Der Predigtpreis - Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG

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Predigt über 4. Mose 22,1-8,21-25;23,11-13

Pastor Gerd Ballon

in der Freien Evangelischen Gemeinde München-Unterföhring

Bileam und seine Eselei

- Eine Predigt in Versmaß -

Was erinnert uns stärker an Wohlstand und Glück,
was vergoldet und stärkt jedes Landmannes Blick,
wenn er im Sommer nach viel Arbeit und Schweiß
seine Felder bestellt und bearbeitet weiß;
und wenn dann sein Auge genießerisch sucht
nach der Kornfelder Weite in Reife und Frucht.

Da geht ihm das Herz auf, und, wie der Hahn auf dem Mist,
lobt er Gott, falls ein gläubiger Landwirt er ist.
Denn was hülfen ihm Dünger, Pestizide und Saat,
wenn der Himmel nur Trockenheit übrig hat.
Das gäbe ein Jammern bei allem Hantieren,
und am Ende würde er alles verlieren.

Kornfelder gibt es seit Menschengedenken
drum möchte ich Eure Gedanken nun lenken.
Einen Acker will ich vor die Augen euch stellen,
umgepflügt ist er schon, doch mit Bodenwellen.

So, liebe Gemeinde - ich gestehe es frei -
so sollt sie beginnen, die Reimpredigt drei.
Doch haben die Dinge dann anders gewaltet,
Letzen Sonntag hab ich's dann in Prosa gestaltet.

Inzwischen hatt' mich gefangengenommen -
nicht der Hund, auf den Esel bin gleich ich gekommen.
Ein solches Grautier lasst uns heut' morgen begleiten.
Es wird uns noch eine Erkenntnis bereiten.

Nun - in 4. Mose 22 - Ihr wisst, wie's da steht:
dieser Esel ist und desgleichen beredt.
Jedoch der, der ihn füttert und reitet ist dämlich,
und - im entscheidenden Augenblick recht beschämlich.

Doch halt - eine Erläuterung schließ ich noch an -
das Reimen erklärt sie, macht das Versmaß bewusst,
damit auch der Letzte verstehen dann kann,
wo der Reim wirklich sich reimt und worauf alles fußt.

Zu Beginn des Gedichtes, da reimt es sich gut:
Zeile eins passt zu zwei; drei und vier sind verbunden.
Doch schon jetzt änderte sich's - darum sei auf der Hut.
Zeile eins hat die drei, Zeile zwei vier gefunden.

Und um Euch nun zu Anfang total zu verwirren,
wird fortab jeder Vers nur sechszeilig gestrickt.
Das Reimwort zur ersten Zeile wird finden,
wem's gelingt, Zeile sechs in Gedanken zu binden.
Zeile zwei passt zu fünf - Ihr habt recht - s'ist verrückt.
Aber drei und vier reimt sich - lasst Euch nur nicht beirren.

Doch genug nun des Vorspanns -
lasst uns sehn, was passiert,
wenn der Esel die Lorbeeren einkassiert.

Das Volk Israel ist in Kanaan eingefallen
und hat aramäische Städte geschliffen.
Davon hat König Balak aus Moab gehört,
und den hat die Nachricht empfindlich gestört,
denn der König ist klug und hat sofort begriffen,
dass gar bald der Feind hat sein Volk in den Krallen.

Verständlich doch, dass er nach Abhilfe sucht.
Irgendwer muss in den Weg sich hier stellen.
Diesem Gottesvolk Israel darf man nicht trauen.
Nicht genug ist getan, feste Mauern zu bauen;
nicht genug, Steine von Katapulten zu schnellen,
hier muss einer sagen: "Dieses Volk sei verflucht!"

Gut, dass als Nachbarn er Bileam findet,
einen Heiligen von der besonderen Art,
der sich trefflich aufs Segnen und Fluchen versteht:
was der segnet, das blüht; wem er flucht, der vergeht.
Seine Bitte an Bileam: "Übernimm Deinen Part,
damit dieses Volk von Nomaden verschwindet."

Während Bileam den Esel zur Reise belädt,
erinnert er sich an die vergangene Nacht:
Gott hat ihm da jegliches Fluchen verboten.
Und so macht er ins Taschentuch sich einen Knoten:
"Bileam - kurz "Bili" - du Sohn Beors, hab acht,
dass hier ja keiner die Israeliten verrät!"

