Gelobt sei Gott im höchsten Thron....“                 Verse:  1-3

-          „ Wir danken dir, Herr Jesus Christ, dass...“           Verse:  1-3

-          „ Jesus lebt, mit ihm auch ich...“                              Verse:  1-5