Foto von aufgeschlagenen Büchern

Predigt über Hebräer 4,12a

Joost Reinke


Gottes Wort, Jesus Christus, ist lebendig und kraftvoll - wie stellen wir uns dazu?

Gliederung:

  1. Gottes Wort bewirkt Wunder - es ist wunderbar
  2. Der Heilige Geist fordert durch das Wort Gottes Menschen zum Glauben heraus
  3. Gottes Wort trennt zwischen echt und falsch. indem es unsere wahren Motive aufdeckt
  4. Schlußresümee

(1.) Folgende Geschichte hat sich vor einigen Jahren in China ereignet: Eine ältere Frau lebte in einem kleinen chinesischen Dorf. Sie war schon lange ziemlich krank und beladen mit mancherlei Gebrechen. Als es ihr schließlich so schlecht ging, daß sie nicht mehr essen konnte und nur noch vor Schmerzen stöhnte, nahm ihr ältester Sohn sie auf einem Fahrradanhänger mit zum nächsten Krankenhaus. Das war ein langer und beschwerlicher Weg in die nächste Stadt. Im Krankenhaus angekommen, wurde sie gründlich untersucht, geröntgt, usw. Die Ergebnisse waren niederschmetternd, aber man unternahm in jenem chinesischen Kreiskrankenhaus doch eine Magenoperation. Allerdings mit dem Ergebnis, daß man die alte Frau gleich wieder zunähte, denn sie war unheilbar krank und man konnte ihr dort nicht weiterhelfen. Später wurde ihr der schlechte Befand mitgeteilt und gesagt: „Liebe Frau, hier können wir dir nicht mehr helfen. Wir werden dich entlassen, damit du zu Hause in Ruhe und in deiner gewohnten Umgebung sterben kannst. Wir haben deinen Sohn benachrichtigt, damit er dich wieder abholt. Es tut uns leid, aber wir können nichts mehr für dich tun.“

Weil nun der Sohn einen so weiten Anfahrtsweg hatte, stellte man die alte Frau mit ihrem Bett auf einen der Krankenhausgänge. Da stand sie nun für mehrere Stunden und wartete darauf, daß ihr Sohn sie wieder mit nach Hause nahm. Da kam eine Krankenschwester an ihrem Bett vorbei. Sie blickte auf die alte Frau und irgend etwas ließ sie gerade an diesem Bett anhalten. Sie sprach die alte Frau an und frage: „Weshalb stehen sie hier auf dem Gang?“ Die alte Frau erzählte der Krankenschwester ihre Geschichte und klagte ihr Leid. „Und jetzt“, sagte sie, „gehe ich wieder nach Hause, um zu sterben. Denn mir kann niemand mehr helfen.“

Die Krankenschwester antwortete: „Einen Moment, ich komme gleich wieder.“ Und als sie zurückkam, überreichte sie der Patientin ein kleines Büchlein. Es war ein Markus-Evangelium auf Chinesisch - in China damals eine sehr große Kostbarkeit und bis heute immer noch verboten. Die Krankenschwester war eine Christin, sie drückte der alten Frau den Bibel-Auszug in deren verkrümmte arthritische Hände und verabschiedete sich mit den Worten: „Lesen Sie das, denn das wird Ihnen helfen.“ Dann war sie wieder weg. Mittlerweile hatte der Sohn das Krankenhaus erreicht und lud seine Mutter wieder auf den Fahrradanhänger und zurück nach Hause ging die Fahrt über holprige Wege. Die alte schwer kranke Frau stöhnte leise bei jedem Schlagloch, das sie durchfuhren. Endlich, nach mehreren Stunden, kamen sie zu Hause an. Vorsichtig lud man die Mutter ins Haus, wo sich bereits die gesamte Großfamilie eingefunden hatte. Viele weinten leise, weil sie um den schlechten Zustand der Mutter und Großmutter wußten und darum, daß ihr nun niemand mehr helfen konnte.

