Foto von aufgeschlagenen Büchern

Predigt über 1.Korinther 15,1-11 und Matthäus 28,1-10

Pfarrerin Eva-Maria Busch (ev)

24.04.2011 in Zang

Ostersonntag 2011

Verlauf:

 

 

Orgelvorspiel…mündet  in Zang ein in den Gesang der Gemeinde: EG 99 Christ ist erstanden von der Marter alle…dabei wird die Osterkerze zur Kirche hereingetragen.

 

 

Gruß und Votum :

Christus spricht: Ich war tot, und siehe ,ich bin lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit und habe die Schlüssel des Todes und der Hölle...und: Dies ist der Tag, den der Herr macht, lasset uns freuen und fröhlich an ihm sein…

Mit diesem Wort aus dem  1.Kapitel der Offenbarung und aus Psalm 118 grüße ich Sie liebe Gemeinde, zum Gottesdienst am Ostersonntag 2011.

Besonders begrüße ich die Zanger Voices , die heute den Gottesdienst mit gestalten werden.

 

Unser Beisammensein geschehe im Namen Gottes des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

 

EG 116,1-4: Er ist erstanden...

 

Psalm 116 / 746 im Gesangbuch

Ehr sei dem Vater und dem Sohn

 

 

Eingangsgebet

Herr Jesus Christus, unser Bruder, du bist auferweckt worden am Ostermorgen. Du bist auferweckt worden aus der Nacht des Todes; dein ganzes Leben ist einziges Licht. Die Finsternis hast du überwunden. Dein Leben, das nicht getötet werden kann, setzt sich durch. Wie die Frauen am Grab, so erkennen nun auch wir, wie mächtig deine Liebe und dein Leben ist. So werden wir mutig, aufzustehen  gegen alles , was das Leben verhindert und Tod bringt. Dein Leben ließ sich nicht unterkriegen vom Tod Dein Leben und mit ihm unser Leben. Denn dein sind wir in den Tagen des Lebens und in der Nacht des Todes......

Stilles Gebet, Votum

 

 

Glaubensbekenntnis

 

Zanger Voices mit „Korn das in die Erde….“

 

Schriftlesung : 1.Korinther 15,1-11

1 Ich erinnere euch aber, liebe Brüder, an das Evangelium, das ich euch verkündigt habe, das ihr auch angenommen habt, in dem ihr auch fest steht,

2 durch das ihr auch selig werdet, wenn ihr's festhaltet in der Gestalt, in der ich es euch verkündigt habe; es sei denn, dass ihr umsonst gläubig geworden wärt.

3 Denn als Erstes habe ich euch weitergegeben, was ich auch empfangen habe: Dass Christus gestorben ist für unsre Sünden [a]nach der Schrift;

4 und dass er begraben worden ist; und dass er auferstanden ist am dritten Tage [a]nach der Schrift;

5 und dass er [a]gesehen worden ist von Kephas, [b]danach von den Zwölfen.

6 Danach ist er gesehen worden von mehr als fünfhundert Brüdern auf einmal, von denen die meisten noch heute leben, einige aber sind entschlafen.

7 Danach ist er gesehen worden von Jakobus, danach [a]von allen Aposteln.

8 Zuletzt von allen ist er [a]auch von mir als einer unzeitigen Geburt gesehen worden.

9 Denn [a]ich bin der geringste unter den Aposteln, der ich nicht wert bin, dass ich ein Apostel heiße, [b]weil ich die Gemeinde Gottes verfolgt habe.

10 Aber [a]durch Gottes Gnade bin ich, was ich bin. Und seine Gnade an mir ist nicht vergeblich gewesen, sondern ich habe viel mehr gearbeitet als sie alle; nicht aber ich, sondern Gottes Gnade, die mit mir ist.

11 Es sei nun ich oder jene: so predigen wir und so habt ihr geglaubt.

 

EG 97,1-6 : Holz auf Jesu Schulter...

 

Predigt

Liebe Brüder und Schwestern,

sie ist schmal und zierlich. Ihr schulterlanges Haar trägt sie offen. Scheu huscht sie durch den Proberaum des Chores, wieder mal viel zu spät. Die Kinder hat sie auch mitgebracht. Die spielen jetzt. Zuhause kann Gabriella sie nicht lassen. Der Mann. Er ist nicht da; fährt LKW oder Traktor. Irgendwo da im schwedischen Hinterland. Und dann sitzt er sowieso zuhause mit der Schnapsflasche.

