Foto von aufgeschlagenen Büchern

Predigt anlässlich der Fahnenweihe vom Fanclub des 1.FCN Medlitz

P. Franz Büttner SAC

03.10.2007 in der Kath. Pfarrkirche Medlitz

Liebe Mitglieder vom Fanclub des 1.FCN Medlitz, meine Schwestern und Brüder!

Zu Beginn will ich mich gleich outen. Ich bin schon seit 1965 1. FC Bayern Fan. Damals hat weder Beckenbauer noch Gerd Müller oder Sepp Maier in der Nationalmannschaft gespielt. Aber wie sie spielten, das hat mich begeistert. Dass in der Zwischenzeit Geld eine so große Rolle spielt, das gefällt mir überhaupt nicht. Trotzdem habe ich noch nie den 1. FC Bayern live gesehen, aber den 1.FCN 1948 im Halbfinale gegen St. Pauli, das er 3:2 gewonnen hat. Da spielten Pöschl, Mittelstürmer, und Morlock im Sturm und Schaffer im Tor. Damals war ich sogar für kurze Zeit Fan vom 1. FCN.  Übrigens, der 1. FC Nürnberg wurde im gleichen Jahr Deutscher Fußballmeister. Sie gewannen gegen Kaiserslautern 2:1. Nun denken sie nicht, ich wäre mit dem Fußball zu Ende und würde jetzt nur noch ein paar salbungsvolle Worte ihnen als Predigt verabreichen. Machen wir uns doch einmal Gedanken, wo es Parallelen zwischen dem Fußballsport und unserem Christsein gibt. Sie gibt es wirklich!

Die erste Frage lautet: Woran erkennt man einen Fußballspieler und einen Handballspieler? Sie können beide mit dem Ball umgehen, der eine mit dem Fuß, der andere mit der Hand. Nun stellen sie sich vor, auf dem Platz stehen die deutsche Nationalmannschaft und der Weltmeister Italien. Aber es liegt kein Ball auf dem Mittelkreis, da wird nichts passieren. Die Zuschauer und Fans werden enttäuscht das Stadion verlassen. Der Ball muss ins Spiel. Es wird sich auch kein Spieler auf den Ball setzen. Der Ball muss rollen. Fußball ist ein Mannschaftsspiel, da muss man dem andern, der besser steht, den Ball zu spielen. Man wird auch seinen Mannschaftskammeraden nicht links liegen lassen und alles alleine machen wollen. Das schnelle Zuspiel und der geniale Pass machen es möglich, dass Tore fallen. Macht dann der Mintal in der letzten Minute beim Spiel gegen Hannover den Ausgleich, dann liegen sich die Spieler und die Fans in den Armen. Für uns Christen ist auch ein Ball im Spiel und Jesus will, dass wir uns nicht egoistisch verhalten, sondern den Ball weitergeben, andere mitspielen lassen. Jesus formuliert das so: „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“. Es geht im Umgang mit den Mitmenschen darum, dass auch in diesem Spiel der Ball rollt: Dieser Ball heißt: Wohlwollen: Dem anderen gut sein, und zwar im Denken von ihm, im Reden über ihn, und indem wir ihm Gutes tun. Was wäre das für ein begeistertes Spiel, wenn die Menschen diese Regel und Weisung Gottes täglich umsetzen würden!

Die zweite Frage: Was würde geschehen, wenn vor einem Bundesligaspiel der Schiedsrichter die Devise ausgegeben würde: Heute kann jeder Spieler nach seinen eigen Regeln spielen? Das wäre das vorprogrammierte Chaos!
Es geht wirklich nicht ohne Regeln. Das gilt für alle Sportarten! Was machen wir Menschen aber mit den Spielregeln, die Gott uns gegeben hat, damit das Zusammenleben unter uns gelingen kann? Wir nennen sie die 10 Gebote Gottes? Ich frage sie: Gab es in der Menschheitsgeschichte Mord und Totschlag, Ungerechtigkeit und Hass, Streit und Unversöhnlichkeit, weil wir Menschen uns an die göttlichen Spielregeln gehalten haben, oder weil wir sie übertreten haben, und uns eigene Regeln gemacht haben? Ich möchte sie nur an das eine oder andere Gebot Gottes erinnern: Ist es nicht gut, dass jeder jeden leben lässt, damit kein Mensch und kein Volk vor dem andern in Angst leben muss? Das ist das 5. Gebot: Du sollst nicht morden. Ist es nicht gut, wenn wir ehrlich miteinander umgehen, und einer dem andern trauen kann? Das ist das 8. Gebot: Du sollst nicht lügen. Ist es nicht gut, wenn jeder bei seinem Ehepartner bleibt und seine Ehe nicht durch Ehebruch ruiniert, weil bei einer Ehescheidung alle, beide Ehepartner und die Kinder Verlierer sind? Das ist das 6. Gebot: Du sollst nicht die Ehe brechen. Die Gebote Gottes sind gut und letztlich segensreich für uns alle, auch wenn sie uns manchmal schwer fallen, sie einzuhalten.

