Foto von aufgeschlagenen Büchern

Predigt über Epheser 2,4-10

Pfarrer Dr. Horst Jesse (ev.)

22.08.2004 in der Lukas-Kirche Bad Hall/Österreich

Liebe Gemeinde,

über Umkehr spricht der heutige Predigttext. Umkehren, sich ändern, möchte manchmal ein jeder in seinem Leben. Es gibt Lebenssituationen, die verfahren erscheinen und keine Zukunftsperspektive mehr eröffnen. Doch wir wünschen uns eine gute Lebenszukunft. Umkehr weckt in uns die Hoffnung. Das Bild von Kurve, was im Wort Umkehr enthalten ist, verweist uns darauf. Nicht umsonst hören wir: „Ich habe noch einmal die Kurve in meinem Leben bekommen." Einer bekennt also, dass er eine neue Lebenseinsicht gewonnen hat. Das Leben als Weg erscheint uns verständlich. Es gilt immer wieder eine neue Sichtweise zu gewinnen.

Natürlich verweist das Hauptwort Umkehr auf das Tätigkeitswort kehren. Den Hof am Samstag kehren, bedeutet in Franken, alles für den Sonntag schön machen. Wir möchten manchmal Vergangenes aus unserem Leben auskehren, um entlastet zu werden und zu sein, um sich Neuem öffnen zu können.

All diese Wortbilder beschreiben Lebensänderungen, die wir wünschen und doch nicht fertig bringen, weil wir in den alten Lebenstrott ab und an zurückfallen. Wir benötigen Hilfe und Zuspruch, um uns Neuem zuwenden zu können.

„Aber Gott ist reich an Erbarmen. Er hat uns seine ganze Liebe geschenkt." Mit diesem Zuspruch der Liebe Gottes versucht der Apostel Paulus den Christen von Ephesus Mut zu machen. Menschliches Leben gedeiht in der Liebe, die einem jeden vorgegeben ist. Wir wissen es, wenn wir über unser Leben nachdenken, von der Geburt an umgibt uns Liebe durch die Eltern, die Gemeinschaft und wir können noch mehr aufzählen. Doch aus Ungehorsam fallen Menschen aus dieser Liebe. Die Geschichte Jesu „Der verlorene Sohn" verdeutlicht dies. Der jüngste Sohn will sein Erbteil, um sein Leben nach seinen eigenen Vorstellungen zu gestalten. Er verlässt das Gehorsamsverhältnis seines Vaters. Er erleidet mit seinen Lebensansichten Schiffbruch. In der tiefsten Not entscheidet er sich: „Ich will zu meinem Vater zurückkehren." Der Vater nimmt ihn auf und gibt ihm somit eine neue Lebenschance.

Diese Erzählung Jesu spricht von dem Gehorsam des Sohnes und der Liebe des Vaters. Es kommt auf das Gehorsamsverhältnis an, das über Leben und Tod entscheidet. Wir sind gefragt: „An wem binden wir uns, der uns durch das Leben führen soll?“

Ein drogenabhängiger Jugendlicher verdeutlichte mir dies durch seine Lebensgeschichte. „Es war kein schönes Leben, sondern ein Leben unter Zwang und Abhängigkeit. Abhängig von den Drogen und dem Milieu, in dem ich lebte. Der Zwang dauernd zur Droge greifen zu müssen, führte in den Tod. Es gab keine Zukunftsperspektive, sondern immer wieder nur den Zwang zur Droge. Ich war bereits tot."

Die Frage: „Findest Du Dich für andere Menschen noch liebenswert?", riss ihn aus seiner verfahrenen Lebenssituation. Er wurde sich bewusst, dass ihn keiner mag. „Doch früher war es ja anders. Mitmenschen mochten mich. Plötzlich", so erzählte er, „kam Gott in meinem Leben auf: Er liebt mich." Diese Einsicht brachte die Lebenswende. Der Jugendliche konnte mit dem Glauben an Gott sein Drogenmilieu verlassen. Gewiss es war kein leichter Schritt; denn der Rückfall in die alte Lebenswelt drohte immer wieder.

