Foto von aufgeschlagenen Büchern

Predigt über „Einsamkeit“

Pastor Dr. Stefan Jung

15.02.2009 in der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinde Gundelfingen

Immer erreichbar und doch allein – Wenn sich die Einsamkeit einschleicht

 

Es sind oft leise, aber immer dunkle Töne der Einsamkeit, die sich nicht selten bei Besuchen und Gesprächen in mein Bewusstsein einschleichen. Der Einsamkeitsblues klingt verschieden, aber er gehört zu den großen düsteren Lebensmelodien. Da tönt das schlimme Gefühl nicht mehr gebraucht zu werden. Da meldet sich der Mollton der Angst, vor dem Wochenende, an dem wieder das unerträgliche Gefühl pulsiert, dass einem die Decke auf den Kopf fällt. Melodien der Einsamkeit: trist, träge und tragisch. Jeder Dritte, so ermittelte Forsa hat Angst vor dem Alleinsein im Alter, jenem melancholischen Schlussakkord. Und die Experten sagen, dass die einsamsten Menschen heute die zwischen 30 und 40 Jahren sind. Mitten im Leben ist es einsam geworden. Es ist also gar nicht, wie meist vermutet, die ältere Generation. Einsamkeit ist ein Massenphänomen geworden und das in der sogenannten Kommunikationsgesellschaft. Wir sind immer erreichbar und doch allein. Und - seien wir ehrlich - in jedem von uns gibt es verborgene Winkel, in denen sich die Einsamkeit hineingewoben hat, wie Spinnweben auf einem Dachboden.

Einsamkeit ist nicht erst ein Phänomen unserer Zeit. Schon immer haben sich Menschen einsam, allein gelassen und ausgegrenzt gefühlt. Einsamkeit gehört zum Menschsein. Wir hören einige Schlaglichter aus der Bibel.

Joh 5, 2-7a: Es ist aber in Jerusalem beim Schaftor ein Teich, der heißt auf Hebräisch Betesda. Dort sind fünf Hallen; in denen lagen viele Kranke, Blinde, Lahme, Ausgezehrte. Es war aber dort ein Mensch, der lag achtunddreißig Jahre krank. Als Jesus den liegen sah und vernahm, dass er schon so lange gelegen hatte, spricht er zu ihm: Willst du gesund werden? Der Kranke antwortete ihm: Herr, ich habe keinen Menschen.“

Seit Jahrtausenden wird dieser Satz gesprochen: „Ich habe keinen Menschen.“ Was steckt in diesen Worten „Ich habe keinen Menschen.“ Bittere Enttäuschung? Aufgestauter Frust? Hoffnungslosigkeit? In jedem Fall: Tiefe Einsamkeit und Resignation. „Ich habe keinen Menschen“, sagt der Kranke. Ich bin auf mich selber angewiesen. Da ist niemand, auf den ich zählen kann.

In den Psalmen, jenen aufgeschriebenen Gebetsliedern aus dem AT, klagen Menschen auch ihre Einsamkeit. Ps 25,16f: „Wende dich mir zu, Herr, und rechne meine Schuld nicht an, denn ich bin einsam und niedergeschlagen. Mir ist angst und bange, nimm diese Last von meinem Herzen!“ Wir begegnen hier dem Kombipack: Einsamkeit und Niedergeschlagenheit. Der Weg in die Depression führt oft über die Einsamkeit.

Ps 35,12: „Was ich ihnen Gutes getan habe, zahlen sie mir mit Bösem heim. Ich bin einsam und verzweifelt.“ In diesem Leben widerfährt vielen guten Menschen Böses. Und dann reagieren wir mit Rückzug und kapseln uns ein. Irgendwann drehen wir uns dann nur noch um uns, der Anfang der Verzweiflung.

Ps 102,8: „Ich kann nicht schlafen; ich bin verlassen und fühle mich wie ein einsamer Vogel auf dem Dach.“ Einsam, weil ich verlassen wurde, ein Schicksal das so viele trifft, weil unsere Beziehungen so flüchtig und brüchig sind.

Ps 142,5 (Elbf.): „Schau zur Rechten und sieh: ich habe ja niemanden, der etwas von mir wissen will. Verloren gegangen ist mir jede Zuflucht, niemand fragt nach meiner Seele.“

Es braucht nicht allzu viel Fantasie, um sich auszumalen wie einsam es um einen geworden ist, wenn niemand mehr etwas von uns wissen will und niemand mehr nach uns fragt. Und der Prophet Jeremia klagt über seine Isolation: Jer 15,17: „Nie saß ich fröhlich mit anderen Menschen zusammen, ich konnte nicht mit ihnen lachen. Nein, einsam war ich…“ Bis heute sagen Psychologen, dass Einsame nicht nur das sprechen verlernen, sondern auch das Lachen.