Die dritte Frage: Kann man ohne Training vom Trainer beim nächsten Spiel aufgestellt werden? Natürlich nicht! Nur durch Training bekommt man Kondition, können Spielzüge eingeübt werden und kann man Taktik lernen. Was hat das mit unserem Christsein zu tun? Die Trainingsaufgaben sehen bei uns etwas anders aus. Wir sprechen vom Beten, vom Gottesdienstbesuch am Sonntag, habe ich eine Bibel zu Hause, und lese ich darin, damit ich weiß was Gott, mein Trainer, von mir will? Wie übe ich die Liebe zu meinem Nächsten? Ist auf mich Verlass, stehe ich zu meinem Wort, kann ich verzeihen?

Meine Lieben Schwestern und Brüder, was wir nicht üben, das beherrschen wir auch nicht! So wenig einer schon ein guter Spieler ist, weil er das Trikot von seinem Verein und Fußballschuhe gekauft hat, aber nie beim Training erscheint, so wenig kann Gott mit mir rechnen, dass mein Christsein ansteckend wirkt, und dass er Freude an mir hat. Spieler, die nichts bringen, werden vom Trainer aus der Mannschaft genommen. Sie bekommen erst wieder eine Chance, wenn sie Leistung bringen. Aber diese Frage muss sich jeder selber stellen: Kann mich Gott in seiner Mannschaft aufstellen? Bin ich ein Christ, der mit seinem Leben überzeugt? Oder hat er mich aus dem Kader gestrichen, weil ich einen größeren Trainingsrückstand habe?

Darf ich sie noch an ein ganz simple Wahrheit erinnern? Was geschieht, wenn wir uns falsch ernähren oder zu wenig essen? Wir können krank werden, aber ganz bestimmt können wir die Leistung nicht bringen, die mit einer gesunden Ernährung eigentlich selbstverständlich wäre. Nun, wenn wunderts bei so vielen religiösen Hungerkünstler, die kaum vom eucharistischen Brot essen, noch Gottes Wort hören, das uns Klarheit und Richtung geben will, dass sich die Kirche in der Öffentlichkeit oft so saft und kraftlos zeigt? Jesus lädt uns bei jeder Eucharistiefeier ein, mit ihm Mahl zu halten, um uns ganz nahe zu sein, damit wir aus seiner Kraft, den Alltag als Christ bestehen können. Auch im religiösen Bereich gilt, wer nicht isst, wird schwach und fällt um!

Liebe Schwestern und Brüder, selbstverständlich kann ein Christ ein Fußballfan sein. Ich freue mich über jedes gute Fußballspiel, das ich im Fernsehen, wenn ich dazu Zeit habe, anschauen kann. Das muss wirklich nicht immer der 1.FC Bayern München sein! Aber eines muss uns klar sein: Was die Bundesligatabelle meines Herzens betrifft, muss ich mich fragen lassen: Stimmt die Reihenfolge noch? Wer steht auf dem ersten Platz in meinem Herzens? Ist es Gott, dem diese Ehre gebührt, und danach meine Familie, mein Beruf, meine Mitmenschen, ich und meine Hobbys oder ist es umgekehrt? Dann müssten alle Alarmglocken bei mir schrillen; denn wer Gott die Rote Laterne anhängt, der stellt die gottgewollte Ordnung auf den Kopf, und das hat noch keinem Menschen gut getan!

Amen.