Foto von aufgeschlagenen Büchern

Predigt über Johannes 21,15-17

Pfarrer Michael Greßler (ev.-luth.)

14.04.2013 in Camburg, Leislau und Prießnitz (EKM)

Misericordias Domini 2013

»Wenn wir fallen,

fallen wir ins Netz«

Eine Predigt von Jesus,

der sein Liebesnetz knüpft,

damit wir nicht abstürzen,

und von uns, die wir mitknüpfen dürfen.

Zum Sonntag vom Guten Hirten.

Misericordias Domini,

den 14. April 2013

in Camburg, Leislau und Prießnitz

Text: Joh 21,15-17; (aus Reihe 5)

Kanzelgruß –

Text:

Als sie nun das Mahl gehalten hatten, spricht Jesus zu Simon Petrus: Simon, Sohn des Johannes, hast du mich lieber, als mich diese haben? Er spricht zu ihm: Ja, Herr, du weißt, daß ich dich lieb habe. Spricht Jesus zu ihm: Weide meine Lämmer! Spricht er zum zweiten Mal zu ihm: Simon, Sohn des Johannes, hast du mich lieb? Er spricht zu ihm: Ja, Herr, du weißt, daß ich dich lieb habe. Spricht Jesus zu ihm: Weide meine Schafe! Spricht er zum dritten Mal zu ihm: Simon, Sohn des Johannes, hast du mich lieb? Petrus wurde traurig, weil er zum dritten Mal zu ihm sagte: Hast du mich lieb?, und sprach zu ihm: Herr, du weißt alle Dinge, du weißt, daß ich dich lieb habe. Spricht Jesus zu ihm: Weide meine Schafe!

Liebe Schwestern und Büder!

Wenn man ein Gerüst baut, dann muß man heute auch immer ein Sicherheitsnetz anbringen. Die sind meistens grün und wehen ein wenig im Wind. Eigentlich sind sie dafür gemacht, daß keine Gegenstände herunterfallen und andere verletzen. Aber im schlimmsten Fall müssen sie auch Menschen auffangen können. Sicherheitsnetze müssen sein. So lautet die Vorschrift. Laut DIN 12810. Ein Netz muß angebracht werden. – Damit nichts passieren kann. Wenn man fällt, fällt man ins Netz.

Wenn Trapezkünstler im Zirkus hochgefährliche Dinge vorführen, dann tun sie das vernünftigerweise nicht ohne Netz. Damit nichts passieren kann. Wenn man fällt, fällt man ins Netz.

Wenn es einem schlecht geht, dann kann man froh sein, wenn man andere Menschen hat. Eine Familie. Eltern. Geschwister, liebe Freunde. Man nennt das ein »soziales Netz«. Ja, man kann fallen, das kann passieren. Man fällt in Sorge, Traurigkeit, Krankheit, Unglück, was auch immer. Aber man stürzt nicht ab, wenn man die andern hat. Wenn man fällt, fällt man ins Netz.

Und selbst der Staat sorgt im Großen dafür, daß es ein soziales Netz gibt. Krankenversicherungen. Rentenkassen. Soziale Hilfen. Das sind ganz hohe Errungenschaften einer humanen Gesellschaft. Und mag das auch alles mit Problemen belastet sein, es ist wichtig. Wir haben es, das soziale Netz unseres Staates, und keiner soll hindurchfallen. Wenn man fällt, fällt man ins Netz.

Netze beschützen uns davor, daß wir abstürzen.

Petrus hatte gedacht, er wäre abgestürzt. Er hatte es nicht geschafft. Er hatte Jesus verleugnet. In jener Nacht am Kohlefeuer im Hof des Hohenpriesters. Dreimal hatte er gesagt: Ich kenne »den« ja gar nicht! Er war weggelaufen. Er war feige gewesen. Hatte nicht durchgehalten. Hatte versagt.

Und nun hatte Petrus das Gefühl: Ich habe alles durchgeschnitten, was mich mit Jesus verbunden hat. Ich habe das Netz zerrissen, das mich hält. Das Netz, das mich und meinen Herrn die ganze Zeit so wunderbar zusammengehalten hat. Und nun bin ich in den Abgrund gefallen. »Und ging hinaus und weinte bitterlich.« – –

Dann war Jesus auferstanden. Am Morgen des dritten Tages. Eigentlich war ja alles wieder gut. Als erste hatte Maria Magdalena ihn gesehen. Und dann er, Petrus. Er durfte ihn als erster sehen. vor allen anderen Jüngern! Aber dennoch war er nicht glücklich. Er hatte versagt. Und wußte nicht, ob ihm Jesus das je verzeihen würde.

