Foto von aufgeschlagenen Büchern

Predigt über 1. Mose 50,7-21

Privatdozentin Dr. Magdalene L. Frettlöh

in der Evang-theol. Fakultät, Ruhruniversität Bochum

Volkstrauertag

Volkstrauertag

Die Trauer um die Toten und das Bekenntnis der eigenen Schuld 

I. 

"So brachte Josef sie zum Aufatmen und redete ihnen zu Herzen."
Liebe Gemeinde, das letzte Wort unseres Predigttextes geht buchstäblich zu Herzen. Aufatmen können, alles, was das Herz schwer macht und die Schritte müde, was unsere Hände lähmt und uns die Kehle zuschnürt, was unsere Kräfte aufzehrt und uns den Mut nimmt ... alles das abwerfen und loslassen, tief durchschnaufen und unbeschwert aufatmen können und dann Worte hören, die zu Herzen gehen. Worte, denen wir nicht nur unser Ohr leihen, sondern unser Herz öffnen, damit sie ins Zentrum unserer Person treffen. Bedachte Worte, aufmerksame, achtsame, frei machende Worte. Worte, die uns nicht kränken und verletzen, sondern trösten und so aufatmen lassen.
Erwarten wir solche Worte von einem Gottesdienst, erwarten wir sie von Gott und voneinander? Sagen wir anderen Worte, die ihnen zu Herzen gehen und sie aufatmen lassen? Liebe Gemeinde, nur wo wir noch etwas von Gott und von einander erwarten, wo wir uns die Visionen und Utopien eines friedlichen Zusammenlebens der Völker und einer gerechten Weltwirtschaftsordnung nicht abmarkten lassen, nur da werden wir auch etwas von ihrer Erfüllung erleben. Viel zu oft finden wir uns ab mit dem beschädigten Leben, geben uns zufrieden mit dem bisschen privaten Glück einer bürgerlichen Existenz oder resignieren gar und denken, dass wir ohnehin zu wenig Macht und Einfluss haben, um weltweit etwas zum Guten zu wenden. Die Bibel dagegen ist voll von großen Hoffnungsbildern des Friedens und der Gerechtigkeit. Ihr größtes heißt Auferweckung. Gerade auf das Ende des Kirchenjahres muss das helle Licht des Ostermorgens fallen, damit wir nicht verzagen.
Die Versöhnung Josefs mit seinen Brüdern möge uns an diesem Volkstrauertag zu einem Auferstehungsevangelium werden, zu einem Wort, das uns aufatmen lässt und zu Herzen geht.  

II. 

