Foto von aufgeschlagenen Büchern

Predigt über Hebräer 5,7-9

Prädikantin Ursula Fuß (ev)

21.03.2010 in Offstein

Liebe Gemeinde,

 

wir befinden uns mitten in der Passionszeit.

In dieser Zeit gedenken wir des Leidens Christi.

Unser Blick richtet sich nach Jerusalem und auf das Geschehen am Kreuz.

 

Wir können uns mit dem Passionsgeschehen auf verschiedene Art auseinandersetzen.

Da gibt es Passionsfestspiele, die Johannes und die Matthäuspassion von J. S. Bach. Außerdem könnte man einen der vielen Jesusfilme anzusehen, die kurz vor Ostern im Fernsehen laufen.

 

Und ….es gibt die Aktion 7 Wochen ohne ….

Seit Aschermittwoch nehmen bundesweit viele Christen/innen daran teil. Im Allgemeinen wird in dieser Zeit gefastet.

Die Teilnehmer treffen sich regelmäßig, meist einmal in der Woche, um über die eigenen  Erfahrungen mit ihrem persönlichen Verzicht  zu reden.

So wird die Passionszeit bewusster erlebt.

 

Vor kurzem bekam ich zu hören:

„Ach, ihr mit diesen neumodischen Ideen. Fasten…“ ein Abwinken!

Ich riet zu einem Blick in die Bibel.

Denn, fasten ist keine Erfindung unserer Zeit.

Jesus hat auch gefastet.

Er zog sich in die Wüste, auf einen Berg oder in einen Garten zurück und betete intensiv. Er suchte Kontakt zu Gott, im Verzicht,

in der Konzentration auf das Wesentliche.

 

In diesem Jahr ist es mit den 7 Wochen  bis Ostern etwas anders.

Das Motto heißt nämlich:

NÄHER! -- 7 Wochen …ohne Scheu.

Nicht verzichten- nein- etwas bewusst tun, oder wieder tun.

Nähe wagen?!

 

Das Deckblatt des Fasten- Kalenders,

sie haben es vor sich,

zeigt eine junge Frau, die lächelnd hinter einer halbgeöffneten Tür hervorsieht. Ja, es sieht so aus, als gehe sie ohne Scheu auf jemanden zu. Einladend öffnet sie die Tür, zur Wohnung, zum Haus, zu sich?

 

Und da sind wir mittendrin in unserem Predigttext. Denn Jesus ging auf Menschen zu. Er feierte mit ihnen und er half überall und jedem, der ihn um Hilfe bat. 

Er berührte die Menschen, wollte sie anstecken mit Glauben, Zuversicht und Hoffnung. So lebte er Nähe. In der Bibel sind uns viele Beispiele überliefert. Jesus forderte die Menschen auf, es ihm gleich zu tun.

Das alles im Auftrag Gottes.

Jesus sagte:“ Denn ich bin vom Himmel gekommen, nicht damit ich meinen Willen tue, sondern den Willen dessen, der mich gesandt hat.                 

                                                                                       Joh. 6,38

Er war gehorsam.

 

Wie sieht es bei uns mit Nähe aus?

In früheren Jahrhunderten wohnten die Menschen oft weiter voneinander entfernt. Ich glaube, trotzdem war man sich oft näher als heute.

Der direkte Kontakt war nötig, um Informationen weiterzugeben und sich gegenseitig zu helfen. Aus Erzählungen und auf alten Bildern unserer Eltern und Großeltern ist oft viel Nähe zueinander zu erkennen.

z. B. zwei ältere Frauen im Gespräch vertieft, auf einer Bank sitzend. Ganz vertraut und gemütlich.

Wann nehmen wir modernen Menschen uns dazu noch die Zeit? Damit möchte ich nicht sagen, dass früher alles besser oder schöner war. Es war eben anders.

Heute mit Telefon, Fernseher und Computer sitzen wir oft alleine im Zimmer und erfahren die neuesten Nachrichten trotzdem in Sekundenschnelle. Das alltägliche Leben hat sich sehr verändert.

 

Keine Frage, mit dem Partner, den Kinder und Eltern sind wir eng verbunden.

 

Außerhalb der Familie gibt es sicher viele allein stehende Menschen, die Kontakte suchen.

Sie haben niemanden  oder niemanden mehr, der sie in den Arm nimmt.

