Foto von aufgeschlagenen Büchern

Predigt über Hebräer 13, 20.21

Pfarrer Thomas Berke (ev)

24.03.2013 in Mülheim an der Mosel

zur Konfirmation an Palmsonntag

© privat

20 Der Gott des Friedens aber, der den großen Hirten der Schafe, unsern Herrn Jesus, von den Toten heraufgeführt hat durch das Blut des ewigen Bundes,

21 der mache euch tüchtig in allem Guten, zu tun seinen Willen, und schaffe in uns, was ihm gefällt, durch Jesus Christus, welchem sei Ehre von Ewigkeit zu Ewigkeit!

Jeder von uns, liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden, liebe Festgemeinde, kann Sachen nennen, die einem gefallen, und auch Sachen, die einem nicht gefallen. Ich könnte da eine ganze Reihe Dinge nennen. Und wenn wir unsere Konfirmandinnen und Konfirmanden fragen: „Was gefällt euch?“ dann bin ich mir ziemlich sicher, dass Ihr da eine ganze Reihe von Sachen nennen könnt, die Euch gefallen. Was einem gefällt, da geht man mit einer ungeheuren Motivation und Elan heran, was einem nicht gefällt, da muss man einen Widerstand überwinden, da fällt jeder Handschlag schwer. So in etwa kann man das Feld beschreiben, in dem unsere Konfirmanden leben. Auch wir Erwachsenen sind nicht ganz frei davon, wenn wir ehrlich sind.

Bis jetzt ging es bei dem Thema „Es gefällt mir“ um mich selbst. Aber bei der eindimensionalen Sichtweise kann man nicht stehen bleiben. Es gibt noch eine zweite Dimension, die ganz wichtig ist: Was mir gefällt, das gefällt meinen Mitmenschen noch lange nicht. Vielen Kindern gefällt es, wenn in ihrem eigenen Zimmer, im eigenen Reich so etwas wie das Urchaos herrscht, das in der Bibel auf hebräisch „Tohuwabohu“ genannt wird. Mama und Papa hingegen haben meist daran wenig Gefallen und dringen auf ordnendes Eingreifen. Auf Schritt und Tritt die Erfahrung: Mir als Jugendlicher gefällt etwas, aber meine Eltern sind nicht begeistert davon. Oder umgekehrt: den Eltern gefällt etwas, aber den Kindern gefällt es ganz gar nicht. Das erzeugt eine Spannung. Und Spannung strebt danach, zum Ausgleich gebracht zu werden. Das ist allen klar, muss aber im Alltag jeden Tag immer wieder neu errungen werden.

Und da gibt es eine wichtige Hilfe aus der Bibel. Sie besteht in dem Satz: Ich habe dich lieb, trotzdem dir etwas gefällt, was mir nicht gefällt. Denn du bist mir als Person wichtig. Du bist mein Kind, ihr seid meine Eltern. Und später einmal: Du bist mein Ehepartner. Oft gibt es die reflexartige Reaktion: „Wenn du mich lieb hast, dann musst du auch das liebhaben, was mir gefällt.“ Aber das ist ein Schnellschuss. So einfach geht das nicht. Die Liebe hat da eine Tiefendimension. Sie macht sich nicht abhängig von dem, was einer tut oder nicht tut, gefällt oder nicht gefällt.

Liebe heißt: Ich habe dich lieb, obwohl mir das nicht gefallen hat, was du getan hast, obwohl mir nicht gefällt, was du vorhast. Nur so ist Liebe eine stabile Basis und Grundlage für Vertrauen. Auf die Unterscheidung kommt es an. Du kannst Dich darauf verlassen, dass ich dich in jedem Fall lieb habe, auch wenn mir nicht alles gefällt, was du tust.

Und dann gibt es noch die dritte Dimension. Viele sagen heute: Das gefällt mir, darum ist es gut. Aber das ist ein Kurzschluss. Es gibt viele Dinge, die vielen von uns gefallen, die aber trotzdem nicht gut sind. Der Maßstab von Gut und Böse ist nicht, ob es uns gefällt. Der Maßstab sind die Zehn Gebote. Mir gefällt es, riskante Überholmanöver zu machen. Aber wenn ich mich und andere dadurch in Gefahr bringe, ist es nicht gut. Daran kann man sehen: Es gibt einen unverrückbaren Maßstab für unser Leben, der ist vorgegeben und unverfügbar. Das sind die Zehn Gebote. Sie gelten unabhängig davon, ob es mir gefällt oder nicht gefällt. Niemand kann sich aus den Zehn Geboten diejenigen herauspicken, die einem gerade gefallen. Das geht nicht.