"Und nun habt keine Angst! Ich, ich will euch und eure Kinderschar versorgen."
Endlich, endlich kommt Josef bei seinen Brüdern an, erreicht er ihr Herz ... vielleicht wird Josef erst hier zum Bruder, hier, wo er den anderen Jakobsöhnen die durch eigene Schuld und äußere Not verbaute Zukunft neu aufschließt, wo ihnen seine Worte zu Herzen gehen, weil sie begreifen, dass er nicht auf Rache sinnt, ihnen nicht heimzahlen will, was sie ihm angetan haben, weil er die tödliche Spirale von Neid und Gewalt, von Angst und Hass, von Herrschaft und Unterwerfung unterbricht. Unterbrechung - das ist, liebe Gemeinde, am Ende der Josefsgeschichte die kürzeste Definition von Evangelium.
"Und nun habt keine Angst!" - das sagt einer, der weiß, was Angst heißt, wie sie einem die Kehle zuschnüren und den Atem nehmen kann. Und das sagt einer, der ebenso weiß, wie man anderen Angst machen, sie einschüchtern kann, und der darin selbst nicht gerade zimperlich war.
Es gibt Situationen, da ist es ganz klar, wer Opfer und wer Täter ist, und da darf diese Klarheit auch durch nichts verwischt und getrübt werden. Bei Josef ist das anders. Der war nicht unschuldig an dem, was seine Brüder ihm angetan haben, auch wenn das ihre Schuld nicht mindert und ihr menschenverachtendes Verhalten ihm gegenüber nicht rechtfertigt. Hochfliegende Träume hatte er gehabt, er, der vom Vater bevorzugte und verhätschelte Sohn der Lieblingsfrau, Träume von Überlegenheit und Herrschaft, auch und gerade über die eigenen Brüder, die eigenen Eltern.
Und das Verhalten des Vaters mag wohl auch das Seine dazu beigetragen haben, den Konflikt zwischen den Brüdern eskalieren zu lassen. Es blieb nicht bei Neid und Hass. (Für ihre Sympathien können Eltern nichts, nichts dafür, dass sie zu ihren Kindern je unterschiedliche Nähe und Liebe empfinden. Das ist menschlich-allzumenschlich. Aber wir können etwas dafür, wie wir damit umgehen, was wir dadurch auslösen.)
Wäre da nicht Juda gewesen, der Träumer Josef wäre elend verreckt in der Grube, in die ihn seine Brüder in der Wüste geworfen hatten, um ihn endlich loszuwerden. Nach Jahrzehnten führt Not die verfeindeten Brüder wieder zusammen - in Ägypten, wo Josef eine steile politische Karriere gemacht hat. Doch bis es zur Versöhnung kommt, ereignen sich dramatische Szenen. Es braucht Zeit, bis Josef sich seinen Brüdern brüderlich zu erkennen gibt und bis diese ihre Schuld beim Namen nennen. Es braucht Zeit, bis sie einander wirklich als Brüder begegnen und dann miteinander versöhnt je ihre eigenen Wege gehen können. Versöhnung braucht einen langen Atem - in den Familien wie zwischen den Völkern. Wir sollten darum nicht vorschnell aufgeben ...
Möglich wird die Versöhnung hier, wie so oft, erst nach dem Tod des Vaters und durch die gemeinsame Trauer um ihn hindurch.  

III. 

Mit der Trauer um den toten Vater hat es, liebe Gemeinde, eine besondere Bewandtnis. Jakob stirbt im Ausland, weit weg von dem einzigen Stück Heimatland, das er sich erworben hat, seiner Grabstätte. Gewiss, er stirbt keines gewaltsamen Todes, 'fällt' nicht auf dem Schlachtfeld des Krieges, stirbt vielmehr alt und lebenssatt, hat ausgiebig Gelegenheit, Abschied zu nehmen von Kindern und Enkelkindern, kann das Zeitliche wirklich segnen. Dennoch löst sein Tod eine große Trauer aus: 70 Tage lang trauert ganz Ägypten um ihn, den Ausländer, den Stammvater Israels. Keine offiziell verordnete Staatstrauer, aber die Totenklage einer ganzen Bevölkerung, voller Respekt vor dem Toten einer anderen Gemeinschaft. Volkstrauertage für die Toten der anderen.
Nein, Ägypten ist nicht nur das Sklavenhaus, nicht nur das Feindvolk. Hier leben Menschen, die wissen, dass unsere Menschlichkeit sich nicht zuletzt daran entscheidet, welchen Respekt wir den Toten entgegenbringen. Wie eine Gesellschaft mit den Toten umgeht, das sagt viel darüber, was ihr die Lebenden bedeuten. 40 Tage lang haben ägyptische Ärzte den Leichnam Jakobs einbalsamiert, gewiss nach allen Regeln der Kunst, aber er bekommt keine Pyramide, sondern respektiert wird sein letzter Wunsch, auf dem eigenen Grund und Boden beigesetzt zu werden. Versöhnte Verschiedenheit bis in die Trauerriten hinein.
Und dann können die kanaanäischen Dorfbewohner ihren eigenen Augen kaum trauen:
jene, die sonst mit Ross und Wagen und Waffengewalt ins Land einfielen - sie ziehen friedlich herauf in einem großen Trauerzug: Die gesamte Dienerschaft Pharaos und alle Ältesten Ägyptens geben Jakob das letzte Geleit. Und unterwegs stimmen sie noch einmal gemeinsam mit seiner Familie eine große Totenklage an: die Ägypter und die Kernfamilie Israels; vereint in einer Trauergemeinschaft: Ägypten und Israel - und, so setze ich fort: Deutschland und Frankreich, Japan und Korea, Russland und Tschetschenien, die USA und der Irak ... Und mir fallen die ehemaligen Resistance-Kämpfer ein, die in den vergangenen Jahren an manchen Orten in Frankreich Überreste von am Straßenrand verscharrten deutschen Soldaten geborgen und zu identifizieren versucht haben, um sie dann würdevoll zu bestatten. Ein Versöhnungsdienst ehemaliger Todfeinde.
Die Kanaanäer sind so beeindruckt von dieser internationalen Trauersolidarität, dass sie den Ort umbenennen. Er trägt fortan den Namen "Ägypten-Klage", Ort der Klage Ägyptens für den Israeli Jakob. Ort der Völkertrauertage für die Toten der anderen und die eigenen. Wo ist der Ort, dem andere Völker den Namen "Deutschland-Klage" geben könnten?  