Manchmal trifft man aber jemanden, der Nähe nicht so gerne mag. Das sollte dann respektiert werden.

 

Nähe ist aber nicht nur körperlich gemeint.

 

Vertrauen haben, offen reden können und sicher wissen:

Da wird nichts ausgeplaudert.

So einen Menschen wünscht sich wohl jeder.

Bestimmt haben sie schon einem/r Freund/in zugehört wenn er/sie Sorgen hatte.

 

Zusammenrücken und echte Anteilnahme zeigen, das bedeutet auch Nähe.

In Freude - und bei Ängsten erst recht.

Liebevolle Zuwendung ist eines der kostbarsten Geschenke überhaupt.

 

Ich glaube, Gott erwartet von uns, dass wir Nähe verschenken. Deshalb hat er seinen Sohn geschickt- als Wegweiser. Jesus hat uns vorgelebt, wie Leben gelingen kann.

 

Es liegt in unserer Hand, ob Gott sichtbar wird. Das können kleine Gesten sein, wenn wir aufmerksam und hilfsbereit füreinander da sind.

Dann öffnen sich Türen und Herzen.

 

Erschreckend sind  für mich Nachrichten, dass ein Mensch wochenlang tot in seiner Wohnung lag.

Keiner vermisste ihn. Das kann doch nicht sein.

Das betrifft längst nicht nur ältere Menschen.

Anonymität und Gleichgültigkeit sind ein Problem in unserer Gesellschaft geworden.

Wie viel Einsamkeit spricht aus einer solch kleinen Zeitungsnotiz.

Die Augen und Ohren offen halten, hören und sehen, wo Hilfe nötig ist. Das soll unsere Reaktion und unser Handeln nach Gottes Geboten sein. 

Die Freiheit uns selbst dafür zu entscheiden ist ein Geschenk Gottes.

 

Die Theologin Dorothee Sölle sagte es so: Gott hat nur unsere Hände. Als ich diesen Ausspruch zum ersten Mal hörte, habe ich mir lange meine Hände angesehen.

Ich finde: Das hat Frau Sölle schön ausgedrückt.

 

Durch unsere Hände können wir anderen sehr viel Nähe geben.

Die liebevolle Pflege eines Babys,

lässt das Kind Liebe spüren,

den Tisch für liebe Freunde decken,

den Partner liebkosen,

einem alten Menschen die Hand halten

oder auch ein Tier streicheln.

Da kann jeder für sich eine beliebig lange  Liste aufstellen.

 

Jesus, unser Bruder schenkte Nähe. Er war gehorsam.

Er ging seinen Weg - gehorsam bis ans Kreuz.

Er hat Gott angefleht, wie es in unserem Predigttext heißt, „ in Bitten und Flehen“ ihm diesen Weg zu ersparen.

„Doch nicht was ich will, sondern was du willst geschehe.“
Jesus nahm den Willen Gottes an.

So hat er sogar am Kreuz für seine Peiniger gebeten:

„….. vergib ihnen, denn sie wissen nicht was sie tun“

Jesus hat das Leben geliebt Er hat für das Leben gekämpft. Er hatte Mitleid mit Armen und Kranken. Jesus hat sich mit ihrem Leid nicht abgefunden. Seine Liebe zu den Menschen war so groß, dass er sein Leben für alle hingab.

 

Deshalb müssen wir unser Leben, dieses kostbare Geschenk, nicht in Gefahr bringen. Wir können stattdessen aufmerksam wahrnehmen, wo unsere Nähe gewünscht, ja gebraucht wird.

Liebevoll von uns selbst wegsehen auf unsere Mitmenschen. Das können wir üben!

Was wir zurückbekommen wird uns erstaunen- Dankbarkeit und Nähe- die auch unser Leben reich macht!

 

Am Ende unseres Predigttextes steht:

 „ und als er vollendet war, ist er für alle die ihm gehorsam sind, zum Urheber des ewigen Heils geworden.“

Viele Texte der Bibel zeigen uns, wie Gehorsam zum Segen werden kann.

 

Wir dürfen gewiss sein, dass das Leiden Christi nicht vergebens war.

Durch Jesu Tod  schenkt Gott uns ewiges Heil und damit einen neuen Anfang.

Amen.

Und der Friede Gottes der höher ist als alle  Vernunft bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.