Obwohl er seine Familie liebt. Obwohl sie ihn liebt. Und ihm alles verzeiht, immer wieder: Die Schläge, die blauen Flecken, die blutige Nase. Er ist eben so. Und sicher liegt es ja nur an ihr selbst. Bestimmt ist sie schuld an seinem Jähzorn; na ja, sie geht eben zu viel in die Chorproben. Vielleicht trinkt er völlig zu Recht und sie ist ihm eine schlechte Frau.

 

Und dabei singt sie doch so gerne. Und ihre Stimme ist schön. Man hört es nur nicht gleich. Sie ist zu zaghaft, zu leise….das Leben hat sie kleingekriegt, hat sie fast verstummen lassen.

 

Doch hier im Cor darf sie sein. Hier wird sie gesehen.

Sie hört die Musik- nein die Musik in der Musik, die Töne, die nicht mehr nur Töne sind, die Melodie die mehr ist als Noten und Taktstrich.

Sie hört und singt und der Himmel berührt die Erde und der Raum wird so frei, wird zum Lebensraum in dem sie sein darf. Sie ist, wie sie ist und es ist gut so. Fernab von einem schlagenden Mann, weit weg von Selbstzweifeln und Ängsten…hier keimt für sie neues Leben; neues Leben das wächst, Woche für Woche, Tag für Tag. Und ihre Angst wird kleiner und ihr Mut immer größer; nein, nichts mehr hinnehmen, wie es ist, nein, ich bin nicht schuld, nein, ich bin doch etwas wert, nein, ich werde mich wehren und ich werde ihn lieben aber ich kann ihm nicht helfen…

Und dann Gabriella singt ihr Lied, kann es singen, denn stumm- das ist sie nicht mehr:

 

Chor: Gabriellas song ( aus dem Film: “Wie im Himmel“)

Jetzt gehört mein Leben nur mir

Kurz ist unsre Zeit hier auf Erden.

Meine Sehnsucht trug mich hierher.

Was mir fehlte, das fand ich nun.

Ich erwählte mir meinen Weg,

mein Vertrauen ruht unter Worten

und ich sah schon ein kleines Stück

von dem Himmel, den ich such!

Ich will leben, Leben spüren jeden neuen Tag!

Ich will leben, wie ich will!

Ich will spüren, dass ich lebe, wissen: Ich bin gut genug!

Nein ich hab mein Selbst nie verlorn.

Nein ich hab es nur schlummern lassen.

Vielleicht hatt ich nie eine Wahl,

doch ich will, will leben.

Ich will glücklich sein,

will so sein, wie ich bin,

um ganz frei und stark zu sein, den Tag sehen, der beginnt.

Ich bin hier, und ich gehe meinen Weg!

Und der Himmel, den ich such, den find ich irgendwo!

Ich will spüren, dass ich leben kann!!!!

 

Jetzt gehört mein Leben nur mir…ich will leben, Leben spüren, jeden neuen Tag, ich will leben wie ich will…

Pures Glück in schwedischen Hinterland- ein Frühlingsvogel auf der Spitze eines Baumes….Aufbruch.

Neu sein…Altes hinter sich lassen…es ist so schön, so herzergreifend.

 

Eine Geschichte aus dem Kino; überschrieben mit dem Titel „Wie im Himmel“.

Eine Geschichte, wie andere Geschichten auch; aber was hat das mit mir zu tun?

Mit Dir? Mit uns?

Wir hören Worte aus dem 28.Kapitel des Matthäusevangeliums:

Matthäus 28

1 Als aber der Sabbat vorüber war und [a]der erste Tag der Woche anbrach, kamen Maria von Magdala und die andere Maria, um nach dem Grab zu sehen.

2 Und siehe, es geschah ein großes Erdbeben. Denn der Engel des Herrn kam vom Himmel herab, trat hinzu und wälzte den Stein weg und setzte sich darauf.

3 Seine Gestalt war wie der Blitz und [a]sein Gewand weiß wie der Schnee.

4 Die Wachen aber erschraken aus Furcht vor ihm und wurden, als wären sie tot.

5 Aber der Engel sprach zu den Frauen: Fürchtet euch nicht! Ich weiß, dass ihr Jesus, den Gekreuzigten, sucht.

6 Er ist nicht hier; [a]er ist auferstanden, wie er gesagt hat. Kommt her und seht die Stätte, wo er gelegen hat;

7 und geht eilends hin und sagt seinen Jüngern, dass er auferstanden ist von den Toten. Und siehe, er wird vor euch hingehen nach [a]Galiläa; dort werdet ihr ihn sehen. Siehe, ich habe es euch gesagt.

