Foto von aufgeschlagenen Büchern

Predigt über 1. Samuel 16, 7b

Pfarrerin Carolina Baltes (ev)

06.05.2012 in der Jonakirche Essen-Heidhausen

Konfirmation

Liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden, liebe Gemeinde,

wie sähe das Facebook-Profil von Jesus aus -also, wenn der echte Jesus heute leben würde? Hätte er überhaupt eins? Wahrscheinlich schon, denn er hat ja eine Botschaft, mit der er möglichst viele Menschen erreichen will.

(Laptop auf die Kanzel holen, „hochfahren“ mit der typischen Windows-Melodie)

 

Also schaun wir mal: Wohnort: Zuhause bei Daddy, Heimat: Nazareth, in Beziehung mit - das ist schwierig, wahrscheinlich ist er Single, Nein, da steht mit allen Menschen, besonders allen schwarzen Schafen.- ja, OK ihm ist ja bekanntlich jeder Mensch gleich wertvoll; Geschlecht männlich; Sprachen: Aramäisch, Griechisch, ah auch Englisch, da steht auch noch was „Engelisch“, was das soll? Egal. Ausbildung: Zimmermann - hat er wohl von seinem Vater gelernt, Beruf: Tja, ich würde ja sagen: Prediger, Heiler. - Was steht da? Da steht Freak - Okayyyy. Arbeitgeber, das ist bestimmt einfach: ja, genau: Gott dot com, Philosophie, relig. Ansichten, Lieblingszitat: oh, da steht: Beatles: Love is all you need. Gar nicht schlecht. - Schaun wir weiter: Musik: Johann Sebastian Bach, Haarlem Gospel Singers, Hillsong United, und gefällt mir: Mattafix – Living Darfur. - Weiter: Filme: Club der Toten Dichter - kennt den heute überhaupt noch jemand? Kennt Ihr den, kennen Sie den? Okay. Und J Das Leben des Brian. Also Humor hat er, das muss man ihm lassen. Ich klick jetzt mal weiter runter: Sport: Rick Jensen Kitesurfer Okayyy, kannte ich noch nicht, da, noch ein Sportler Eccleston - Bernie, der Formel 1 Manager? Nein, da steht Mark Eccleston, Rollstuhltennis, Paralympics-Teilnehmer. Aha. Weiter; Aktivitäten: Wandern, Fasten, Beten, - wen überrascht’s? - Greenpeace, Occupy, NABU, Brot für die Welt, Ärzte ohne Grenzen, ADFC, VCD, Rettet die Eulen -mmh, J soweit ich sehe werden alle demokratischen Parteien unseres Landes genannt, und noch vieles mehr, also, das ist eine Riesen-Liste, die kann ich gar nicht alle vorlesen, das müssen hunderte von Einträgen sein. - Ah ganz unten bei Aktivitäten steht noch: KonTour-Teamer, das ist schön. Das freut mich echt. - Mal noch kurz checken: Wie viel Freunde hat Jesus eigentlich? Oh, was ist das für eine Zahl, 20 Millionen, nein 200, nein 2 Milliarden, 108 Millionen 450 Tausend 2 Hundert 12. - Mann, das ist, glaube ich, echt Rekord. -.

(Laptop zuklappen und wieder weg)

Wenn der echte Jesus ein Facebook-Profil hätte - wüssten wir damit wirklich über ihn bescheid? Ein Mensch sieht, was auf Facebook ist, nein in der Bibel im 1. Buch Samuel steht, ein Mensch sieht, was vor Augen ist; der HERR aber sieht das Herz an (1. Sam 16,7).

Was vor Augen ist, ist die Oberfläche; die gestalten wir selbst - so, wie wir von den anderen gesehen werden wollen. Das tun wir mit unserer Facebook-Seite, unserem Look, und auch mit unserem Verhalten, wo wir mitmachen, was wir cool finden. Damit wir nicht gemobbt werden, dazugehören und Anerkennung bekommen.

Das kann ganz schön anstrengend sein, Stress mit den Eltern ums Taschengeld und die Schuhe, die gerade unbedingt sein müssen. Mit Feigling trinken, weil es die anderen auch machen, obwohl man’s selber gar nicht möchte. Einen anderen zusammen mit der Clique mobben, obwohl man weiß, dass das großer Mist ist. Besser, als selber gemobbt werden.

Mit meinem Profil verberge ich mich mehr, als dass ich mich zeige. Ich retuschiere mich selbst, und heraus kommt eine Fassade aus dem, was gerade angesagt ist, hinter der ich mich verstecken kann. So bekomme ich 1000 Freunde, und meine Einzigartigkeit bleibt unsichtbar.

Andersherum ist es natürlich genauso: Ich bekomme von den anderen auch nur Oberflächen zu sehen. - Weiß ich wirklich, wer jemand ist, wenn ich lesen kann, welche Filme ihm gefallen und welche Musik? Erfahre ich nicht viel mehr von ihm, wenn ich mir einen dieser Filme erzählen lasse, und er mit Begeisterung diese oder jene Szene schildert, und was ihn dabei so berührt hat?

