Foto von aufgeschlagenen Büchern

Plattdeutsche Predigt über Apostelgeschichte 2,1-28

Seemannspastor Hermann Bohlmann

03.06.2001 beim Störtebekerfest im Dorumer Hafen

Pingsprädigt aaber Apostelgeschichde 2, 1-28, holen an Pingsen, denn 3.6.2001
bi düchtigen Störm in een Telt bi dat 1. Störtebekerfest in denn Habern von Dorum

Pingsen is de Geburtsdag vonne Karken. Een Geburtsdag kann man önnig fiern. Laat se us nu tohope önnig Pingsen fiern!

So is dat an denn irsden Pingsdach togahne, as dat inne Apostelgeschichde in't tweete Kapitel upschräben is: (Apostelgeschichte 2, 1-18

1 Nu wör dat sowied, un Pingsden wör kaamen. Se wörn alle bieenanner up eene Stäe. 2. Up eenmal köm een Susen un Brusen von'n Häben her. Dat klüng as een gewaltiget Störmgebruus. Dat ganse Huus, wo se in seeten, wör vull dorvon. 3. Un dennn kömen ‚n Ort Tungens von Füerflammen, de unteenanner flackern deun. De sedten sick up jedeneen von jem. 4. Un so wörn se all vull von denn Hei-ligen Geisd un se füngen an spröken in annere Spraaken, so as de Geisd jem dat ingäben deu. 5. Nu wahnten dor aaber Judens in Jerusalem, de dat mid ehrn Glooben gans genau nähmen deun, de wörrn ut gans verschiedene Völkers un von alle Ka nten von de Eer dorher taagen. 6. De kömen nu, as dat Brusen los-gahn deu, in een grooden Schwarm tohope. Gans un gor dörnanner kömen de, denn jedereene hörte, dat se jüß in seine Spraake prädigen deun. 7. Se verwun-nerten sick düchtig un sä'n: "Kiek mal! Sünt düsse all, de dor schnacken doot, nich von Galiläa? 8. Wo kummt dat denn, dat wi jedeneen in use Modderspraake hören doot, wo wi in groot woarn sünt? 9. Parther un Meder un Elamiter un Min-schen ut Mesopotamien, Judäa, Ponthus un Kleinasien 10 ut Phrygien un Pam-phylien, Ägypten un ut de Gegend von Kyrene in Lybien un Utlänners von Rom, 11 Juden un Minschen, de düssen Glooben annhahmen harrn, Kreter un Araaber: wi alle tohope hört, wo se God un allns wad he Grodet dahne hedd in use Spraake prädigen doot."
12. Se staunten all und wüssen nich, wad se hiervon hoolen schöllen. Un se sän to eenaanner: "Wad kann dat to bedüden hebben?" 13. Dor wörn aaber ook anne-re Lüe, de maaken sick lustig aaber jem und sän: "De hebbt blooß to väl von denn söten Wien drunken!
14. Do träe Petrus up mid de Ölben un he greep dat Wurd un füng an to räden: "Jüdische Landslüe un ji all de ji in Jerusalem wahnen doot, hebbt Ach up mine Würders: sä he:15. Denn düsse Minschen sünt nich bedrunken (besaapen) - as ji meent - is dat doch jetzt irs morrns Klocke neegen. 16. Nä, wad hier passeert, dat hedd de Profet Joel all lange vörut seggt: ‚In de lesden Tiden, seggt Godd, dor will ick von mienen Geist utgeeten aber de gansen Minschen. As Propheten snackt denn joe Söhne un Döchters. De jungen Keerls hebbt denn Visionen. Un de Oolen aaberkummt dat innen Droom. 18. Un up mine Deensten, up de Froonslüe un Keerls, geet ick minen Geist ut un denn künnt se Profeten weern."

