Foto von aufgeschlagenen Büchern

Predigt über Johannes 20 1-18

Pfarrerin Evelyn Bachler (ev)

31.03.2013 in Wiebelsbach

meditativer Osternachtgottesdienst um 6.00 Uhr

Liebe Ostergemeinde! ( Text Johannes 20 1-18 - wurde als Evangelium verlesen)

Karfreitag.

Das Unfassbare war geschehen.

Sie hatten Jesus gekreuzigt, er starb wie ein Verbrecher, hingerichtet, draussen vor der Stadt.

Maria von Magdala kann es nicht fassen.

Noch vor wenigen Tagen, ach was, noch vor wenigen Stunden waren sie zusammen gewesen.

Sie teilten Nähe und Erlebnisse. Seine Worte hatten ihr Herz immer wieder berührt, sie ermutigt das Leben zu leben und zu lieben, sie ermutigt auch in dunklen Tagen an der Hoffnungen festzuhalten. Wie erbauend waren seine Worte über das Leben, dass nie enden wird, über seinen Vater, Gott, bei dem die Fülle des Lebens zu finden sei.

Und jetzt…..

vorbei

  • gekreuzigt, wie ein Verbrecher,

  • gestorben - alles vorbei, aus, dunkel

  • begraben, ….

Gott sei Dank, da hatte man nochmal Glück gehabt. Naja vielleicht waren auch einige Silberlinge als Schmiergelder geflossen, denn normaler Weise durften die gekreuzigten Verbrecher nicht beerdigt werden. Heimlich hatten Josef von Arimathäa und Nikodemus alles für die Beerdigung arrangiert. In der Dunkelheit holte man den Leichnam Jesu schnell vom Kreuz, wickelte ihn in bereitgelegte Tücher, die mit wohlriechenden Ölen getränkt waren und legte ihn in ein Familiengrab, dass einer derer für sich und seine Familie schon vorsorglich gekauft hatte. Es war ein Felsengrab, in dem etliche Menschen beerdigt werden konnten. Dort legten sie ihn hinein. Schnell noch einen großen Stein vor den Eingang, es war geschafft.

Ja begraben hatten sie ihn und mit ihm auch alle ihre Hoffnungen.

Schon am Samstag, den Tag nach seinem Tod war Maria hierher gegangen.

In ihrer unendlichen Trauer zieht es sie zu dem einzigen Ort auf der Erde, an dem sie sich Jesus verbunden fühlt, der Ort an dem er begraben ist.

Sie muss ihrem Jesus nah sein können.

Auch im Tod sucht sie seine Nähe.

Ihm nahe sein, auch wenn sie ihn nicht sehen kann.

Ihm nahe sein, auch wenn er nicht mehr mit ihr redet.

Maria sucht die Gemeinschaft mit dem toten Jesus.

Gedanken rasen ihr durch den Kopf, immer und immer wieder, wie ein Mühlrad: ‚Warum musste das passieren? Warum?‘

Eben noch so unendlich gücklich, und er ….. bejubelt und dann ..dann tot, tot? Warum?

Nach unendlich vielen geweinten Tränen und dem ewigen Warum in ihrem Kopf, geht Maria nach hause. Ausgelaugt, müde verstört, enttäuscht, aber auch ein wenig getröstet durch die Gemeinschaft mit ihrem toten Jesus.

Nach einigen Stunden unruhigem Schlaf erwacht sie in den frühen Morgenstunden und ihr Herz verlangt erneut nach Trost, es zieht sie zu der Grabstätte ihres toten Jesu. Schnell macht sie sich fertig und eilt, trotzdem es noch nicht ganz hell ist, zum Grab.

Gleich, gleich wird sie wieder ein wenig getröst sein. Ihr Herz wird innehalten, ihre Unruhe wird verfliegen. Gleich, ganz gleich wird sie wieder Gemeinschaft mit ihm haben können, auch wenn er tot ist.

