Foto von aufgeschlagenen Büchern

Predigt über Johannes 20,19-29

Bernd Friedrich (EmK)

25.04.2010 in der Evangelisch-methodistischen Jubiläumskirche in Winnenden

Ostersonntag

Gott liebt Zweifler (Thomas und der Auferstandene)

Liebe Gemeinde,

 

seit vier Wochen (31.03.2010) hat die Wochenzeitung DIE ZEIT eine neue Rubrik eingeführt - die Rubrik heißt "Glauben und Zweifeln". Das ist auch das Thema dieser Predigt: Glauben und Zweifeln. Und in jener Ausgabe der Wochenzeitung DIE ZEIT gibt es zum Osterfest sogar eine Predigt, ausgezeichnet mit dem ökumenischen Predigtpreis. Überschrift: "Was heißt hier auferstehen? Dass Jesus den Tod überwunden haben soll, scheint vielen unglaublich."

 

Und in der Tat: Irgendwie ist es schon unglaublich. Es mutet an wie eine unwirkliche Aussage aus ferner Zeit - dieses christliche Grund­bekenntnis: "Jesus lebt. Er ist auferstanden." Sind da nicht Zweifel an­gebracht?

 

Glauben und Zweifel, die halten sich auch die Waage bei einer Umfrage, die DER SPIEGEL (Ausgabe Nr. 15 / 07 vom 07. April 2007) vor einiger Zeit veröffentlicht. 1.000 Leute wurden gefragt: "Glauben Sie, dass mit dem Tod alles aus ist?" Und was denken die Leute in Deutschland zu dieser Frage - vielleicht geben sie mal einen Tipp ab. - Antwort: "Es ist nicht alles aus" meinen 52 Prozent - "Alles ist aus" meinen 40 Prozent.

 

Alle diese Fragen sind eigentlich nicht neu. Sie stehen sogar schon in der Bibel unter anderem im heutigen Predigttext aus dem Johannes­evangelium Kapitel 20, 19-29:

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Es war spät abends an jenem Sonntag. Die Jünger hatten Angst vor den führenden Männern, deshalb hatten sie die Türen abgeschlossen. Da kam Jesus und trat in ihre Mitte. "Ich bringe euch Frieden!" sagte er. Dann zeigte er ihnen seine Hände und seine Seite. Sie freuten sich sehr, als sie den Herrn sahen. Noch einmal sagte Jesus zu ihnen: "Ich bringe euch Frieden! Wie der Vater mich gesandt hat, so sende ich euch." Dann hauchte er sie an und sagte: "Empfangt Gottes heiligen Geist! Wem ihr die Schuld erlasst, dem ist sie von Gott vergeben. Wem ihr sie nicht er­lasst, dem ist sie auch von Gott nicht vergeben."

 

Als Jesus kam, war Thomas, genannt der Zwilling, einer der zwölf Jünger, nicht dabei gewesen. Später erzählten ihm die anderen: "Wir haben den Herrn gesehen!" Thomas sagte zu ihnen: "Ich werde es so lange nicht glauben, bis ich die Spuren von den Nägeln an seinen Händen gesehen habe. Ich will erst mit meinen Fingern die Spuren von den Nägeln fühlen und meine Hand in seine Seitenwunde legen." Eine Woche später waren die Jünger wieder im Haus versammelt und Thomas war bei ihnen. Die Türen waren abgeschlossen. Jesus kam, trat in ihre Mitte und sagte: "Ich bringe euch Frieden!" Dann wandte er sich an Thomas: "Leg deinen Finger hierher und sieh dir meine Hände an! Streck deine Hand aus und lege sie in meine Seitenwunde! Hör auf zu zweifeln und glaube, dass ich es bin!" Da antwortete Thomas: "Mein Herr und mein Gott!" Jesus sagte zu ihm: "Bist du jetzt überzeugt, weil du mich gesehen hast? Freuen dürfen sich alle, die mich nicht sehen und mir trotzdem vertrauen!" < (Johannes 20, 19-29)

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Liebe Gemeinde,

 

1. Einführung: Abschied und Tod sind schmerzhaft

 

Manche Bilder vergisst man nie. Es war an einem Freitag im Jahr 2004 auf dem Südfriedhof in Nürnberg. In der Kapelle vor uns der Sarg, in ihm Hans Popp, mein Schwiegervater. Viele Menschen waren da. Es wird gesungen, gebetet, der Pastor spricht und in mir die Gedanken an Ver­gangenes. Neben mir sitzt Sebastian, unser Sohn - sein Enkel, damals elf Jahre alt.  