Die alte Frau hielt immer noch in ihren verkrümmten, schon ganz steif gewordenen Händen das kleine Büchlein, das Markus-Evangelium auf Chinesisch. Als man sie auf ein weiches Bett gelegt hatte, rief sie ihren ältesten Sohn herbei und sagte ihm: „Mein Sohn, nimm doch bitte dieses kleine Buch hier und lies mir daraus vor. Denn das wird mir helfen.“ „Aber Mutter“, sagte der Sohn, „du bist doch jetzt viel zu schwach von der langen Fahrt und wir haben noch viel wichtigere Dinge miteinander zu besprechen als irgendein Buch zu lesen.“ „Sohn“, sagte die Mutter streng, „nimm jetzt das Buch und lies mir vor.“ Da setzte sich der Sohn an das Bett seiner Mutter und begann laut zu lesen. Er las die ersten Worte des Markusevangeliums: „Dies ist das Evangelium von Jesus Christus, dem Sohne Gottes.“ Und während er diese Worte las gab es auf einmal ein lautes Krachen im Raum. Die arthritischen Hände der Frau waren nicht länger verkrüppelt, ihr verbogener Rücken hatte sich gestreckt und sie setzte sich langsam im Bett aufrecht. Nach einigen Minuten sagte sie:

„Es geht mir schon viel besser. Ich werde mal aufstehen.“ Die gesamte Verwandtschaft saß da wie vom Donner gerührt. Und nach den ersten Schrecksekunden fielen sie schließlich auf ihre Knie und lobten diesen Sohn Gottes, den sie alle gar nicht kannten. Sie dankten Jesus in ihrem Haus.

Am nächsten Morgen machte die alte Frau, die nun auch wieder essen konnte, einen kleinen Spaziergang durch ihr Dorf. Da sahen sie andere Dorfbewohner am Brunnen und riefen völlig erstaunt aus: „Das ist doch die alte Frau Shang. Wieso kann die jetzt wieder laufen? Und guck mal ihre Hände an, die sind ja wieder ganz gesund. Im Nu versammelte sich eine Menschentraube um die nun Geheilte und sie wurde mit Fragen bombardiert:“ „Mutter Shang, welcher Arzt hat dich geheilt? Was hat man denn mit dir gemacht? Du bist ja wieder völlig gesund und kannst hier herumlaufen. Wie kommt das? So verrat uns doch endlich, wer dich geheilt hat?“

Da sagte Frau Shang bedächtig und in feierlichem Ton: „Dies ist das Evangelium von Jesus Christus, dem Sohne Gottes. Jesus Christus, der hat mich geheilt.“ „Wie, was ist los? fragten die Umstehenden. Kennt ihr den?“ Die Leute im Dorf waren außer sich und sagten: „Wer ist denn dieser Jesus Christus? Mutter Shang, erzähl uns doch mehr von dem Mann. Der muß ja ganz außergewöhnlich sein.“

Und da erzählte ihnen Frau Shang, was sie über Jesus aus dem Markus-Evangelium gehört hatte. - Es brauchte nur wenige Tage, da war das ganze Dorf bekehrt. Über 600 Menschen hatten sich für Jesus Christus entschieden und heute steht die mittlerweile uralte Schwester Shang einer Gemeinde von mehreren hundert Christen vor. Diese wahrhaft gute Nachricht blieb natürlich nicht geheim, sondern die Bewohner der Nachbardörfer bekamen davon Wind und auch dort bekehrten sich Menschen zu Jesus Christus, dem Sohn des lebendigen Gottes. Es setzte eine wahre Erweckungswelle ein, die in China bis heute nicht aufgehört hat. Täglich kommen dort Menschen zum Glauben an Jesus Christus, den Sohn des lebendigen Gottes. Ist das nicht großartig? Ist Gottes Wort nicht wunderbar?

Gott benutzte die scheinbar aussichtslose Situation einer schwer kranken Frau, und er gebrauchte in einer ganz bestimmten Situation eine christliche Krankenschwester an ihrem Arbeitsplatz, die ein offenes Ohr für sein Reden und einen Blick für einen Menschen in ihrer Umgebung hatte; vor allem aber benutzte Er in großer Souveränität sein lebendiges und wirksames Wort, damit sein Name dort in der chinesischen Provinz groß werden konnte und ungezählte Menschen das neue Leben im Heiligen Geist erfahren konnten. Gott will, daß jedem Menschen geholfen wird, egal ob er krank oder gesund, ob er alt und schwach oder jung und erfolgreich ist. Wer auch immer du bist, Gott sieht und kennt dich und er hat ein Interesse an deinem Ergehen und er will dir sein Heil schenken. Er will sein Wort an dir und mir wahr machen.