IV. 

Liebe Gemeinde, auch unsere Trauer braucht Orte und sie braucht Wege:
Unsere Trauer braucht Wege, damit wir nicht auf der Stelle treten, nicht verharren und erstarren in unserem Schmerz. Wenn unser Kopf leer und uns das Herz schwer ist, dann kommt vieles darauf an, dass unsere Füße in Bewegung geraten. Wir kennen das von so mancher Beerdigung, wie wichtig es ist, ein Stück Weges hinter dem Sarg her zu gehen. Es ist der Respekt vor den Toten, denen wir Geleit geben, aber es hilft vor allem uns, den Zurückbleibenden, wieder zurück ins Leben zu finden.
Unsere Trauer braucht Wege, aber sie braucht auch Orte, an denen der haltlose Schmerz Halt findet. Orte des Gedenkens, Mahnmale, Erinnerungsstätten. Orte, an denen uns die Toten nahe sind, an denen wir von unserer Schuld sprechen können, von Versäumtem und Unterlassenem, von unserer Scham auch, von den vergangenen Hoffnungen, die wir so gern einlösen würden. Und manchmal gehören Wege und Orte ganz eng zusammen:
Dass dieser Ort "Ägypten-Klage" in unserer Erzählung nicht identisch ist mit der Grabstätte Jakobs, sondern irgendwo auf dem Weg liegt, das finde ich so tröstlich für alle diejenigen, die um das Grab ihrer Verstorbenen nicht wissen, deren Tote irgendwo verscharrt wurden, wenn sie denn überhaupt unter die Erde kamen ... Manchmal erzählt mir jemand, wie er oder sie nach Russland gefahren ist, um den Ort aufzusuchen, wo vermutlich der eigene Vater ums Leben gekommen ist. Auch wenn sich dann kein Grab mit seinem Namen auf einem Soldatenfriedhof finden lässt, so ist es doch wichtig, den Weg dorthin unternommen zu haben, einen Ort aufzusuchen, wo man von dem Menschen Abschied nehmen kann, an den man vielleicht nicht einmal eine eigene Erinnerung hat, den man aber vermisst hat, jahre-, jahrzehntelang. Einen Ort, an dem man die Klage ablegen kann über die vaterlose Kindheit und Jugend, an dem man aber auch bohrende Fragen stellen kann und darf: Warum hast du mitgemacht? Warum hast du geschwiegen? Warum hast du mich allein gelassen? Orte der Trauer, an denen Versöhnungsarbeit mit den Toten geschieht.  

V. 