Pingsen, dat is jüß dat Gegendeel von dat Turmbogen in Babel. Se wät doch: Dor versochen dat de Minschen un wollen eenen Turm bogen. Eenen gans hogen Turm. Bid an'n Himmel. Dat se God gewohr weern können. Un wad passeerte? De Turm wör höger un höger. Un op eenmal verstöhnen sik all de kloken Minschen nich mehr. Se können sik eenfach nich mehr verstahn. Jedeneen quasselte in eene annere Sprake. Un ik denke Godd sünt se ok nich gewohr wohren up düsse Tour oder doch?
Pingsen is genau dat Gegendeel: So as wi dat irs hört hebbt. Pingsen künnt up eenmal alle Minschen sick good verstahn. Dat Ganse is jo woll as soon Teeken, as een Teeken dorför, wad een Minschen lehrn deiht, wenn he öller ward. Wenn he wiese ward. Nämlich:
Dat is een von de wichdigsten Punkte in dat Läben von us Minschen, düch mi. Düt, das wi us good verstaht: dat is dat mid denn Geist. De sorgt för düt Verstahn. För dat good Verstahn.
Dat ligg up eene besonnere Äbene. Dat hannelt sick üm eene annere Ort un Wise von Läben. Dor geiht dat nich blooß üm dat, ward vör de Hand liggen deiht. Düt "Sick-bäter-Verstahn", dat geiht deeper.

Dat giff jo woll Minschen, de kennt man bloß eene eenzige Äbene, blooß eene Ort un Wiese to läben. De seggt denn so: "ick glöbe blooß, wad ick sehn kann. Sons nix." Oder: "För mi is alleene wichtig, wad sick ok bewiesen ledd."

Dorto segg ick man blooß: dat schüddt se man doon. Löben blooß an dat, wad se sehn künnt. Ton Beispiel bi Atomstrahlens. Sehn kann de keeneen. Aber to Doe kaamen kann eener doran. Dusende un aaber Dusende sünd dat all. Wat us Tschernobil böse lehrt hed. Man sehn hedd jem keeneen, de Strahlens.

Un wenn wi us mid dat Wichdigste ankiekt, wad't gäben deiht in'n Läben, de Leebe. Stellt se sick dat mal vör: Dor kummt een jungen Keerl und seggt to sine Fründin: "Leebe? Dat bewies mi man irs mal, dat du mi leeb heß." Ick denke, jedeneene de een bäten wad von'n Läben verstahn deiht un de wad up sick hollt, de segg sick: 'So een Lökel, den'n laat ick fix loopen. Denn gäv ick glieks denn Looppass.'
Szü so. Man üm düsse annere, düsse deepere Äbene geiht dat ok to Pingsen mid den Geist. Mid denn Geist von Godd, De kann wirken as Fürflammen. De weiht, wo un wann he well, heet dat.
Un wenn denn eener kummt un segg: "Dat bewies mi man irs mal." Dennso segg ick: "De dat bewisen well, den'n wart dat jüß so gahn as denn Pestor vör hunnert Joahren": He harr sik ut-klookt, wo he sine Gemeene den'n Geist an Pingsen vörwiesen könn. Mid sinen Küster harr he utmaakt, bi een gans bestimmtet Stichwurt schöll de eene widde Duben in de Karken fleegen laaten. De Duben is jo dat Teeken för denn Heiligen Geist. So, un as se dat affmaakt harrn, göhn de Küster nah buten, as de Pestor mid sin Prädigen anfangen deu. He göhn nah buten, dorhen, wo he de Duben in een Käfig insperrt harr. Aber as he nu to denn Käfig kummt, do sütt he man blooß noch een paar widde Fedderns rümmefleegen. Un he krigg jüß noch mid, dat eene Kadde mid denn Rest von dat Geist-Teeken üm de Ecke sust. De Pestor harr all toon tweeten Mal lu'e un dütlich dat Stichwurt utroopen, as de Küster in de Karken ansuusen kummt un gans uter Atem schricht: "Herr Pestor, Herr Pestor, denn Geist hedd de Katte upfräten."
Jowoll so is dat! Denn Geist, denn een bewisen well, denn hedd de Katte upfräten!

