Foto von aufgeschlagenen Büchern

Predigt über 1. Korinther 13,13

Pastor Stefan Jung

13.01.2008 in der Turn- und Festhalle

Ökumenischer Gottesdienst anlässlich des 1000-jährigen Jubiläums des Ortes Gundelfingen i. Breisgau

Anlässlich des 1000-jährigen Jubiläums des Ortes Gundelfingen i. Breisgau

Glaube, Hoffnung, Liebe

Verehrte Festgemeinde,

1000 Jahre Geschichte sind ein exzellenter Anlass, um inne zu halten, zurückzublicken und zu feiern! Wir tun das als Bürger von Gundelfingen zuerst mit einem Gottesdienst und das finde ich bemerkenswert! Blicken wir zurück auf die 1000 Jahre, dann war das sicherlich nicht das Tausendjährige Friedensreich. Wenn wir an unsere Ortsgeschichte denken, dann könnten wir fragen, wie haben die Christen diese 1000 Jahre geprägt? Oder was hätte uns ohne sie gefehlt? Und ich frage sie, wie wollen wir als Christen in der Gegenwart und in der Zukunft unseren Ort mitprägen und in ihn hineinwirken?

Jesus hat einmal gesagt, dass wir das Licht der Erde und das Salz der Welt sind. Licht kann man sehen und Salz kann man schmecken. Aber ich sehe und schmecke nicht all zu viel. Wenn ich in unsere Gesellschaft schaue, nehme ich eine recht starke Relevanzkrise der Kirchen wahr. Wir wirken ziemlich anachronistisch. Sind wir noch das Salz in der Suppe? Oder haben uns andere die Suppe ganz schön versalzen, weil die zunehmende Pluralität religiöser Anbieter, eine wachsende Distanz zu den Großkirchen und ein abnehmender Einfluss der Religion auf die persönliche Lebensgestaltung uns zu schaffen machen? Nicht mal jeder Vierte hält den Glauben für so wichtig, dass er ihn an seine Kinder weitergeben will. Wen wundert es da, dass die Gottesdienstbesucher in vielen Gemeinden immer älter werden und die jungen Generationen, einschließlich derer, die mitten im Leben stehen fehlen. Wenn das in unserem Ort weniger krass ist, dann dürfen wir dankbar sein, aber uns keinesfalls darauf ausruhen.

Warum ist das, was wir zu sagen haben, scheinbar nicht interessant? Weiß jeder, was wir sagen wollen? Oder wiederholen wir nur, was andere ohnehin schon gesagt haben? Ist unsere Botschaft nicht mehr überzeugend? Oder haben wir sie verwässert und mit dem Zeitgeist „aufgehübscht“? Haben wir gar keine Botschaft mehr?

Wenn doch, warum bringen wir sie nicht einfach rüber? Sie müsste gefragt sein in einer Zeit, in der offensichtlich wird, dass der relativistische Lebensstil an seine Grenzen stößt und dass er unsere Gesellschaft zusehends spaltet. Gemeinsame Werte, die zusammenhalten sind kaum noch zu erkennen. Die Nichterziehung vieler Kinder hat zu Verwahrlosung statt zu freier Persönlichkeitsentfaltung geführt. Treulosigkeit und Unverbindlichkeit zeigen ihre negativen Auswirkungen. Wir Menschen sehnen uns aber immer noch nach Übersichtlichkeit, Halt und Orientierung. Wer genau hinhört, merkt, dass sich die Sinnfrage immer wieder stellt und dass konservative Einstellungen ein ungeahntes Comeback erleben. Die Geborgenheit der Gemeinschaft steht wieder hoch im Kurs. Alle rufen nach mehr Kindern. Die Beliebigkeit als Lebensprinzip hat viel von ihrer Attraktivität verloren.

Was können wir Christen unserer Gesellschaft geben? Was sind unsere Antworten? Paulus hat das einmal ganz kurz und prägnant so formuliert (1Kor 13,13): „Was bleibt sind Glaube, Hoffnung und Liebe, diese drei, die Liebe aber ist das Größte.“

In einer Gesellschaft in der alles kommt und geht, wird wieder gefragt sein, was bleibt. Glaube, Hoffnung und Liebe, mit diesen Werten ist unsere Mission klar umrissen. Wir haben ein Ziel, das Einsatzgebiet ist hier und hat somit gesellschaftspolitische Relevanz und die Endstation hat Ewigkeitswert. Wie vermittelt man Glaube, Hoffnung und Liebe, lebensnah, überzeugend und so dass es ansteckt?

