Der Predigtpreis - Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG

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Predigt über Johannes 17, 20-26

Dr. Dieter Becker (ev), Theologe und Betriebswirt

09.05.2013 in Heringen/Hessen

Himmelfahrt 2013

Thema: Kommt Uli Hoeneß in den Himmel?

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Guten Morgen, Freunde des Herren. Ich weiß natürlich, dass uns heute am Himmelfahrtstag nur eine einzige Frage bewegt. Sie bewegt nicht nur uns, sondern die ganze Nation in Deutschland. Sie spaltet sogar Familie, wie ich gehört habe, und sie ist Thema Nummer 1. So werden sich sicher auch Tausende von Predigten am heutigen Himmelfahrtstage mit dieser einen Frage beschäftigen und so ich auch. Die Frage lautet: "Kommt Uli Hoeneß in den Himmel?" Und gerade aus theologischer Sicht stehen wir in der Verpflichtung diese Fra-ge hinreichend zu beantworten: "Kommt Uli Hoeneß in den Himmel?" Vielleicht überlegen einige von ihnen: Aber das ist doch gar nicht die Fra-ge, die mich im innersten bewegt. Das sind ganz andere Fragen, mit Be-ruf, Altern, Burnout, Zukunft, neues Auto, Urlaub, Sex, Ausbildung oder Partnerschaft zu tun haben. Schieben Sie einfach mal Ihre Fragen zur Seite, denn Sie werden sehen, dass sich gerade an dieser Frage "Kommt Uli Hoeneß in den Himmel?" die Antworten ergeben, die wir als Christen heute am Himmelfahrtstag zu predigen, zu hören und zu vertreten haben. Das bei einer so wichtigen Frage immer wieder Menschen auftreten, die natürlich alles in Gut und Böse oder in Richtig und Falsch - als in eine Schwarz-Weiß Malerei treiben, bleibt nicht aus. Da ist einer, der an der Börse nach eigenen Aussagen gezockt hat und diese Gewinne oder Verluste nicht steuerlich geltend gemacht hat. Das ist kein Kavaliersdelikt nach deutschen Steuergesetzen und - sofern seine Selbstanzeige nicht hinreichend war - auch nicht strafbefreiend. Wenn nun aber Parteien, Ethikexperten oder schlichte Schwätzer, die die Börsen als Casinos, als Zockeranstalten der Nation beschimpfen, und nun nach einer Bestrafung schreien, bleibt dem verständigen Christen die Luft weg. Die haben nicht nur keine Ahnung vom Himmel und seinen Evangeliumsregeln, sondern auch nicht vom deutschen Steuerrecht. Denn Zockerei im Casino, Gewinn im Lotto oder Toto sind nach deut-schem Steuerrecht überhaupt keine der sieben Einkunftsart nach dem Einkommensteuergesetz, die versteuert werden müssen. Würde man also der Logik diese falschen Apostel folgen und die Börse als Casino ansehen, dann wäre also das Geld von Hoeneß überhaupt nicht steuer-pflichtig. Scheinheiligkeit steht heute am Himmelfahrtstag Christi nieman-den an; schon gar nicht jenen, die ihr Mäntelchen in den Wind hängen. Ich will hier nicht über das Gesetz predigen, auch nicht als Betriebswirt über das deutsche Steuerrecht reden, sondern darauf hinweisen, dass wir als Christen dem Gesetz im Blick auf die Fahrkarte in den Himmel recht wenig Bedeutung beimessen. Also: "Kommt Uli Hoeneß in den Himmel?" Das ist die Frage, die beant-wortet werden muss. Den Einwand meiner Kollegen höre ich schon: 'Aber der ist doch katholisch. Freunde des Herrn, wollen wir heute, wo der Him-mel heute offen ist, nicht kleinlicher sein als der Papst; auch wenn die römische Kirche seit 500 Jahren eben nicht der wahren Kirche, also der evangelischen Kirche folgt und abtrünnig ist. Seien wir nicht kleinlich und antworten mit deren Worten: Es ist eine lässliche, geringe Sünde nicht evangelisch zu sein, wenn der Herrn die Fahrkarte zu Himmel ist.

