Foto von aufgeschlagenen Büchern

Predigt über 1. Korinther 3,9-15

Pfarrer Dr. Horst Jesse (ev.)

10.08.2008

1. Korinther 3, 9-15:      
"Wir sind also Gottes Mitarbeiter, ihr aber seid Gottes Feld. Oder mit einem anderen Bild: ihr seid Gottes Bau. Nach dem Auftrag, den mir Gott in seiner Gnade gegeben hat, habe ich wie ein umsichtiger Bauleiter das Fundament gelegt. Andere bauen nun darauf weiter. Aber jeder soll sehen, wie er weiterbaut! Das Fundament ist gelegt: Jesus Christus. Niemand kann ein anderes legen. Es wird auch nicht verborgen bleiben, was einer darauf baut. Der Tag des Gerichts wird ans Licht bringen, ob es Gold ist oder Silber, kostbare Steine, Holz, Stroh oder Schilf. An diesen Tag wird die Arbeit eines jeden im Feuer auf ihren Wert geprüft. Wenn das, was einer gebaut hat, die Feuerprobe besteht, wird er belohnt. Wenn es aber verbrennt, wird er bestraft. Er selbst wird zwar gerettet, aber so wie einer, der gerade noch aus dem Feuer geholt wird".

Liebe Gemeinde,

ein Mann befragte Bauarbeiter, wie sie ihre Arbeit verstehen. Der Eine sagte: "Ich trage Steine“.  Der Zweite antwortete: "Ich ziehe das Mauerwerk hoch".  Der Dritte meinte: "Ich baue an diesem Dom“. Jeder berichtete von seinem Arbeitsverständnis und damit von seiner Lebensansicht. Der Fragende erkannte aus den Antworten die Wechselbeziehung zwischen persönlichem Selbstverständnis und Arbeit. Der Erste sah in seiner Arbeitstätigkeit den Zweck des Geldverdienens. Er konnte sich mit seiner Arbeit als Beruf schwer identifizieren. Der Zweite verstand sich mit seiner Arbeit als ein Könner und Spezialist. Er war stolz auf seinen Beruf, mit dem er zur Vollendung des Baus beitrug. Der Dritte begriff seine Arbeit als Dienst am Ganzen. Er identifizierte sich nicht nur mit seiner Arbeit, sondern auch mit dem Bauwerk als etwas Großartigem und dass er daran mitgestalten durfte.  
Über den Sinn der Arbeit und in diesem Zusammenhang über den Lebenssinn wurde zu allen Zeiten gesprochen. Daher gibt es so viele geflügelte Worte über den Wert der Arbeit: "Arbeit adelt"; "Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen"; “Arbeit ist Beruf und damit Berufung“, "Arbeit macht gemeinschaftsfähig"; "Arbeit gibt Lebenssinn"; "Arbeit bewahrt vor Müsiggang"; u.a.. Gegenwärtig wird zwiespältig über Arbeit gesprochen. Sie wird als Job verstanden und nur in selten Fällen als Berufung. Einigen Berufsgruppen sehen ihre Arbeit als Berufung an so z. B. bei Pfarrern, Ärzten, Lehrern u.a.. Die Öffentlichkeit gesteht es ihnen zu. Aber die Ansicht von Arbeit als Wesenbestimmung des Menschen scheint im Schwinden zu sein. Arbeit wird allgemein als Verdienst des Lebensunterhalts betrachtet. Gerade die Arbeitssuchenden und Arbeitlosen verdeutlichen diese soziale Sicht der Arbeit. Sie suchen deshalb nach Arbeit, um wieder Selbstwertgefühle zu gewinnen. Arbeitslose leiden und fühlen sich am Rande der Gesellschaft und oft auch ausgegrenzt. Kränkend finden sie die Frage nach ihrem Beruf. Daher ist es schlimm, wenn leichtfertig über die Arbeit und den Beruf eines Menschen gesprochen wird. Es ist lieblos und ehrabschneidend.