8 Und sie gingen eilends weg vom Grab mit Furcht und großer Freude und liefen, um es seinen Jüngern zu verkündigen.

9 Und siehe, da begegnete ihnen Jesus und sprach: Seid gegrüßt! Und sie traten zu ihm und umfassten seine Füße und fielen vor ihm nieder.

10 Da sprach Jesus zu ihnen: Fürchtet euch nicht! Geht hin und verkündigt es meinen [a]Brüdern, dass sie nach Galiläa gehen: Dort werden sie mich sehen.

 

Noch eine Geschichte.

Spielt am anderen Ende unserer Welt.

Überschrieben: Die Auferstehung.

Ich denke, wenn ich sie lese, dabei an die Auferstehung der Toten ja, die ich erhoffe und die ich predige an den Gräbern drüben am Friedhof. Dass der Tod nicht das letzte Wort hat, dass unsere Verstorbenen ein neues Land finden, das  freilich unserem Zugriff entzogen ist- das hoffe ich dabei. Mögen sie in Frieden- nein- nicht ruhen- sondern leben.

 

Ich denke aber auch ans Aufstehen im Land dieses Lebens jetzt.

Auferstehung und Aufstehen- das gehört für mich zusammen. Hier und jetzt und heute. Ich denke an Menschen wie Gabriella, die aufgestanden sind aus dem Grab ihres täglichen Elends, die neues Leben wagen.

Die Erzählung von der Auferstehung Jesu und seiner Erscheinung in der Provinz Galiläas.... Die Geschichte Gabriellas ,die aufgestanden ist mitten im garstig kalten Norden Schwedens.

Sie gehören doch zusammen.

So viele aber, liebe Brüder und Schwestern, stehen nicht auf:

In Galiläa nicht und nicht in Schweden- und nicht neben mir und dir, schau dich um:

Der Mann, an Krebs erkrankt, den sein Alter und seine Einsamkeit zu Boden drückt, so sehr, dass er sich das Leben nimmt. Ich will so nicht leben, sagt er leise….Die Frau, die in Depressionen versinkt, anstatt sich von ihrem gewalttätigen Mann zu trennen…ich hatte solche Angst vor ihm, gesteht sie später einem Arzt…. Das Mädchen, das in Alkohol und Drogen ihr Heil sucht, ohne Aussicht auf Schulabschluss und Beruf…mir doch egal, was aus mir wird, fährt sie die Lehrerin an….der Junge, dem die Scheidung seiner Eltern noch in späten Jahren eine tiefe Wunde geschlagen hat…ich kann nicht vertrauen, sagt er, ich habe Angst vor Beziehungen….

So viele sind verstummt und können das Lied der Hoffnung nicht mehr singen und haben die herrliche Melodie des Lebens verlernt. Stehen nicht auf, bleiben liegen.

 

Da ist nur der Gang zum Grab der Hoffnung und Furcht und Entsetzen vor der Zukunft.

 

Die zwei Frauen am Grab des Ostermorgens haben nur den Tod vor Augen. Das Ende einer gemeinsamen Wegstrecke, Schlusspunkt ihrer Geschichte mit dem Nazarener, ja, den Tod einer großen Liebe. Was kann da schon bleiben! Nur ein Begräbnis. Nur Erinnerungen!

Nichts weiter.

 

Gabriella hat nur die harten Fäuste ihres Mannes vor Augen. Was kann sie schon tun?

 

Und dann trifft die beiden Frauen das Wort des Engels: Er ist nicht hier, er ist auferstanden….Ihr seid am falschen Platz!

 

Und dann trifft Gabriella den neuen Chorleiter, der ein Lied für sie schreibt. Sing das, du kannst das, deine Stimme ist so schön!

Da ist doch noch Leben in dir. Schau nicht auf das, was du in deiner Ehe bisher verloren hast; Begrabe deine Träume nicht und deine Sehnsüchte…komm weg aus dem kümmerlichen Leben, das du führst. Du bist so viel mehr wert.

 

Den Frauen wird es zugerufen: Gott will Leben, steht auf, sagt es, lebt es, gebt es weiter….und dann laufen sie, um es den Freunden zu sagen, die das Kreuz noch niederdrückt ,die  noch im Grab ihrer Hoffnungen und Träume sitzen.

 

Und Gabriella wird hineingenommen in den Schutzraum des Chores und Frauen sind da, die sie begleiten, auffangen, ernst nehmen, ermutigen….

Auf dem Weg hinauf nach Galiläa begegnen sie dem Auferstanden wieder.

