Der Predigtpreis - Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG

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Predigt über Johannes 14,15-21

Pfarrer Matthias Blaha (rk)

01.05.2005 in Nassenfels / Attenfeld

standby – Beistand

Material: Fernbedienung

* So eine Fernbedienung ist schon was Praktisches: Damit kann ich zwischen den Fernsehprogrammen hin- und herschalten, die Lautstärke ändern und muss dazu mein geliebtes Sofa keinen Augenblick im Stich lassen. Selbst wenn ich den Fernseher ausschalte, brauch ich nicht aufzustehen: die rote Standby-Leuchte signalisiert, dass das Gerät in Bereitschaft bleibt – ein Tastendruck genügt, und der schwarze Bildschirm zeigt wieder bewegte Bilder.

* Standby – eine bequeme Einrichtung in Fernsehern, Stereoanlagen und Computern, um aus dem Ruhezustand sofort in den Betrieb wechseln zu können.

* Standby – das Wort wird mit „Bereitschaft“ übersetzt; wörtlich ins Deutsche übertragen bedeutet es „Beistand“.
Ein Beistand – das ist jemand oder etwas, das im Hintergrund schlummert, um jederzeit aktiv werden zu können, wenn es gebraucht wird. Wie eben ein Fernseher im Standby-Betrieb.

* Im Standby-Betrieb für uns befindet sich ständig, in jedem Augenblick unseres Lebens, eine göttliche Person.
Unaufdringlich im Hintergrund, immer in Bereitschaft, jederzeit und überall aktivierbar über eine besondere „Fernbedienung“.

* Wer dieser „Standby-Gott“, dieser Gott als Beistand ist, hat Jesus seinen Freunden kurz vor seinem Tod verraten: Der Heilige Geist.
Der Heilige Geist, sagt Jesus, wird immer bei euch bleiben, auch dann, wenn ihr mich nicht mehr auf dieser Erde seht. Euer Beistand wird der Heilige Geist sein; er ist immer auf Abruf in eurer Nähe. Sobald ihr ihn aktiviert, steht er euch zu Diensten und wirkt in euch.
Dieses Versprechen Jesu, dass der Heilige Geist als „Standby-Gott“, als Beistand, immer bei seinen Freunden bleibt, gilt heute für mich und für Sie, liebe Schwestern und Brüder. Denn heute sind wir die Freunde Jesu. Schön. Aber zwei Fragen bleiben:
1. Wie sieht die „Fernbedienung“ aus, mit der ich diesen Beistand aktivieren kann?
2. Was bringt mir dieser Beistand im alltäglichen Leben?

* Gehen wir gleich die erste Frage an. Mit welcher „Fernbedienung“ kann ich den Heiligen Geist, den Beistand, aktivieren, damit er in mein Leben tritt?
Die Antwort liefert Jesus selbst: Liebe Gott und halte meine Gebote.
Gott lieben heißt vor allem, Zeit für ihn zu haben – fürs Gebet, für den Gottesdienst. Die Gebote Jesu halten, das beinhaltet diese Liebe zu Gott, geht aber über sie hinaus. Denn das Gebot Jesu besagt, Gott zu lieben, aber auch den Nächsten und sich selbst. Dabei ist die Liebe zu sich selbst der erste und wichtigste Schritt. Denn jemand, der sich selbst nicht leiden kann, der mit sich und seinem Leben unzufrieden ist, wird auch niemand anderen und auch nicht Gott leiden können. Denn er wird wegen seiner Unzufriedenheit mit sich selber immer neidisch sein auf andere, und er wird Gott Vorwürfe machen, warum der ihm nicht noch dies und jenes gibt.
Andersherum kann jemand, der mit sich selber im Reinen ist, dem anderen auch was gönnen, er kann sich am Erfolg des anderen mitfreuen; er erträgt es, dass der andere mehr hat oder berühmter ist als er, denn er ist mit sich, so wie er ist, zufrieden. Dafür wird er auch seinem Gott dankbar sein. So jemand liebt sich – und wird daraus fähig, Mitmenschen und Gott ebenso zu lieben.
Und so jemand, liebe Schwestern und Brüder, hat die Fernbedienung in der Hand, mit der er den Heiligen Geist in seinem Leben aktiviert. Ein Mensch, der lieben kann – sich wie andere – sorgt dafür, dass der Heilige Geist in seinem Leben zu wirken beginnt.

* Womit wir nun bei der zweiten Frage sind: Wie wirkt dieser Heilige Geist im Leben eines Menschen?
Auch hier antwortet Jesus: Der Heilige Geist lässt den Menschen die Wahrheit erkennen. Und diese Wahrheit lautet – formuliert von Jesus selbst: „Ihr seid in mir, und ich bin in euch.“

* Ihr seid in mir: Jede und jeder von uns hat einen Platz im Herzen Jesu; jeden und jede von uns liebt Jesus; für jede und jeden von uns sorgt Jesus – dies sind Wahrheiten, liebe Schwestern und Brüder, für die sich Jesus selbst verbürgt! Die Heilige Teresa von Ávila hat diese Wahrheit erkannt und sie in folgende Worte gefasst: „Gott und ich – wir beide sind immer die Mehrheit.“ In jedem Augenblick meines Lebens – und über dieses Leben hinaus – steht Jesus auf meiner Seite.
Wer diese Wahrheit kapiert hat, kann optimistisch und gelassen durchs Leben gehen; er weiß: egal was kommt – Jesus ist für mich da.
Dies ist ein Teil der Wirkung des Heiligen Geistes im Leben eines Menschen, der diesen Geist aktiviert: So ein Mensch geht angstfrei und voller Freude durchs Leben.

* Ich bin in euch: Jesus ist in jedem Menschen zu finden. Auch das ist eine Wahrheit, die Jesus selbst gelehrt hat! Wer sich bewusst ist: in jedem Menschen begegne ich Jesus!, der wird sich hüten, jemandem Böses zu tun, sondern im Gegenteil Respekt vor dem anderen haben, ihm Zuneigung, Freundlichkeit und Wohlwollen entgegenbringen.
Diese Wirkung des Heiligen Geistes verhindert Gewalt und ermöglicht Frieden zwischen den Menschen – im Wissen: in jedem Menschen lebt Jesus!

* Liebe Schwestern und Brüder, der Beistand – der Heilige Geist – ist uns sicher. Jesus hat ihn uns versprochen. Indem wir versuchen, nach dem Gebot Jesu zu leben und uns selber, unsere Mitmenschen und Gott lieben, aktivieren wir den Heiligen Geist in uns.
Und der beginnt auch gleich zu wirken: Wir selber verlieren Angst und gewinnen Gelassenheit, denn wir erkennen: Wir sind in Jesus, wir haben einen Platz in seinem Herzen. Und den Menschen um uns herum bringen wir Frieden und Menschlichkeit, denn wir erkennen: Jesus ist in jedem Menschen.

* Was so ein geist-erfüllter Mensch an Segen für sich und seine Welt bewirkt, ist unermesslich. Deshalb, liebe Schwestern und Brüder: Schalten wir ihn an, den Heiligen Geist, den Beistand in unserem Leben! Für ein Dahindämmern im Standby-Modus ist er wirklich viel zu schade...

Amen.


 


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