Foto von aufgeschlagenen Büchern

Predigt über Apostelgeschichte 27,13-44

Pfarrer Reiner Fröhlich (ev.)

11.10.2009 in der Christuskirche zu Kierspe

Liebe Gemeinde!
Paulus ist gefangen. Seit über 2 Jahren saß er im Gefängnis von Cäsarea. Da die Hohenpriester aus Jerusalem einen Mordanschlag auf ihn planen, muss er sich auf den Kaiser berufen. Paulus ist ja römischer Bürger. Und ein römischer Bürger darf sich auf den Kaiser berufen und bekommt dann einen Prozess in Rom.
Paulus und einige andere Gefangene werden nun von einem römischen Hauptmann mit einem kleinen Trupp Soldaten mit dem Schiff von Cäsarea nach Rom gebracht.
Paulus wird von einigen Getreuen begleitet, die ihn versorgen und Gemeinschaft mit ihm halten. Unter anderem auch ein Abgesandter der Gemeinde aus Thessalonich. Eine kleine christliche Gemeinde ist also an Bord des Schiffes.
Die 1. Etappe ist von Cäsarea nach Myra, einer Stadt an der Küste Kleinasiens. Sie fahren mit einem Schiff, das die Hafenstädte an der Südküste Kleinasiens abfährt. An der Endstation Myra angekommen, wechseln sie das Schiff und fahren auf einem Handelsschiff weiter, das nach Italien geht.
276 Personen sind an Bord. Händler, Soldaten, Paulus mit den Seinen und andere Reisende. Sie kommen schlecht voran, denn der Westwind steht ihnen entgegen. Sie passieren Rhodos und fahren, als der Wind auf Nordwest dreht, nach Süden, um auf der Südseite von Kreta dem Nordwest - Wind zu trotzen und weiter nach Westen vorwärts zu kommen. Schließlich sitzen sie im Hafen von Lasäa fest.
Es ist mittlerweile schon richtig Herbst geworden, der Große Versöhnungstag wurde schon gefeiert. Und damals ist ab Oktober die Schifffahrt gefährlich, denn mit dem Westwind und den Tiefdruckgebieten kommen die Stürme.
    Paulus rät, in Lasäa und seinem Hafen zu überwintern. Der Schiffsbesitzer entscheidet, dass sie noch einen Hafen weiter westwärts segeln. Als das Schiff wieder ablegt, bricht nach kurzer Zeit ein heftiger Sturm los. Das Schiff wird ein Spielball der Wellen. Der Orkan treibt das Schiff weit hinaus aufs offene Meer. Die Mannschaft kämpft ums Überleben. Die Ladung wird nach und nach über Bord geworfen, um das Schiff zu erleichtern. 14 Tage dauert der Orkan. Paulus und die Seinen beten zu Gott, dass er sie errettet. Stündlich rechnen die Menschen an Bord mit dem Untergang des Schiffes.
Aber dann: mitten im Orkan, in der tiefsten Hoffnungslosigkeit, kurz vor dem vermeintlichen Untergang und Tod der 276 Menschen, tritt in der Dunkelheit der Nacht der Engel des HERRN zu Paulus.
Und Gott spricht durch ihn:

Fürchte dich nicht Paulus, du musst vor den Kaiser gestellt werden,
und siehe, Gott hat dir alle geschenkt, die mit dir fahren.


Gott ist ein Gott des Heils. Gott ist ein Gott, der rettet. Gott ist ein Gott, der das Leben will und nicht den Tod. Gott ist ein Gott, der einen Raum des Heils schafft und die Menschen darin bewahrt und hindurch - bringt durch höchste Notlagen und Katastrophen.
In der Mitte der Nacht kommt der Engel. In der tiefsten Dunkelheit spricht Gott sein Wort der Rettung.
Paulus stellt sich am nächsten Morgen in die Mitte der Menschen auf dem
Schiff und sagt ihnen allen die Botschaft Gottes von der Rettung weiter. Da
bekommen sie alle Mut und werden mit Zuversicht erfüllt.
    Stehen wir Gläubigen von heute in einem Sturm? Werden wir durch Wind und Wellen hin- und hergepeitscht? Haben Angst um unser Leben?
    Ich denke, uns geht es einigermaßen gut. Wir haben unser Auskommen. Wir sehen nach vorne. Wir haben keine Sturm über uns.