Nein, er ist nicht tot. Er lebt. Er ist mitten unter ihnen. Und er weist sie an die, die diese Botschaft brauchen.

Geht und verkündet es den Brüdern und Schwestern!

Denn: Niemand kann alleine aufstehen, den Todesmächten die Stirn bieten auf Dauer.

Es braucht Botinnen und Boten des Lebens. Auf den Strassen Galiläas, in Schweden neben dir und neben mir.

 

Und die  müssen keine Engel sein; die müssen nicht immer von Hoffnung erfüllt sein und vielstimmig und herrliche singen können wie ein Frühlingsvogel vom Leben. Die kann sogar Furcht und Zittern ankommen. Wenn sie nur auf dem Weg bleiben vom ich zum Du, wenn sie nur das Land der Gemeinschaft suchen:

Wenn wir uns gemeinsam vor der Zukunft fürchten, können wir darüber reden und vielleicht findet jeder von uns wieder jenen Funken Hoffnung und Leben in sich, der jedem Menschen von Geburt an eigen ist

Wenn wir gemeinsam vor dem Krebs, der in dir wuchert Angst haben, wirst du nicht verzweifeln daran. Ich werde bei dir sein und deine Hand halten und dich auch begleiten, bis deine Reise zu ende ist. Du bist nicht allein.

Wenn wir gemeinsam nach einer Lösung suchen für deinen Schulabschluss, finden wir doch etwas, gib die Hoffnung nicht auf, die doch noch tief in dir schlummert.

Wenn wir gemeinsam aufarbeiten, was dir Wunden geschlagen hat im Leben, werden sie vielleicht ein wenig besser heilen…komm erzähle, ich höre zu.

Wenn du und ich einander die Furcht sagen, lässt sich die Angst besser tragen. Wenn du und ich gemeinsam zittern, wird es  vielleicht warm in aller Kälte dieser Welt. Wenn du und ich wenn wir uns gegenseitig beim aufstehen helfen, muss doch keiner am Boden bleiben.

 

Liebe Brüder und Schwestern,

Die Geschichte aus Palästina ist so gut die unsere wie die Geschichte aus Schweden:

Menschen können aufstehen.

Das gibt es.

Manche, weil Gott sie ruft :Im Gebet, einem Liedvers, einem zufällig gehörten Wort.

Mache aus eigener Kraft, weil sie –vielleicht wie ein Samenkorn noch genügend Keimkraft –noch genügend Liebe in sich haben.

Und mache brauchen Botinnen und Boten des Lebens, die diese Liebe zeigen, bringen, erfahrbar machen inmitten ihrer Todeserfahrungen.

 

Egal ob uns der Weg nach Galiläa oder Schweden führt…wir sind gewiesen an den Auferstandenen, nicht an den Toten.

Wir sind gewiesen, einander die frohe Botschaft zu bringen:

Christus lebt und mit ihm darfst auch du leben. Der Tod hat nicht mehr das letzte Wort. Steh auf!  Amen.

 

 

Lied nach der Predigt:

EG 551,1-6 (Achtung: Der Refrain wird immer nach 2 Strophen gesungen!!! Also: 1 und 2-Refrain, 3 und 4-Refrain, 5 und 6-Refrain).

 

 

 

Schlussgebet

Gott, mein Vater, Liebhaber alles Lebendigen,

ich rühme d eine Kraft und deine Güte, die größer sind als alles ,was ich verstehe und erkenne. Du hast meinen Bruder Jesus Christus aus dem Tode gerufen. Du willst mich- du willst uns alle zu seinen Gefährtinnen und Gefährten machen.

Weck uns auf aus dem Schlaf der Sicherheiten, löse uns aus der Komplizenschaft mit dem Tod, der so viele Gesichter trägt. Ermutige uns zu geduldigem Widerstand gegen alles ,was das Leben behindert und bedroht .Lass uns die Erinnerung lebendig halten an den Auferweckten und seine Liebe.

Lass uns zu Boten werden, die den Sieg des Lebens und die Gewissheit der Hoffnung in die Welt und unter die Menschen bringen. Bringe uns in Bewegung. Schenke unseren Worten Kraft und verbinde uns in der Liebe, die du uns bewiesen hast im Leiden wie im Auferweckt werden........

Vaterunser

 

 

EG 100,1-4 : Wir wollen alle fröhlich sein

 

 

Abkündigungen

 

Segensbitte 564,1-3 nur in Zang

 

Segen und  dreifaches Amen

 

Zanger Voices mit  “Swing low..” nur in Zang

 

 

Orgelnachspiel