Beginnen wir mit dem Glauben. Ein Mensch, der nicht vertrauen kann, ist ein armer Mensch. Misstrauen macht krank. Ohne Glauben gibt es keine Geborgenheit in der Raserei der Moderne. Eine Gesellschaft, die an nichts glaubt kann auch nicht an ihre Zukunft glauben. Glauben, vertrauen ist nach dem NT, aber nicht ein vages Vermuten, sondern eine innere Gewissheit, dass mein Vertrauen nicht enttäuscht wird.

Diese Gewissheit stellt sich aber keinesfalls von selbst ein, sie basiert auf einer Beziehung. Wir müssen den kennen, dem wir vertrauen. Und kennen meint, nicht nur irgendetwas für wahr oder wahrscheinlich halten, sondern sich mit seinem Leben darauf einlassen: in einer Beziehung mit dem leben, dem man vertraut: Mit Jesus Christus. Das meint im Crash-Kurs „glauben“. Und wer sich darauf einlässt, der hält nicht irgendetwas für wahr, weil man es ihm vorgekaut und vorgeschrieben hat, sondern der prüft die Wahrheiten des Glaubens mit seinem eigenen Leben. Jesus hat den Juden damals gesagt (Joh 7,17) „Wer von euch bereit ist Gottes Willen zu tun, der wird erkennen ob diese Worte von Gott kommen, oder ob es meine eigenen Gedanken sind.“ Glauben meint, ich lasse mich auf das ein, was Jesus sagt. Mit allen Konsequenzen. Das verändert dann mein Denken, meine Werte und meine Blickrichtung.

Glauben heißt für Christen schlicht: Jesus Christus vertrauen. Johannes sagt in seinem Evangelium (3,16): „Denn so sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hergab, auf dass jeder, der an ihn glaubt nicht verloren geht, sondern ewiges Leben hat.“ Haben sie es gehört? „Jeder der an ihn glaubt.“ Nicht an irgendetwas, sondern an den Sohn Gottes. Nun meinen aber viele, wie ich glaube, ist doch meine Sache. Und so glaubt man munter drauf los. Doch Jesus selbst sagt, wie sich dieser Glaube an ihn anfühlt: „Wer an mich glaubt, wie die Schrift sagt, von dessen Leib werden Ströme lebendigen Wassers fließen (Joh 7,38).“ Von einem lebendigen Glauben geht etwas aus. Da kommt was! Das strömt etwas! Wir müssen nicht glauben, wie Menschen sich das vorstellen, oder wie eine Kirche es meint, dass wir das tun müssten, sondern Maßstab ist für Jesus die Schrift. Er sagt doch: „Wer an mich glaubt, wie die Schrift sagt.“

In den vergangenen 1000 Jahren haben Menschen und Kirchen oft ihre Meinungen darüber geändert, wie der wahre Glaube aussieht und was echter Glaube ist und es wurden leider blutige Kriege geführt, um diese Frage zu klären. Darum schlage ich vor, dass wir uns nicht nach solchen Maßstäben richten, sondern nach dem Wort Gottes. Es hat sich in 1000 Jahren nicht verändert und es wird bleiben. Jesus sagt (Mt 24,35): „Himmel und Erde werden vergehen aber meine Worte werden nicht vergehen.“ Sie bleiben und darum können wir darauf vertrauen.

Damit komme ich zum zweiten: Hoffnung. Wenn es einen gibt, dem man glauben kann und dessen Worte Gültigkeit behalten, dann gibt es Hoffnung. Der Wirtschaftsjournalist Johannes Gross meinte: „Wenn ich glaube habe ich nichts zu verlieren; wenn ich nicht glaube, habe ich nichts zu erhoffen.“

Eine Gesellschaft, die keine Hoffnung mehr hat, treibt nicht nur ziellos von einer Welle zur nächsten, sie hat auch keine Zukunft mehr. Ein Mensch, der keine Hoffnung mehr hat, kommt in die Atemnot, die Verzweiflung heißt. Darum ist ein Leben ohne Hoffnung ein kurzatmiges und zielloses Leben. Und ohne Ziel leben heißt, ich lebe ohne Orientierung. Ich bin haltlos.