 

Wisst ihr, was wirkliche Traurigkeit ist, die tief in der Seele sitzt. Ich sehe sie in diesem Augenblick in Sebastians Gesicht, leer und fassungslos. Wie sieht es in diesem Herzen aus mit dieser Ahnung, dass es kein zurück mehr gibt. Ein Blick, bei dem die Augen zu traurig sind, um noch zu weinen. Das ist das Bild, das ich nicht vergesse.

 

Wir Erwachsenen haben uns vielleicht irgendwie arran­giert mit dem Tod, uns einen Schutzpanzer zugelegt gegen zu viel Emotion - aber nicht dieses Kind. Sein Großvater ist tot. Er wird ihn nicht mehr in den Arm nehmen, kein Wort mehr mit ihm sprechen und kein Spiel mehr mit ihm spielen. 

 

Ich stelle mir so den Jünger Thomas vor. Jesus wurde hingerichtet, die Schmerzen hat er noch vor Augen, das Kreuz, die letzten Worte. Und jetzt ist die ganze Hoffnung weg, sie liegt in diesem Felsengrab. Blankes Entsetzen, eine Geschichte die nicht verarbeitet ist, Trauer die Ver­zweiflung ist. Vielleicht war auch dies der Grund, warum Thomas allein sein wollte und sich an jenem ersten Ostertag nicht mit den anderen Jüngern versammelt hatte. Er war jedenfalls beim ersten Mal nicht dabei.

 

2. Thomas ist verzweifelt und unruhig

 

Vielleicht gingen ihm die Geschichten mit Jesus durch den Kopf. Thomas war einer der zwölf Jünger von Jesus. Er war einst von Jesus ange­sprochen und berufen worden und ihm ganz nah für einige Jahre. So etwas vergißt man nicht so schnell.

 

Was wissen wir eigentlich sonst noch von Thomas? In der Bibel wird er einmal zitiert mit dem Satz: "Herr, wir wissen nicht, wohin du gehst. Wie sollen wir den Weg kennen?" (Johannes 14,5). Und dann ist noch eine  weitere Begebenheit über­liefert. Jesus war unterwegs nach Bethanien in Galiläa, denn Lazarus war krank. Seine Jünger sind entsetzt und sagen: "Es ist noch nicht lange her, da hätten dich die Leute dort beinahe gesteinigt. Nun willst du zu ihnen zurückkehren?" Und dann kommt  Thomas zu Wort, wie er zu seinen Kollegen sagt (Johannes 11, 16): "Lasst uns mitgehen und mit ihm sterben."

 

Das alles klingt danach, dass Thomas ein sehr treuer Nachfolger war. Er ist mit Jesus mitgegangen, er hat viel von ihm gelernt, er war sein Freund. Aber jetzt Entsetzen, Trauer, Verzweiflung. Worte können dieses Gefühl nicht beschreiben.

 

Mit solchen Gefühlen spielt man nicht. Bitte keine unangemessenen Scherze, nicht in diesen Wunden rühren. Die anderen Jünger hatte ihm  erzählt: "Wir haben den Herrn gesehen." Das ist Salz in seinen Wunden. "Tote leben nicht" will er sagen, lasst mich in Ruhe. Doch die anderen lassen nicht locker, erzählen ihm, wie Jesus trotz verschlossener Türen vor ihnen stand. "Friede sei mit euch!", das hat er uns gesagt - wie so oft zuvor als wir mit ihm unterwegs waren. Es war der Herr!

 

Doch bei Thomas wiegt die Lebenserfahrung stärker als das Gerede seiner Freunde. "Ich glaube es nicht!" Wahrscheinlich ist das alles nur ein schöner Traum. Und dann der entscheidende Satz:

 

"Ich werde es so lange nicht glauben, bis ich die Spuren von den Nägeln an seinen Händen gesehen habe. Ich will erst mit meinen Fingern die Spuren von den Nägeln fühlen und meine Hand in seine Seitenwunde legen."

 

3. Zweifeln erlaubt

 

Thomas ist mir sympathisch. Er passt in unsere Zeit. Wir verlassen uns auf das, was wir verstehen. Fantasie ist gut für Bücher aber nicht taug­lich für die Wirklichkeit. Wofür gibt es so etwas wie Wissenschaft. Dass Tote zurückkommen ist nirgends erwiesen und widerspricht jeder normalen Lebenserfahrung. Warum eigentlich sollte das bei Jesus anders sein?