Wahrscheinlich hat dies auch der Apostel Paulus empfunden, als er das Urteil über seine Missionstätigkeit hörte. Einige Gläubigen aus Korinth haben ihn sogar brieflich gefragt: "Was tust Du eigentlich?" In seinem Antwortbrief an sie rechtfertigt sich Paulus. Er tut dies aus gutem Grund; denn es geht um sein Selbstverständnis und um den Sinn und Zweck seiner Arbeit als Missionar. Paulus nimmt sich und seine Arbeit ernst, die ein Dienst am Menschen, der Gemeinschaft, wie auch zur Ehre Gottes ist. Er kennt die abschätzige Bewertung der Arbeit  seiner Zeit. Deshalb möchte er klar und deutlich von seiner Arbeit als Missionar sprechen. Er will sich als Prediger von dem lebendigen Gott in Jesus als brauchbarer und nützlicher Mensch in der Gemeinschaft erweisen. Gewiss gibt es im privaten wie auch im religiösen Bereich auch eine andere Sicht des Menschen. In der Öffentlichkeit aber zählt ein Mensch durch seine Arbeitsleistung und seine Werke..
Paulus nimmt das Gespräch mit seinen Fragestellern über seine Arbeit auf und antwortet ihnen  in ihrem Denkhorizont. Er verwendet dazu das verständliche Bild eines Hausbauers. Seinen von ihm in der Hafenstadt Korinth missionierten Gemeindemitglieder schreibt er: "Wir sind Gottes Mitarbeiter". Er legt ihnen seine Legitimation vor, so wie jeder Handwerker seinen Gesellen-, Meisterbrief, bzw.  seine Firmenzugehörigkeit. Paulus unterstreicht: "Ich arbeite im Auftrag Gottes". Seine geistliche Arbeit aber als Missionar verläuft in ihrer Struktur wie jede andere menschliche Arbeit ab. Er ist der Meister und er versteht sein Fach. Zwischen beiden herrscht eine Wechselbeziehung. Zur Gemeinde in Korinth gewendet: „Ich bin der Missionar“ und „Ihr seid Gottes Feld" und „Ihr seid Gottes Bau". Paulus sieht seine Missionstätigkeit als die eines geistlichen Bauleiters. Er kann und hat ein ordentliches Fundament legen. Wer sich schon ein Haus hat bauen lassen, weiß, was damit gemeint ist. Denn mit der Stabilität des Fundaments steht und fällt ein Hausbau wie auch ein Kirchenbau. Die Wichtigkeit eines ordentlichen Fundaments kann auf alle Gemeinschaften, Vereine, Gesellschaften wie auch auf  Staaten ausgedehnt werden, Nur durch das Fundament eines guten Grundvertrags wie auch durch den der guten Gesetzen haben Gemeinschaften wie auch Staatswesen Bestand. Wenn das Fundament nachgibt, bricht jeder Bau ein.
Immer wieder hat Paulus als Missionar seinen Gemeindenmitgliedern beschrieben, wie schwierig seine Missionstätigkeit ist. Gewiss hat er auf religiöses Wissen und religiöse Gebräuche seiner Zuhörer zurückgreifen können und sie als Anknüpfungspunkte für seine Botschaft benützt. Das Besondere in seiner Predigttätigkeit ist, Paulus betont als das Fundament seiner Glaubensbotschaft den lebendigen Gott, der sich in Jesus geoffenbart hat und Mensch geworden ist. Auf diesem Fundament gründet der Glaube jedes Einzelnen wie auch der Gemeinschaft an den lebendigen Gott. Es trägt die Glaubensgemeinschaft als Kirche Jesus Christus durch die Zeiten. Niemand anderer kann das Glaubensfundament Gottes in Jesus legen als der von Jesus Berufene und von der Kirche eingesetzte Pfarrer. Dies zu begreifen und an ihm festzuhalten ist nicht so einfach. Zumal fast alle Religionen von einem obersten Gott, wie auch die Philosophen von dem Absoluten als Gott sprechen. Was ist aber sich darunter vorzustellen? Nichts Konkretes trotz vieler Bücher. Paulus kann aufgrund seiner Erfahrung vor Damaskus, in der ihn Jesus berufen hat und nach dem ihn Christen unterwiesen haben, vom lebendigen Gott sprechen und predigen. Dieses Damaskuserlebnis und die daraus erfolgte Glaubenserkenntnis befähigten ihn, von Stadt zu Stadt durch das damalige römische Weltreich zu reisen und vom lebendigen Gott, der in Jesus Mensch geworden ist, zu Menschen zu sprechen. Nur aufgrund dieser Menschwerdung Gottes in Jesus kann konkret von Gott, der sich den Glaubenden zuwendet als barmherziger, liebender wie auch zürnender Gott und Vater gesprochen werden.