Gott kennt die Vergesslichkeit der Kreatur.
Sein Zorn über "Bili" ist durchaus nicht verflogen.
Als die Eselin mit Bili einen Hohlweg durchquert,
schickt seinen Engel er hin, der den Durchritt verwehrt.
Der Esel bricht aus, Herrchen sieht sich betrogen,
und denkt zornig gleich: ‚Ja, was hat die denn nur?'

Als sich das mehrfach hat zugetragen,
so dass der Reiter verletzt wird an Steinen und Mauern,
da zeigt Bileam seine wahre Natur:
er verprügelt die Eselin - doch die bleibt stur;
und sie spricht ihn jetzt an in vollem Bedauern:
"Pass du nur auf, Du, gleich wirst Du vom Engel geschlagen."

Da erschrickt Bileam, denn Gott öffnet die Sicht;
und beschämt neigt er sich und bekennt: "Ich kehr um!"
"Nein, bleib da!" spricht der Engel und weist ihm die Spur,
"Großer Bileam, geh Du zu Balak jetzt nur.
Doch Dein Auftrag gereicht ihm und Dir nicht zum Ruhm.
Und sag Du nur das, was Gott selbst zu Dir spricht."

Als man Balak von Bileams Ankunft berichtet,
freut sich der, denn er hofft, dass sein Schachzug gelingt.
Als dann Bileam ihm seine Botschaft vermittelt,
geht's ihm schlecht; und betroffen und durchgeschüttelt
sucht er ein Wort, das den anderen zwingt,
damit der dann doch noch die Fluchbotschaft dichtet.

Bileam tut's, doch statt des Fluchs wird's ein Segen.
"Versuch's noch einmal!", reagiert Balak bange.
Drei neue Versuche erfolgen sodann,
doch Bileam ist ein geschlagener Mann:
er ist Gott verpflichtet, er sitzt in der Zange.
Fluchworte kann er beiseite legen.

Und ungewollt wird der Feind hier zum Segen.
Balak macht sich resigniert aus dem Staube.
Für sein Volk hat Gott hier einen Sieg wohl errungen,
denn der Fluchende segnete notgedrungen.
Wir erleben es mit: auch hier siegt der Glaube.
Das Volk Gottes geht auf bewahrenden Wegen.

Soweit nun verfolgten wir diese Geschichte;
mancher kannte vielleicht das Ergebnis auch schon.
Diese Eselin wollten wir gerne begleiten.
Sie sollte uns eine Erkenntnis bereiten.
Und ich glaube, wir haben noch etwas davon,
wenn wir aufmerksam bleiben am Predigtgedichte.

Das Erste, was uns in die Augen hier springt,
ist dies: Gott hat sein Volk gut geleitet.
Damals und heut' mit den Nachbarn im Streite,
doch immer noch hat dies Volk Gott zur Seite.
Auch wenn aktuell viel Kritik es begleitet -
Es ist Liebe, mit der Gott um Israel ringt.

Diese Leibe darf beispielhaft auch uns erfassen;
gerade jetzt sind die Freunde für Israel rar.
Das heißt auch, für Kritik einen Raum freizumachen,
und das Recht sowohl hier als auch dort zu bewachen.
Denn seht: Gottes Wort macht uns allen ganz klar,
weder Juden noch Palästinenser zu hassen.

Das andere, was uns die Eselin lehrt,
das hat sie am eigenen Leib so erfahren:
Wo Gott durch den Engel den Weg mir verstellt,
da komm' ich niemals durch, um nichts in der Welt.
Andernfalls nur - an den eigenen Haaren
ins Unglück - und das wäre immer verkehrt.

Aber leider ist uns zu oft schrecklich klar,
was gerade zu tun und zu lassen hier sei.
Ständig reden wir Unsinn und salbateren hohl
nicht zum Segen - zum Fluch uns und anderen wohl.
Und so sind Gottes Engel beständig dabei,
mich zu stoppen, denn die eig'ne Erkenntnis ist rar.

Was des Bileams Hilfe und Segen sodann,
ist uns heute verschlossen, denn die Tierwelt, sie schweigt.
Und ein Esel rennt weiter - auch bei schlechtem Gefühl -
in die Schlucht, wenn sein dümmlicher Reiter das will.
Darum hast Du von Gott, Mann//Frau, bevor Du's vergeigt,
eine Frau//einen Mann, die//der Dich noch zurückzerren kann.

Und diese Gewissheit, dass Gott selbst und leitet,
die gebe uns Mut bei all unserm Tun -
und Freude, weil Jesus uns rechtzeitig warnt,
wenn wir wieder irgendwas Falsches geplant.
Das hilft beim Entscheiden uns und beim Ruh'n.
Wir können gestalten, weil er uns begleitet.

