Foto von aufgeschlagenen Büchern

Predigt über Exodus 3,1-8a.10.13-15 und Matthäus 28,1–10

Monsignore Norbert Busch (rk)

23.04.2011 im Klinikum Dortmund-Mitte, Andachtsraum

Gottesdienst zur Osternacht

Die Selbstoffenbarung Gottes im brennenden Dornbusch und die Auferweckung Jesu

Meditation zur Osternacht 2011

 

Liebe Menschenschwestern, liebe Menschenbrüder!

 

Warum sind sie heute Abend hierher gekommen?

Eine dumme Frage, werden sie jetzt denken.

Doch so dumm ist diese Frage nicht zumal in Dortmund 

über Ostern viele besondere Angebote die Menschen 

anlocken.

 

Warum sind sie gerade zu diesem Gottesdienst der

Osternacht hier in die Klinik gekommen?

Offenbar haben sie sich das Gespür dafür bewahrt, dass hinter der greifbaren, messbaren, fotografierbaren, sehbaren Wirklichkeit noch eine andere Wirklichkeit,  eine andere Realität verborgen sein muss.

Und sie haben recht damit!

 

Viele Aussagen von glaubwürdigen Menschen berichten seit etwa 2800 Jahren von einem Gott Jahwe, der einem gewissen Mose auf geheimnisvolle Weise in einem   brennenden Dornbusch in der wüstenartigen Steppe am Gottesberg Horeb erschien. Der Gottesberg Horeb ist bis heute im Süden der Sinaihalbinsel zu sehen.

 

Wie wir eben in der Lesung hörten, teilt dieser Gott Jahwe Mose mit, wer er ist:   „Ehjeh ascher ehjeh“,

zu deutsch: „Ich bin der ‚Ich bin da’“.

Dieser Gottesname „Ehjeh ascher ehjeh“, -

„Ich bin der ‚Ich bin da’“ drückt im althebräischen

Verständnis sowohl einen Zustand wie auch eine kreative Dynamik aus. Gleichzeitig verhüllt diese Antwort Jahwe’s im brennenden Dornbusch das Geheimnis Gottes mehr als das es dies lüftet.

 

Angesichts dieser Begegnung zwischen Gott und Mose ist zu fragen: Gibt es für mich heilige Orte, die ich gleichsam nur mit ausgezogen Schuhen betrete,

ehrfürchtig und demütig? Wo ich äußerlich und innerlich still werde, weil ich spüre: an diesem Ort geschieht etwas Besonderes?

 

Oder gehöre ich zu den Menschen, die immer und überall herum zappeln, lautstark schwadronieren ohne Rücksicht auf den Ort, wo sie sich gerade befinden? „Leg deine Schuhe ab; denn der Ort, wo du stehst, ist 

heiliger Boden“ wird Mose aufgefordert.

 

Liebe Menschenschwestern, liebe Menschenbrüder!

 

Einen zweiten Gedanken möchte ich nennen:

Wo brennt mein Dornbusch? Wo lebt meine Wüste, in der ich lebe oder immer wieder hineingerate? Welche Dornenstacheln des Lebens machen mir immer wieder zu schaffen?

 

Oder: brenne ich noch für etwas?

Zum Beispiel für diesen „Ehjeh ascher Ehjeh“ 

 - „Ich bin der ich bin da“.

Oder bin ich schon lebendig tot?

 

Mose hatte nach diesem Erlebnis am brennenden

Dorbusch verstanden, was sein Auftrag in seiner Zeit war: das unterdrückte, geknechtete, ausgebeutete Volk 

Israel in eine bessere, lebens- und liebenswerte

Zukunft zu führen.

 

Auch wenn ich an Jahren alt bin, was ist dennoch mein Auftrag in dieser meiner Lebenszeit?

 

Und: wer ist dieser Gott Jahwe für dich und für mich?

 

Ist dieser Gott Jahwe, über den uns im Alten Testament so vieles berichtet wird, das uns manchmal schaudern lässt, ist er auch der Gott des 21. Jahrhunderts?

