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Predigt in Reimen über Amos 5,21-24

Pfarrer Heinz Janssen

26.02.2006 in der Providenz-Kirche in Heidelberg

Fastnachtssonntag

Fastnachtssonntag

Ein Gottesdienst ist nach dem Amen nicht zu Ende

Kanzelgruß
In Gottes und in Jesu Namen,
und in der Kraft des Heiligen Geistes. Amen.

Predigt
Liebe Gemeinde, ihr Jungen und ihr Alten,
am Fastnachtssonntag eine Predigt zu halten,

gibt heute dem Pfarrer die Gelegenheit
zu predigen in Reimen gemäß dieser Zeit.

Um Missverständnissen zu begegnen:
Die Kirche soll auch an Fastnacht segnen.

Spielverderberin soll sie nicht sein,
vielmehr sich mit den Menschen freuen,

denn Heiterkeit steht der Kirche gut,
schöpft sie doch aus der „Frohen Botschaft“ allezeit Mut.

So kann sie sich bewahren die Ernsthaftigkeit,
wie geschrieben steht: Alles hat seine Zeit.

 

I.

 

Verbissenheit bringt gar nicht viel,
Humor und Frohsinn führen eher zum Ziel,

wenn wir andere etwas fürs Leben lehren wollen,
müssen wir nicht ständig über ihre Fehler grollen.

Vielmehr brauchen wir Geduld
und - wie es im Vater unser heißt: die Vergebung unserer Schuld;

denn wer mit dem Finger auf andere zeigt,
der Hochmut in den Kopf ihm steigt,
Hochmut aber kommt vor dem Fall,
am Ende gibt’s den großen Knall;

davor bewahre uns Gott,
dass wir nicht fallen in solche Not.

Gott hat uns seine Gebote gegeben,
sich daran zu orientieren, macht schön erst das Leben,

Gott von ganzem Herzen und unseren Nächsten wie uns selbst zu lieben,
uns sie gebieten.

Seine Gebote engen uns nicht ein,
sie wollen uns helfen und befreien

zum wahren Menschsein in Gerechtigkeit, Liebe und Vertrauen,
so können wir die Welt als Haus des Friedens bauen,

in dem der Mensch nicht ist des Menschen Feind,
sondern stets ein guter Freund,

der da ist, wenn du es nicht meinst,
und dich tröstet, wenn du weinst,

mit dem du einfach kannst auch plaudern,
bei ihm dich aussprechen, ohne zu zaudern.

„Mensch, werde wesentlich“, einst der Mystiker Angelus Silesius rief,
und früher schon der Apostel Paulus schrieb in einem Brief:

„Nehmt einander an“, Römer fünfzehn, Vers sieben,
aber „nehmt euch in acht vor denen, die Zwietracht und Ärgernis“ schieben (Römer 16,17).

Die Bösewichter - und seid ihr es selber zuweilen -
für das Gute gewinnen und die Früchte teilen!

Denn begrenzt ist unsere Zeit,
nur Gottes ist die Ewigkeit.

Hört nocheinmal, was der Apostel sagt: „Seid weise zum Guten, aber geschieden vom Bösen“ (Römer 16,19),
so will der Gott des Friedens die Welt erlösen.

 

II.

 

„Aber wer glaubt unsrer Predigt“, so steht’s schon bei Jesaja geschrieben (53,1),
und man fragt sich heute: Ist nicht alles beim Alten geblieben?

Was hat der Mensch aus der Geschichte gelernt?
Hat er nicht sein wahres Wesen „entkernt“?

Als sein Ebenbild hat Gott ihn erschaffen,
ihm zu entsprechen auf Wegen des Friedens - ohne Waffen,

die Würde eines jeden Menschen, sein Recht auf Leben, heilig zu halten,
miteinander die Schöpfung bewahren und gestalten.

Jedoch: Wie ist dies Bild entstellt:
Regieren Geld, Gewalt, Krieg und Terror die Welt?

Menschen, die mahnend die Stimme erheben und ergreifen das Wort,
wie oft lehnt man sie ab und jagt sie am liebsten fort.

Euch allen ist doch wohlbekannt:
„Ein Prophet gilt nirgends weniger als in seinem Vaterland…“(Matthäus 13,57).

Nichteinmal in seinem eigenen Hause hört man ihn gern,
gibt ihm zu verstehen: „Bleib uns mit deiner Weisheit fern“.

Dies hat wie Jesus und viele andere auch Amos erfahren müssen,
nur wenige wollten von ihm etwas wissen.

Wir können dies gut nachvollziehen,
wenn wir uns um die Wahrheit mühen,

uns plötzlich Hass und Feindschaft treffen
von links und rechts Gebell und Kläffen.

Übel ging es damals, Mitte des achten Jahrhunderts vor Christus in Samaria zu,
Sitten, Gemeinschaftssinn verfielen im Nu.

Von Reichen mit Füßen getreten wurde das Recht der Armen,
Gott seis geklagt, Gott habe Erbarmen.

Recht war nur, was einem selber nützte,
wo war der König, wo der Priester, der die Benachteiligten schützte?

Wer reich war, konnte sich das Recht mit Geld erkaufen,
die Weiber riefen, so können wir bei Amos (4,1) lesen): „Bringt her, lasst uns saufen“.

Zum Tempel ging man dann ganz brav,
der Arme war das dumme Schaf.

Man feierte Gottesdienst und Feste
und gönnte sich das Allerbeste.

Nur hatte man total vergessen,
dass vor Gott es ist vermessen,

wenn man den Gottesdienst missbraucht,
andere Menschen im Alltag „zusammenstaucht“.