God sinenGeist aber, de wirkt up eene annere Äbenen.
Dor geiht dat üm innere Deepte, dor geiht dat üm Gebet un üm Wohrheit.
Un düsse Geist von Godd lehrt uns bäter verstahn.

In dreeerlee Wise, kann he us düt bibringen:

Eenmal: wi künnt us sülms bäter verstahn.
Ton Tweeten: he lehrt us annnere Minschen bäter verstahn.
Un ton Drütten: Düsse Geist kann us Godd kennenlern, dat wi Godd bäter verstaht.

Dat is doch sonnerbar nich?! Ick glöbe in keene Tied vörher harrn wi up Eern so väle verschiedene Wäge, dat Minschen mideenanner Snacken künnt. So väle Gelägenheiten ton Kommunizieren, as dat heet. Wann geef't dat denn all, dat wi us so flink wad Ne'es vertelln un füdder gäben können? Nich blooß mid'n Breef oder per Telefon, mid'n Radio oder Fernsehen. Näh mid Handy oder per E-mail duurt dat man Sekundens. Man een Ogenblick, un de Seelüe hebbt in't Internet in usen Club allns, wad se belävd hebbt, ehre Femiljen in Indien oder Japan, in Chile oder Südafrika von ehre Diskette per Email tokamen laten.

Un doch, düch mi: trotz all düsse groden un flinken Gelägenheidens, dat giff so masse Minschen, de klagen doot: "Wokeen snackt denn noch so richtig mid mi? Ick hebb keeneen, de mi rechd ver-stahn deit. So von innen her." Un dat sünt masse, de dat seggen doot nogroar!
Seht Se woll: Hier geiht dat los mid denn Geist von Pingsen. Un dat is dat Irsde: Düsse Pings-geist lehrt mi, dat ick mi sülms bäter un deeper verstahn kann. So as Petrus bi de Prädigt domals. Godd sin Geist seggt mi un jedeneen hier up'n Telt: dat ick wichdig bün, dat se wichdig sünt. Wichdig in Godd sine Ogen. Godd meent mi un di. Dat ledd us de Pingsgeist wies weern. In use Muddersprake. Godd sprickt in mine Muddersprake to mi. So, as ick dat lehrt hebb. So, dat ick dat good verstahn kann. Verstahn in min Hart. Dat hangt mid düssen Geist tohope. Man de weiht, wann un wo he well. Ick kann em nicht twingen. Jümmers wenn ick dat will, em bewiesen oder vörwiesen, dennso krieg ick man blooß den Kattengeist tofaten.
Godd sin Geist aaber, de maakt mi free. Weil ick weet, Godd meent mi, mi gans persönlich, dorüm kann ick free wäsen. Ich brugg mi nich stören an dat, wad annere von mi meent..

Leebe Lüe: De öllste Satz, denn Minschen jemals funnen hebbt up düsse Eer, de heet: "Wad schall blooß noch weern, de Öllern verstaht ehre Kinners nich mehr". Markt se: Düt mid dat Verstahn oder Nich-Verstahn, dat is all'ne uroole Geschichde bi us Minschen. Un dat is dat Tweete. De Pingsgeist lehrt us de annern Minschen bäter verstahn. So von Hart to Hart, meen ick. In düsse anneren, düsse deeperen Äbene.

"Wo giff't dat denn," willt se fraagen. "Dat is doch allns blooß Getühn."
O nä. Mi düch, ick möt blooß mal denn Finger innen Munnd stäken, em natt maaken un denn hoch holen, dennso markt ick ok, wo de Wind herkummt. - Dennn de Geist weiht, wo un wann he well, heet dat jo.