 

Oder haben wir und vor allem viele Theologen Gott nicht so hingebogen, ihm die brennende Schärfe genommen, dass wir ihn jetzt als ungefährlichen Gott gut in unserer Handtasche mit uns herumtragen können? Je nach Lust und Laune holen wir ihn hervor. Und wehe, er spurt nicht so, wie ich es mir vorstelle. Liebesentzug und Missachtung durch mich folgt auf dem Fuße!

 

Doch was wäre das für ein unfähiger, grausamer Gott, der in der Feuersäule dem Volk Israel aus Ägypten voran zog in die Freiheit, was wäre das für ein diabolischer, brutaler Gott, wenn er seinen eigenen Sohn, geboren von Maria, nach dem schmachvollen Tod am Kreuz in Jerusalem im Tod belassen hätte?

 

Gott sei’s gedankt, er ist nicht der Gott,

für den Menschen ihn oft ausgegeben haben oder noch ausgeben. Vielmehr steht er zu seinem Sohn, dem ER selber den Namen gab: Jesus, im hebräischen Jeschua, bedeutet übersetzt: Gott schenkt Heil.

 

Liebe Menschenschwestern, liebe Menschenbrüder!

 

Der „Ich bin der ich bin da“ ist in Jesus,

dem „Gott schenkt Heil“ seit dessen Auferweckung vom Tode immer, jeden Tag, zu jeder Stunde und zu jeder Sekunde da für uns. Vom ersten Augeblick unseres

Daseins an ist er in uns und um uns als der brennende, aber nicht verbrennende Dornbusch.

 

Und in der Taufe gab Gott uns gratis und umsonst noch Anteil an der Auferstehung seines Sohnes.

 

Damit das göttliche Feuer in uns nicht erlischt, setzte Jahwe, der „Ich bin der ich bin da für euch“ noch einen drauf, indem er an Pfingsten allen, die an ihn glauben, zusätzlich das kreative, wärmende, ermutigende,

schöpferische, dynamische Feuer des Heiligen Geistes schenkte.

 

So mit der göttlichen Feuersglut ausgestattet, haben wir keinen Grund mehr zu klagen und zu jammern über die ach so böse Welt. Denn er, der „Ehjeh ascher Ehjeh –

der ‚ich bin der ich bin da“ weiß immer und zu allen  Zeiten um uns, auch dann, wenn wir meinen, er sei nicht mehr da und kümmere sich nicht mehr um uns.

 

Weil ER uns in Jesus das Heil, die Rettung, ja, das nie mehr endende Leben schenkte, haben wir eine lebendige Zukunft vor uns auch über unseren leiblichen Tod hinaus.

Das alles feiern wir dankbar in dieser Abendstunde. Amen. Halleluja

 

Gott Jahwe hat sich dem Mose im Brennenden Dornbusch gezeigt als der „Ich bin immer da für euch“.

In Jesus, dem „Gott schenkt Heil“ zeigt sich Gott als

Überwinder von Tod und Teufel. Im Vertrauen auf den Leben schenkenden Sohn beten wir:

 

·       Herr Jesus Christus, schenke allen, die heute Nacht auf der ganzen Erde das Fest deiner Auferstehung feiern, österliche Freude und die Gelassenheit des Glaubens. Christus, höre uns.

·       Gedenke aller, die an diesem Osterfest auf dem weiten Erdenrund im Sakrament der Taufe wiedergeboren werden aus Wasser und dem Heiligen Geist. ...

·       Erbarme dich aller Menschen, die in vielen Ländern der Erde kein sauberes Wasser haben oder unter großer Dürre leiden: …

·       Segne die Mädchen und Jungen, die in diesem Jahr zum ersten Mal zur heiligen Kommunion gehen. ...

·       Schenke uns, die wir zur Feier deiner Auferstehung zusammen sind, ein Herz und Geist durchglühendes Osterfest: …

·       Unseren Verstorbenen schenke die Gunst, dir als wahrem Gott und wahrem Mensch zu begegnen beim himmlischen Hochzeitsmahl: …

 

Herr Jesus Christus, du bist siegreich vom Tod erstanden und hast uns von der Knechtschaft Satans befreit. Wir beten dich an und loben dich zusammen mit dem Vater und dem Heiligen Geist heute und alle Tage unseres Lebens. Amen.