Worauf gründet unsere Hoffnung als Christen? Paulus hat einmal den Korinthern gesagt (1/15,19): „Wenn der Glaube an Christus uns nur für dieses Leben Hoffnung gibt sind wir die beauernstwertesten unter allen Menschen.“ Warum sagt er so etwas? Ist das nicht ein bisschen dick aufgetragen? Und überhaupt, wären nicht viele Menschen endlos glücklich und voller Hoffnung, wenn sie unter solchen Umständen leben könnten wie wir? In Frieden und Wohlstand, ohne zu hungern und medizinisch bestens versorgt? Und doch gibt es auch hier genügend Menschen, die Familie haben, Karriere gemacht und genug Geld haben und trotzdem haben sie keine Hoffnung für ihr Leben.

Ich spreche immer wieder ich mit solchen Menschen, die verzweifelt, tief verletzt, voller Ängste und ohne Hoffnung und Ziel sind. Tiefe Dunkelheit hat sich auf manche Seele gelegt. Die schöne Fassade ist nur Schein. Dieses Phänomen beschreibt der franz. Soziologe Alain Ehrenberg in seinem Bestseller „Das erschöpfte Selbst“1 sehr eindrücklich. Die wachsende Ausbreitung von Depressionen, der steigende Konsum von Antidepressiva und die Zunahme der Alkoholabhängigkeit sind für Ehrenberg Reaktionen auf die allgegenwärtige Erwartung von eigenverantwortlicher authentischer Selbstverwirklichung. Viele kommen mit dem Erwartungs-, Konkurrenz- und Leistungsdruck nicht mehr klar und die Ego-Ratgeber, die die Regale unserer Buchhandlungen füllen, vermögen dieses Hoffnungsvakuum irgendwie nicht zu stopfen. Ich mache die Erfahrung, dass derjenige, der die Einladung von Jesus ernst nimmt - „Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid“ - und zu Jesus kommt und ablädt, was ihn niederdrückt; dass derjenige aufgerichtet wird und in einem Prozess des Heilwerdens Hoffnung gewinnt. Und darum ist es unsere Aufgabe als Kirchen, zu Jesus einzuladen, damit Menschen Hoffnung für ihr Leben gewinnen. Es geht nicht um eine konfessionelle Zugehörigkeit, es geht um lebendige Hoffnung, die ihnen keine Konfession schenken kann, sondern nur Jesus selbst!

Warum ausgerechnet Jesus? Weil der Dreh und Angelpunkt christlicher Hoffnung seine Auferstehung aus den Toten ist. Sie besagt, dass keiner im Tod bleiben wird. Es kommt alles noch einmal zu Sprache, restlos. Es gibt nicht nur ein erfülltes Leben vor dem Sterben, sondern auch danach, für alle, die an Jesus Christus glauben. Er sagt (Joh 5,24): „Wer meine Botschaft hört und an den glaubt, der mich gesandt hat, der wird ewig leben. Ihn wird das Urteil Gottes nicht mehr treffen, denn er hat die Grenze vom Tod zum Leben bereits überschritten.“ Ja, wir brauchen genau das, um Hoffnung zu haben. Eine Grenzüberschreitung. Das Eintreten in ein neues Land, in das Reich Gottes. Das Eintreten in ein neues Leben, eine Neugeburt. Wer das erfährt, gewinnt Hoffnung, die sich nicht nur auf dieses Leben beschränkt.

Was sagen sie einem Menschen, der bald gehen muss? Vorgestern stand ich am Bett eines sterbenden Christen. Sage ich, „ach du hattest doch ein schönes Leben und das war’s halt. Aus.“ Nein, ich sage: „Du kennst Jesus, du hast Hoffnung, du gehst nach Hause, in eine neue Welt, ohne Leid, ohne Schmerz, ohne Tränen. Ich sage: Auf wiedersehen bei Jesus.
„Wenn ich einen Glauben habe der Berge versetzt, aber keine Liebe habe, so bin ich nichts!“ summiert Paulus in 1Kor 13,2. Und darum als letztes: Liebe.