Doch: Gibt es nicht hier und da auch Dinge, die uns den Mut rauben wollen? Ist nicht doch die eine oder andere Welle da, die auf uns zukommt und schon einmal über uns zusammenschlägt?
Ganz so toll stehen wir nicht da. Die Situation des Paulus und seiner Mitarbeiter können wir doch ein wenig zumindest nachempfinden.
    Das Gemeindehaus Felderhof ist so gut wie verkauft. Der Kindergarten Felderhof wird nur noch bis zum nächsten Sommer zu unserer Kirchengemeinde  gehören, dann wird eine andere Organisation ihn übernehmen. Das Gebäude des Kindergartens Felderhof ist ja schon so gut wie verkauft.
    Wie geht es uns mit diesen Entwicklungen? Das sind auch Wellen !!!
Eine ganze Pfarrstelle wurde gestrichen. Und das hat auch Auswirkungen. Der Gottesdienstbesuch in der Margarethenkirche geht zurück. Es kommen kaum mehr junge Familien. Der Gottesdienstbesuch bei uns in der Christuskirche geht zurück. Die Familien, die zur Gemeinde gehören, haben ihre Kinder groß. Und es kommen kaum andere Familien nach. Außerdem: die Eltern, die ihre Kinder jetzt groß haben, kommen seltener zum Gottesdienst.

Wird die Margarethenkirche irgendwann zu gemacht, wenn nur noch Ältere kommen? Wird die Christuskirche irgendwann zu gemacht, wenn nur noch die Älteren kommen? Wird unsere Kirchengemeinde Bestand haben?
    Wir haben keinen Orkan, wie der Paulus.
    Aber wir haben doch Entwicklungen, die uns nicht kalt lassen können.

Und da kommt der Engel des HERRN in der Nacht zu Paulus. Paulus ist wirklich am Ende. Die 276 Menschen im Schiff sehen den Tod vor Augen. Die Gemeinde des Paulus steht kurz davor, unterzugehen.
->  Kein Paulus, kein Timotheus, kein Lukas als Reisegefährten. Nur ein nasses Grab draußen im großen Ozean.
Da trat der Engel des HERRN zu Paulus.

  • Gott selbst macht sich auf, um die Seinen zu stärken.
  • Gott selbst macht sich auf, um der kleinen Gemeinde auf dem sturmumtobten römischen Handels – Schiff aufzuhelfen.
  • Gott kommt, um zu retten.
  • Gott greift ein, um das Steuer herumzuwerfen.

So war es oft im alten Israel:
Wenn die Feinde übermächtig wurden, wenn die Armee des Pharao am Schilfmeer die fliehenden Israeliten einholte:
Gott greift ein, um sein Volk zu retten.
Wenn in der Wüste das Volk am Verhungern und Verdursten war:
Gott schickt das Manna und gibt Wasser aus dem Felsen, damit sein Volk nicht untergeht.
Gott ist der Hirte seines Volkes, Gott ist der Hirte seiner Gemeinde.
Er lässt die Seinen nicht im Stich.
Wenn er Schlimmes zulässt, dann nur, um daraus noch größeres Gutes zu machen, dann nur, um das Böse umzulenken und Heil zu schaffen mitten in der Finsternis.
So auch hier auf dem Schiff.
Der Engel des HERRN spricht zu Paulus und sagt ihm zu:

Du musst vor dem Kaiser stehen. Du wirst deinen Auftrag ausführen, weil Gott es will. Und alle, die bei dir im Schiff sind, werden mit dir gerettet.

Wo Gott ist, da schafft Gott einen Raum des Heils.
Wo Gottes Leute sind, da wird es hell auch für alle, die dabeistehen:

  • Noah wird gerettet, aber mit ihm seine Familie, mit Söhnen und   Schwiegertöchtern und alle Tiere auf Erden. Gott schafft einen Raum des Heils, eine Arche, mit viel Platz darinnen.
  • Abraham soll ein Segen sein für alle Völker auf Erden. Und mit ihm gesegnet werden alle seine Knechte und Lot, sein Neffe. Gott schafft einen Raum des Heils. Wo Abraham ist, da ist es hell.

