Foto von aufgeschlagenen Büchern

Predigt über 2. Korinther 9, 6-15

Ulf Rödiger (ev)

03.10.2010

Predigt zum Erntedankfest 2010 Predigttext:

Wie Christen geben sollen

6 Ich bin davon überzeugt: Wer wenig sät, der wird auch wenig ernten; wer aber viel sät, der wird auch viel ernten.

7 So soll jeder für sich selbst entscheiden, wie viel er geben will, und zwar freiwillig und nicht aus Pflichtgefühl. Denn Gott liebt den, der fröhlich gibt.

8 Er wird euch dafür alles schenken, was ihr braucht, ja mehr als das. So werdet ihr nicht nur selbst genug haben, sondern auch noch anderen von eurem Überfluss weitergeben können.

9 Schon in der Heiligen Schrift heißt es ja von dem Mann, den Gott reich beschenkt hat: "Großzügig schenkt er den Bedürftigen, was sie brauchen; auf seine barmherzige Liebe kann man immer zählen."

10 Gott aber, der dem Sämann Saat und Brot schenkt, wird auch euch Saatgut geben. Er wird es wachsen lassen und dafür sorgen, dass eure Opferbereitschaft Früchte trägt.

11 Ihr werdet alles so reichlich haben, dass ihr unbesorgt weitergeben könnt. Wenn wir dann eure Gabe überbringen, werden viele Menschen Gott dafür danken.

12 Eure Gabe hätte demnach zwei gute Auswirkungen: Sie wäre nicht nur eine Hilfe für die notleidenden Christen in Jerusalem, sie würde auch bewirken, dass viele Menschen Gott danken.

13 Durch eure Unterstützung zeigt sich, wie sich euer Glaube bewährt. Dann werden die Beschenkten Gott loben, weil ihr euch so treu zur rettenden Botschaft von Christus bekennt und so bereitwillig mit ihnen und mit allen anderen teilt.

14 Sie werden für euch beten und wären gern mit euch zusammen, weil sich an euch die Gnade Gottes auf so wunderbare Weise gezeigt hat.

15 Wir aber danken Gott für seine unaussprechlich große Gabe.

                                         2. Kor. 9, 6-15 Übersetzung : „Hoffnung für alle“

 

 

Gnade sei mit uns und Frieden von Gott...

 

Liebe Gemeinde

 

Eckart von Hirschhausen erzählt in seinem Bühnenprogramm „Glück kommt selten allein“, dass es manchmal nur Kleinigkeiten sind, die unser  Glücksempfinden radikal beeinflussen können. Beim Thema Geld zum Beispiel erinnert er sein Publikum an die Zeit der „Münzfernsprecher.“

Wissen Sie noch, wie wir da alle in das Wechselgeldfach  hineingeschaut haben und uns freuten, wenn da noch 10 Pfennige drin lagen?

Heute gibt´s das nur noch auf Autobahntoiletten. Da gibt es welche, die geben einen für die 50 Cent Eintritt, einen Wertbon zum anschließenden Einkauf in Shop der Raststätte.

Können sie sich vorstellen, wie glücklich meine Kinder sind, wenn da einer vergisst seinen Wertbon mitzunehmen?  

Die Psychologie hat in diesem Zusammenhang ausprobiert was dieses Glücksgefühl für die Hilfsbereitschaft der Leute ausmacht. So hat man festgestellt, dass viermal so viele Leute hilfsbereit reagieren, wenn sie zuvor eine Münze auf der Straße gefunden haben, als ohne dieses Glück zuvor.

Hirschhausens Vorschlag deswegen:

Ab und an mal ein Geldstück auf den Gehsteig schmeißen.

Uns tut das nicht weh, und andere ist wenigstens eine Weile lang glücklich!

 

Mit dieser kleinen Geschichte erzählt uns Hirschhausen im Grunde genommen das Gleiche, was auch Paulus uns nahe legt. Er will die Korinther überreden für die in Not geratene Jerusalemer Gemeinde Geld zu sammeln.

Über Geld sprechen wir nicht gern, den Geld haftet immer der Geruch des Anstößigen an.

Geld verdirbt den Charakter heißt ein Sprichwort in diese Richtung.

Hirschhausen dagegen sagt:

„Geld verdirbt nicht den Charakter, es macht ihn nur deutlich“

 

Das finde ich einen schönen Satz auch für unseren Briefabschnitt. Denn Paulus macht es in ihm tatsächlich zu einer Charakterfrage wie wir mit Geld umgehen, oder noch genauer gesagt macht er es zu einer Glaubensfrage aus der ein bestimmter Charakter, also eine bestimmte Gesinnung entspringt.