2. Textbezug: Auch der heutige Predigttext beschäftigt sich mit dieser Frage. Sicher, von Uli Hoeneß redet die Bibel nicht. Es wäre auch verwegen zu meinen, dass alles in der Bibel steht und man es nur nachlesen müsste. Die Bibel und das Neue Testament ist ja eben kein Organisationshandbuch oder ein Gesetz für jeden Fall der Welt, wo alles drin steht. Es steht ja noch nicht mal in der Bibel drin, wie man die Hände beim Beten falten soll. Also: Der Name Uli Hoeneß kommt nicht in der Bibel vor, wie auch nicht das Wort Kirchensteuer. Das heißt doch nicht, wir dürfen nicht drüber reden oder es anwenden. Wir müssen nun unser Gehirn einschalten, um die Botschaft ins heute, hier nach Heringen, zu transportieren. Der Text steht im Kapitel 17 des Evangeliums nach Johannes, die Verse 20-26.

Text vorlesen (Joh 17, 20-26)

Diese Verse sind zunächst eingebettet in das hohepriesterliche Gebet Jesu, dass mit Vers 1 beginnt: "und Jesus hob seine Augen auf zum Him-mel und sprach." Er spricht von der Liebe, die vereint und erkennen lässt. Einen zweiten Bezug darf man aber nicht vergessen, dass die Rede vom Einssein Jesu mit dem Vater auch zurück verweist auf den Beginn des Johannesevangeliums: "Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort." Der Himmel wird somit regiert von einer Liebe, die uns in eins setzt mit dem, was der Herr für uns getan hat. Oder einfach ausgedrückt: Wir sind von der Last des Gesetzes befreit. Wir müssen Gott nix beweisen oder ihn um Gnade anbetteln. Es ist die Liebe Christi, die jedes Gesetz außer Kraft setzt. Dieses Erkennen der Liebe als Grund und Pfeiler des Evange-lium ist die Botschaft des Johannesevangeliums; und auch unserer heuti-gen Botschaft. Das Erkennen ist ein schlichtes. Vers 23: "damit die Welt erkennt, dass du mich gesandt hast und dass sie von dir geliebt sind, wie ich von dir geliebt bin." Das war's, das ist's und das bleibt so. Das ist die Antwort auf alle Fragen, wer denn nun in den Himmel kommt. "Denn Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht zugrunde geht, sondern das ewige Leben hat. Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, damit er die Welt richtet, sondern damit die Welt durch ihn gerettet wird." (3,16–17)

3. Christologischer Bezug: Zusage in Christo unverbrüchlich

Wer in den Himmel kommt, dass hängt eben nicht von seiner innerweltli-chen Reputation, Ehre, Amt, Steuerzahlung oder moderner Mobilität ab. Apropos Mobilität. Als ich gestern von Frankfurt hierher fuhr, konnte ich mich des Eindruck nicht erwehren, dass der Himmel wohl im Osten liegen muss. Die Geschwindigkeiten, mit denen einige an mir vorbeifolgen, war wohl ein deutlicher Drang früher in den Himmel zu kommen. Also: Nichts auf der Welt verhilft uns in den Himmel. UND: Nichts auf der Welt kann dies verhindern, sofern der Herr für uns eine Fahrkarte gelöst hat. Die Aussagen des Johannesevangeliums und und die unseres evangeli-schen Glaubens war, ist und bleibt es eine einfache und unverbrüchliche frohe Botschaft: Der Himmel steht offen, weil Gott uns in Jesus Christus vor dem unerfüllbaren Gesetz der Welt errettet hat und uns in den Weg in den Himmel, in das Einssein mit ihm bringt. Wir leben, wir sündigen tapfer - wie Luther sagt, wir sterben und werden dennoch in die Liebe Gottes eingehen, allein durch Gottes Gnadenliebe. Nicht durch die Selbsterfüllung des Gesetzes. Das klappt doch gar nicht: Allein in Deutschland hatten wir - letzte Zählung 2010 - 1.924 Gesetze und 3.440 Verordnungen mit insgesamt 76.382 Artikeln und Paragraph-fen. Was wir brauchen sind keine Schwätzer, die Paragrafen dann reiten, wenn es ihnen passt, sondern gestandene Christen, die im Angesicht der eigenen Endlichkeit Leben gestalten. Und das heißt: Wir werden unwei-gerlich Fehler machen, weil wir leben. Wir bauen Mist, weil wir leben. Und wir haben Freude, Trauer, Trost, Kummer, Leid, weil wir leben. Und diese tun wir, WEIL uns in der Taufe auch die Gnade für den Himmel Predigt 2013.05.09c - Joh 17, 20-26.doc – Seite 5 Predigt 2013.05.09c - Joh 17, 20-26.doc – Seite 6 unverbrüchlich zugesprochen - ohne Verdienst. Und es ist alleinige Auf-gabe der Kirche, diese Botschaft zu verkünden und zu leben. Die Aufgabe der christlichen Gemeinde, also von uns, Freunde des Herrn, ist es allein dafür zu sorgen, dass wir uns selbst und alle anderen mit den Fehlern und all jene, die - wie wir - vor dem Gesetz, vor der Ge-rechtigkeit der Welt gescheitert sind, annehmen - in die Liebe, die uns als Geschenk entgegen kommt. Wir sind die Geliebten, Begnadeten des Herrn, der uns Gesetzesverletzern, Steuerverkürzer, Schnellfahrer, Falschparker, Verleumder oder auch schwerste Steuer- oder Kapitalver-brecher in seine Arme schließt und uns willkommen im Himmel heißt. Darauf dürfen wir gerne nachher anstoßen, denn der Himmel wartet auf uns; egal was wir für einen Mist gegenüber der Welt verbockt haben. Si-cher die Welt versteht das nicht - aber tun wir bitte nicht so, als wären wir keine Freunde des Herrn, der uns verzeiht.

