Foto von aufgeschlagenen Büchern

Predigt über 2. Korinther 8,9

Wolfram Braselmann (ev.-luth.)

29.12.2013 in Münchehagen und in Loccum

Liebe Gemeinde!

Vor euch steht dieser Weihnachtsbaum: Aber es ist ein Weihnachtsbaum, der schon ein anderes Aussehen hat als die Weihnachtsbäume, die wir in diesen Tagen im Wohnzimmer stehen haben. Wir haben nämlich mit den Kollegen in der Region abgesprochen, dass wir im Gottesdienst nach Weihnachten, den wir in Loccum gemeinsam gestalten, uns daran erinnern wollen, wie das Weihnachten früher in unseren Dörfern war, was für Sitten es damals noch gab, und welche Traditionen , die inzwischen vielleicht schon längst vergessen sind.

Und als ich im Frauenkreis davon erzählte, und danach fragte, wie das Weihnachten früher war, da haben die Frauen davon erzählt, von Weihnachten früher, und Frau Ilse Eberhardt hat gesagt: So einen Weihnachtsbaum, wie er früher war, so einen Baum mache ich für diesen Gottesdienst fertig, und weil es schade darum wäre, wenn wir den Baum nur am Sonntag in Loccum sehen würden, habe ich ihn auch heute schon in unseren Gottesdienst mitgebracht, und deshalb sehen wir ihn auch heute hier.

So waren die Weihnachtsbäume früher, wir können uns das genau ansehen, und auch sehen, was fehlt, wenn wir den Baum mit den Weihnachtsbäumen heutzutage vergleichen: Kein Lametta, das gab es damals bei uns noch nicht, keine bunten Kugeln, erst recht nicht jedes Jahr in der neuen modernen Farbe, wer hätte das schon bezahlen können, für ein paar Tage im Jahr. Auch keine besonderen Bäume, Nordmannstannen oder so etwas, eine ganz normale Fichte aus dem Wald, etwas Besseres hatten wir nicht. Und ich sage, wie es war: Die Männer gingen an einem Abend vor Weihnachten in den Wald, schlugen dort einen Baum, den Förster haben sie nicht gefragt. Und wenn sie dann mit dem Baum kamen, dann schlugen die Frauen oft die Hände über dem Kopf zusammen: So krumm, so klein, ohne Spitze, mit Lücken am Stamm: Etwas Besseres hatten wir nicht. Dann wurde der krumme Stamm etwas gerichtet, mit einer kleinen Leiste, in der Lücke ein kleines Loch in den Stamm gebohrt und ein Zweig eingesetzt, und dann, dann war es eben ein richtiger schöner Weihnachtsbaum: Etwas Besseres hatten wir nicht.

Und der Schmuck: Ihr seht es ja: Ein paar richtige Wachskerzen, man konnte nicht einfach eine Lichterkette einschalten. Ein paar Kekse, selbstgebacken, aus der Blechdose, Watte statt Engelshaar, Äpfel aus dem Garten: der rote Boskoop, der sich im Keller bis zum Januar hielt, Sterne aus Papier, und Nüsse, auch aus dem Garten: Das war die ganze Herrlichkeit, und es war damals ein wunderschöner Baum, etwas Besseres hatten wir nicht.

Und oft kamen dann an den Baum die Geschenke: Neue Zopfspangen für die Mädchen, die selbstgestrickten Socken für die Jungen, für den Vater eine neue Krawatte: So ganz viel mehr war das früher nicht, und doch war Weihnachten. Etwas Besseres hatten wir nicht, und es war wunderschön.

Und manchmal denke ich: Vielleicht haben wir heute Weihnachten viel zu viel, Viel zu viel Schmuck, viel zu viel Sachen, überhaupt viel zu viel, um zu verstehen, was Weihnachten ist.

Denn als ich mir den Weihnachtsbaum ansah, er hat ja ein paar Tage in unserm Gemeindehaus gestanden, da habe ich gedacht: Ja, eigentlich legt uns dieser Baum , so, wie er ist, ganz gut aus, was Weihnachten ist, die ganze Weihnachtsgeschichte.: Als nämlich Er, Gott der Herr, zu uns kam, damals, Weihnachten: Was hatten wir da schon: Einen Stall, windschief und baufällig. Etwas Besseres hatten wir nicht. Eine Futterkrippe, die wahrscheinlich auch schon aus dem Leim ging. Etwas Stroh, Heu, ein paar Windeln: Etwas Besseres hatten wir nicht.