Haben wir wahrgenommen, warum diese Menschen über ihre Einsamkeit lamentieren? In diesen Texten klingen einige Gründe an: Den einen hat die Krankheit einsam gemacht. Er hat keinen, der ihm hilft, wenn es darauf ankommt; Schuld und Schuldgefühle machen einsam; ungesunde Scham macht einsam; Verletzungen, die uns zugefügt wurden; Verlust der Geborgenheit; spürbare Ausgrenzung, schmerzhafte Trennungen, keine Einladungen zum feiern; gezielte Ignoranz, all das macht einsam.

Alle hier genannten Gründe sind topaktuell. Der Einsamkeitsblues wird immer noch nach der gleichen Melodie gespielt. Die erste negative Aussage im Schöpfungsbericht betrifft das Alleinsein oder die Einsamkeit Adams. „Es ist nicht gut, wenn Adam (der Mensch) allein ist.“ (Gen. 2,18) Gottes Entwurf für ein gelingendes Leben markiert die Einsamkeit als Gefahr. Warum? Wir sind geschaffen mit dem Bedürfnis Gemeinschaft mit anderen zu haben. Für dieses Urbedürfnis gibt es keinen Ersatz.

Einsamkeit tut weh, weil es ein Mangelzustand ist. Zuneigung fehlt. Liebe fehlt. Nähe und Wärme fehlen und das Gefühl, für irgendeinen Menschen auf der Welt wichtig zu sein. Einsamkeit ist ein gefährlicher Zustand, weil dem Einsamen der Spiegel fehlt. Menschen, die ihn ermutigen und bestätigen, aber auch Freunde, die ihn kritisieren und korrigieren. Ganz einfach: Menschen, die mit ihm lachen und mit ihm weinen. Haben wir noch solche Menschen?

Allerdings sind Beziehungen kein sicherer Schutz vor Einsamkeit, denn „man kann sich auch in Gesellschaft anderer einsam fühlen.“ (Richard von Weizsäcker) Und dann gibt es da ja auch noch die Einsamkeit zu zweit. Man hat keinen Draht mehr zu einander, man hat sich nichts mehr zu sagen, hört sich nicht mehr zu.

Die Einsamkeit in der Ehe ist für viele die schlimmste Erfahrung. Da ist einer in der Nähe, aber nicht nah. Da ist einer mit mir und doch so oft gegen mich. Nach statistischen Angaben fühlen sich ein Viertel aller verheirateten Leute verlassen. Ein hoher Prozentsatz heiratet, um das Alleinsein zu beenden und genauso viele lassen sich, weil sie so einsam sind, wieder scheiden.

Hermann Hesse dichtete: „Leben ist Einsamsein. Kein Mensch kennt den andern, jeder ist allein.“ Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass wir heute dank moderner Kommunikationstechnik fast an jedem Ort telefonieren, oder überall Emails verschicken und empfangen. Und trotzdem, schleichend, ja fast unbemerkt breitet sich da etwas virusartig aus, was mit „mangelnder Sprachfähigkeit“ beschreiben wird. Der Austausch von reiner Sachinformation, ist noch nicht unbedingt Kommunikation. Immer online, oder im www sein; ständig ein Handy am Ohr, macht uns noch nicht beziehungsfähig. Viele sind nicht mehr fähig etwas von sich zu erzählen, sich mitzuteilen, ihre Anerkennung auszudrücken, ihre Gefühle zu beschreiben, präzise Fragen zu stellen. Und das macht einsam. Gemeinsam einen Film anschauen ist noch keine Kommunikation. Fernsehen kann sehr einsam machen.

Dazu kommt die andere Seite, wir verlernen es zuzuhören. Viele Menschen sind miese Zuhörer. „Du hörst mir gar nicht zu!“ Ein (all zu wahrer) Standart-Vorwurf in Beziehungen aller Couleur. Verhaltensforscher sagen, dass die Kunst des Zuhörens erlernbar ist, wie Mathematik oder eine Fremdsprache. Du kannst deine Höreffizienz mit systematischem Training in wenigen Monaten verdoppeln. Dazu musst du schlechte Gewohnheiten abstellen. Wer telefoniert und gleichzeitig im Web surft oder Emails checkt, darf sich nicht wundern wenn sein Gesprächspartner am anderen Ende den Eindruck hat: „Der hört mir gar nicht richtig zu!“ Und Einsame Menschen haben einen Sensor dafür, ob wir ihnen zuhören oder nicht.