Dies war damals des Amos Stunde,
als er wurde zu Gottes Munde,

und rief zu den nur scheinbar Frommen,
Gottes Wort euch zu sagen, bin ich gekommen.

(Liebe Gemeinde, auf den Predigttext aus Amos 5,21-24 hört jetzt hin:)
So hat Gott gesprochen, sein Bote, Amos, ich bin:

„Ich hasse und verwerfe eure Gottesdienste,
ihr feiert sie entgegen ihrem Sinn.

Darum will ich eure Lieder gar nicht hören,
sie sind nichts als Lärm, um zu betören,

dasselbe gilt für die Musik,
sie stört nur und fördert nicht das Glück.

Auch eure Opfergaben -
ich gebe sie euch zurück, ihr könnt sie wieder haben.

Ach, dass ihr doch Einsicht zeigtet in meine Wege,
wieder strömen ließet wie Wasser das Recht und Gerechtigkeit sich rege

wie ein nie versiegender Bach,
dass ihr für Sorgen und Nöte der Mitmenschen werdet wieder wach“.

Wie schwer musste es dem Amos fallen,
im Namen Gottes diese Worte zu sagen allen,

die meinten, dass mit Singen und mit Beten,
es leichter sei, im Alltag dann zu „treten“,

wenn man nur schön geopfert/gebeichtet hat,
wird Gott vergessen die schlimmste Tat.

Nein, ein Gottesdienst ist nach dem Amen nicht zu Ende,
denn draußen im Alltag des Lebens braucht es helfende Hände,

die tun, was sie aus Gottes Wort gehört haben
Recht und Gerechtigkeit sind Gottes Gaben,

die feiern wir in Gottes Haus
und tragen sie in die Welt hinaus,

so wir gerecht einander werden,
und Frieden kehrt ein auf Erden -

Frieden, der Gott gefällt,
Frieden, der rettet die Welt.

Wo Recht und Gerechtigkeit, die Würde des Menschen, werden zertreten,
da wird die Frömmigkeit zur Heuchelei und zum leeren Getue das Beten,

der Gottesdienst wird hohl und leer,
zum Geschepper und Geplärr,

da dient der Mensch sich selber nur
und hat verloren jene Spur,

die ihm den Weg zum Leben weist,
auf dem der Mensch den Schöpfer preist

und sich freuen kann mit andern
gemeinsam durch die Zeit zu wandern.

Es gibt einen Tod schon jetzt im Leben,
die Freude schwindet, es fängt an zu beben.

Bestimmt war Amos kein Fatalist,
sein Volk ihm heilig gewesen ist,

bis zuletzt - bei seiner Ehre -
hat er gehofft, dass sich das Volk bekehre

und „Einsicht zeige in Gottes Wege,
wieder strömen lasse wie Wasser das Recht und in Gerechtigkeit sich rege

wie ein nie versiegender Bach,
für Sorgen und Nöte der Mitmenschen wach“.

 

III.

 

2750 Jahre sind seit Amos vergangen,
war seine Botschaft vergeblich und muss man noch mehr um den Menschen bangen?

Dass der Mensch sich selbst verliert, sich und die Welt zerstört,
wenn er nicht auf Gottes Wort mehr hört?

So darauf hört, dass er sich besinnt
und wieder Freude an Gott gewinnt,

der will, dass allen Menschen geholfen werde,
dass Erkenntnis der Wahrheit wird ihr Gefährte.

Darum: Was ganz in Amos’ Sinn Nehemia mit Esra und den Leviten einst hat ausgerufen, merke:
„Die Freude an Gott ist eure Stärke“ (Nehemia 8,10).

Der Mensch jedoch - kann er sich erheben aus dem Staube?
Er wendet ein: „Die Botschaft höre ich wohl, allein mir fehlt der Glaube“.

So muss Gott selbst den Glauben schenken
und alles noch zum Guten wenden,

damit der Mensch, den er doch kennt,
ja nicht in den Abgrund rennt.

An seine Seite sich Gott begibt,
weil er sein Geschöpf doch so liebt,

an Jesus von Nazareth soll die Welt es sehen,
was Gottes Liebe lässt geschehen:

Gott gibt sich in der Menschen Hand,
lebt und stirbt, freut sich und leidet mit ihnen Wand an Wand,

geht mit ihnen durch das dunkle Tal,
seit Ostern leuchtet der Hoffnungsstrahl,

dass wir, obwohl wir Vieles nicht verstehen,
dieses Leben doch bestehen

und auf Wegen des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe
einander Hilfe sind.
Wir bitten Gott, dass auch durch das heute getaufte Kind,
unter den Menschen wachsen Gerechtigkeit, Gemeinschaft und Frieden
und ihnen fortan Glück beschieden,

dass die Liebe alles überwiegt
und - wie der Name Lionel Viktor sagt - das Leben kraftvoll siegt.

So wird der Gottesdienst erst richtig schön,
gesegnet dürfen wir weitergehen

und singen: „Ausgang und Eingang, Anfang und Ende,
liegen bei dir, Gott, füll du uns die Hände“. (EG 175)

Des Amos Botschaft - sie bleibt auch noch heute wahr und wichtig,
sie zu missachten, macht Gottesdienste null und nichtig,

wenn noch so schön sind Musik und Liturgie,
andächtig gebetet und gepredigt wird mit viel Fantasie.

Jesus Christus spricht: „Selig sind, die das Wort Gottes hören
und b e w a h r e n “,
darum wollen wir nicht an guten Taten sparen.

In alledem, liebe Gemeinde und Gäste, hier in PROVIDENZ,
halten wir uns an den Kirchennamen:
DOMINUS PROVIDEBIT - GOTT WIRD SORGEN.

Amen.