Jesus offenbart uns in erster Linie einen liebenden Gott. Er hat die frommen Juden seiner Zeit, die es nicht gewagt haben, den Namen Gottes auszusprechen, in eine Art Schockzustand versetzt, als er Gott mit dem aramäischen Wort „Abba“ anredete, was soviel wie „Papa“ heißt. Uns schockiert diese Intimität nicht, weil wir es im Vaterunser genau so tun, aber bevor Jesu kam, wäre niemand auch nur auf den Gedanken gekommen, Jahwe, den souveränen Herrn des ganzen Universums so zu nennen. Niemand im ganzen AT redete Gott als „Vater“ an; Jesus tat es 170 Mal (nach der Überlieferung des NT).2 Jesus zeigt uns einen liebevollen Vater, eind rücklich in seinem Gleichnis vom verlorenen Sohn. Kämen wir von alleine darauf, dass Gott uns liebt und sich danach sehnt, geliebt zu werden? Wenn wir in einer christlichen Tradition aufgewachsen sind, erfassen wir vielleicht nicht das Schockierende daran. Aber mit Liebe hatte man bisher nie bezeichnet, was zwischen einer Gottheit und einem Menschen ablief. Kein einziges Mal bezeichnet der Koran Liebe als Eigenschaft Gottes.

Die Bibel stellt Gott vor, als einen Gott, der seine Schöpfung und seine Geschöpfe liebt. Gott liebt sie. Das ist die wichtigste Botschaft der Christen. Oder so ausgedrückt, wie sie es eben gesungen haben „was auch kommen mag, du weißt um mich und meine Sorgen.“ Das Gefühl hat nur ein Mensch, der weiß ich bin geliebt. Johannes formuliert das so (1Joh 4,10): „Das Einzigartige an dieser Liebe ist: Nicht wir haben Gott geliebt, sondern er hat uns seine Liebe geschenkt. Gott hat uns zuerst geliebt. Da ist eine Liebe, die nicht fordert, sondern fördert. Die sich hingibt und den anderen nimmt, wie er ist, mag er sein, wie er will. Wer das begreift, der kann Gottes Liebe erwidern. Jesus fasste das so zusammen (Mt 22,37-40): „Liebe Gott den Herrn, von ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit deinem Verstand. … Und: Liebe deinen Nächsten wie dich selbst.“

Herz, Seele und Verstand haben mit lieben zu tun. Für viele ist Liebe nur ein Gefühl, aber Liebe ist eben auch ein aus dem Herzen fließendes Tun, mit ganzer Hingabe und mit den Kräften des Verstandes. Nun kommt ein großes Dilemma. Wir können das apostolische Glaubensbekenntnis aufsagen, das auf die apostolische Verkündigung des NT zurückgeht, ohne sagen zu müssen, dass wir Gott lieben. Die Gottesbeziehung wird hier auf eine Weise beschrieben, ohne das eigentliche Herzstück "die Liebe" zu benennen. Wie kann das sein?

Ich denke, die Liebe Gottes stieß und stößt auf allerlei Widerstand in der Kirche. Dieser Widerstand ist zum Teil verursacht durch die Abhängigkeit des Christentums von gewissen Philosophien. Aristoteles hatte (384-322 v. Chr.) großen Einfluss auf die christliche Theologie und er lehrte, dass es für den Menschen unpassend sei, Gott zu lieben. Für ihn war Gott nicht ein persönlicher Gott, sondern die erste Ursache des Universums – ein Gedanke der heute noch populär ist -und eine erste Ursache liebt man nicht.

In beeindruckendem Kontrast dazu ist die Sicht der Bibel. Sie spricht davon, dass Menschen Gott lieben. Und Jesus selbst stellte Petrus diese Schlüsselfrage gleich dreimal: Hast du mich lieb? Gott hat uns zuerst geliebt und liebt uns bis jetzt. Und es geht in unserem Leben schlicht darum, diese Liebe zu erwidern.