Diese Botschaft vom lebendigen Gott in der Person Jesus hat die Korinther beeindruckt. Vor allem Gottes konkretes Handeln in Jesus Christus für sie und an dem Menschen gewann den Glauben der Einzelnen in Korinth und schloss sie zu einer Gemeinschaft zusammen. Ganz besonders schwierig war es für Paulus, den Korinthern den Kreuzestod  Jesus als die Erlösung für den Menschen. nahe zubringen. Unermütlich predigte Paulus seinen Zuhörer, dass Gott den glaubenden Menschen durch Christus ansieht und ihn annimmt und so ihn leben und arbeiten lässt. Paulus unterstricht seinen Korinthern, was Gott ihnen als Hoffnung für ihr Leben und Sterben durch die Auferweckung Jesus von den Toten geschenkt hat. Immer wieder betonte er in seinen Predigten und Briefen den Glaubenden, was Gott an Christus für das Heil und Erlösung des Menschen getan hat. Der Geist des lebendigen Gottes selbst ist es, der Glaubende zur Gemeinschaft in Jesus Christus verbindet. Dies gilt für die Gemeinde in Korinth und für alle Gemeinden in der Welt.
Leicht war Paulus Missionstätigkeit für ihn nicht. Seine Botschaft vom lebendigen Gott wurde nicht immer angenommen, so in Athen, wo Paulus wegen der Auferweckung Jesus von den Toten durch Gott ausgelacht wurde. Er ließ sich aber nicht abhalten, den Menschen in den Städten auf seiner Missionsreise vom lebendigen Gott in Jesus zu erzählen und in ihnen den Glauben an ihn zu wecken. Paulus bemühte sich durch seine Predigten den Menschen ein neues Verständnis von Gott, von sich selbst und von der Welt geben. Zu diesem lebendigen Gott in Jesus können sich Menschen in Andacht und Verehrung wenden und von ihm Stärkung für das Leben in der Gemeinschaft erbitten. Gott in Jesus Christus ist nicht ein Gott der Toten, sondern ein Gott der Lebendigen, der den Menschen in seiner Gemeinschaft haben möchte. Gott in Jesus Christus übersteigt die Vorstellungen des griechischen Götterhimmels wie auch alle menschliche Vernunft. Die volle Wahrheit von Gott in Jesus Christus ist das Fundament des Glaubens für den Einzelnen, für die Gemeinde wie auch für die Kirche. Paulus konnte von dieser Botschaft her Anweisungen für die Lebensführung des Glaubenden geben. Ihm war es möglich, vom Fundament des lebendigen Gottes auch die Gemeindearbeit mit Predigern, Ältesten, Diakonen und Mitarbeitern zu strukturieren. Der lebendige Gott ist ein Gott der Ordnung. Sie ermöglicht sinnvolles Leben wie auch Glaubensleben und Kirchenleben.    
Paulus weiß um die menschlichen Eigenschaften in der Glaubensgemeinschaft. Nach ihm werden andere kommen und predigen und manchmal auch anders als die Botschaft von Gott in Jesus Christus besagt sprechen. Denn es wird nicht immer uneigennützig gepredigt und erbaut, sondern manchmal sehr egoistisch. Die Gemeindemitglieder werden nicht immer aus dem Glauben an den lebendigen Gott leben, sondern sich manchen faszinierenden Predigern zu wenden. Dann gibt es Streit unter den Gemeindemitgliedern. Paulus hat dies in seiner Gemeinde in Korinth erlebt. Um Paulus wie auch Apollo stritten sich die Korinther. Paulus ist auf diesen Streit nicht eingegangen. Er betonte als Maßstab seiner Arbeit das Fundament des Glaubens an die Offenbarung Gottes in Jesus Christus. An ihm ist alle kirchliche Tätigkeit, angefangen von der Predigt bis zum Dienst am Anderen zu messen. Es bleibt in der Kirche nichts verborgen. Ihre Geschichte macht deutlich, dass immer wieder vom wahren Glaubensfundament der Offenbarung Gottes in Jesus Christus abgewichen wurde. Dies hat sich bitter auf und für die Gemeinde der Glaubenden ausgewirkt. Nur vom rechten Fundament des lebendigen Gottes kann die Kirche als Gemeinschaft der Glaubenden verantwortlich in der Welt reden und handeln.  