Und nun hier: 276 Menschen! Juden, Heiden, Römer, Griechen, Barbaren, Götzenanbeter, Ungläubige.
Gott schafft einen Raum des Heils, weil eine Gemeinde da ist auf dem Schiff: Paulus und die Seinen.
Und alle werden errettet.
    Das Schiff geht verloren. Es bricht am Strand von Malta auseinander.
    Aber alle 276 Passagiere kommen lebend an Land.
So auch bei uns: Gott schafft einen Raum des Heils bei uns in Kierspe. Gott will zu uns kommen und eingreifen zum Guten hin. Es soll hell werden in der Mitte der Nacht.
Gott will unserem Unglauben und unserem Kleinmut begegnen.
Er ist der HERR.
Und es ist ihm nicht schwer durch viel oder wenig zu helfen.
Gott sendet seinen heiligen Engel, um uns zu ermutigen:
Euer Auftrag muss ausgeführt werden. Ihr werdet Zeugen sein, nicht vor dem Kaiser, aber vor den Menschen eurer Stadt Kierspe. Und ich will euch alle schenken, die mit im Boot sind.
Gott will einen Raum des Heils schaffen in unserer Stadt. Gott hat Platz bei sich. Gott lädt ein zu seinem Fest, wie es in einem Gleichnis von Jesus heißt: Der Hausherr sagt zu seinen Knechten: Holt herein alle Armen, Verkrüppelten, Blinden und Lahmen. Und geht hinaus an die Landstraßen und an die Zäune und nötigt sie hereinzukommen, damit mein Haus voll werde.
Gott will, dass sein Haus voll wird. Gott will, dass der Himmel aus den Nähten platzt, denn im Himmel ist viel Platz.
Bei Paulus werden alle 276 gerettet. Und ich bin der festen Überzeugung, dass von denen auch sehr viele zum Glauben gekommen sind, weil sie solche Wunder erlebt haben und die Predigten von Paulus und seinen Mitarbeitern gehört haben. Aus einer kleinen Gemeinde auf dem Schiff wird eine große Gemeinde. Und auf der Insel Malta kommen noch viele Menschen dazu, zum Glauben und zur Gemeinde der Christen.
Gott will auch unter uns Rettung wirken.
Gott will auch in Kierspe einen g r o ß e n Raum des Heils schaffen.
Im Januar nächsten Jahres, also in drei Monaten wird es bei uns in Kierspe in
der Margarethenkirche fünf Tage geben, in denen wir und viele Menschen aus unserer Stadt Gott ganz besonders erleben können.
Neustart 2010 – fünf Tage Gott erleben
So heißt das, was wir planen und vorbereiten.

  • Da will Gott einen Raum des Heils schaffen.
  • Eine ganze Kirche voll von Heil.
  • Die größte Kirche unserer Stadt: offen für alle und angefüllt mit Gnade und mit Erbarmen von Gott.

Und Gottes Ruf ergeht deshalb in diesen Tagen:

  • Fangt an, für eure Nachbarn und Arbeitskollegen zu beten.
  • Stellt eure Vereinskameraden vor das Angesicht Gottes und bittet ihn, dass er sie alle vom 6. bis 10. Januar in die Margarethenkirche führt.
  • Ihr Schüler: Jetzt in den Herbstferien nehmt euch die Zeit, für eure Klassenkameraden und Schulfreunde die Hände zu falten. Betet für sie um offene Herzen für Gott. Betet für sie um Neugier für die 5 Tage mit Gott im neuen Jahr.

Der Engel des HERRN ist heute hier und ermutigt dich und mich.
Hab keine Angst vor dem Sturm! Mach dir keine sorgenvollen Gedanken, wieviele nur noch zum Gottesdienst kommen!
Schau nach vorne! Gott handelt!
Gottes Kraft ist es, die Rettung schafft.
Gott selbst ist es, der einen großen Raum des Heils wirkt.
Alle, die bei Paulus mit im Boot sind, sollen errettet werden.
Ich wünsche mir, dass Gott alle, die in unserem Umfeld sind und für die wir beten, im Januar zum Glauben führt und errettet.
Schaut nicht auf den Sturm!
Denkt nicht über die Sorgen nach!
Schaut vielmehr nach vorne!
Stellt euch vor, ihr alle seid in der Margarethenkirche im Januar und habt all´ eure Bekannten und Freunde mitgebracht.
Stellt euch vor, Gott wirkt in diesen 5 Tagen und findet ein offenes Herz bei ihnen allen, die ihr mitgebracht habt.
Vertraut auf Gottes Verheißungen. Vertraut auf Gottes Macht.

  • Gott rettete Israel am Schilfmeer vor der Armee des Pharao. Gott ist mächtig.
  • Er gab seinem Volk in der Wüste zu essen und zu trinken. Gott hilft.
  • Gott rettete Noah und alle Tiere der Welt.
  • Er segnete durch Abraham alle seine Knechte + Lot, seinen Neffen.

Gott will auch in unserer Stadt wunderbar handeln. Und du sollst dabei sein. So wie die 276 Leute im Schiffe gerettet wurden, weil Paulus und seine Leute im Schiff waren.
So sollen im Januar mehr als 276 Menschen aus Kierspe gerettet werden,

  • weil du an der Aktion Neustart 2010 Anteil nimmst,
  • weil du jetzt anfängst für deine Freunde zu beten,
  • und weil du an den 5 Tagen im Januar mit deinen Freunden in die Margarethenkirche gehst.

Darum fürchte dich nicht, sondern vertrau auf Gott und auf seine Macht, denn es ist ihm nicht schwer, durch viel oder wenig zu helfen. Amen.