Der Predigtpreis - Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG

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Predigt über Amos 5, 21-24

Pfarrer Armin Bauer (ev)

19.02.2012 in Krautheim / Assamstadt

Sonntag Estomihi 2012

Gerechtigkeit wie eine Quell' / braucht mer net bloß in Israel!

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus / und die Liebe Gottes /

und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes/ sei mit uns allen. Amen.

 

Liebe Gemeinde!

Der Predigttext für den heutigen Sonntag steht beim Propheten Amos im 5. Kapitel.

Zum Verständnis des Textes sind ein paar Hintergrundinformationen sehr hilfreich:

Der Prophet Amos stammt aus dem kleinen Ort Tekoa, 11 km südöstlich von Bethlehem. Gott beruft Amos um das Jahr 750 vor unserer Zeitrechnung.

Von Haus aus ist Amos nicht Prophet, sondern Bauer.

Zur Zeit des Amos erlebt das Nordreich Israel erlebt so etwas wie ein Wirtschaftswunder: Nie zuvor wurde soviel verdient; nie zuvor gab es aber auch so viel Armut im Land.

Manche Familien sind so hoch verschuldet, daß sie sogar ihre Kinder als Sklaven verpfänden müssen. Die Bestimmung, einen gepfändeten Mantel doch wenigstens über Nacht zurückzugeben, damit sich sein Besitzer wenigstens beim Schlafen zudecken kann, findet sich sicherlich nicht ohne Grund in der Bibel [Ex 22,25].

In dieser Situation beruft Gott den Propheten Amos, weg von Haus und Hof. Und Amos folgt Gottes Ruf.

Amos geht - vom Süden des Landes - bis ins Heiligtum nach Bethel im Norden.

Seine harten Gerichtsworte gegen die Reichen und gegen einen falschen Tempelkult bringen Amos in Schwierigkeiten.

Die Sache kommt bis vor den König von Israel.

Der Oberpriester Amazia – er steht beim König von Israel in Lohn und Brot - sorgt dafür, dafür, daß Amos Redeverbot erhält und das Land verlassen muss.

Amos beugt sich der Gewalt, doch die Worte dieses Propheten sind bis heute nicht vergessen und mahnen uns bis zum heutigen Tag.

So spricht Gott durch seinen Propheten Amos:

21 Ich bin euren Feiertagen gram und verachte sie und mag eure Versammlungen nicht riechen. 22 Und wenn ihr mir auch Brandopfer und Speisopfer opfert, so habe ich kein Gefallen daran und mag auch eure fetten Dankopfer nicht ansehen.

23 Tu weg von mir das Geplärr deiner Lieder; denn ich mag dein Harfenspiel nicht hören!

24 Es ströme aber das Recht wie Wasser und die Gerechtigkeit wie ein nie versiegender Bach.

Soweit der heutige Predigttext.

Ich habe versucht, mir darauf einen Reim zu machen.

Ab jetzt rede ich so, wie ich aufgewachsen bin - im Mosbacher Dialekt.

Ich hoffe, Sie verstehen mich.

* * * * * * *

Verehrte Dame, liewe Herrn!

Erstaunt es Sie - wie mich - zu hör’n

wie domols Amos, der Prophet

in Israel gewettert het:

„De Gottesdienst - zu laut und schrill,

die Opfer, wie sie Gott net will,

un eier Lieder - bloß Geplärr!“

Sagt mer, wie kummt der Amos her?

Was meent der Amos damit bloß?

Is der Prophet en Trauerkloß?

Was, frag’ ich Sie, ist daran schlecht?

Is Lache, Singe denn net recht?

Amoos -

humorlos ... scheint mir seller.

Zum Lache geht der in de Keller!

Bevor mir schlecht fum Amos denke,

do is es gut, de Blick zu lenke,

uf des, was vor 3 000 Jahr

in Israel gebote war:

Schon domols ham die Schöne, Reiche,

- die mit dicke Wohlstandsbäuche -

die arg Bewegung nötig hätte,

gelungert uf de goldne Bette:

Die Reiche feiern, prasse, fresse -

die arme Leit’ hen sie vergesse.

Den Amos hot des arg verdrosse,

er hört uf Gott un hot beschlosse:

„Die Tür fum Kuhstall mach ich zu.

Statt Treckerfahre Wanderschuh!