Doch als sie das Felsengrab erreicht, sieht sie schon von Weitem den weggerollten Stein. Ein Schreck fährt ihr in die Glieder, ihr Herz meint still zu stehen, Gedanken rasen durch ihren Kopf. Waren da etwa Grabräuber am Werk? Oder vielleicht römische Soldaten, die jetzt doch noch mitbekommen hatten, dass man ihn unerlaubter Weise beerdigt hatte?

Sind sie am Ende noch am Werk?

Nein das durfte nicht sein, ihr geliebter Jesu geschändet,ausgeraubt, keine Ruhe, noch nicht einmal im Tod, im Grab.

Doch was konnte sie tun? Sie war nur eine hilflose Frau, unbewaffnet und verzweifelt und mutlos. Was würde sie schon ausrichten können gegen diese Räuber oder Soldaten?.

Maria dreht sich um und läuft zurück zur Stadt. Nur schnell die anderen holen, dieser Gedanke war ihr durch den Kopf geschossen. Die anderen würden ihr helfen können. Gemeinsam würden sie mit den Grabschändern fertig werden und wenn es Soldaten waren, würde man halt nochmal bezahlen, damit endlich Jesus seine Ruhe hatte.

Ruhe und Frieden, wenn nicht im Leben, dann wenigstens im Tod.

Atemlos erreicht sie das Haus, indem sich die meisten seiner Freunde versteckten. Ebenfalls verstört, kaum fähig etwas zu tun, unfähig den Alltag zu gestalten, unfähig weiterzuleben. Erstarrt in ungläubigem Entzestzen über das, was geschehen war. In diese Erstarrung platzt Maria, Tränen überströmt, mit ihrem wirren Gerede von Soldaten oder Grabräubern und dem weggerollten Grabstein.

Mehr um Ruhe zu haben, als aus ehrlichem Interesse folgen sie Maria zum Felsengrab. Petrus, der beste Freund des Verstorbenen fasst sein ganzes bisschen Mut zusammen, das er noch hat und geht rein.

Nichts.

Das Grab ist leer.

Die Tücher, in der Jesus gewickelte war liegen auf dem Boden.

Nichts, keine Spur von Jesus.

Fassungslos entfährt ihm ein Schrei. Angelockt und alamiert durch diesen Aufschrei kommt der nächste Jünger ins Grab. Auch er sieht entsetzt die Leere und die Tücher auf dem Boden. Entsetzen und sie begreifen nichts. Herz und Kopf sind leer.

Sie haben ihre Schuldigkeit für Maria getan und nachgeschaut, aber da ist nichts mehr im Grab. Wirklich nichts. Keine Soldaten, keine Räuber, und … kein Jesus.

Sie wenden sich ab und gehen nach Hause.

Maria aber betritt weinend das Grab. Ihre Verzweiflung ist auf dem Höhepunkt. Jetzt hatten sie ihr auch noch DAS genommen. Die Gemeinschaft zu ihrem toten Jesus war nicht mehr möglich. Die Nähe, die sie zum Toten suchte, konnte nicht mehr hergestellt werden.

Tränen der Trauer und Verzweiflung tropfen aus ihren Augen auf den Boden auf dem die Tücher liegen und durch ihren Tränenschleier sieht sie plötzlich ja, wirklich, sie sieht einen Engel und er spricht auch noch mit ihr:

„Frau,warum weinst du“

Und Maria antwortet ohne sich darüber zu wundern, dass da ein Engel mit ihr reden. Sie antwortet spontan, weil der Schmerz in ihrem Herzen nun endlich ein Ventil findet sich auszudrücken. Endlich hat sie die Möglichkeit den Schmerz in ihrem Herzen in Worte zu fassen.

Ihren Schmerz wandelt sie um in Worte und …. Maria klagt: “ Sie haben mir den Leichnam von Jesus weggenommen und ich weiß nicht wo er nun ist“.

Maria klagt.

Sie klagt über den Verlust der Nähe.

Sie klagt über den Verlust der Gemeinschaft.