 

Ein klares Nein zur schönen Illusion zeugt von Charakter. Thomas ist kein Weichei, der sich ablenken lässt von seiner Trauer. Es ist besser ehrlich zu zweifeln als unehrlich zu glauben. - Darf ich alle Gläubigen hier unter uns ein bisschen provozieren? Woher weißt du eigentlich, dass Jesus lebt? Bist du dir sicher? Wann hast du ihn wo getroffen? Wie erklärst du das deinem Nachbarn, der zweifelt?

 

Thomas ist kein Spieler, der seinen Zweifel taktisch einsetzt.  Er ist einer, der das alles gerne glauben würde, der das Verlangen spürt und Antworten sucht. Er will sich nur nicht selbst betrügen. Unsere Geschichte zeigt: Solchen Zweiflern kann geholfen werden.

 

4. Woran ich glaube? Woran ich zweifle?

 

Zunächst mal müssen wir feststellen: Glauben können ist niemals selbstverständlich. Auch der Glaube selbst ist ein Wunder. Wir können ihn uns jedenfalls nicht selbst befehlen und dann funktioniert es. Doch welche Wege gibt es vom Zweifeln zum Glauben, von der Unsicherheit zur Gewissheit?

 

Ich habe mich bei der Vorbereitung gefragt, wie sehr glaube ich eigent­lich selbst, dass Jesus auferstanden ist und lebt, dass er für mich da ist. Mir ist aufgefallen, dass viele einzelne Glaubenserfahrungen mein Leben geprägt haben. Die Mitarbeit in der Jugendgruppe meiner Heimat­gemeinde und der Schülerbibelkreis gehören dazu, die Kurse zur Aus­bildung als Laien­prediger und die SMD-Hochschulgruppe, manche Predigt und Tagung, das Lesen in der Bibel und das Reden mit anderen darüber.  

 

Und dann wieder möchte ich beten wie Jürgen Werth in einem Lied:

"Manchmal bist du so weit fort, ferner als mein Horizont. Manchmal klin­gen deine Worte so vertraut und doch so fremd. (...) Manchmal frag ich nach dem Weg, doch ich hör nichts als dein Schweigen."

 

Und doch: Immer wieder habe ich auch sein Reden gehört und Gottes Führung erlebt. Ja, ich glaube, dass Jesus lebt. Ich glaube, dass Gott da ist und ich sein Kind. Und doch ist in meinem Glauben auch Unglauben. In meiner Gewissheit ist zugleich viel Zweifel. Ich habe Zweifel, ob Gott heute noch so wirkt, wie es in der Bibel steht. Ich zweifle, dass Gott unsere Kirche in Deutschland erfüllen und bewegen kann. Ich zweifle daran, dass die von Jesus gepre­digte Revolution der Herzen und der Liebe gelingt. Ich zweifle, dass das stimmt: "Denn wer bittet, der bekommt; wer sucht, der findet" (Matthäus 7,8).

 

Welchen Zweifel trägst du mit dir herum? Gibt es Fragen die du dem Auferstanden mal von Angesicht zu Angesicht stellen würdest? Ich fühle mich jedenfalls Thomas ganz nah. Er sagt: "Wenn ich es nicht mit meinen eigenen Augen sehe wie Gott handelt und wenn ich es nicht selbst erlebe und fühle, dass er da ist, dann kann ich nicht glauben."

 

Richtig Thomas! Die Erfahrung der anderen reicht eben nicht. Unwahr­haftigkeit ist keine Basis. Ein vorgetäuschter Glaube ist kein Fundament für ein gelingendes Leben. Wer zweifelt, der soll richtig zweifeln und kämpfen und nicht so tun als ob.

 

Und vielleicht ist es sogar so: Je größer der Glaubenszweifel, je größer die Tiefen, die einer durchschritten hat, desto stärker ist auch die Energie, die uns erfüllt, wenn wir den lebendigen Jesus treffen und er unser Leben erfüllt. Das sehen wir an Saulus vor den Toren von Damas­kus, als Jesus ihm begegnet, ihn überzeugt und mit einem Auftrag ver­sieht, der die damalige Welt in ihren Grundfesten erschüttern sollte.

 

Liebe Gemeinde, vielleicht ist unser Leben und unsere Kirche oft so kraftlos, weil es zu viele "Als-Ob-Christen" gibt. Zweifelt lieber, denn wer zweifelt hat die Chance, dass der auferstandene Christus ihn aufsucht und ihm begegnet.