Einsame Leute sind also nicht unbedingt Menschen, die keine Kontakte haben. Aber ihre Kontakte haben ihren Tiefgang und ihre Bindekraft verloren. Sie finden keinen gemeinsamen Anker mehr und so verliert sich vieles und treibt auseinander.

Fachleute sprechen von einem „interaktiven Dilemma der Einsamkeit“. Damit beschreiben sie, dass einsame Menschen, ob gewollt oder nicht – unter dem Einfluss der Einsamkeit, soziale Einstellungen, Verhaltensweisen und Gefühle kultivieren, die immer mehr vom gesellschaftlichen Standart abweichen. Und das erweist sich bei dem Versuch, eine Beziehung zu einem anderen Menschen aufzubauen in doppelter Hinsicht als fatal: Zum einen, weil einsame Leute zu einem selbstbezogenen Kommunikationsstil neigen, d.h. sie können oft nur noch in einem unzureichenden Maß auf die kommunikativen Bedürfnisse ihres Gegenübers eingehen. Solche Leute texten uns zu mit Monologen. Sie fragen gar nicht mehr: „Wie geht’s denn dir? Was denkst denn du?“ Zum anderen vertreten einsame Leute inhaltlich oft Einstellungen, die destruktiv oder zynisch erscheinen. Kein Wunder, wenn sich andere dann abgrenzen und dicht machen.

Doch so weit muss es nicht kommen. Wir können gegensteuern. Sicher kennt jeder Phasen, in denen er sich einsam fühlt. Und das kann ganz natürlich sein. Vielleicht haben wir erst vor kurzem durch den Tod einen lieben Menschen verloren. Vielleicht stecken wir gerade in einer Trennungskrise oder Scheidungsphase. Oder wir mussten durch einen Umzug viele alte Kontakte abbrechen. Es gibt viele Umbrüche, die uns Einsamkeit fühlen lassen.

Selbst ein Baby kann Einsamkeitsgefühle auslösen. Eine junge verheiratete Frau mit einer 13 Monate alten Tochter schreibt: „Mir ist nicht klar gewesen, wie anstrengend es ist, wenn man immer im Dienst ist, 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche. Meine Vorstellung war, ich werde mein Kind freudestrahlend nehmen und mich mit anderen Müttern treffen, das wird toll. Doch Mütter mit Kindern unter einem Jahr sind eigentlich nur damit beschäftigt, ihr Baby zu versorgen – man kommt kaum dazu miteinander zu reden. Vielleicht sind diese Frauen auch einsam, aber ich denke manchmal, ich bin die einzige, die es zugibt.“

In begrifflicher Hinsicht ist es sicherlich gut zwischen „Einsamsein“ und „Alleinsein“ zu trennen. Das ist hilfreich aber es hilft nicht immer. Einsamkeit ist ein unangenehmes Gefühl. Alleinsein ist ein Zustand, der durchaus auch angenehm ist: Wenn die Kinder endlich im Bett sind. Wenn die Schüler alle auf dem Pausenhof sind. Wenn wir Zeit für uns selbst und unsere Gedanken haben…

Zurück zur Einsamkeit. Es lassen sich grob drei Phasen der Einsamkeit unterscheiden – und die schauen wir uns mal kurz an:

1. Die momentane, vorübergehende Einsamkeit.

Diese Phase macht jeder im Leben mehrmals durch. Meistens ist eine solch kurze Zeit der Einsamkeit eine Reaktion auf äußere Umstände. Ein Umzug, ein Krankenhausaufendhalt, der Auszug der Kinder. Das können Auslöser für eine momentan empfundene Einsamkeit sein. Eine solche Phase der Einsamkeit ist nicht schädlich. Sie kann hilfreich sein, sich den neuen Umständen anzupassen, sich zu sortieren, vielleicht auch neu zu orientieren, denn sie deutet eine Chance in meinem Leben an.

2. Der langsame Rückzug

Die Einsamkeit schleicht sich ein. Sie beginnt unser Dauerbegleiter zu werden. Und dann verändert sie uns in unserer Persönlichkeit. Meine Fähigkeiten Kontakt aufzunehmen und mich mit anderen Menschen zu unterhalten nehmen langsam ab. Wir verlernen zu lächeln und über Alltäglichkeiten zu reden. Wir ziehen uns zurück.