Sie klagt über den Verlust eines Ortes, an dem sie sich Erinnern kann.

Erinnern, an das Schöne, das sie verbunden hatte, gemeinsame Erlebnisse.

Erinnern an seine Worte, erinnern an seine Gesten, erinnern an seine Botschaft vom wahren Leben, vom Glück und der Ewigkeit.

Da passiert etwas Wunderbares. Der, um den sie weint, der, um den sie trauert, der, um dessen verlorene Nähe sie klagt, der, mit dem sie so gerne Gemeinschaft wieder hätte, tritt zu ihr und redet mit ihr.

Doch…. doch der Schmerz im Herzen, die Klage auf den Lippen und dieTränen in den Augen machen Maria blind.

Schmerz, Tränen und Klage halten sie ab den wahren, leibhaftigen und plötzlich anwesenden Jesus zu erkennen, ihn zu sehen.

Doch dieser spricht sie nun an, mit Namen: „ Maria“

Da erkennt sie ihn. Plötzlich ist alles klar. Wie Schuppen fällt es ihr von den Augen.

Ihre Tränen versiegen, sie wischt die letzten nassen Spuren aus ihren Augen und dem Gesicht. Ihr Herz wird still, hört auf zu flattern, wie ein gefangener Vogel. Stille und Ruhe breiten sich in ihrem Herzen aus. Ihr Verstand fängt ebenfalls an zu registrieren, was hier geschehen ist und welche kostbare Begebenheit sich eben ereignet hat.

Ihr Jesus ist nicht tot, er ist lebendig. Ihr Jesus ist nicht weg, Nähe und Gemeinschaft sind nicht verloren.

„Maria“

Hatte er ihr nicht immer erzählt, dass in den Propheten geschrieben stand: „Ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du bist mein.“

Ja er hatte sie bei ihrem Namen gerufen und sie war sein. Nun verstand sie seine Worte.

Worte, Sätze und Botschaften, die zu seinen Lebzeiten für sie und die anderen Freunde oft ein Rätsel gewesen waren. Sie verstand, dass Nähe und Gemeinschaft auch jetzt noch möglich waren und nicht an das Grab gebunden waren.

Sie verstand, dass Nähe und Gemeinschaft zu ihm begründet lagen in seiner Person, in seiner Botschaft, in seinem Sterben für andere.

Im Todesschweigen ihres geliebten Jesu erkennt sie, die Nähe Gottes zum menschlichen Leben, zum wahren wirklichen Leben.

Jesus musste sie nun nicht mehr bei den Toten suchen, er war nicht tot, sondern sie musste ihn suchen bei den Lebendigen, im wahren wirklichen Leben.

Maria hatte ihre Osterbotschaft verstanden.

Die Osterbotschaft, dass Gott den Menschen gerade durch die Erfahrung des Schweigens und des Gefühls der Gottverlassenheit hindurch nahe ist. Dass er uns nahe ist, weil er selbst in das Todesschweigen hinabstieg ist, um uns von dort in sein Leben hinein- und hinauf zuholen.

Es kommt darauf an, den rettenden Gott in unserem eigenen Leben zu erkennen und zu sehen, wie er auch heute Steine wegrollt und neues Leben schenkt, dort wo alte Träume begraben liegen.

Lasst die Osterbotschaft wirklich in euer Herz und euer Leben.

Geh und schau in deinem Leben dort hin, wo deine Zukunft eingeschlossen scheint, wo Hoffnung und Liebe verschlossen liegen, wo dein Mut zu ersticken droht. Schau genau hin, ob die Gräber deiner Hoffnungen und Träume 4tatsächlich noch verschlossen sind.

Woher willst du wissen, ob sie noch verschlossen sind, wenn du nicht nachsiehst?

Vielleicht ist der Stein, den du befürchtest ja schon längst weggerollt?

Lass die Osterbotschaft in dein Herz und in dein Leben.

Der Herr ist auferstanden! Er ist wahrhaftig auferstanden! Halleluja! AMEN