Wir sehen: Jetzt kommt Gott ins Spiel. Und zwar nicht einfach ein Lückenbüßer-Gott, sondern der Gott, der die Welt gemacht und uns das Leben geschenkt hat, der uns gesagt hat, was gut und was böse ist. Es ist Gott, der uns die Zehn Gebote gegeben hat. Konfirmation bedeutet für Euch Konfirmanden genauso wie auch für uns Erwachsene: Ich halte mich an die Zehn Gebote, gleich ob es mir gefällt oder nicht gefällt, ganz gleich ob es unbequem für mich ist, ganz gleich, was die anderen sagen. Ich will mich fest daran halten.

Anders gesagt: Ihr versprecht bei der Konfirmation, das zu tun, was Jesus gefällt. Und in den zwei Jahren Unterricht habt Ihr erfahren, was das ist. Ich habe euch darin unterrichtet, alles zu halten, was Jesus geboten hat und was ihm gefällt:

  • Gott von ganzem Herzen lieben, und unsere Mitmenschen bis hin zu den Feinden.

  • Denen vergeben, die uns etwas angetan haben.

  • Auf das Urteil über unsere Mitmenschen verzichten.

  • Barmherzig, sanftmütig, friedfertig sein, wie Jesus es in der Bergpredigt gezeigt hat.

Daran hat Jesus Gefallen. Was dem nicht entspricht, erregt sein Missfallen. Ihr, liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden, seid in dem unterrichtet worden, was Jesus gefällt. Und Konfirmation bedeutet: Ja, mir ist es wichtig, was Jesus gefällt, und ich werde mich daran halten.

Und über allem steht: Gott ist die Liebe. Und er ist Mensch geworden, für dich gestorben und auferstanden, weil er dich liebt wie ein Vater. Und seine Liebe geht soweit, dass er all das in deinem Leben, was ihm nicht gefällt, deine Gedankenlosigkeit, Bequemlichkeit, deinen Egoismus und deinen Unglauben, dass du auf Anderes mehr vertraut hast als auf Gott, dass dir Anderes wichtiger war als Jesus Christus, dass er all das auf sich genommen hat und mit dem Tod am Kreuz dafür bezahlt hat - für dich und an deiner Stelle!

Gott ist für dich der unverlierbare Vater, der dich liebt, obwohl du Dinge getan hast, die ihm nicht gefallen. Aber gerade darum kannst Du auf Gott als deinen Vater vertrauen, gerade darum kannst auf Jesus Christus vertrauen.

Es ist kein ferner Gott, der unerfüllbare Forderungen aufstellt. Er steht dir bei und hilft dir im Leben wie im Sterben. Das ist gemeint, wenn hier im Hebräerbrief darum gebeten wird: Der Gott des Friedens mache dich tüchtig in allem Guten, zu tun seinen Willen, und schaffe in uns, was ihm gefällt, durch Jesus Christus. Gott fordert nicht nur, er hilft dir auch. Er hat dich lieb, obwohl du soviel getan hast, was ihm nicht gefällt, aber er nimmt dir die Last deiner Schuld ab. Er befreit dich von allem, was gewesen ist, aber er hilft dir auch, einen neuen Anfang mit Gott zu machen.

Diese Zusage hat Euch Jesus Christus bei Eurer Taufe gegeben.

Und heute bei der Konfirmation sagt ihr Ja dazu. Dieses Ja ist eine Lebensentscheidung, eine Weichenstellung für euer Leben:

  • Ja, ich vertraue auf Gott mehr als auf alles andere,

  • Ja, ich vertraue darauf, dass Jesus Christus alles für mich bezahlt und mir vergeben hat,

  • Ja ich vertraue darauf, dass Jesus Christus mir das Gute zeigt und mir zum Guten hilft, zu dem was Gott gefällt.

  • Ja ich vertraue darauf, dass ich allein durch Jesus Christus Gottes Liebe und das ewige Leben erfahre, durch keinen anderen.

  • Weil er sein Leben für mich gegeben hat, habe ich ihn gern und will ihn in mein Leben hineinlassen.

  • Damit er und kein anderer mich führt und leitet zu dem Ziel, das er für mich bestimmt hat. Amen.

Wir beten:

Herr Jesus Christus, wir danken dir dafür, dass du uns gezeigt hast, was Gott gefällt. Wir danken dir für alles, was du für uns getan hast. Gib uns deinem Geist, damit wir tun, was dir gefällt, und bereit sind, zu deiner Liebe Ja zu sagen, damit wir dir die Tür zu unserem Leben öffnen, dich gern haben und auf dich mehr vertrauen als auf alles Andere in der Welt. Amen.