Un fun Tekoa geh’ ich fort,

un sach in Bethel Gottes Wort.“

Sein Weg war lang und net bequem,

doch wenn Gott ruft, dann muss mer’ gehn.

Und unnerwegs, des war aa nödich,

der Amos feilt an seiner Predicht.

Zum Tempel geht der Amos dann

und fährt die Feschtversammlung an.

Die Worte, die der Amos wählt,

die ham net ihren Zweck verfehlt:

„De Gottesdienst - zu laut und schrill,

die Opfer, wie sie Gott net will,

un eier Lieder sin Geplärr!“

Net lang, do kummt en Priester her

un schimpft mit ihm: „Was musch du pöble?

Die Wache her! Tut den vermöble!“

Doch der kennt unsern Amos schlecht!

Der sagt: „Ihr Leit, des is net recht:

Ihr prasst und fresst, ihr singt und feiert,

die arme Leit’ sin angemeiert.

Ihr habt genug, des reicht für all!

Hört uf mit euerm Opfermahl!

Teilt, wie’s in eirer Bibel steht

und dann erst sprecht des Dankgebet!

Denn Gottes Wille, misst ihr wisse,

der is für eich kein Ruhekisse!

Wie Wasser und wie eine Quell’,

ström’ Gottes Recht durch Israel!“

Die Reiche, wie mer denke kann,

die höre sich des net gern an.

Die wolln net teile, nur genieße,

un Amos werd des Lands verwiese.

Der Priester hieß Amazia,

der sagt dem Amos sonneklar:

„Geh’ heim, un pack’ dei siewwe Sache,

hier brauchsch dich nimmer blicke lasse!“

Un Amos hot des glei erkannt:

„Was Gott sagt, gilt nix in dem Land!

Doch Gottes Wort, des kummt ans Ziel,

Gott wirkt, aach wenn’s de Mensch net will.

Der Amos geht mit festem Schritt,

sei Predigt kummt natürlich mit,

diktiert sie glei dem nächschde Schreiber,

der macht Kopie, gibt sie weider.

Bis heit is Amos un sei Predigt

vergesse net und net erledigt:

Gerechtigkeit wie eine Quell’,

brauch’ mer net bloß in Israel!

Doch Gottesdienst - zu laut und schrill,

die Opfer, wie sie Gott net will,

un unser’ Lieder - bloß Geplärr?!

Als gute Christe frage mer:

„Derf denn en Christ aa singe lache?

Derf mer als Christ aach Fasnet mache?

Gott schenkt uns Gutes, schenkt uns Lache,

dass mir Traurige fröhlich mache.

Denn Gott, der sieht uns liewwer fröhlich -

die reinen Herzens preist er selich!

Gott will, dass mir uns alle freun.

Zu derbe Witz’, do sag’ ich „Nein!“

Mir Christe dürfe feiere, lache.

Wer Fasnet will, der soll des mache!

Doch sei hier grad ‘eraus gesacht:

Ich lach’ net bloß an Fassenacht!

So, meine liebe Herrn und Damen -

des war mei Predigt, glei’ kummt’s ‚Amen’.

Mir sind erlöst, des derf mer seh’n.

Drum Seele, auf, und singe schön!

Amen.

* * * * * *

Lied: Du meine Seele, singe - EG 302

1. Du meine Seele, singe, / wohlauf und singe schön

dem, welchem alle Dinge / zu Dienst und Willen stehn.

Ich will den Herren droben / hier preisen auf der Erd;

ich will ihn herzlich loben, / solang ich leben werd.

2. Wohl dem, der einzig schauet / nach Jakobs Gott und Heil!

Wer dem sich anvertrauet, / der hat das beste Teil,

das höchste Gut erlesen, / den schönsten Schatz geliebt;

sein Herz und ganzes Wesen / bleibt ewig unbetrübt.

3. Hier sind die starken Kräfte, / die unerschöpfte Macht;

das weisen die Geschäfte, / die seine Hand gemacht:

der Himmel und die Erde / mit ihrem ganzen Heer,

der Fisch unzähl'ge Herde / im großen wilden Meer.

8. Ach ich bin viel zu wenig, / zu rühmen seinen Ruhm;

der Herr allein ist König, / ich eine welke Blum.

Jedoch weil ich gehöre / gen Zion in sein Zelt,

ist's billig, dass ich mehre / sein Lob vor aller Welt.

* * * * * *


 


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