Eenich möch ick geern, dat se all hier dat ok möl beläben künnt. So as wi bi de Seemannsmission.
Also, in ust Seemannsheim dor sünt de Irakers to Gast. Von dat Schepp, dat dor nu all von denn Golfkrieg herr in'n Haaben bi us liggen deit, von de Al Zahra. So un den kaamt an äben düs-senAbend ok Iraners utn Haben in usen Club. Un se wät jo sichers, de sünt sick normalerwise spinnefeind to. De Irakers un de Iraners. Nu, an denn irsden Aabend hebb se sick gegnsiddig wahrnahmen. Denn tweeten Aabend hebbt se middeennanner snackt. Un an denn drütten Aabend hebbt se middeenanner tohopen fiert. Un wer woll mi hinnern, dat ick segge, "dat wirkt Godd sinen Geist, wenn dat passeert." Och szo, se meent, dat sünt jo allens Muslime? Jaah! Un?!

Dorüm glieks eene tweete Geschichde: Wi sünt mid de Heiligen Windmakers - och szo, dat möt ick jo woll irs verklaaren. Also in min Heimatdörp, wo ick upwussen bün, in Schwarme, südlich von Bremen. Wenn dor dönnerdaags gegen Aabend eener nah denn Schmedd henköhm, un noch wad maken laaten woll, dennso säh he: "näh, dat geiht nich mehr. Ick hebb gorkeen Tied. Ick möt nah de Heiligen Windmakers hen." Un dormid meente he denn Posaunenchor. De wör för em gans wichtig. -
((Dorüm wör dat mi ok so wichdig, dat wi hier de Heiligen Windmakers hebben doot, un se de Lirder speelt bi düssen Goddesdeenst hier up'n Telt.))
Also, wi gaht mid een Posaunenchor up een Schipp un späält Karkenlirders. Dat is een Schepp ut Indonesien. Ton Schluss bedankt sick de Kapitän düchtig un vertellt up Englisch natürlich: "Wi stammt alle ut Indonesien hier up düt Schepp. Welke sünt Muslime un welke sünt Christen. Un in use Schippsmesse hier fiert an jedeen Freedag de Muslime ehrn Goddesdeenst un an jeden Sönndag de Christen. Aber de hogen Fierdage von beide, de fiert wi tohope!" vertellte he. Also, wenn de noch so tohope förn doot up dat Schipp, dennso fiert de jetzt ok mideenanner Pingsen. So wad bewirkt Godd sin lebennigen Geist. Un düsse Geist verdriff den Hass gegen de Utlänners. Düsse Geist verdriff de Angs vör dat Frömde.
Se schölln dat alle mal mid beläben, wenn wi Abendmahl fiern doot mid Seelüe. Dat wör ton Beispiel up dat Krüzfahrtschipp Norwegian Dream: Inders un Schweden, Seefahrer ut Haiti un von de Kiribati Inseln, Philippinen un Spanier fierten dor tohope. Un dor ward nich lange fraagt, "wer is hier lutherisch oder reformiert oder katholisch." Wi fiert used Abendmahl un de annern markt, se sünt inladt. Man de us all tohope inladen deit, dat is Jesus Christus. Un de kent keene Frömden. Düt wirkt de Geist von Godd, denn he us schicken deit.

Un nu dat Drütte un lesde: De Geist von Pingsen lehrt us, Godd verstahn:

Seggt Se nu nich: "dorvon verstah ick nix." Dat is tämlich eenfach. Nämlich: so as ick mid annere Minschen ümmegahn do, so gah ick ok mid Godd ümme. Wenn ick annere links liggen lad, dennso lad ick Godd links liggen. Un falls 50 % von de Minschen üm mi ümto mi gliekgültig sünt, denn is mi Godd to 50% gliekgültig. Aabers wenn ick eenen anneren Minschen achden do, dennso achde ich Godd.