4. Verantwortung und Zuspruch

Dass wir nun nicht hier hocken bleiben und auf den Herrn warten ist auch klar. Denn wir werden in die Verantwortung für unser Tun und Lassen der Welt gegenüber (wie auch Uli Hoeneß) hinein genommen. Wir dürfen widerstehen dummer, dumpfer Eintönigkeit, die egoistische Wahlparolen propagiert und Verantwortung nur einseitig sieht. Es ist doch wirklich be-dauerlich, dass die vielen, die heute von Hoeneß - zurecht! - Verantwor-tung für sein Geld fordern, dies gerade selbst weit von sich weißen. Ich weiß nicht wie es Ihnen geht, wenn Hunderte von Millionen für einen Internationalen Flughafen (ich rede nicht nur von Berlin-Brandenburg, sondern auch von Kassel-Calden), für insolvente Nürburgring-Freizeitparks, Milliardenteuere Elbphilharmonie Hamburg oder auch loka-le politische Denkmäler ausgegeben wird und - das weiß Gott - von die-sen Personen KEINE persönliche Haftung übernommen wird. Also ob vor Gott und dem Himmel es für jene einen Bonus gäbe, nur weil diese Plätze zum Fliegen in den Himmel bauen. Uli Hoeneß als getaufter Christ kommt in den Himmel - wenn er sich auf den Herrn beruft und dadurch - wie wir - eins wird mit dem Herrn. Kein Gesetz der Welt, weder das im Alten Testament, noch ein ethisches Ge-setz und schon recht nicht ein Steuergesetz vermag es, sich zwischen einen Uli Hoeneß zwischen mich, zwischen dich und die Liebe des Herrn zu schieben. Gesetz ist Weltverständnis; und das ist heute - wo der Him-mel uns offen gegenüber steht - banales Weltengericht. Uns richtet aber Gott mit seiner Liebe. Ich weiß - das wollen manche nicht wahrhaben, nicht tolerieren, nicht einsehen. Aber Verzeihung, Freunde des Herrn. Der Herr ist unser Freund, weil er zu uns steht. Und deshalb ist auch der getaufte Uli von uns nicht als Christ zu verdammen. Dass er Scheiße gebaut hat, steht außer Frage. Und für diese mögliche Straftat nach der Abgabenordnung wird er - so wollen wir doch um der Weltenge-rechtigkeit hoffen - nach Recht und Gesetz zu zahlen und zu bezahlen haben.

Aber außer Frage steht - und dass ist heute ohne wenn, ohne aber, ohne Häme, ohne Besserwisserei und ohne Schadenfreude zu verkünden: Die Zusage des Herrn, dass der Himmel uns offen steht, bleibt auch für Uli Hoeneß unverbrüchlich, ebenso wie für dich und mich. Amen. Und weil Gottes uns trägt, umfängt und zu uns steht, ist der Himmel fr uns im Leben und im Sterben offen. Amen.


 


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