Liebe Gemeinde, kehren wir auch in unserem Predigttext in die Familiengeschichte zurück: Gemeinsam haben Josef und seine Brüder den Vater beigesetzt. Sie sind denselben Trauerweg miteinander gegangen, haben denselben Ort aufgesucht, doch immer noch steht die Vergangenheit schmerzlich trennend und quälend zwischen ihnen. Die gemeinsame Trauer um den Vater hat sie noch nicht miteinander versöhnt, aber der Tod ihres Vaters hat doch etwas verändert:
Da kam es Josefs Brüdern zu Bewusstsein: Ihr Vater war tot. Da sagten sie: "Wenn Josef uns nun anfeindet und voll auf uns zurückkommen lässt all' das Böse, das wir ihm angetan haben ...?!" So richteten sie dem Josef dies aus: "Dein Vater hat uns angesichts seines Todes dies ausgerichtet: 'So sollt ihr dem Josef sagen: »Ach, trage doch das Verbrechen deiner Brüder und ihre Verfehlungen - Böses haben sie dir ja angetan. Doch nun trage du doch am Verbrechen derer, die Knechte des Gottes deines Vaters sind!«'"
Liebe Gemeinde, wir wissen nicht, ob Jakob das wirklich gesagt hat, was die Brüder als Vermächtnis des Vaters Josef ausrichten lassen. Die Bibel erzählt davon nichts. Womöglich berufen sie sich hier nur deshalb auf die Autorität ihres Vaters, weil sie darauf setzen, dass Josef seinem Vater keinen Wunsch abschlagen kann.
Wichtiger ist etwas anderes: "Ach, trage doch ..., trage du doch ...!" Die Brüder Josefs wissen, dass das, was wir anderen an Bösem angetan haben, nur aus der Welt geschafft werden kann, wenn es buchstäblich von einem oder einer Anderen aufgehoben wird, wenn jemand den Schuldiggewordenen ihre Last abnimmt, sie selbst übernimmt und trägt oder doch zumindest daran mitträgt. Vergebung ist - biblisch verstanden - stellvertretendes Tragen der Schuld. Es gibt keine Selbstentschuldung. Vergebung ist Gabe. Wir können sie uns nur schenken lassen. Wir können nur um sie bitten.
Und wer, wenn nicht Josef könnte seinen Brüdern diese Last abnehmen? Wer, wenn nicht die, an denen wir schuldig geworden sind und denen wir vieles schuldig geblieben sind, könnte uns von unserer Schuld befreien?! "Zu groß ist meine Schuld, um sie zu tragen!" klagt Kain nach dem Brudermord. Müssen wir nicht darauf hoffen, dass einst Abel seinem Bruder Kain vergeben wird, "damit es anders anfängt / zwischen uns allen"? Es gibt keine Vergebung auf Kosten der Opfer. Auch Gott vergibt nicht über die Köpfe der Opfer hinweg. Darum wird Gott selbst zum Opfer, um unsere Schuld zu tragen: "Doch in Wahrheit trug er unsere Krankheiten, und unsere Schmerzen lud er auf sich ..."
Und Josef? Nimmt er seinen Brüdern das ab, was sie ihm angetan haben, trägt er die Last ihrer Verfehlungen und ihrer Schuld?  

VI. 

