Foto von aufgeschlagenen Büchern

Predigt über das "Kreuz"

Bastian Rütten (kath.)


„Es ist ein Kreuz mit der Jugend!“

Verehrte Mitchristen,

vor einigen Wochen unterhielt ich mich auf einem Geburtstagsbesuch mit einer älteren Dame. Diese erzählte mir von den Sorgen, die sie um Ihre Enkel habe. Mit Religion, Kirche und Glauben, da wüssten sie nichts anzufangen. Ihre Schilderungen endeten mit einem Satz, der sich mir tief eingeprägt hat und mich seither verfolgt. Sie sagte: „Es ist ein Kreuz mit der Jugend!“ Liebe Schwestern und Brüder, mit der Aussage „Es ist ein Kreuz mit...“, da assoziieren wir allzu gerne ein Klagen über vorherrschende Zustände. Zudem werden dann meist die negativen Dinge aufgerollt, die Ursache wird auf den „Zeitgeist“ geschoben, es werden die „guten alten Zeiten“ beschworen und herbeigewünscht. Oft fällt diese Aussage in Zusammenhang mit der sogenannten „Jugend von Heute“.

„Es ist ein Kreuz mit der Jugend! Zur Kirche geht sie nicht, an Gott glaubt sie nicht!“
„Es ist ein Kreuz mit der Jugend! Benehmen hat sie genauso wenig, wie sie Werte hat.“
Es geht, nach diesen Äußerungen zu urteilen, rapide bergab mit Gesellschaft und Zukunft. Aber, treffen diese pauschalen Aburteilungen zu? Verfallen wir nicht allzu sehr den Vorurteilen?

Ich lade sie ein, sich einmal auf ein kleines „Wortspiel“ einzulassen. Nehmen wir den selben Satz: „Es ist ein Kreuz mit der Jugend!“. Manchmal liegt es nur an der Betonung, an der Auslegung um aus einer negativen Aussage eine positive zu machen. Seit Papst Johannes Paul der Jugend der Welt ein Kreuz geschenkt hat, das seitdem durch die Länder der Welt reist, seitdem hat dieser Satz auch eine andere Bedeutung. Man kann mit Recht sagen: „Es ist ein Kreuz mit der Jugend!“. Wer die Mengen junger Menschen gesehen hat, die vom Weltjugendtagskreuz angezogen werden, der bekommt einen anderen Blick auf die Jugend dieser Zeit, die Jugend der Welt. Wer so auf die Jugend der Welt blickt, der sieht sie betend, der sieht sie nachdenklich, der sieht die Jugend mit dem Kreuz. Das Kreuz ist das größte Hoffnungssymbol unserer Weltgeschichte. Das Kreuz gibt uns Hoffnung und Zuversicht. In dieser Hoffnung und Zuversicht können wir versuchen unsere Blicke neu auszurichten. Wir können es wagen einen Blick der Hoffnung auf unsere Zeit zu wagen. Wer mit diesem „Hoffnungsfilter“ auf die Welt sieht, der sieht auch die Jugend und die Zukunft nicht schwarz. Der sieht neben Resignation und Gleichgültigkeit auch Zuversicht und Perspektiven, Glaube und Initiative der Jugend. Aus dieser Sicht heraus können, dürfen, ja müssen wir als optimistische Menschen durch das Leben gehen, wir sollten neue Aufbrüche in der Kirche wahrnehmen und unterstützen. Wir dürfen uns gewiss sein: „Es ist ein Kreuz mit der Jugend!“

Auch wenn uns die Sorge um die Zukunft befällt und zu lähmen droht, auch wenn die Perspektiven für ein gelebtes Christentum manchmal schwer zu erkennen sind, auch wenn vieles anderes ist als wir es gewohnt sind, wenn vieles für uns auf den ersten Blick unverständlich ist. Mit den Worten des Papstes müssen wir uns im Angesicht des Kreuzes zurufen: „Habt keine Angst!“

Dieser Zuspruch der Zuversicht muss auch an die Jugend gehen, die sich in diesen Tagen auf den Weltjugendtag vorbereitet. Diese Jugend ist es, die sich auf die Fahne schreibt: „Wir sind gekommen um ihn anzubeten!“ Das Kreuz hat bisher viel gesehen. Es sah vom Krieg zerstörte Gebiete, es sah den Ort des 11. September, es sah viele Kontinente. Im August wird das Kreuz im Zentrum der Versammlung in Köln stehen. Danach wird es aufbrechen und weiter durch die Welt getragen. Es wird durch viele Hände gehen. Durch farbige und weiße, wird Armut und Reichtum sehen, wird viele Sprachen hören. Vor allem aber wird es das Zentrum bilden. Ein Zentrum, an dem sich auch heute junge Menschen orientieren und ausrichten. Von diesem Kreuz geht Hoffnung aus- nicht nur für die Jugend sondern für jung und alt. Das Kreuz als die Nabe und Mitte unserer Welt, dieses Kreuz hat Zukunft. So kann der alte Wahlspruch des Kartäuserordens belebt werde: „Das Kreuz steht während die Welt sich dreht!“

Und wenn sie mal wieder nach ihrer Meinung oder Sorge um die Jugend gefragte werden, versuchen sie einmal, wenn auch zaghaft, diese Antwort: „Ich bin sicher, es ist ein Kreuz mit der Jugend!“... Dieses Kreuz ist unsere einzige Hoffnung und dazu noch eine große.

Amen.