(2.) Gottes Worte sind mehr als nur menschliche Phrasen. Sie sind powervoll, voller Kraft. Gottes Wort ist lebendig, heilig und wirksam. Es verändert selbst hoffnungslos und ausweglos erscheinende Situationen - manchmal innerhalb von Sekunden. Der Heilige Geist bedient sich des Wortes Gottes und bewirkt damit Veränderung, er bewirkt Wunder.

Wer hätte gedacht, daß sich jemals eine komplette Großfamilie beim Lesen des ersten Verses aus dem Markus-Evangelium bekehrt? Hättet ihr das für möglich gehalten? Wer von uns hätte geglaubt, daß sich daraufhin ein komplettes Dorf für Jesus Christus entscheidet? Also ehrlich gesagt, ich nicht. Was trauen wir, du und ich, dem Wort Gottes noch zu? Speziell wir langjährigen Christen, die wir nicht immer „geübte Sinne“, sondern teilweise schon „getrübte Sinne“ für Gottes Wort und sein Wirken haben; wir, die wir mit dem Wort Gottes professionell umgehen, die wir Bibelstellen hin und her werfen und rauf- und runterdiskutieren. Was trauen wir ihm zu? - Gottes Wort ist voller Power, ist wie 100000 Ampére Strom. Da steckt so viel Dampf dahinter.

Gottes Wort ist wie ein gewaltiger Dampfhammer, der selbst härtestes Gestein zertrümmert – „Ist mein Wort nicht brennend wie Feuer, spricht der HERR, und wie ein Hammer, der Felsen zerschmettert?“ (so nachzulesen beim Propheten Jeremia, Kap. 23, 29)

Und wir, wir halten die Bibel oftmals ungläubig mit klammem Herzen in schlaffen und gleichgültigen Händen. Dabei scheint der Heilige Geist nur allzu begierig darauf zu warten, irgendwo auf dieser Welt - im Bild gesprochen - auf ein gut leitendes Kabelstückchen zu treffen, um seine heilende Kraft dann dort durchzujagen; die Bibel nennt dieses kleine Kabelstückchen übrigens "Glauben". Und wenn wir Glauben haben, wenn wir an Gottes Kraftquelle, an sein lebendiges und wirksames Wort angeschlossen sind. dann wird durch unser Leben die Kraft Gottes fließen, dann wird der Heilige Geist durch uns Wunder geschehen lassen. Kannst du dir das vorstellen: Gott will mit Hilfe seines Wortes durch dich Wunder bewirken? Er will daß andere Menschen durch dich sein Heil erfahren? Glaubst du das?

Du Mensch, willst du dem Worte Gottes glauben? Oder ist dir das zu viel, zu hoch, zu anstrengend? Willst du lieber dein bisheriges mehr oder weniger geistlich erfolgloses Leben weiterführen? Das kannst du machen, denn die Sache mit dem Kabelstückchen Glauben liegt bei dir. Gott zwingt niemanden zu irgend etwas. Gott zwingt dich nicht. Aber deine und meine Reaktion entscheiden darüber, ob unser Leben fruchtbar wird für ihn und sein Reich, powervoll oder aber leer und kraftlos.

Wenn Gottes Wort Widerhall in unseren Herzen findet, dann kann seine Kraft in unsere Welt hinein fließen, dann werden Zeichen und Wunder durch uns geschehen, dann werden sich Menschenherzen zu Jesus Christus, dem Sohn des lebendigen Gottes hinwenden - auch heute noch, auch hier bei uns. Denn Gottes Wort ist lebendig und wirksam. Der Apostel Paulus redet in bezug auf das Wort Gottes im Epheserbrief, Kap. 6, von einem Schwert: übrigens der einzigen „Angriffswaffe“ des Christen. Auch hier in unserem Vers im Hebräerbrief wird das Wort Gottes mit einem Schwert verglichen. (4,12 lesen)

Weiter: (3.) Gottes Wort ist machtvoll und deckt unsere wahren Motive auf. Wir können unseren Nachbarn, Freunden und Verwandten viel erzählen, du kannst deinem Pastor alles mögliche an Ausreden auftischen, aber das Wort Gottes ist wie ein Schwert und wie ein unbestechlicher Richter unserer Gedanken und Motive. Gottes Wort ist unnachgiebig, es offenbart uns unsere wahren Motive und Absichten. Der Heilige Geist nimmt das Wort Gottes und will damit in unserem Leben Veränderung bewirken.