"Und Josef weinte über ihre an ihn gerichteten Worte. Da gingen die Brüder selbst hin, fielen vor ihm nieder und sagten: 'Da hast du uns zu deinen Knechten!' Da sagte Josef zu ihnen: 'Habt keine Angst! Ja, bin denn ich an Gottes Stelle?
Josef weint, nicht zum ersten Mal. Die Bibel verschweigt Männertränen nicht und gibt weinende Männer nicht als 'Heulsusen' der Lächerlichkeit preis. Und Josef selbst hat es gelernt, dass er seine Tränen nicht verbergen, dass er sich nicht zusammenreißen, sich nicht selbst beherrschen muss, um in der Öffentlichkeit nicht als Schwächling da zu stehen. Er hat gelernt, zu seinen Tränen zu stehen. Auch zur Trauer gehören Tränen. Tränen, denen wir freien Lauf lassen und derer wir uns nicht schämen. Wo wir vor ungeweinten Tränen fast ersticken, da können wir nicht aufatmen.
"Wer fähig ist zu weinen, ist in der Lage, auf Herrschaft zu verzichten." Von der Herrschaft hatte Josef geträumt, von der Herrschaft über seine Brüder, ja über die ganze Familie. Von der Herrschaft wurde auch in unserem Land geträumt, von der Herrschaft des einen über alle anderen Völker. Träume voller Allmachtsphantasien, Träume der Selbstvergötzung und der Verachtung des Bruders, der Schwester in allem, was Menschenantlitz trägt. Es gibt nur Menschen, keine Herrenmenschen, keine Untermenschen. Und nun liegen Josefs Brüder vor ihm auf dem Boden, wollen seine Knechte sein. Ist Josef endlich am Ziel seiner Träume angekommen?
"Ja, bin denn ich an Gottes Stelle?!" Diese Frage, liebe Gemeinde, ist der Schlüssel zur gesamten Josefsgeschichte. Und ich finde in ihr auch den Schlüssel zum Volkstrauertag. Josef ist ein anderer geworden. Er hat den Traum von der Herrschaft über andere Menschen ausgeträumt. Er hat begriffen: Das meiste Leid zwischen den Menschen, in unseren Familien wie unter den Völkern, entsteht dadurch, dass Menschen über Menschen herrschen wollen. Josef ist ein Anderer geworden. Und er weiß, dass er dies nicht sich selbst verdankt: "Ihr nämlich habt euch gegen mich Böses ausgerechnet, Gott hat es zum Guten summiert."
Gefangen in ihrer Schuld und Angst wollen die Brüder Josefs beides sein: "Knechte des Gottes deines Vaters" und "deine Knechte". Josef hat gelernt: Das geht nicht. "Ihr könnt nicht zwei Herren dienen." Wer wirklich Gottes Knecht ist, wer Gott aufrecht dient, der und die kann sich nicht an andere Menschen versklaven, auch nicht an sich selbst. Achtung, Respekt - ja, unbedingt. Aber nicht Unterwerfung. "Ihr seid teuer erkauft; werdet nicht der Menschen Knechte!" Zu Gott zu gehören, Gott zu gehorchen, von Gott beansprucht zu sein - das macht frei von aller Menschenfurcht! "... habt keine Angst! Ich, ich will euch versorgen, euch und eure Kinderschar."
Mit diesem Versprechen lässt Josef seine ängstlich am Boden liegenden Brüder aufstehen. Sie kommen wieder auf die Beine, können aufrecht stehen und Josef erhobenen Hauptes auf Augenhöhe begegnen: Versorgung, Fürsorge, Für-einander-Dasein ohne Herrschaft, frei von Angst - ein Modell für das Zusammenleben in unseren Familien wie zwischen den Völkern.  

VII. 

"Gott hat es zum Guten summiert, um das zu tun, was heute zutage liegt: zum Leben zu bringen ein großes Volk. [...] So ließ Josef seine Brüder aufatmen und redete ihnen zu Herzen."
Liebe Gemeinde, die Geschichten unserer Familien und die Geschichte unseres Volkes sind wie in der Josefsgeschichte untrennbar miteinander verwoben. Selten wird uns das so deutlich wie am Volkstrauertag: dann, wenn wir der in den Weltkriegen gewaltsam zu Tode gebrachten Menschen gedenken, der Toten der anderen Völker und der des eigenen. Dann, wenn wir die Schuld unserer Geschichte erinnern und die Völkergemeinschaft bitten, sie uns tragen zu helfen ...
Und eben das ist als Ziel der Josefsgeschichte das Evangelium für den Volkstrauertag: Dass eine Gemeinschaft von Schwestern und Brüdern, die am Boden liegt, auf der Schuld und Scham lasten, die in sich zerrissen und voller Sorge ist, neu zum Leben gebracht wird. Dass Menschen aufatmen können, weil sie Worte hören, die zu Herzen gehen. Wir wissen, wem wir es zu verdanken haben, dass auch unser Volk neu zum Leben gebracht wurde, dass wir wie die Brüder Josefs von der Last der Vergangenheit nicht erdrückt werden, sondern aufatmen können. Gott kann Lasten in Segen wandeln. Und er will dies nicht ohne uns tun. "Ich glaube", so bekennt Dietrich Bonhoeffer, "daß Gott [...] auf aufrichtige Gebete und verantwortliche Taten wartet und antwortet". Lassen wir Gott nicht allzu lange warten!

Amen.