Mit seiner Glaubensgewissheit gelang es ihm, eine Lehrstelle zu finden. Er spürte die Wertschätzung und die Sympathie seiner Mitmenschen. Diese Erfahrung gab er an andere weiter. Er konnte über seinen neuen Lebensabschnitt bekennen: „Mit dem Glauben an Gott habe ich Flügel bekommen." Damit wollte er nicht ausdrücken, dass er in einer irrealen Welt lebe, sondern, dass in seinem Leben ein neuer Geist eingekehrt sei. Er spürte, mit dem Vertrauen an Gott kann ich es schaffen.

Die Lebensgeschichte des Jugendlichen füllt den Brieftext des Apostel Paulus an seine Gemeinde zu Ephesus mit Leben. Er erschließt die Worte des Apostel und lädt uns ein eine solche Erfahrung zu machen. „Gott ist reich an Erbarmen. Er hat uns seine ganze Liebe geschenkt." Es ist wahr, wir leben in der Liebe Gottes. Alles ist uns Menschen in dieser Welt von Gott vorgegeben: die Schöpfung, die Mitmenschen und alles, was uns sonst einfällt. Wir haben dies mit Vertrauen anzunehmen und zu leben.

Wer aus diesem Vertrauensverhältnis durch Eigenwillen und Mutwillen herausfällt, der wird Gott gegenüber ungehorsam. Er verlässt die Lebensquelle der Liebe. Der Apostel Paulus hat den Ephesern klar die Konsequenzen beschrieben. Sie sind auch von uns zu bedenken. „Durch unseren Ungehorsam waren wir tot." Es ist ein Leben ohne Liebe und Freundlichkeit; weil wir Gottes Liebe und Freundlichkeit nicht weitergeben, sondern die Vorstellungen einer anderen Lebenswelt, die von den menschlichen Wünschen und Mächten bestimmt werden, die ungut sind. Wir haben uns zu entscheiden, welchen Weg wir gehen wollen. Gott ist es auch, der uns durch seine Botschaft von Jesus Christus zur Entscheidung verhilft. „Aber Gott hat uns mit Christus zusammen lebendig gemacht." Es ist ein Zuspruch, der einen jeden persönlich gilt. Wer ihn ergreift, der kann in seinem Leben umkehren und auch sein Leben verändern. Er kann sich dem Geist Gottes öffnen, der sich in Jesus Christus zeigt. Wer in diesem Gehorsamsverhältnis lebt, der hat den Lebenssinn gefunden.

Jesus hat durch sein Reden und Wirken Gottes Freundlichkeit gegenüber den Mitmenschen verdeutlich, wenn er Kranke gesund machte, wenn er Hoffnungslosen Hoffnung brachte und wenn er durch sein Wort den Glauben seiner Mitmenschen stärkte. Immer wieder verweist der Apostel Paulus auf die Rettungstat Gottes in Jesus Christus: „Ihr selbst könnt nichts dazu tun, als im Vertrauen anzunehmen, was Gott euch schenkt." Wir haben zur Zuwendung Gott Ja zu sagen. Wir dürfen uns beschenken lassen. Aus dem Geschenk erwächst neu menschliches Selbstbewusstsein, so dass wir bekennen können. „Wir selbst sind ganz und gar Gottes Werk." Von daher her kann ein jeder sagen: „Ich bin stolz ein Mensch zu sein."

Die geschenkte und erfahrene Liebe befähigt zum Leben und zur Verantwortung in der Welt und in der Gesellschaft. Gott hat uns Gaben und Begabungen gegeben, die wir in die Welt und die Gesellschaft einbringen dürfen. Wir dürfen am Reich Gottes mitbauen; denn Gott selbst befreit uns aus dem Herrschafts- bereich des Bösen; denn er hat für den Menschen in Jesus Christus das Gute aufgezeigt. Wir haben Anteil im Glauben an der Auferstehung Jesus Christus. Dies gilt es sich immer wieder bewusst zu machen; denn er ist der Lebensgrund.

Darum können wir Gott bitten: „Treib unsern Willen, dein Wort zu erfüllen, lehr uns verrichten heilige Geschäfte und wo wir schwach sind, da gib du uns Kräfte."

Amen.