Menschliche Beziehungen sind vielschichtig, verwirrend und herausfordernd. Jeder von uns wünscht sich, gehört und gesehen zu werden. Wenn wir überwiegend nur digital miteinander in Kontakt treten, bleiben wir im den Klischees stecken. Aus den vielen kleinen Kommunikationshäppchen der Postings wird in der Summe keine echte Begegnung. Es entsteht nur der Schein, als wären wir nie allein. Die schnellen Antworten im Chat und auf Twitter sind oft nur leere Reflexe. Da schenkt uns niemand seine ganze echte Aufmerksamkeit. Freundschaft und Gemeinsamkeit entstehen nämlich da, wo einer Zeit und Geduld für den andern hat, dem andern ehrlich begegnet und ihn wirklich wertschätzt.

- Wir Oldies und Teamer veranstalten unter anderem genau deshalb die KonTour-Fahrt. Weil wir uns wünschen, Euch wirklich zu begegnen. Deshalb teilen wir mit Euch eine Woche lang ein Haus, unser Schloß Dreilützow, sind den ganzen Tag mit Euch zusammen, machen Programm, reden mit euch, erleben vieles gemeinsam. Weil wir euch begegnen wollen, weil wir nicht, was vor Augen ist, anschauen wollen, sondern Eure Herzen, weil wir euch auch nicht bloß unsere Fassaden zeigen wollen, sondern unsere Herzen.

Was wird sichtbar, wenn man das Herz anschaut?

Wenn einer mein Herz anschaut, dann sieht er Zweifel, Ängste, Träume, Hoffnungen; er sieht Dinge, die ich bereue, und er sieht Erinnerungen - schöne, an tolle Erlebnisse, und traurige, an schmerzhafte Erfahrungen. Wenn einer mein Herz anschaut, dann schäme ich mich vielleicht erstmal. Ich bin berührbar und verletzlich.

Etwas Zartes, Inneres von mir wird dann sichtbar, der Kern meiner Person? Ich hoffe, dann, dass der andere schaut wie Gott: mit ganz viel Freundlichkeit, mit Liebe, mit Freundschaft. Dass der andere mich so sein lässt, wie ich bin. Dass er nicht in mir rumwühlt und mir Vorhaltungen macht. Das kann ich überhaupt nicht brauchen. Sondern dass einer mich wertschätzt, und zwar obwohl er mich schon länger kennt und mitbekommen hat, dass ich auch Fehler gemacht habe und nicht immer gut drauf bin.

Vielleicht bin ich ja auch selbst bereit, den anderen mit so viel Freundlichkeit und Liebe anzusehen. Ihn nicht ständig hinbiegen zu wollen, wie ich ihn haben will; vielleicht kann ich den andern ja auch einfach so mögen, wie er ist. Auf diese Weise kann Gemeinschaft entstehen, und kann Freundschaft wachsen. Eine andere Art Freundschaft als mit den 1000 Freunden auf meiner Facebook-Seite.

Was passiert, wenn Gott das Herz anschaut?- Gott schaut mit liebevollen Augen, Gottes Auge ist ein Auge, das uns schön schaut. So hat Jesus damals die Menschen angeschaut. So hat er ihnen Gottes Liebe gebracht. So entsteht echte Verbindung zwischen mir und Gott.

Liebe Konfirmandinnen, liebe Konfirmanden,
bald seid Ihr ganz erwachsen. Ihr dürft und könnt immer mehr selbst Entscheidungen fällen und Euer Leben selbst gestalten. Dabei braucht Ihr einen Ratgeber, eine Orientierung. Was die Eltern Euch mitgegeben haben, worin sie Euch Vorbild sind, ist schön und gut, aber es hilft nur begrenzt weiter. Du bist einzigartig, dein Leben gibt es nur einmal. Es hält tausend Möglichkeiten und Chancen bereit. Und auch Heikles und Schwieriges

Der beste Ratgeber ist am Ende Dein eigenes Herz, wenn es so voller Liebe schaut wie Gott es auch tut.

Dann wirst du die richtigen Entscheidungen treffen. Wenn du hinter den Schein der Oberfläche schaust, dann wirst du entdecken, was dich herausfordert, worin du wachsen kannst, wo du gebraucht wirst, was dein Leben reich macht. Dann wirst du die Menschen, die dir begegnen, berühren, und wirst so in echter Verbindung mit ihnen leben.  - Dann zeigst du auch selbst dein Herz, den Kern deiner Person, den einmaligen Diamanten, der in dir verborgen ist und funkelt. Dann bist du ehrlich, machst dich sichtbar und kannst selber berührt werden.

Wenn du so mit dem Herzen schaust, schaust Du wie Gott: Mit Liebe, den anderen wertschätzend, unterstützend und wo nötig verzeihend. Und selbst mit dem Herzen angeschaut werden so wie von Gott und von Gott, heißt: Du bekommst Liebe geschenkt, darfst wachsen, Vergebung erfahren, miteinander verbunden und geborgen sein.

Der Mensch sieht, was vor Augen ist, der Herr aber sieht das Herz an. Dein Leben ist mehr, als was vor Augen ist, ist mehr. als die Chronik auf der Facebook-Seite zeigt. Darum wünsche ich Euch heute für Euer Leben, dass Ihr immer auf diesen freundlichen Blick Gottes vertrauen könnt. - Und wie könnt Ihr dieses Vertrauen  Gott gegenüber, Jesus gegenüber entwickeln? - Moment, dazu will ich eben noch mal nachschauen, - hier: Kontaktinformation: - Oh, das ist interessant, da steht: Überall, einfach iPhone ausschalten und Hände falten. Amen

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus, unserm Herrn. Amen