Markt se. In Grunne kann ick gans eenfach sehn, wad mi Godd bedüden deit. "Wad ji dahnne hebbt, ehnen von düsse Minschen," hedd Jesus seggt, "dat hebbt ji mi dahne."

Szü, so eenfach is dat mit dat good Verstahn. Dorüm laat us bäen:

"God, schick us dinen Geist, dat wi alltohope marken doot, wann un woher de Wind weihn deiht."


Hochdeutsche Fassung:

Pfingsten ist das genaue Gegenteil zu Babel. So wie wir das eben in der Geschichte gehört haben. An Pfingsten können auf einmal die Menschen sich gut verstehen. Das ganze ist ja wohl so wie ein Zeichen. Ein Zeichen für das, was ein Mensch lernt wenn er alt wird und weise, nämlich: Dies ist einer von den wichtigsten Punkten in dem Leben von uns Menschen, denke ich. Dies, das wir uns gut verstehen.. Das ist das mit dem Geist. Er sorgt für das Verstehen. Für das gute Verstehen.
Liebe Schwestern und Brüder.
Das ganze liegt auf einer besonderen Ebene. Es handelt sich um eine andere Art und Weise. Hierbei geht es nicht nur um das, was uns sozusagen vor der Hand liegt. Bei diesem Sich-gut-Verstehen.
Es gibt ja wohl Menschen, die kennen lediglich eine einzige Ebene, nur eine Art und Weise zu leben. Die sagen: ich glaube nur an das, was ich sehen kann. An sonst nichts. Oder: für mich ist allein das wichtig, was sich auch beweisen lässt.
Dazu kann ich nur sagen: das sollen sie nur tun. Nur an das Glauben , was man sehen kann. Bei den Atomstrahlen zum Beispiel. Niemand kann die sehen. Aber töten können sie einen. Tausende und Abertausende haben sie getötet, was uns Tschernobil schrecklich gelehrt hat. Nur gesehen hat sie keiner, die tödlichen Strahlen.
Und wenn wir uns nun eines der wichtigsten Bereiche ansehen, die es im Leben gibt: die Liebe. Stellen Sie sich einmal vor: Da kommt so ein junger Kerl und sagt zu seiner Freundin: Liebe, das beweis mir erst einmal, dass du mich liebst. Ich denke, jede Frau, die nur ein bisschen vom Leben versteht und die etwas auf sich hält, die wird ihm sagen: So einen Lökel lass ich einfach laufen, dem gebe ich sofort den Laufpass.
Sehen Sie. Und um diese andere, diese tiefere Ebene - wie bei der Liebe- geht das auch zu Pfingsten mit dem Geist. Mit dem Geist Gottes. Der kann Wirken wie Feuerflammen. Der weht, wo er will, heißt es ja von ihm. Und wenn dann einer kommt und sagt: das beweis mir mal. Dann so sage ich. Wer das beweisen will, dem wird es ebenso ergehen wie einem Pastor vor über hundert Jahren. Er hatte sich ausgeklügelt, wie er zu Pfingsten seiner Gemeinde den Geist vorweisen könnte. Und so verabredete er mit seinem Küster, der sollte auf ein ganz bestimmtes Stichwort hin eine weiße Taube in die Kirche fliegen lassen. Die Taube ist ja das Symbol für den Heiligen Geist. Wie verabredet ging der Küster nach draußen als der Pastor seine Predigt beginn. Er ging nach draußen zu dem Käfig, in dem er die Taube eingesperrt hatte. Aber als er nun zu dem Käfig kommt, sieht er nur noch ein paar weiße Federn herumfliegen. Und er bekommt gerade noch mit, wie eine Katze mit dem Rest von dem Geist-Symbol um die Ecke saust. Der Pastor hatte währenddessen schon zum zweiten Mal laut und deutlich das Stichwort aufgerufen, da kommt der Küster in die Kirche hineingestürzt und ruft außer Atem: "Herr Pastor, Herr Pastor, den Geist hat die Katze aufgefressen."
Jawohl so ist das: den Geist, den einer beweisen will, den hat die Katze aufgefressen.
Gottes Geist aber, der wirkt auf einer anderen Ebene.
Dabei geht es um Tiefe. Dabei geht es um Gebet und um Wahrheit.