Wir haben einen Gott, dem wir vertrauen können, der uns Hoffnung gibt und der uns liebt, darum haben wir Zukunft. Werte wie Glaube, Hoffnung und Liebe sind keine bloßen menschlichen Konstrukte, wie manche behaupten, sie sind nicht nur Werte für unsere individuelle Seelenlage, sondern sie haben gesellschaftliche Konsequenzen. Sie verändern die Gegenwart und die Zukunft.

Als Theodor Heuß, der erste Bundespräsident in den 1950er Jahren gefragt wurde, was Europa ausmache, sagte er: Europa baut auf drei Hügeln. Auf dem Aeropag, der für das griechische Denken von der Demokratie steht, auf dem Capitol, der für das römische Denken vom Staat und seinen Bürgern, von der „res publica“ steht und, man höre und staune: auf Golgatha, dem Hügel vor Jerusalem, der für das christliche Denken, von Freiheit, Gerechtigkeit und Menschenwürde steht.

Wir tragen Verantwortung für unsere Zukunft, als Christen mehr als alle anderen, für die nachkommenden Generationen. Und wir müssen sie auf einem soliden Fundament errichten, sonst ist sie – um es mit den Worten der Bibel zu sagen – auf Sand gebaut. Es ist absurd, zu meinen, Gott und das Christentum seien überflüssig oder überholt. Wer auch nur ein bisschen Ahnung von Geschichte hat muss wissen, dass die uns verbindenden Werte nachhaltig von der Bibel und vom Christentum geprägt sind. Das kulturelle Erbe Europas trägt in seinem ethischen Kern die christliche Religion, ihre Forderung zur Nächstenliebe, Mildtätigkeit und Vergebung.

Heute sind viele Menschen hier, die politische und gesellschaftliche Verantwortung tragen und Einfluss haben. Ich appelliere an sie, sich für den Kern des christlichen Glaubens stark zu machen. Denn der christliche Glaube stärkt nicht nur die Menschenrechte, er erhält auch in unserem Gemeinwesen eine Versöhnungskultur. In vielen Konflikten unserer Gesellschaft zeigt sich, dass die Vergebungs- und Versöhnungsgebote des christlichen Glaubens auch zu politischem Erfolg führen können und dass in fast allen ethischen Debatten – von der Abtreibung, über das Klonen, bis zur Sterbehilfe – die religiösen Vorbehalte die wirkmächtigsten Widerparte einer totalen Laissez-Faire-Haltung geworden sind. Auch eine demokratische Verfassung lebt von Voraussetzungen, die sie aus sich selbst heraus nicht garantieren kann,3 sie braucht Wertegrundlagen, wie Glauben, Hoffnung und Liebe. Wenn wir Glauben, Hoffnung und Liebe verlieren sind wir weder leistungsfähig noch leidensfähig.

Liebe Bürgerinnen und Bürger von Gundelfingen,
ich möchte ihnen allen eine Herausforderung mitgeben und ich reihe mich da bewusst ein, weil ich mit meiner Familie selbst dazu gehöre und weil wir gerne hier leben: Lassen sie uns miteinander Vertrauen aufbauen, Hoffnung vermitteln und Liebe praktizieren. Woher können wir dazu die Kraft nehmen? Aus einer lebendigen Beziehung zu Jesus Christus. Wenn wir an ihn „glauben, wie die Schrift sagt“, dann „fließen Ströme lebendigen Wassers“ von uns. Ein Strom des Vertrauens, der Hoffnung und der Liebe. Möge dieser Strom in Gundelfingen nie versiegen!

Amen.

1 Alain Ehrenberg, Das erschöpfte Selbst. Depression und Gesellschaft in der Gegenwart, In der Reihe: Frankfurter Beiträge zur Soziologie und Sozialphilosophie, Bd. 6; Frankfurt/Mai 2004.
2 Vgl. dazu: Philip Yancey. Beten, Wuppertal 2007, S.81. Außerdem: Yancey, Der unbekannte Jesus, Wuppertal 1997, S.289.
3 Darauf hat schon der Staatsrechtler Ernst-Wolfgang Böckenförde hingewiesen. Vgl. Wolfram Weimer, Credo. Warum die Rückkehr der Religion gut ist, München 2006, S. 64.