Und dann DAS. Wieder saßen sie da an einem Kohlefeuer beisammen. An einem schönen Morgen, kurz nach dem Ostertag. Und nach dem gemeinsamen Mahl kam auf einmal DIESE Frage. »Simon, hast du mich lieb«. Dreimal. »Spricht Jesus zum dritten Mal zu ihm: Simon, Sohn des Johannes, hast du mich lieb? Petrus wurde traurig, weil er zum dritten Mal zu ihm sagte: Hast du mich lieb?, und sprach zu ihm: Herr, du weißt alle Dinge, du weißt auch, daß ich dich lieb habe.« Als Petrus das hört, erstarrt er. Traurigkeit packt ihn. Ich glaube, ihm sind die Tränen in die Augen geschossen. Er denkt: »Jesus glaubt mir nicht. Jesus hat alles Vertrauen in mich verloren, und das zu Recht. Ich habe alles zerrissen, was uns verbunden hat.«

Aber dabei hat Petrus überhaupt nicht gemerkt, was er da eben gesagt hatte! »Herr, du weißt alle Dinge, du weißt auch, daß ich dich lieb habe«. Petrus hatte gesagt: Herr, ich habe dich lieb! Und das war nicht geheuchelt und nicht gelogen. Das war ehrlich! Und damit hat er selbst bestätigt, daß alles gut ist. Das Netz war eben nicht zerrissen. Sondern es hatte ihn schon längst gehalten. Sonst hätte er das gar nicht sagen können: »Du weißt, daß ich dich lieb habe«.

Fast könnte Jesus in diesem Moment sagen: »Siehst Du, Petrus, es geht doch. Die Liebe ist doch da. Du mußt nicht denken, du wärst aus meinem Liebesnetz gefallen. Ich habe Dich gehalten. Schon die ganze Zeit! Du hast die Liebe. Alles ist gut«

Jetzt merkt Petrus, wie er aufgefangen wurde. Aufgefangen von dem Netz, das aus dem Garn der Liebe geknüpft ist. Aufgefangen von Liebesnetz. Denn die Liebe ist der festeste Stoff, den es gibt. Sie kann Netze knüpfen, die halten, wo nichts anderes mehr hält.

Netze, die auch uns halten. Denn das hören wir heute auch. Es ist die Liebe Jesu, die Petrus gehalten hat. Und es ist Jesu Liebe, die auch uns trägt. Das macht Jesus dem Petrus klar, und das sagt er auch uns: Wenn ihr fallt, dann fallt ihr in mein Liebesnetz. Und nirgendwo anders hin.

Und dann gibt Jesus dem Petrus noch dreimal einen Auftrag: »Weide meine Lämmer« – »Weide meine Schafe« –»Weide meine Schafe«. Mit anderen, einfachen Worten gesagt: »Petrus, du bist in mein Liebesnetz gefallen. Ich halte dich. Nun aber trage Du auch die anderen – mit deiner Liebe. Knüpfe du jetzt auch mit an unserem Liebesnetz. An meinem Liebesnetz, das nun auch zu deinem wird«.

Das Liebesnetz des Glaubens. Es ist stärker als alle andern Netze. Stärker als alle technischen, familiären, sozialen oder staatlichen Netze. Aber seine Aufgabe ist dieselbe, nur noch viel größer: Auffangen. Nicht mehr und nicht weniger. Auffangen! Es fängt uns auf, damit nichts schlimmes passiert. Selbst dann, wenn uns etwas schlimmes passiert! Wenn wir fallen, fallen wir ins Netz. In Jesu Liebe. Und in die Liebe, die die anderen uns schenken, die bei uns sind – in Jesu Namen.

Liebe Schwestern und Brüder! Unser Leben mit Gott ist kein Leben ohne Netz und doppelten Boden. Ja, es kann sein, daß wir fallen. Auch manchmal tief. Aber wir fallen ins Netz. Immer. Wir fallen in das Netz, das Jesus uns aus Menschen knüpft, die für uns da sind. Und wir fallen in das Netz, das er selbst ist. Mit all seiner Kraft, und mit all seiner Liebe.

Und wenn wir einmal den tiefsten Fall tun, – den Fall in den Tod –, dann hat Gott auch dort schon längst sein Liebesnetz gespannt. Sein Liebes- und sein Lebensnetz. Da hat er alle schon aufgefangen, die vor uns gehen mußten und an ihn geglaubt haben. Und da wird er auch uns alle auffangen, wenn unsere Zeit kommt.

Lassen wir uns fallen. Ins Netz. Lassen wir uns fallen in die Liebe Jesu Christi.

Und spannen wir einander Netze auf, die uns tragen. Mit Jesu Liebe. Und mit unserer, die der Seinen entspringt. Dann sind wir sicher.

Wenn wir fallen, fallen wir ins Netz. Heute und morgen. In Freude und Leid. Im Leben und im Tod. In Zeit und Ewigkeit. Amen.

Kanzelsegen –

Predigtlied: 374,1-3; // 5; (Ich steh in meines Herren Hand…)

1. Ich steh in meines Herren Hand


und will drin stehen bleiben;


nicht Erdennot, nicht Erdentand


soll mich daraus vertreiben.


Und wenn zerfällt die ganze Welt,


wer sich an Ihm und wen er hält,


wird wohlbehalten bleiben.



2. Er ist ein Fels, ein sichrer Hort,


und Wunder sollen schauen,


die sich auf sein wahrhaftig Wort


verlassen und Ihm trauen.


Er hat's gesagt, und darauf wagt


mein Herz es froh und unverzagt


und läßt sich gar nicht grauen.



3. Und was Er mit mir machen will,


ist alles mir gelegen;


ich halte Ihm im Glauben still


und hoff auf seinen Segen.


Denn was Er tut, ist immer gut,


und wer von Ihm behütet ruht,


ist sicher allerwegen.



5. Und meines Glaubens Unterpfand


ist, was Er selbst verheißen:


daß nichts mich seiner Hand


soll je und je entreißen.


Was Er verspricht, das bricht Er nicht.


Er bleibet meine Zuversicht;


ich will Ihn ewig preisen.