Und dieser Geist Gottes lehrt uns besser zu verstehen.
In dreierlei Weise: Der Geist kann uns dabei helfen:

Zum ersten: wir können uns selbst besser verstehen.
Zweitens: er lehrt uns, andere Menschen besser zu verstehen.
Und zum Dritten: Dieser Geist lässt uns Gott erkennen,
damit wir Gott besser verstehen.

Das ist doch eigenartig: Ich denke in keiner Zeit zuvor kannten wir so viele verschiedene Wege, wie Menschen sich miteinander austauschen können. So viele Gelegenheiten zum Kommunizieren, wie man das nennt. Wann gab es das schon, dass wir so schnell Neuigkeiten erfahren und weitergeben konnten. Nicht bloß mit Briefen oder übers Telefon, im Radio oder Fernsehen. Nein, per Handy oder Email dauert es nur Sekunden, die Nachrichten zu übermitteln. Nur ein Augenblick und unsere Seeleute haben in unserem Seemannsclub , in der "Guten Stube", alles was sie erlebt haben an ihre Familien in Indien oder Japan, in Chile oder Südafrika von der Diskette per Email zukommen lassen.
Und doch so scheint mir, trotz all dieser rasanten Möglichkeiten, es gibt dennoch so viele Menschen die klagen: "Wer spricht denn noch richtig mit mir?" Oder: "Ich habe niemanden der mich voll versteht." Und das sind wirklich viele, die das betonen..
Sehen Sie! Hier kommt er ins Spiel der Geist von Pfingsten. Und das ist das Erste: dieser Pfingstgeist lehrt mich, mich selber besser und tiefer zu verstehen. So wie Petrus das bei seiner Predigt aufweist. Gottes Geist sagt mir und jedem hier in der Kirche: wie wichtig ich bin. Wichtig in den Augen Gottes. Gott meint mich und Sie. Das lässt uns der Pfingstgeist erfahren. Und zwar in unserer Muttersprache,. Gott spricht zu mir in meiner Muttersprache, mit der ich groß geworden bin. So dass ich das gut verstehen kann. Und zwar Verstehen in meinem Herzen. So und das hängt zusammen mit diesem Geist. Nur der weht, wann und wo er will. Ich kann ihn nicht zwingen. Immer wenn ich das will, ihn beweisen oder vorzeigen, dann erwische ich lediglich den Katzengeist. Gottes Geist aber macht mich frei. Weil er mich wissen lässt, Gott meint mich, ich bin ihm wichtig, darum kann ich frei sein. Ich muss mich nicht daran stören, was andere von mir halten.

Liebe Gemeinde: Der älteste Satz, den Menschen jemals gefunden haben, der lautet: "Was soll nur werden, die Eltern verstehen ihre Kinder nicht mehr." Spüren Sie: Dies mit dem Verstehen oder Nicht-Verstehen, das ist eine uralte Geschichte unter uns Menschen. Und das ist das Zweite: Der Pfingstgeist lehrt uns, andere Menschen besser zu verstehen. So von Herz zu Herz, meine ich. Auf dieser anderen, dieser tieferen Ebene.
"Ach, wo gibt's das denn?" Werden Sie vielleicht fragen wollen. Das ist doch alles nur Wortgeklingel.
O nein. Mir scheint, wir müssen nur mal den Finger in den Mund stecken und nass machen, dann erfahren wir auch , woher der Wind weht. Denn der Geist weht ja wo und wann er will, heißt es.

