Foto von aufgeschlagenen Büchern

Predigt über Johannes 14,1-12 und 1.Petrus 2,4-9

Pastoralassistent Florian Joos

19.04.2008 in drei Kirchen in der Stadt Freiburg/Schweiz

Liebe Schwestern und Brüder,

Was Jesus hier sagt, kostet uns als Zuhörer und Zuhörerinnen Arbeit. Es muss von den Ohren in den Kopf und vom Kopf ins Herz. Bis es aber vom Kopf ins Herz gesickert ist, kann ein ganzes Menschenleben vergehen.
Ich möchte zwei Gedanken des Evangeliums aufnehmen: Den Gedanken des Trostes und den Gedanken des Weges.
Jesus sagt diese Worte beim letzten Abendmahl.
Es sind Abschiedworte an die Jünger: „Euer Herz lasse sich nicht verwirren und erschrecken, wenn ihr mich morgen am Kreuz hängen seht. Glaubt an Gott und glaubt weiter an mich.“
Es sind Abschiedworte an die Jünger und es sind Trostworte an die Christen und Christinnen aller Zeiten: „Lasst euch nicht durcheinander bringen vom Kreuz, vom Hunger, vom Krieg, vom Streit in der Welt, vom schweren Schicksal. Glaubt weiter an die Liebe Gottes und glaubt an mich!“
An Jesus glauben, ohne sich erschrecken zu lassen vom Kreuz.
An die Liebe des Vaters im Himmel glauben, ohne sich verwirren zu lassen von Hass und Habsucht vieler Menschen.
An die Kraft des Heiligen Geistes glauben, ohne sich entmutigen zu lassen von den Sachzwängen und lebensfeindlichen Fakten in dieser Welt, in dieser Kirche, in mir selbst.

Jesus spricht hier ein grosses Wort des Trostes. Und viele Menschen, die ich persönlich kenne, leben diesen Trost. Hier in unserer Pfarrei begegnen mir Menschen, die schwer zu tragen haben am eigenen Schicksal und die trotzdem ein so frisches und glaubwürdiges Zeugnis ablegen von der Liebe Gottes, von der Nähe Jesu und von der Kraft des Heiligen Geistes! Fragt mich nach Namen und ich nenne euch auf Anhieb viele, sehr viele, die ihre Behinderung, ihre Schmerzen, den Tod von Partner oder Kind, das Auseinanderbrechen der Familie nicht zum Anlass nehmen ihren Weg mit Jesus abzubrechen. Im Gegenteil:
Sie zeigen in ihrer Trauer so viel Gottvertrauen, sie strahlen mit ihrem Kreuz auf der Schulter so viel Energie und Lebensmut aus, dass man sich fragt, wo sie diese Kraft hernehmen.
Vielen Menschen hier mitten unter uns nimmt man sofort ab, dass sie von Gott getragen, von Jesus begleitet und vom Heiligen Geist erfüllt sind.

In den Worten, die wir gerade von Jesus gehört haben, liegt viel Trost.
Ich lade sie ein, einen Moment lang die Augen zu schliessen und die folgenden Worte vom Kopf ins Herz sickern zu lassen: Jesus spricht sie ganz persönlich zu jedem von uns:
Lass dich nicht verwirren. (kurze Stille)
Glaub an Gott und glaub an mich. (kurze Stille)
Im Haus meines Vaters sind viele Wohnungen. (kurze Stille)
Ich, Jesus, bereite einen Platz für dich vor. (kurze Stille)
Ich werde dich zu mir holen, damit du da bist, wo ich bin. (kurze Stille)

Der zweite Gedanke: Jesus ist der Weg.
Es gibt in unserer Zeit viele Entwicklungen, die beunruhigend sind. Die Welt wächst zusammen und was in China, in Tibet oder in Haiti passiert, kann uns unmöglich kalt lassen. Die Menschheit steht vor sehr grossen Herausforderungen und es stellt sich die Frage, was die richtigen Wege sind, ihnen zu begegnen. Liegt die Lösung des Hungers in der Welt in der Gentechnik, während Spekulanten den Getreidemarkt leerkaufen und Nahrungsmittel in Benzin verwandelt werden? Kann man dem Klimawandel mit Energietechnik begegnen, während wir - ich eingeschlossen – nicht fähig sind auf einen gewissen Lebensstandard zu verzichten? Die deutsche Kanzlerin Merkel hat es neulich auf den Punkt gebracht: „Wir müssen uns entscheiden, ob uns im Verhältnis zu China die Menschenrechte wichtiger sind oder die Geschäfte.“
„Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben“ sagt Jesus und wir Christen und Christinnen haben den Anspruch, diesem Weg des Lebens zu folgen. Es gibt genug Menschen, die sich der Lüge verschreiben, sich selbst in den Mittelpunkt stellen und das Leben mit Füssen treten.
Dem Weg Jesu folgen ist aber nicht einfach. Ich persönlich kann und möchte ihn nicht alleine gehen. Ich brauche Menschen, die mir Beispiel sind, die Zeugnis geben, die mich weiterbringen im Glauben. Viele gibt es, die vor mir waren und viele, die mit mir gehen, auf die ich meinen Glauben baue. Manche vielleicht wird es geben, die wieder ihren Glauben auf meinem Zeugnis aufbauen.

Im Petrusbrief hören wir von der Idee vom geistigen Haus aus lebendigen Steinen. Wir dürfen lebendige Steine sein, ein gewaltiges Haus bilden - mit Jesus als Eckstein. Backsteine, die einzeln irgendwo in der Landschaft liegen, sind wertlos, ja hinderlich. Erst Steine, die sich einbauen lassen in ein Haus, haben ihren Sinn gefunden und erfüllt.
Das neu zu entdecken und zu leben ist unsere Herausforderung als Pfarrei.
Menschen einladen, unseren Glauben, unsere Zweifel und Fragen teilen,
zu Weggemeinschaften zusammenzuwachsen – das ist unser Ziel.

Jesus schenkt uns Trost, sein Geist schenkt uns Gemeinschaft, seine Gemeinschaft schenkt uns Halt.

Amen.