Der Predigtpreis - Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG

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Predigt über das Lied "Nicht von dieser Welt" von Xavier Naidoo

Gerhard Beck

23.01.2006 im Evangelischen Konvikt in Halle

Liebe Mitbewohner!

Seitdem ich in Halle wohne, werde ich oft gefragt: Wieso glaubst du eigentlich?
Wie würdet ihr diese Frage beantworten? Was ist es, das euch glauben lässt? Ein konkretes Ereignis, eine Erfahrung?

„Was soll ich suchen, das mich stützt? Wo ist der Mensch, der mich beschützt?“ Diese Frage lässt uns nicht los. Keinen. Xavier Naidoo beschreibt das dramatisch:
„Meine Augen rot vom Weinen im Schlaf
Den Kelch mit Tränen aufgefüllt
Meine Wunden ins Leintuch eingehüllt“
In einer solchen Situation braucht man etwas, das uns trägt. Ich denke, jeder von uns hat schon solche Erfahrungen gemacht und so kurz vor der Prüfungszeit, hat man jede Gelegenheit dazu.
Mir fallen spontan zwei Erlebnisse ein: Zum einen, Hebräisch nicht bestanden zu haben. In ein tiefes Loch fallen, den ganzen Schmarn nochmal machen, sich nochmal durchquälen von p'Aleph zu ayin-ayin. Und in meinem Fall zu wissen, dass man ich selber schuld war, dass ich hätte weniger Zeit vor der Glotze und mehr Zeit über den Büchern hätte verbringen sollen. Was ist es, das mich trägt? Getragen haben mich in dieser Situation meine Freunde und meine Eltern. „Du hörst die Schmerzen die ich spür“ singt da Xavier Naidoo und „Du fängst mich immer wieder auf und du gibst immer, was ich brauch“.

Wer kann das? Immer da sein? Vor dem Hebraicum habe ich noch eine viel wichtigere Erfahrung in Südafrika gemacht. Ich hatte Probleme mit dem Dorf, mit Arbeitskollegen, meine Arbeit wurde systematisch boykottiert, ich stand vor schwierigen Entscheidungen, war fast pleite und im wahrsten Sinne des Wortes allein zu Haus. Eltern und Freunde über zehntausend Kilometer weg, Telefonieren damals noch extrem teuer und Email ist manchmal ein sehr eingeschränktes Kommunikationsmittel. „Wo ist der Mensch, der mich beschützt?“, keine Frage passender als diese. Denn: es gab keinen. Ich war auf mich alleine gestellt.
Der Sinn des Jahres in Südafrikas hatte sich gezeigt: Es sollte Praxisjahr sein in seiner ursprünglichen Bedeutung: Zeit zum Reflektieren, ob ich wirklich Theologie studieren will, ob ich wirklich Pfarrer werden will. Zeit zum Suchen nach Gott.

„Sie ist nicht von dieser Welt, die Liebe, dich mich am Leben hält. Ohne dich wärs schlecht um mich bestellt.“

Sie war nicht von dieser Welt, es waren keine Menschen die mich trugen. Es war die Liebe Gottes, das Gefühl, das Wissen, nicht allein zu sein
. Auch wenn ich allein in einer Farm in Südafrika sitze, mitten in der Pampa und wenn wegen Sturm die Telefonleitung gestört ist: Ich bin nicht allein.
Auch wenn es mir innerlich scheiße geht, Leute mich meiden und ich andere Menschen verletzen muss: Ich bin nicht allein.
Auch wenn ich Angst vor der Zukunft habe, nicht weiß was ich machen soll und lassen werde: Ich bin nicht allein.
Das ist es, was uns Gott so oft verspricht. Was den Glauben tragen kann.„Ich lasse dich nicht fallen und verlasse dich nicht“, das steht im Josuabuch und ist die Jahreslosung für 2006.

Und das ist es, das ich antworte, wenn ich nach meinem Glauben gefragt werde: Ich bin nicht allein.
„Wo ist der Mensch der mich beschützt?“ Diese Frage ist wichtig, aber viel wichtiger ist die Antwort: Sie ist nicht von dieser Welt, die Liebe, die mich am Leben hält.

Amen.


 


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