Das schöne daran ist, das er nicht mit einer Drohung, oder moralischen Anweisung daherkommt. „Wenn ihr rechte Christen sein wollt, dann habt ihr gefälligst zu teilen!“

Nein, so argumentiert er gerade nicht.

Stattdessen nutzt er die Sprache der Erfahrung und der Verheißung: „Wer viel sät, wird viel ernten.“ und „Gott wird euch … alles schenken, was ihr braucht, ja mehr als das.“

 

Vor der Aufforderung zu geben steht die Aufforderung sich immer wieder darauf zu besinnen, was wir selbst in unserem Leben alles geschenkt bekommen haben. Darum brauchen wir ein solches Fest, wie das Erntedankfest.

 

An den Tagen an denen es uns gut geht, an denen uns alles gelingt was wir uns vorgenommen haben, und an denen sich alle Dinge zu Besten fügen, ist es nicht besonders schwer, sich als von Gott beschenkter Mensch zu fühlen.

Da hat Hirschhausen mit seiner kleinen Geschichte schon Recht. Egal ob wir es nun „Lebensglück“ nennen oder „Gottesgeschenk“ das Gefühl reich beschenkt zu sein, öffnet uns das Herz.

 

Schwierig wird es erst, wenn alles ganz anders kommt. Wenn die Dinge nicht so sind wie sie sein sollten, wenn wir ohnmächtig erleben müssen, wie uns großes Leid überfällt oder wie wir nichts mehr „eben mal so“ auf die Reihe bringen. 

Wenn uns immer stärker das Gefühl beherrscht: „Mir wird gar nichts geschenkt, ich muss mir alles selbst erkämpfen.“

Dann wird das Herz eng, und das Gefühl keine Kraft mehr zu haben, nun ausgerechnet noch an Andere zu denken, ergreift Besitz von uns.

Ich denke, wir spüren schon ganz deutlich, dass diese Engführung uns ärmer macht. Ärmer an Freude am Leben, ärmer an wärme durch Mitmenschlichkeit und ärmer an dem Gefühl heiterer Gelassenheit.

Das Leben im „Schützengraben der Selbstverteidigung“ ist sehr anstrengend. 

Aber wie kommt man da wieder raus, ohne sich selbst etwas vorzumachen?

Denn das ist ja das große Problem. Ohne Gott, bin ich immer wieder nur auf mich allein gestellt. Dann kann ich beginnen mit mir selbst zu verhandeln. „Also den anderen geht’s noch besch… als mir. Ich bin ja selber schuld, was stelle ich mich auch so an..“

Das kann helfen, hat allerdings immer die Gefahr des unfrommen Selbstbetrugs.

 

Andererseits gibt es auch den frommen Selbstbetrug. Er tritt immer dann ein, wenn ich mir nur vormache, Gott wäre ein großzügiger und schenkender Gott ohne es tatsächlich auch zu spüren.

Denn dann kommt ganz schnell wieder das ins Spiel was Paulus Pflichtgefühl nennt.

„Eigentlich spüre ich gerade nur sehr wenig von Gottes Gnade und Geschenk an mich, aber das darf ich gar nicht hoch kommen lassen, das gehört sich nicht.“

Hier lohnt es sich noch einmal daran zu erinnern, das Paulus nicht umsonst das Bild von Saat und Ernte nutzt.

 

Gott aber, der dem Sämann Saat und Brot schenkt, wird auch euch Saatgut geben. Er wird es wachsen lassen und dafür sorgen, dass eure Opferbereitschaft Früchte trägt.

 

Es gibt in unserem Leben offensichtlich immer wieder Zeiten, in denen wir nur hoffen können, dass Gott seinen Geist und seine Stärke in uns legt wie in ein saatbereites Feld.

Es gibt Zeiten in unserem Leben, da liegen wir brach und können nur darauf warten und darum bitten, dass Gott so ein kleines Samenkorn: Freude, Glück, Zuversicht, oder auch  Gelassenheit in uns legt, damit es Stück für Stück wachsen kann.

Dabei spielt es durchaus eine Rolle, ob wir wirklich zur Saat bereit sind.

Martin Luther sagt, es beginnt alles mit den kleinen Dingen.

Die Freude, dass die Sonne jeden Tag aufgeht, auch hinter Wolken. Ein bewusster Atemzug und das spüren, es gibt sie noch die Luft um uns. Ein Schluck klaren Wassers.

 

Selbstverständlichkeiten und doch Zeichen der Liebe Gottes zu uns. 

 

Im übertragenen Sinne finden wir täglich dutzende 10 Pfennig Stücke. Die machen noch kein Vermögen aus und reichen selten für ein  ganzes Leben voller Dankbarkeit, aber sie sind ein Anfang.

 

AMEN