Wenn wir bedenken, wie stark bereits menschliche Worte wirken können - ein Blick in die Geschichte zeigt, wie stark menschliche Manifeste sich teilweise ausgewirkt haben - wieviel mehr gilt das für das lebendige Wort Gottes. Gott selbst bezeugt: Durch mein Wort baue ich auf und reiße ich nieder.

Die Kirchengeschichte beweist, daß da, wo Menschen Gottes Wort ernst genommen haben, wo sie damit gekämpft und gerungen haben und sich schließlich von diesem Wort haben überwinden lassen, da ist etwas geschehen. Eines der bekanntesten Beispiele ist der Reformator Martin Luther, durch den Gottes Wort mächtig gewirkt hat und eine ganze verkommene Kirche aus den Angeln gehoben wurde. Gleiches gilt - wenn auch in kleinerem Maßstab - für den Begründer des deutschen Baptismus, Johann Gerhard Oncken, der bei aller Knorrigkeit und Sturheit, die Kraft des Wortes Gottes erkannt hatte. Gleiches ließe sich von einem Hermann Heinrich Grafe oder Carl Brockhaus sagen.

Und wenn du und ich das Wort Gottes ernst nehmen, dann wird Gott uns auch ernst nehmen. Dann wird in unserem Leben und durch unser Leben etwas geschehen, etwas zu seiner Ehre, zum Bau seines Reiches, etwas, das uns verändern wird.

Während im ersten Teil unseres Textes das Wort Gottes mit einem göttlichen Schwert verglichen wurde, geht es nun um das Richtermotiv. (4, 12b und 13 vorlesen.)

Gottes Wort dringt durch alle Äußerlichkeiten hindurch und legt die Gedanken unserer Herzen bloß. Vor den Augen Gottes werden unsere Motive aufgedeckt. Das griechische Wort für „aufgedeckt“ meint einmal den Vorgang, wenn ein Tier gehäutet wurde. Dazu hängte man das tote Tier auf und zog ihm sein Fell ab. Das Tier wurde „aufgedeckt/bloßgelegt.“ Zwar zieht Gott uns nicht das Fell ab, aber er blickt uns unter die Haut. Sein Wort geht uns unter die Haut und selbst unsere verborgensten Seelenwinkel liegen dann offen vor ihm da.

Eine weitere Wortbedeutung entstammt der damaligen Ringersprache. Was in deutsch mit „aufgedeckt/bloßgelegt“ umschrieben ist, bedeutete damals, seinen Gegner so an der Kehle gepackt zu haben, daß der andere blitzartig flachgelegt war, nach Luft jappste und sich nicht mehr rühren konnte.

Genau um diese k.o.-Wirkung des Wortes Gottes geht es hier- da wo Gott persönlich uns blitzartig an der Kehle gepackt hat und wir zu Boden gedrückt werden. Wir schimpfen dann manchmal über die Umstände oder irgendwelche anderen Menschen, wir versuchen uns wieder frei zu strampeln, aber letztlich ist es Gott selbst, der an uns handelt. Er hält uns im Klammergriff, damit wir manche Lektionen nun endlich mit Nachdruck lernen mögen. Der Kraft seines Wortes vermag auf Dauer niemand zu entfliehen. Sein Wort stellt uns ihm gegenüber, Auge in Auge.

(4.) In der Predigt heute ging es um die verschiedenen Kraftwirkungen des Wortes Gottes. Sein Wort greift bis heute machtvoll in das Leben von Menschen ein, nicht um zu zerstören, sondern um uns zu retten und uns zum Heil zu führen. Erinnern wir uns abschließend an die Geschichte. aus der chinesischen Provinz: Darin spiegelt sich die wahrhaft frohe Botschaft von Jesus Christus, dem Sohn des lebendigen Gottes. (Text lesen).

Gott wird jeden segnen, der sein Reden ernst nimmt und sich darauf einläßt. Amen.