Eigentlich möchte ich, dass Sie alle das auch mal erleben könnten. Also in unserem Seemannsheim sind die Iraker zu Gast. Von dem Schiff, das jetzt schon seit dem Golfkrieg hier im Hafen liegt, von der Al Zahra. So und dann kommen dort an diesem Abend auch noch Iraner aus dem Hafen in unser Seemannsheim. Und sie wissen ja: normalerweise sind die sich spinnefeind, die Iraner und die Iraker. Nun an dem ersten Abend nehmen sie sich gegenseitig wahr. Am zweiten Abend sprechen sie miteinander und den dritten Abend feiern sie zusammen. Und wer wollte mich hindern, dass ich sage: dahinter steht Gottes Geist, wenn so etwas geschieht. Ach so, Sie meinen, das sind doch alles Muslime? Ja! Und?

Darum eine zweite Begebenheit: Wir sind mit den ‚Heiligen Windmachern ‚ - Ach so, das muss ich glaube ich, erklären: Also in meinem Heimatdorf, in dem ich aufgewachsen bin südlich von Bremen. Wen dort donnerstags gegen Abend jemand zum Schmied kam und nach etwas gemacht haben wollte, dann sagte der: "Das geht nicht. Ich habe keine Zeit. Ich muss zu den Heiligen Windmachern." Und damit meinte er dann den Posaunechor. Der war ihm wichtig. -
Also, wir gehen mit unserm Posaunenchor auf ein Schiff aus Indonesien und spielen dort Kirchenlieder. Zum Schluss bedankt sich der Kapitän sehr herzlich und erklärt: "Wir hier auf diesem Schiff kommen alle aus Indonesien. Und wir sind zum Teil Muslime zum Teil Christen. Und am Freitag feiern in dieser Schiffsmesse hier die Muslime ihren Gottesdienst und am Sonntag die Christen. Aber die großen Feste von beiden, die feiern wir zusammen." Also, wenn die noch zusammen fahren auf dem Schiff, dann wurde dort zumindest gestern gemeinsam Pfingsten gefeiert. Das bewirkt Gottes lebendiger Geist! Und dieser Geist vertreibt den Hass gegen Ausländer, er vertreibt die Angst vor dem Fremden.

Sie sollten das mal mit erleben, wenn wir gemeinsam Abendmahl feiern. Das war z.B. auf dem Kreuzfahrtschiff Norwegian Dream. Inder und Norweger, Menschen aus Haiti und von den Kiribati-Inseln, Philippinos und Spanier feierten dort zusammen. Und dort wurde nicht lange gefragt: wer ist hier lutherisch oder reformiert oder katholisch. Nein. Wir haben unser Abendmahl gefeiert und die anderen fühlten sich eingeladen. Und der uns gemeinsam einlud, das war Jesus von Nazareth. Und der kennt keine Fremden. Das wirkt Gottes Geist, den er uns verheißen hat.

Und nun das Dritte und letzte.

Der Pfingstgeist lehrt uns, Gott verstehen. Sagen Sie jetzt nicht gleich, davon verstehe ich nichts. Das ist eigentlich ziemlich einfach. Nämlich: So wie ich mit anderen Menschen umgehe, so gehe ich auch mit Gott um. Wenn ich andere links liegen lasse, dann lasse ich Gott links liegen. Wenn für mich 50% der Menschen um mich herum gleichgültig sind, dann ist mir Gott zu 50% gleichgültig. Aber wo ich einen anderen Menschen achte, da achte ich Gott. Spüren Sie: Im Grunde ist das sehr einfach zu erkennen, was Gott mir bedeutet. "Was ihr getan habt einem unter diesen Menschen, "sagt Jesus, "das habt ihr mir getan."

Sehen Sie! So einfach ist das mit dem gut Verstehen, mit dem Gott verstehen. Darum zum Schluss:

"O Gott, sende uns deinen Geist. So dass wir alle spüren, woher der Wind weht."