3. Die chronische Einsamkeit

In dieser Phase dauern die Einsamkeitsgefühle Monate oder Jahre. Wir versteinern. Alle unsere Fähigkeiten, Kontakt aufzunehmen und aufrechtzuerhalten, für andere attraktiv zu sein, Anerkennung aufzunehmen und auch auszudrücken, was ganz wichtig ist - verschwinden. Andere wissen nichts mehr mit uns anzufangen. „Die redet ja sowieso nichts. Sitzt immer nur so steif da.“ Wir fühlen uns abgelehnt und unattraktiv und verlieren immer mehr das Vertrauen in unsere Fähigkeiten. Es ist ein Teufelskreis. Wir ziehen uns zurück, oder wir werden anderen gegenüber immer gereizter und „giftiger“.

Nun ist es mir aber auch wichtig zu sagen, dass es in unserem Leben auch einen gesunden Wunsch nach Einsamkeit gibt. Ein Bedürfnis, das häufig aus der permanenten Belastung und Anspannung unseres Lebensstils entsteht, weil wir eben immer erreichbar sind und viele es auch sein müssen. Unser Alltag schnürt uns ein mit Verantwortung, Terminen und fordernden Kontakten. Alle wollen irgendetwas von uns und möglichst schnell: Ein Rückruf, ein Email, einen Termin. Vermutlich können wir ein Lied davon singen. Deshalb brauchen wir auch die Einsamkeit, um verschnaufen zu können. Sich zeitweise völlig frei und unabhängig zu fühlen ist nicht nur der Wunsch von skurrilen Einzelgängern oder Stresstypen. Selbst wenn wir gesellige und ausgeglichene Leute sind, verspüren wir dann und wann das Bedürfnis, von niemandem angesprochen zu werden.

Wer Einsamkeit gleich als Bedrohung empfindet, verpasst seine Chance. Eine 30 jährige Journalistin schreibt: „Es ärgert mich manchmal, das ich die Zeit der Einsamkeit nicht besser genutzt habe: Ich hätte stoßweise Bücher lesen oder eine neue Sprache lernen können.“

Alleinsein kann nötig sein! Die Bibel versteht unter Einsamkeit nicht ein romantisches sich absondern von der bösen Welt, sondern für sie ist Einsamkeit auch die Chance zur Bestandsaufnahme, zur Konzentration auf Wesentliches und zur Begegnung mit Gott. Denn Jesus ruft uns aus der Einsamkeit heraus in das Alleinsein mit ihm. Und das Alleinsein mit Jesus kann sich auch in einem voll besetzten Gottesdienst ereignen.

Von den ersten 30 Lebensjahren von Jesus ist nur wenig bekannt. Doch während der kurzen Zeit seines öffentlichen Wirkens, zog er sich oft in die Einsamkeit zurück. Sein Dienst begann damit, dass er vierzig Tage allein in der Wüste lebte (Mt 4,1ff). Jesus suchte bewusst die Einsamkeit, um sie zum Gespräch mit dem Vater zu nutzen. Bevor er seine zwölf Jünger auswählte, verbrachte er eine ganze Nacht allein auf einem einsamen Berg (Lk. 6,12). Als er die Nachricht vom Tode Johannes des Täufers bekam, „fuhr er mit einem Boot allein in eine einsame Gegend“ (Mt. 14,13). Auf bestimmte Nachrichten in unserem Leben ist Einsamkeit eine angemessene Reaktion. Als er vor seiner letzten und schwersten Wegstrecke stand, suchte Jesus die Stille des Gartens Gethsemane auf (Mt. 26,36ff). Vor bestimmten Wegen ist Einsamkeit die beste Reisevorbereitung.

Im Alleinsein und der Einsamkeit kann auch Kraft getankt werden. Wer mit sich ganz allein ist, kann seinen Gedanken einmal nachhängen, ohne von anderen bewertet oder zensiert zu werden. „Die Frucht von Einsamkeit und Stille sind eine höhere Sensibilität für andere“, sagt Richard Foster. Daraus erwächst eine neue Freiheit mit anderen zusammenzusein.

Nutze deine Einsamkeit, um Verbindung mit dem lebendigen Gott aufzunehmen. Das kann durch ein ganz schlichtes Gebet passieren. In Psalm 68,7 heißt es, dass Gott den Einsamen ein Zuhause gibt. Das gilt auch heute Morgen. Die Einsamkeit muss uns nicht lähmen und beziehungsunfähig machen.