Ein Drittes uns dieses Ereignis noch sagt,
damit letzte Reste von Furcht uns verlassen.
Und zwar dies: wem Gott seinen Segen will geben,
Gesundheit vielleicht, eine Frau, langes Leben -
den mögen die Gegner verfluchen und hassen,
der bleibt immer bewahrt, wenn nach Christus er fragt.

Gerade hier aber zeigt sich, wie ängstlich wir leben.
Ständig fragen wir, ob auch geschützt wir wohl sind,
oder ob einen Fetisch wohl jemand darf stechen,
um damit an uns als dem Feind sich zu rächen.
Wir leiden im Voraus um Partner und Kind,
anstatt alles in Gottes Obhut zu geben.

Hier aber ermutigt uns Gott, zu vertrauen,
dass uns nichts seiner Hand zu entreißen vermag.
So wie Bileam segnen statt fluchen musste,
weil er sich von Gott so gefordert wusste,
so schützt Gott sein Kind bei Nacht und bei Tag.
Darauf nur verlass Dich und lass Die nicht grauen.

Es ist wahr. wir sind von viel Bösem umgeben.
Dämonisches kann uns im Leben auflauern.
Und Angst lähmt den einen auf lange Zeit;
manche speist sich aus der Vergangenheit.
Bei dem andern will Heilung sehr lange dauern.
Gleich der Fliege am Leim scheint er festzukleben.

Vielen ist gleich die Erklärung zur Hand:
"Geh, verkauf die Sandalen! Veleda ist schlecht."
"Ist Unvergebnes in Deinem Leben,
gibt es in der Tiefe noch etwa zu heben?"
Und vielen sind diese Erklärungen recht,
Hauptsache, dass da jemand noch irgendwas fand.

Also, liebe Gemeinde - was soll denn noch werden,
wenn alle von uns die Erlaubnis bekommen,
in unserer Seele herumzurühren,
und uns - wer weiß noch, wohin - zu führen!
Schließlich hilflos dann stehen die Christen benommen,
und wollen vor Angst sich hysterisch gebärden.

Darum nochmals: wem Gott seinen Segen will schenken -
was genau, das wird Gott schon am besten wissen -
den will er bewahren vor allem, was plagt,
und der bleibt auch bewahrt, wenn nach Christus er fragt.
Wer das glaubt und auch festhält, der wird nichts vermissen,
der lebt ruhig und kann an Gesegnetes denken.

Drum: Gott macht den Weg frei! - so können wir sagen;
- so wie er uns stoppt, wenn nach Falschem wir streben!
Bili's Eselin und ihr verblendeter Reiter,
die traben nach dieser Lektion wieder weiter.
Wir aber, die wir im Heute noch leben,
wir dürfen manch' Mutiges sicher noch wagen.

Und vor allem: der Weg zu dem Nächsten ist frei:
wir können voll Inbrunst den anderen segnen,
und da, wo was Gutes ihm widerfährt,
da ist das ein Dankgebet mindestens wert,
weil in Jesus Christus wir ihm dann begegnen.
Wie es selber uns geht, ist dann zunächst einerlei.

aufgepasst nun - und noch dieses vernommen:
zum Ende der Predigt gemeinsam wir eilen.
Zusammenfassend sei noch dieses geschrieben:
Gott liebt sein Volk Israel, und auch wir sollen's lieben.
Bei diesem Gedanken können wir ruhig verweilen,
denn für Juden und Heiden ist Jesus gekommen.

Der Neue Bund ist so unser Schutzraum geworden.
Jesus achtet auf uns, er bewahrt und bewacht.
Kein böser Mensch darf uns deshalb bedrücken.
Und unmöglich bleibt's, uns von Gott wegzurücken.
Denn so ängstlich der Teufel uns manchmal auch macht -
er beherrscht letztlich nichts - nur geschlagene Horden.

Drum - der beste Dienst, den wir einander uns tun,
ist nun der: uns zu helfen zum Leben und Loben.
Nicht Kritik ist zuerst bei uns wichtig und dran,
jeder ermutige kräftig, wen immer er kann.
Ob auch um uns herum Hass und Fluchworte toben,
lasst um Gutes und Freundlichkeit uns immer bemüh'n.

Denn so nur verherrlichen wir Gottes Namen,
nur so können wir Gott zur Ehre hier leben.
So nur wird von uns Jesus bezeugt,
und so mancher vielleicht seine Knie noch beugt,
um in Dankbarkeit Gott selbst die Ehre zu geben,
weil unser Beispiel er nachahmt, darauf sag' ich:

Amen.


 


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