 

5. Die Verheißungen Gottes - was er tut!

 

Dass Christus denen begegnet, die ihn suchen und nach ihm fragen, auch dies ist eine feste Aussage der Bibel. "Gott will, dass allen Menschen geholfen werde und sie zur Erkenntnis der Wahrheit kommen", hat Paulus später in einem seiner Briefe geschrieben (1. Tim 2,4). Das ist einer dieser Sätze. Gott will, dass wir die Wahrheit auch erkennen, die uns frei macht (Joh. 8,32 / 14,6). Und im Johannes­evangelium steht der Satz: "Er (Gott) hat seinen einzigen Sohn gegeben, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren gehen, sondern ewiges Leben haben" (Johannes 3,16). Da steht das Wort "alle" drin. Niemand ist ausgeschlossen. Jeder soll es erfahren können: Dieses neue Leben ist für mich. Es gibt keinen Menschen, der von Natur aus "glaubens­unfähig" ist. Kein Mensch ist resistent für das Reden Gottes.

 

6. Jesus kommt durch verschlossene Türen - Friede sei mit euch

 

Und so kommt es dann auch bei Thomas zur entscheidenden Begeg­nung mit Jesus. Jesus kommt nicht gleich. Eine Woche hat es gedauert. Das ist eine lange Zeit, wenn es um existenzielle Fragen geht. Nur Geduld. Beim zweiten Treffen der Jünger nach Karfreitag und Ostern ist auch Thomas dabei. Die Jünger hatten sich wieder eingeschlossen, die Türen waren verrammelt. Sie hatten Angst vor den obersten Juden, denn was sie Jesus angetan hatten, das wäre auch bei Petrus und co. ohne weiteres vorstellbar - nämlich ein kurzer Prozess. So groß kann ihr neu gewon­nener Glaube nach den ersten Meetings mit Jesus also noch nicht gewesen sein, denn offenbar war die Angst noch nicht verschwunden.

 

Jesus begegnet dem Thomas nicht im "stillen Kämmerlein", sondern in der Gemeinschaft der anderen. Und ich habe mir dabei gedacht: Zweifler sind gut für die Gemeinde, denn sie stellen die richtigen Fragen und sie sind Jesus so wichtig, dass er kommt. Darum ist es gut, dass auch Suchende und Zweifler ihren Platz in der Gemeinde finden und haben.

 

Und dann steht Jesus wieder vor ihnen. "Friede sei mit Euch!", sagt Jesus. Warum gerade diese Worte? Gibt es da nicht irgendwie noch was Wichtigeres zu sagen? "Friede sei mit euch!" - Das ist doch der Grund, warum er auf diese Welt gekommen ist, wegen all des Unfriedens der Menschen mit Gott und von mir mit meinen Nach­barn. Wie viel Kraft geht verloren durch Feindschaft und Krieg im Großen und im Kleinen. Frieden, den will er bringen auch bei Glaubens­zweifeln und bei innerer Unruhe.

 

Und dann kommt der Höhepunkt unseres Berichts vom Tag acht nach Ostern. Wenn dies eine Reportage im Fernsehen wäre, dann wäre jetzt die Totale weg und der Kameramann betätigt den Zoom. Nur noch Jesus und Thomas sind im Focus. Jesus spricht Thomas freundlich an. Er tadelt ihn nicht. Jesus weiß wie es in ihm aussieht. Er muss seine Bedenken gar nicht vortragen und keine großen Reden halten. Das erinnert mich an das Gebet von David in Psalm 139: "

 

"Herr du durchschaust mich, du kennst mich durch und durch. Ob ich sitze oder stehe, du weißt es, du kennst meine Pläne von ferne. Dass du mich so vollständig kennst, das übersteigt meinen Verstand; es ist mir zu hoch, ich kann es nicht fassen."

 

7. Brauchen wir Beweise für den Glauben?

 

Thomas bekommt eine einmalige Gelegenheit. Der Beweis wird ihm  an­geboten: "Sieh her, hier sind sie meine Verwundungen. Überzeuge dich, wie du es verlangt hast. Ich will dich gewinnen. Du bist mir wichtig."