Jener Mann, am Teich Betesda war einsam. 38 Jahre Einsamkeit lasteten auf ihm und lassen ihn diesen Satz sprechen: „Ich habe keinen Menschen.“

Ich weiß nicht, wie viele von uns, das heute Morgen auch sagen könnten „Ich habe keinen Menschen!" Aber ich sage dir, du darfst diesen Satz umformulieren! Streiche einfach das „K“ in keinen. Und sage nicht „Ich habe keinen Menschen!“, sondern: „Ich habe einen Menschen!“ Wer kann das sein? Dieser eine Mensch ist der Mensch gewordene Sohn Gottes: Jesus. Und jeder, der ihm vertraut, der hat mindestens diesen einen Menschen an seiner Seite. Und wer Jesus vertraut, der kann auch in tiefer Einsamkeit sagen: Ich habe einen Menschen, Jesus!

Aber kann Jesus denn meine Einsamkeit verstehen? Ja, er kann. Er kann unsere Einsamkeit verstehen, wie kein anderer. Denn Jesus weiß, bis ins tiefste Tief seiner Existenz, was Einsamkeit ist. Er kannte Einsamkeit und Ablehnung. Er wusste, wie sich Ignoranz und Isolation anfühlen, denn er erfuhr sie in seinem Leben zur Genüge. Und als es hart auf hart kam, da verließen ihn sogar die, die ihm immer das Gefühl gegeben hatten, nicht alleine zu sein. Seine engsten Vertrauen, seine Jünger flohen. Als er sie um ihre Unterstützung in einer seiner einsamsten Stunden bat, da schliefen sie ein. Und als er am Kreuz hing, schrie er sich seine Einsamkeit aus dem Leib: „Mein Gott, mein Gott warum hast du mich verlassen?“ Dieser Jesus weiß, was Einsamkeit ist!

Weil er alle, wirklich alle Sünden, alle Verbrechen, alle Gemeinheiten, allen Hass und alle Lüge ans Kreuz nahm, deshalb war er einsam. Die Sünde trennte ihn von dem Heiligen Gott. Da riss jegliche Verbindung mit Gott ab. Und während er starb, zeriss im Tempel in Jerusalem der Vorhang vor dem Allerheiligsten und zwar von oben nach unten. Gott selbst hatte diesen Vorhang zerrissen, um zu zeigen: Jetzt ist der Weg zu mir wieder frei! Keiner muss in seiner Einsamkeit bleiben. Jeder kann jetzt zum mir, dem Vater kommen, weil mein Sohn Jesus, alles was uns trennte ausgelöscht hat. Jetzt muss niemand mehr in der Tiefe seiner Seele einsam sein. Denn seitdem Jesus die Verbindung zu unserem Vater im Himmel wieder hergestellt hat darf jeder, der sich auf Jesus verlässt sagen: Ich habe einen Menschen an meiner Seite, nämlich Jesus, den Sohn Gottes. Er ist mein Fürsprecher, mein Erlöser, mein Tröster und Helfer. Und er kann mein einsames Herz verändern.

Jesus wurde für viele Menschen, die keinen Menschen hatten, der eine, der half und sie aus Einsamkeit und Verzweiflung riss. Wie viele Menschen in der Bibel haben diese Erfahrung gemacht! Nicht nur dieser Gelähmte am Teich Betesda. Auch der Hauptmann von Kapernaum hatte keinen Menschen, der seinen Sohn gesund machen konnte und Jesus half ihm. Zachäus der Zöllner, war ein einsamer Kerl, weil er alle Welt betrogen hatte und Jesu lud sich bei ihm ein, um seine Einsamkeit zu beenden. Petrus, der drei mal behauptete Jesus nicht zu kennen, versackte in seinem Schmerz und seiner Einsamkeit, bis Jesus am Ufer des Sees Genezareth einen langen Spaziergang mit ihm machte und seine Einsamkeit beendete. Ja, Jesus ging sehr ungewöhnliche Wege, um Menschen aus ihrer Einsamkeit herauszuholen.

Diese ungewöhnlichen Wege geht er bis heute, mit denen die einsam sind. Aus meinen dunklen Molltönen der Einsamkeit darf ein getragenes Duett in Dur werden. Vielleicht sogar eine frische mehrstimmige Melodie, die andere einlädt fröhlich einzustimmen.

Amen.