Foto von aufgeschlagenen Büchern

Predigt über den Spruch "Ja ist denn heut' schon Weihnachten!?"

Dipl.-Ing. (Fh) Kommunikations-Berater Axel Hein (ev)

10.11.2012 in der Evangelischen Kirche am Markt in Hombruch der Evangelischen Kirchengemeinde Dortmund-Südwest

verfasst für die Advents- und Weihnachtsausgabe von "Auf Kurs - Gemeindebrief der Evangelischen Kirchengemeinde Bottrop" und vorgetragen im Rahmen der Samstagsandachten "Eine Viertelstunde für Gott"

Die Länge der Andacht war durch die Redaktion des Gemeindebriefs vorgegeben. Überzog aber schon deutlich den dafür vorgesehenen Platz.

 

 

Ja ist denn heut' schon Weihnachten?“

Vielleicht,

liebe Leserin, lieber Leser,

haben Sie diesen Satz noch im Ohr. Wissen sogar, wer ihn gesagt hat. Richtig: Franz Beckenbauer, Deutschlands ewiger „Fußball-Kaiser“. Es ging ums Schenken. Nur um das. In einem Werbespot für einen Mobiltelefon-Anbieter. Ist sicher schon mindestens zehn Jahre her. Ausgestrahlt wurde dieser Spot allerdings das Jahr über, nicht zur Weihnachtszeit. Daran erinnere ich mich ganz genau.

Wie komme ich jetzt auf diese alte Geschichte? Nun, es ist Mitte Oktober und schönster goldener Herbst. In wenigen Tagen ist Redaktionsschluss für den neuen Gemeindebrief – die Ausgabe, die Sie gerade in Händen halten. Und da soll dann, im Advent, etwas der Zeit und dem Kirchenjahr Entsprechendes zu lesen sein. Naheliegend. Doch empfunden, bedacht und geschrieben werden muss es jetzt, Wochen, Monate vorher. An einem warmen, himmelblauen Oktobertag. Ja ist den heut' schon Weihnachten?!

Nein, ist es nicht! Dies schreibend ist's bis Weihnachten noch lange hin. Und ich mag auch nicht so tun, als könne ich angesichts ziehender Vogelscharen, bunter Herbstblätter, Marktständen voller Äpfel, Trauben und Kürbisse Weihnachtsgefühliges aus einer Seelenschublade ziehen oder aus dem Ärmel schütteln. Ich mag einfach jetzt noch nicht die Heilige Nacht in die Auslage stellen wie es immer früher und rundherum mit dem Weihnachtsgebäck geschieht, das die Supermärkte seit Anfang September im Angebot haben.

Wie sollte ich darüber hinweg sehen und hinweg gehen können, dass wir zunächst Reformation feiern. Dass Buß- und Bettag folgt und Ewigkeitssonntag. Danach kommt erst noch der Advent. Und dann, Wochen später, ist Weihnachten. Kein Tag früher. Alles zu seiner Zeit.

Und doch – und da könnten wir uns bei aller Ungleichzeitigkeit des Schreibens und Lesens treffen – ist da ein Satz, der mich zu jeder Zeit des Jahres mit Weihnachten verbindet: Es ist das „Friede auf Erden bei den Menschen seines Wohlgefallens“, diese Botschaft des Engels, von der Lukas schreibt. Ein Versprechen, das uns auf dem Hintergrund so vieler beunruhigender Nachrichten Hoffnung gibt, Hoffnung in diesem Augenblick: in Zeiten des Bürgerkriegs in Syrien, der auf Kinder schießenden Taliban, der Hatz auf Flüchtlinge hierzulande und der Vorurteile gegenüber denen, die in Hartz IV-Armut ihr Leben in Würde gestalten wollen. Allen und überall: Friede auf Erden!

Ein Text aus Brasilien findet für diese Hoffnung so einfache wie poetische Worte. Auch sie schlagen für mich eine Brücke zu Weihnachten und zu Ihnen, liebe Leserin, lieber Leser:

Jedes Mal, wenn ein Kind geboren wird,

ist Weihnachten.

Jedes Mal, wenn zwei Menschen einander verzeihen,

ist Weihnachten.

Seite 2

Jedes Mal, wenn ihr Verständnis zeigt für eure Kinder,

ist Weihnachten.

Jedes Mal, wenn ihr einem Menschen helft,

ist Weihnachten.

Jedes Mal, wenn jemand beschließt, ehrlich zu leben,

ist Weihnachten.

Jedes Mal, wenn du versuchst,

deinem Leben einen neuen Sinn zu geben,

ist Weihnachten.

Jedes Mal, wenn ihr einander anseht mit den Augen des Herzens,

mit einem Lächeln auf den Lippen,

ist Weihnachten.

Denn es ist geboren die Liebe.

Denn es ist geboren der Friede.

Denn es ist geboren die Gerechtigkeit.

Denn es ist geboren die Hoffnung.

Denn es ist geboren die Freude.

Denn es ist geboren Christus der Herr.

„Ja ist denn heut' schon Weihnachten?“, drängt sich mir noch einmal die Frage von Beckenbauer in den Sinn. Und mir scheint auf: Ja! Nicht „mitten im kalten Winter wohl zu der halben Nacht“. Sondern Mitte Oktober, in Wärme und hellster Sonne.

Ich wünsche Ihnen eine gesegnete Zeit.