Foto von aufgeschlagenen Büchern

Predigt über Johannes 14,2

Pfarrer Heinrich Bücker (kath.)

in der „Rheinischen Post“ - 2004

Gedanken zum Osterfest

Liebe Gemeinde,

Ich habe immer gern Ostern gefeiert, manchmal noch lieber als Weihnachten. Der Winter ist vergangen, der Frühling hält seinen Einzug. Ostern ist ein Frühlingsfest. Es wäre aber zu wenig, wenn wir uns nur über das Aufblühen der Natur freuten. Christliche Osterfreude hat ihren Ursprung im Glauben an die Auferstehung. Ich bedaure immer, wenn Menschen nicht zu diesem Glauben finden können oder ihn verloren haben. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass dieser Glaube im Leben zahlreicher Menschen eine wirkliche Lebenshilfe war.

Es gibt eine Parabel, die uns deutlich machen will, dass die Ablehnung des Osterglaubens eigentlich sehr kurzsichtig ist:
Ein Mensch hatte Mitleid mit den Raupen, die mühsam den Stängel einer Pflanze erklettern mussten, um ihr Fressen zu finden. Der Mensch dachte, wenn die nur wüssten, was für ein Leben sie erwartete, wenn sie sich eines Tages entpuppten. Sie würden ganz anders leben, froher, zuversichtlicher, mit mehr Hoffnung. Er versuchte, ihnen dieses neue Leben zu schildern. Er sagte ihnen, dass sie frei sein würden, leicht. Ja, sie könnten fliegen und Blüten finden. Außerdem würden sie sehr schön sein.

Leider aber wollten die Raupen von all dem nichts hören. Dass sie Schmetterlinge würden, hielten sie für Hirngespinst. Am Ende lachten sie den Menschen aus, der sich alle Mühe gab, den Raupen ihre herrliche Zukunft zu beschreiben.
Der Glaube an die Auferstehung bezieht sich auf ein Leben nach unserem Tod. Jesus Christus, der von den Toten auferstanden ist, hat uns im Himmel eine Wohnung bereitet (Joh 14,2). So wie die Raupen schlecht beraten waren, als sie sich der Botschaft von ihrem künftigen Leben als Schmetterlinge verschlossen, so machen auch wir einen Fehler, wenn wir von der Osterbotschaft, die uns Leben in Fülle verheißt, nichts wissen wollen.

Dabei fängt Auferstehung bereits in diesem Leben an. Der verstorbene Erzbischof Dom Helder Camara aus Lateinamerika drückt das wie folgt aus: Auferstehen
Auferstehen heißt vor allem aus sich herausgehen.
Die Kruste des Egoismus zerbrechen, der uns in unser eigenes „Ich“ einzusperren sucht.
Auferstehen heißt, damit aufhören, sich um sich selbst zu drehen, als ob man der Mittelpunkt der Welt und des Lebens wäre.
Auferstehen heißt, sich nicht in den Kreis der Probleme der kleinen Welt einschließen lassen, zu der wir gehören.
Mag sie so wichtig sein wie immer, die Menschheit ist größer, und eben dieser müssen wir dienen.

Amen.