Paulus weiß um den lebendigen Gott, der als Herrscher der Welt Gericht über alle Menschen und vor allem über seine Prediger halten wird. In ihm werden ihre Taten geprüft und verhandelt. Sie haben Rechenschaft abzulegen. In der Gerichtsverhandlung vor dem lebendigen Gott wird es herauskommen, was einer getan hat. War es so wertvoll wie Gold, oder nur Stroh? Ganz deutlich stellt Paulus Gottes Gericht im Bild des Feuers dar. Er nimmt dafür das Bild eines Goldschmiedes bei seiner Feuerprobe, der weiß, dass das Feuer das Wertvolle wie Gold, Silber und kostbare Steine aufdeckt, während die unvollkommenen Werke wie  Holz, Stroh und Schilf verbrennen lässt. So wird auch der Mensch und sein Werk auf ihren Wert hin am Gerichtstag Gottes durch das Feuer geprüft. Andere alte kirchliche Bilder für Gottes Gerichte zeigen den Erzengel Michael, der eine Waage in der Hand hält. In der einen Waagschale sitzt der Mensch und in der anderen ist seine Arbeit. Es wird ausgependelt und geschaut auf welche Seite sich das Pendel neigt.
Wer diese Feuerprobe und den Gerichtstag besteht, weil seine Werke für ihn sprechen, der wird belohnt. Der Lohngedanke gilt auch im christlichen Glauben. Gottes Dank ist dem Menschen für jedes gute Werk sicher. Wer schlechte Arbeit geleistet hat, der wird durch die Feuerprobe bestraft. Vor Gericht sind alle gleich. Es zählt nur noch der Wert der Arbeit, weil sie vom Geist des Menschen zeugen. Paulus kann aufgrund seines Gottesverständnis im Gericht vom barmherzigen Gott wie auch von Gottes Gnade sprechen. Gott wird den Menschen wegen seiner schlechten Werke durch das Feuer prüfen und ihn auf Grund seiner Barmherzigkeit wieder aus den Feuer holen und erretten  Diese Aussage ist nicht falsch zu verstehen, so als ob alles am Ende gut wird. Es wird nachdrücklich betont, dass der Mensch mit seinen Werken im Feuer ist. Er erlebt das Verbrennen seiner Werke und er erlebt die Schrecken. Werk und Person werden in der Bibel als eine Einheit gesehen. Der Ernst des Gerichtes wie auch Gottes Barmherzigkeit stellt Paulus somit heraus. Damit betont er, dass letztendlich Gott über den Menschen urteilt und nicht wir Aus diesem Grund wird bei Beerdigung für den Verstorbenen gebetet: „Gott sei ihm gnädig im Gericht und bewahre ihn zum ewigen Leben“.
Der christliche Glaube nimmt den Menschen und seine Arbeit ernst. Darum spricht er ihn auf seinen Glauben und die daraus folgenden Taten an. Gott holt den Glaubenden in seinen Dienst und lädt ihn ein, in Gottes Schöpfung zu arbeiten, sie zu gestalten und zu bewahren. Das ist das christliche Arbeitsverständnis. Durch es drücken sich die guten Taten des Menschen aus. Nur im Geist Gottes kann der Mensch am Bau des Reiches Gottes in der Welt mitwirken und durch seine Arbeit das Neue, das durch Gott in Jesus Christus in die Welt gekommen ist, zeigen. Dies wird Gott im Gericht bewerten. Was nicht aus dem Glauben an Gott geschieht ist böse und verfällt dem Gericht. Gottes Geist in Jesus Christus ist Lebens schaffender Geist, der durch die Glaubenden in der Welt  wirken will.
Amen.
    
Lieder:

440: All Morgen ist ganz neu ...
              Psalm 27, Nr. 714
              Acta 9, 1-9
198, 1: Herr Dein Wort
               Predigt: 1. Korinther 3, 9-15
288, 1-3 : Nun jauchzt dem Herren ...