 

Mit den Beweisen für die Auferstehung von Jesus ist das so eine Sache. Dies wäre eine eigene Predigt wert. Da gibt es aus heutiger Sicht nur ein paar handfeste Indizien: Das leere Grab gehört dazu. Da sind die Ängste und Zweifel der Jünger. Ein Betrug wäre aufgeflogen. Da ist die Ent­schlossenheit der Jünger nach Ostern und Pfingsten, die die Welt ver­ändert haben. Paulus spricht unwidersprochen von 500 Leuten, denen Jesus erschienen ist. Das alles ist mit Märchenkunst und Selbst­motivation kaum zu erklären. Doch harte Beweise haben wir nicht. Glauben an die Auferstehung Jesu bleibt daher weiter Glaubenssache oder noch besser: Es bleibt eine Sache der persönlichen Begegnung.

 

Von der Begegnung zwischen Jesus und Thomas erfahren wir nicht, ob er Jesus tatsächlich berührt hat. Beide Varianten sind möglich. Ich denke, er hat es nicht getan. Ich vermute, er war so überwältigt und hin­gerissen, dass er seine Zweifel und seine Forderung glatt vergessen hat. Wer überzeugt ist, dass der Mensch vor ihm steht, den er liebt, der verlangt nicht mehr nach dem Personalausweis. Thomas war überwältigt von dieser Nähe, diesem Blick, seiner Stimme, diesen Worten. Eine solche Begegnung und was dies in einem Menschen auslöst, das kann man nicht erfassen und beschreiben in objektiven Fakten, mit Arithmetik und Formeln. Ver­trauen kann man nur mit dem Herzen.

 

Und so spricht Thomas diese Worte: "Mein Herr und mein Gott!" Das ist mehr als nur ein frommer und schöner Ausspruch. Es ist das Urbe­kenntnis der Christen. Er bedeutet, sich mit Leib und Leben zu Jesus Christus zu bekennen. Wir stellen Jesus damit über alle anderen Herren und Mächte dieser Welt. Das hat auch Thomas getan. Von ihm wird in der nach-biblischen Überlieferung berichtet, er sei als Missionar nach Persien und bis nach Indien gegangen, um dort seine Begegnung mit Jesus zu bezeugen.

 

8. Jesus persönlich begegnen (Glaubensgewissheit)

 

Die heutige Geschichte zeigt: Glaube, der die Welt verändert entsteht nicht durch harte, objektiv nachprüfbare Beweise, sondern durch die  Begegnung mit Jesus. Und Glaube entsteht durch die Antwort "Mein Herr und mein Gott."  Ja, Jesus, dir will ich mich anvertrauen. Mit dir will ich leben.  

 

Unserem Abschnitt mit Thomas folgt dann der vorläufige Abschluss des Johan­nesevangeliums. In den darauf folgenden Versen endet das 20. Kapitel (Verse 30 + 31) wie folgt:

 

" Was (aber) in diesem Buch steht, wurde aufgeschrieben, damit ihr daran festhaltet, dass Jesus der Sohn Gottes ist, der ver­sprochene Retter. Wenn ihr euer Vertrauen auf ihn setzt, habt ihr durch ihn das Leben."

 

Darum geht es dem Autor dieses alten Berichts: "Setzt euer Vertrauen auf Jesus. Mit ihm und bei ihm habt ihr das Leben." Doch wie lernt man dieses Vertrauen? Vielleicht so ähnlich wie Schwimmen. Es funktioniert nicht allein durch Trockenübungen oder durch Zusehen vom Beckenrand aus. Es funktioniert nur, wenn man sich nass macht, ins Wasser steigt und es ausprobiert, ob das Wasser trägt. So ist es auch mit dem Glauben an Jesus.

 

Die Geschichte von Thomas ist eine Mutmachgeschichte, die zeigt, dass Glauben und Zweifel zusammen gehören - genau so wie es der Titel der neuen Serie aus der Wochenzeitung DIE ZEIT formuliert. Die Geschichte von Thomas zeigt, dass wir trotz aller Zweifel mit Jesus rechnen und Glauben finden können. - Verliere bei all den Zweifeln und Fragen nicht so schnell die Geduld. Suche die Gemeinschaft von Christen und höre, wie sie ihm begegnet sind. Und dann rechne damit, dass er durch deine verschlossene Tür kommt.

 

Und wenn es dann soweit ist und wenn er dann überraschend vor dir steht und mit dir spricht, dann versuch es mit der Antwort, die Thomas für sich gefunden hat: "Du Jesus bist mein Herr und mein Gott". Das ist ein Satz, der sich seither schon oft bewährt hat.   

 

Amen.