Foto von aufgeschlagenen Büchern

Predigt über Johannes 11, 1-45

Franziskanerpater P. Dietmar Brüggemann (rk)

06.04.2014 im Franziskanerkloster Füssen

Sonntagsgottesdienst

Möchten Sie wiederbelebt werden,
wenn bei Ihnen ein Herzstillstand eingetreten ist?

Diese Frage, liebe Schwestern und Brüder,
wird sich jeder gestellt haben,
der schon einmal eine Patientenverfügung gelesen
und ausgefüllt hat.
Denn wenn ein Notfall-Rettungsteam sie leblos antrifft,
ist es verpflichtet, Wiederbelebungsmaßnahmen einzuleiten.
Und das kann gut ausgehen,

sie können wieder gesund in ihr gewohntes Leben zurückkehren.
Es kann aber auch anders ausgehen
und sie liegen dauerhaft ohne Bewusstsein

womöglich jahrelang in einem Wachkoma.

Eine wichtige Frage also:
Möchten Sie wiederbelebt werden?

Der, um den es heute im Evangelium geht, Lazarus,
dem ist diese Frage nicht gestellt worden.

Jesus tut es einfach.
Er belebt Lazarus wieder, weckt ihn aus dem Todesschlaf auf.
ja er exhumiert ihn sogar,
holt ihn aus dem Grab heraus.
Das ist ja eigentlich ein Gesetzesverstoß:
Störung der Totenruhe.

Und warum tut Jesus das,
warum wagt er diesen so ungeheuren Übergriff

in das Hoheitsgebiet des Todes?

Es dient, so sagt es Jesus selbst,
der Verherrlichung Gottes.
So soll der Sohn Gottes verherrlicht werden.
Verherrlichung meint hier:
Es soll gezeigt werden, wer Gott,
und wer sein Sohn in Wirklichkeit ist:
Die Auferstehung und das Leben.
Jesus sagt: Ich bin die Auferstehung und das Leben.
Wer in meinen Armen ankommt,
der landet im wirklichen ewigen Leben,
im Licht und im Frieden ohne Ende.

Jesus erscheint im Evangelium als der wahre Bestatter,
der den Verstorbenen an den Ort begleitet,
von wo er hervorgegangen ist
und wohin er schließlich zurückkehrt,
wo er wirklich für immer zuhause sein kann,

im Schoß der göttlichen Liebe.
Und darum macht Jesus in gewisser Weise

die erste Beisetzung des Lazarus rückgängig.
Er ruft Lazarus aus dem Grab heraus.

Er ruft ihn beim Namen.
Wie Gott ihn in der Ewigkeit beim Namen rufen wird.
Jesus sagt: Löst ihm die Binden
und lasst ihn weggehen.
Fesselt den Verstorbenen nicht an euch.
bemächtigt euch seiner nicht.
laßt ihn los, lasst ihn dahin gehen,
wo er hingehört,
in Gottes ausgebreitete Arme.

Darum, liebe Schwestern und Brüder,
wird Lazarus wiederbelebt,
damit er die Möglichkeit hat,
irgendwann richtig zu sterben.
Und richtig sterben, das heißt,
sich ganz in die Hände dessen geben,
der von sich sagt: ich bin die Auferstehung und das Leben.
Wer an mich glaubt wird leben, auch wenn er stirbt.

Und jeder, der lebt und an mich glaubt,
wird auf ewig nicht sterben.

Darum ist es so wichtig, liebe Schwestern und Brüder,
daß es bei uns eine geschützte Kultur
des Umgangs mit den Verstorbenen gibt.
Ein Verstorbener ist nicht unser Privatbesitz,
dessen wir uns bemächtigen und mit dem wir machen können was wir wollen,
- dessen Urne wir uns nicht wie eine Antiquität ins Regal stellen dürfen.
Deshalb müssen wir auch die Namen der Verstorbenen achten
und dürfen sie nicht auf einem anonymen Rasenfeld auslöschen,
weil es jene besonderen und kostbaren Namen sind,
mit denen uns Gott in der Taufe gerufen hat
und uns ins ewige Leben hineinruft.

Liebe Schwestern und Brüder.
Die Frage ist wichtig: Möchten Sie wiederbelebt werden?
Aber noch wichtiger ist die Frage Jesu im Evangelium an Marta:
Glaubst du das,
Glaubst du
daß Gott dich auffängt, wenn du stirbst.
Er. Der dich erschaffen hat und dich durch dein ganzes Leben begleitet hat.
Er hat schon einen Platz für dich reserviert.

Wenn du dich nur in seine Arme fallen lässt.