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Predigt über Johannes 11

Pfarrer H. Bockmühl

12.03.2005 in den Pfarrkirchen von Königheim und Gissigheim

A. Einleitung: 5. So i. d. FaZei. Lazarus.
Das war eine Regel im alten Rom: ein siegreicher Feldherr wurde bei seiner Rückkehr in die Hauptstadt, über die via appia, ein triumphaler Empfang bereitet, er wurde mit einem triumphalen Empfang geehrt.
Es gab im alten Rom aber noch eine zweite Regel: dem geehrten Feldherrn wurde vom Senat ein Priester zur Seite gestellt, der ihn auf dem Triumphzug begleitet hat, der ihm immer wieder zugerufen hat:
Vergiss nicht, dass du nicht ein unsterblicher Gott bist;
vergiss nicht, dass du auch nur ein sterblicher Mensch bist.

B. Überleitung.
Wir haben soeben den Bericht des Evangelisten Johannes von der Erweckung es Lazarus gehört. Ich möchte Sie einladen, dass wir uns für dieses Evangelium etwas Zeit nehmen, es bedenken, weil es wertvoll ist; weil wir in diesem Evangelium, in diesem Bericht von der Erweckung des Lazarus an wichtige Wahrheiten erinnert werden, die wir immer wieder vergessen.

C. 1. Hauptteil
Eine erste Wahrheit, eine erste Wirklichkeit auf die wir in diesem Evangelium hingewiesen werden: eine Wirklichkeit; die wir immer wieder vergessen, verdrängen, die aber zu unserem Leben gehört, ist der Tod. Wir können jetzt an den Tod des Lazarus denken: davon wird in den Versen 14 und 17 berichtet: Der Freund des Herrn, Lazarus, ist gestorben. Als Jesus nach Bethanien kommt, ist er schon drei Tage tot;
wir können aber auch an den Tod eines anderen Menschen, oder an den bevorstehenden, eigenen Tod denken.
Noch deutlicher als hier werden wir im 11. Kapitel des Lukas – Evangeliums vom Heiland auf diese zur Welt und zum Leben eines jeden Menschen gehörende Wirklichkeit hingewiesen: Dort wird gesagt: Der Herr der Welt: das war in früheren Zeiten nicht der siegreiche Feldherr, der König und der Kaiser: das war der Tod; und in der heutigen Zeit ist es ebenso: der Herr der Welt das ist nicht ein Präsident, weder der Präsident der USA noch der von Russland; das ist auch nicht der Bundeskanzler, oder ein anderer Machthaber: der Herr der Welt ist auch in unserer Zeit der Tod.
Und weil der Tod der Herr der Welt ist, deshalb ist diese unsere Welt, wenn wir es recht bedenken, ein Gefängnis, in dem wir, in dem alle Menschen dieser Erde sitzen, aus dem wir nicht herauskommen, in dem wir warten müssen, bis die Stunde der Hinrichtung, die Todesstunde, bis der Tod kommt. Und wenn der Tod kommt, dann ist es mit dem Menschen vorbei. Das ist eine erste Wahrheit, die wir Menschen immer wieder vergessen.

C. 2. Hauptteil
Eine zweite Wahrheit, auf die wir im heutigen Evangelium hingewiesen werden, die wir immer wieder vergessen: Mächtiger, stärker als der Tod ist der Mensch Jesus von Nazareth. Weil der Mensch Jesus von Nazareth Gott selbst ist, der in Menschengestalt auf Erden erschienen ist: Lk 11, 22.
Von dieser Macht des Menschen Jesus von Nazareth wird im Evangelium berichtet: Auf das Wort Jesu hin: Lazarus komm heraus: V43, kehrt der drei Tage tot gewesene Freund ins irdische Leben zurück. Für die Wahrheit dieses Berichts verbürgt sich der Evangelist Johannes.
Und wenige Wochen später, das sagt uns derselbe Evangelist, ist es diesem Jesus von Nazareth: diesem mächtigeren, stärkeren Herrn durch sein Sterben am Kreuz gelungen, in die Unterwelt, in die innerste Kammer der Welt, in den Wohnbereich, in die Kommandozentrale des Todes vorzudringen, einzudringen.
Und in der Auferstehung hat der Mensch Jesus von Nazareth den Tod besiegt, und aus der Mitte, aus der innersten Kammer der Welt hinausgeworfen.
Und seit diesem Sieg des Herrn Jesus über den Tod ist die Mitte der Welt nicht mehr der Tod, sondern das Herz, die große Liebe des Menschen Jesus von Nazareth. Und seit dem Sieg Jesu über den Tod ist der Herr der Welt nicht mehr der Tod, sondern der gekreuzigte und auferstandenen Mensch Jesus von Nazareth.

C. 3. Hauptteil
Den Hinweis auf eine dritte, wichtige, oft vergessene Wahrheit finden wir in dem kleinen Vers 3: Die beiden Schwestern lassen dem Heiland eine Nachricht zukommen: „Herr, Kyrie, der den du lieb hast ist krank“.
Das vergessen wir immer wieder: wie wichtig das ist: damit das gelingt: der Sieg über den Tod, die gegenseitige Liebe.
Das sollten wir bedenken: Weil das vorhanden war, eine wirkliche Freundschaft: die gegenseitige Liebe, ein gegenseitiges Vertrauen, eine gegenseitige Wertschätzung und Hochachtung: zwischen den drei Geschwistern Lazarus, Martha und Maria einerseits, und dem Menschen Jesus von Nazareth anderseits,
deshalb konnte all das geschehen, wovon Johannes im Evangelium berichtet:
deshalb haben die beiden Schwestern den Heiland benachrichtigt, gerufen als der Bruder gestorben war;
deshalb ist der Heiland gekommen, als er gerufen wurde, und deshalb hat er am Grab des Lazarus geweint;
deshalb hat der Heiland den Lazarus aus dem Tod ins Leben zurückrufen können: will Gott Liebe ist, weil die Liebe stärker ist als der Tod; wie die Liebe allmächtig, weil die Liebe Gott selbst ist: Gott ist die Liebe: 1 Joh 4, 8.

D. Schluss:
Ich möchte Sie einladen zum Gebet: der Heiland möge uns das Wichtigste, die beste Gabe Gottes geben: die gegenseitige Liebe.
Wenn das vorhanden ist: dann sind wir in Gott: 1 Joh 4,16b: Gott ist Liebe, und wer in der Liebe bleibt, bleibt in Gott und Gott bleibt in ihm.
Und wenn wir in Gott sind, dann werden wir von Gott immer wieder in der Liebe gestärkt.
Und wenn uns das zu Eigen ist: eine starke Liebe: dann können wir immer wieder Gutes tun; dann können wir immer wieder das Negative, den Hass, die Feindseligkeit, den Tod besiegen; dann können wir vorwärts gehen auf dem steilen Weg: auf dem Weg der Gottesliebe, der Nächstenliebe, von der vorhandenen Liebe zur Vollkommenheit in der Liebe; vom jetzigen zum ewigen, unzerstörbaren Leben.

Amen.