Foto von aufgeschlagenen Büchern

Predigt über Apostelgeschichte 2, 14.22b-33, 1 Korinther 15, 1-8.11, Lukas 24, 13-35

Pfarrer Pater Stefan Jagoschütz OSB (rk)

01.04.2013 in der Stiftskirche in St. Lambrecht (A)

Ostermontag 2013

Auf dem Weg nach Emmaus

copyright: Jörg Weingrill

copyright: Jörg Weingrill

Liebe österliche Schwestern und Brüder in Christus, dem Herrn,

OSTERN feiern, es ist und bleibt eine Zumutung für uns alle. Denn in all den Berichten und Erzählungen, die wir aus den Heiligen Schriften kennen, spiegeln sich diese mühsamen Wege des Begreifens und Verstehen-Lernens wider.

Und deshalb brauchen wir uns auch nicht allein zu fühlen, denn wir sind in bester Gesellschaft, wenn uns Jesus desgleichen fragen sollte wie die beiden Jünger, die von Jerusalem nach Emmaus unterwegs sind: Begreift ihr denn immer noch nicht? Und wie schwer fällt es euch, alles zu glauben?

Oft fehlt uns jemand, der uns hilft, der sich mit uns auf den Weg wagt, um mit uns zu gehen, durch all die Zweifel und die Verzweiflung hindurch zu Hoffnung und Glauben.1

Wie sehr wünschte man sich manchmal einen Menschen, eine Antwort, ein Durchbrechen der Nacht, von der Huub Oosterhuis in einem seiner Lieder singt: „Wie Blinde tasten wir die Wand entlang, tastend wie Menschen ohne Augen. Wir stolpern am helllichten Tag, in der Blüte unseres Lebens sind wir wie Tote. Wie weit ist die Nacht, Wächter, wie weit? Der Morgen kommt, sagt der Wächter. Aber noch ist es Nacht.“2

Noch ist es Nacht. Auch für diese beiden Jünger, die unterwegs sind. Aber sie gehen. Sie bleiben nicht an dem Ort der zerstörten Hoffnung und der zunichte gemachten Erwartungen. Sie brechen auf. Sie lassen den Schauplatz des Todes hinter sich und gehen heim an einen vertrauten Platz, wo es ihnen vielleicht doch irgendwann leichter ums Herz wird.

Und indem sie gehen, wird ihnen auch etwas geschenkt. Denn durch den „unbekannten“ Dritten, der sich zu ihnen gesellt und mit ihnen geht, machen sie eine Erfahrung, die sie für das Unglaubliche und Unverständliche öffnet und die sie diesen Jesus, den Gekreuzigten und Auferstandenen, erkennen lässt.

Jemanden in sein Leben einlassen, jemandem ermöglichen, dass er ein Stück des Weges mitgehen darf, ohne den wird es nicht gehen, weil wir keine Münchhausen sind. Wir brauchen in unserem Leben einen vertrauten Menschen, der uns kennt und der uns hilft, der uns tröstet und uns Erfahrungen und Situationen erklären und deuten kann und der uns nicht auslacht oder aushorcht und Geheimnisse verrät und uns vielleicht bei anderen lächerlich macht.

Es braucht jemanden, der uns Augen und Herz öffnet für das Verständnis des Lebens, der sich Zweifel und Fragen anhört, der sich mit uns zu Tisch setzt und mit uns das Brot bricht. Wer anderen Zeiten der Trauer nicht zugesteht, Verzweiflung und Ängste klein redet und beschwichtigt, der hat es nicht verstanden, was es heißt, nach Emmaus unterwegs zu sein, denn noch ist es Nacht.

Wenn uns Ostern eines lehrt und darin bestärken will, ist es dies, dass der Morgen kommt.3 Aber er kommt nur zu denen, deren Herz brennt, wie das der beiden Jünger von Emmaus. Und dann ist es für sie OSTERN geworden.

Wir wissen es: keine einfache Botschaft. Denn die Macht des Todes ist stark. Unsere Herzen träge und unsere Augen oft mit Blindheit geschlagen. Aber wer in der Feier der Eucharistie, beim Brechen des Brotes, Augen und Herz öffnet, der wird zu einem österlichen Menschen werden.4

Ich wünsche es Ihnen und auch mir selbst!

1 Vgl. TE DEUM: Stundengebet im Alltag. April 2013. Hrsg. Benediktinerabtei Maria Laach, Stuttgart: Katholisches Bibelwerk, 2013, 13.

2 Vgl. Huub Oosterhuis, „Wie Blinde“, in: Dein ist die Zukunft: Meditationen, Gebete, Lieder von Advent zu Advent, Freiburg: Herder, 1992, 85.

3 Ebenda.

4 Vgl. TE DEUM: Stundengebet im Alltag. April 2013. Hrsg. Benediktinerabtei Maria Laach, Stuttgart: Katholisches Bibelwerk, 2013, 14.