Foto von aufgeschlagenen Büchern

Predigt über Johannes 21,4

Pfarrer Olaf Franke

27.01.2002 in der Kirche am Südstern in Berlin-Kreuzberg

Er ist kein Mafia-Boss!

(Anmerkung: Ohne Begrüßung, da schon ein paar Interna weitergegeben wurden.)

Peter Lutz hat beim letzten Mal eine Predigt gehalten, in der Petrus vorkam. Was Gott mir in der Zeit davor aufs Herz gelegt hat, als ich mich für die Predigt heute vorbereitet hatte, da ging es auch um dieselbe Situation, von daher freue ich mich über die Bestätigung und über die Übereinstimmung.

Schlagen wir gemeinsam auf: Johannes 21, das ist die Ausgangssituation heute, über die ich reden möchte. Ihr kennt die Geschichte: die Jünger sind am Ufer und Jesus zeigt, dass er ein guter Frühstücker ist, und es gibt "gefüllter Fisch"-Brunch mit Jesus am See. Er ist wieder da, sie essen gemeinsam, und es fing so an, in Vers 4, eine meiner Lieblingsstellen:

"Eines Morgens (oder: "an diesem Morgen") stand Jesus am Ufer." Jesus steht am Ufer. Sie haben ihn nicht erkannt, aber das ist ein Bild der Hoffnung, ein Hoffnungsschimmer. Jesus steht am Ufer deiner Enttäuschungen, deiner Berufungen. Und bei den Jüngern war es ja so, die waren ja alles andere als ermutigt, die waren ja sozusagen in die alten Wege zurückgegangen, hatten gefischt. Das hat Peter Lutz ja letzte Woche erklärt, wo fischen wir eigentlich. Und das war die Situation. Und es war schon das dritte Mal, dass Jesus kam, und sie haben ihn auch nicht erkannt. Wahrscheinlich waren sie ziemlich weit draußen, Morgendämmerung, da weiß man nicht, ist es ein Baum oder ist es ein Mensch? Es ist Jesus, sie erkennen ihn nicht. Aber das ist ein tröstliches Bild: Jesus kommt, er ist da, er steht am Ufer. Er ist unterwegs zu den Jüngern, er ist unterwegs, um sie aufzurichten. Und das erste, weil er seine Leute kennt, was sie frühmorgens nach dem Arbeiten brauchen, ein gutes Frühstück. Für mich wäre das kein gutes Frühstück, morgens schon Fisch essen. Also gut, das muss man schon gewöhnt sein. Aber das tut er, er versorgt sie. Und dann kommt dieses Gespräch, wo Jesus und Petrus sozusagen zur Seite gehen. Und darum geht es mir heute morgen, wie geht Jesus mit seinem Freund Petrus um. Er hat ihn Petrus genannt. Der Fels. Ein Fels ist stabil. Ein Fels ist verlässlich. Ein Fels, darauf kann man aufbauen. Und Jesus hat gesagt: "Du bist der Fels, darauf baue ich meine Gemeinde." Er war am weitesten davon zu diesem Zeitpunkt entfernt, denn je. Aber ist Petrus der Fels? Nein! Er ist unzuverlässig, er ist instabil, ändert seine Meinung oft, und er macht Vorschläge, die zu nichts führen. "Jesus, Mose und Elia sind hier, lass uns drei Tabernakel-Hütten bauen, dann bleiben wir hier." Jesus antwortet nicht mal darauf. - Alles, was ich jetzt so erzähle, das steht in der Bibel so drin, ja. - "Jesus, ich will wie Du auf dem Wasser gehen, bitte." Ein paar Minuten später muss Jesus ihn von dem Ertrinken retten. "Jesus, ich werd' Dich nie verlassen!" Ein paar Stunden später: "Jesus von Nazareth? Nie gehört!" Instabil! Und ich freue mich, dass Gott kein Mafiaboss ist. Das ist unser Gottesbild. Er hält uns unsere Fehler vor. Und wenn Gott ein Mafiaboss wäre, dann wäre das Gespräch, was hier in der Bibel geschrieben ist, vielleicht ungefähr so abgelaufen. (Anmerkung: Prediger holt sich einen weißen, geflochtenen Hut und eine Sonnenbrille. Deutet mit einer Hand eine Zigarre an. Spricht mit südländischem Akzent. - Kassette)

"Hey, Simone, pescatore amigo, wir müssen reden. Ich bin Angelo, der Meister hat mich geschickt. Er ist sehr traurig. Ich weiß, was Du sagen willst, aber lass mich Dir sagen, wir müssen spazieren gehen. Er hatte viel Hoffnung in Dich gesetzt. Auch der große Boss, er ist sehr sauer. Sie wollten Dir Galiläa südliche Abschnitt geben für Schutz, aber... Ich weiß, was Du sagen willst, ihr hattet einen schlechten Start, der kommt rein, heilt Deine Schwiegermutter. Ich weiß, ein schlechter Start. Aber ist das ein Grund, gleich die ganze Arbeit zu sabotieren? Und es ist peinlich, Du hast kein Gespür für für Momente, Du willst Apostel sein? Der Meister ist sehr traurig. Bei der Fußwaschung, er will die Füße waschen. Was sagst Du? "Nein, kommt nicht in Frage!" Simone, das macht man nicht. Du willst Apostel sein? Dann sagt er: "Ja wenn ich Dir nicht die Füße wasche, dann hast Du keine Teil an mir." Simone, was hast Du gemacht? "Ja dann auch die Hände und den Kopf!" Was ist das für eine Antwort! Und dann im Garten Gethsemane ist die Verhaftung. Was machst Du? Holst Dein Schwert raus, haust dem Diener vom Hohen Priester das Ohr ab. Simone, hat Jesus das gesagt, dass Du das tun sollst? Ist das peinlich! Was muss der Meister tun? Nimmt das Ohr, klebt es wieder an. Ist er Dein Meister, oder Deine Putzfrau, oder was? Und Du willst ein Apostel sein? Simone, der Meister ist sehr traurig. Und als der Boss das gehört hat, na... Du hast die Kinder zurückgewiesen, die Bettler. Wo warst Du beim Kreuz, hä? Selbst der kleine Giovanni war da. Und Du bist von Ferne gefolgt. Und am Grab: Wir dachten, wir dachten, bei der Auferstehung wird alles besser. Am Ostermorgen, ja, bisschen pieta, Pietät, Simone! Das Grab ist leer, große Stunde. Giovanni, der kleine Giovanni, er weiß, was sich gehört, er geht ans Grab, beugt sich vor, guckt rein. Was machst Du? Rennst vorbei, einfach rein, holst die Grabtücher raus. Das ist doch nicht sensibel. Und Du willst Apostel sein? Der Meister ist sehr traurig. Und gerade er, das war nicht gut. Ihr wart fischen. Der Meister sagt: "Hier bin ich!" Der kleine Giovanni sagt: "Da ist der Herr." Was machst Du, was ist Deine Reaktion? "Um Gottes willen, ich habe nichts an!" Simone! Was hast Du dann gemacht? Ja, hast Dich angezogen, habe ich gesehen, und dann? Bist Du mit den Klamotten ins Wasser gesprungen. Was ist eigentlich in Deinem Kopf los, hä? Und Du willst Apostel sein? Und dann hast du ihn verleugnet, hä. "Kenn ich gar nicht!" Dreimal. Und er hat Dir gesagt vorher. Simone, ich glaube wir müssen spazieren gehen. Deine Karriere ist beendet." (Mafiaboss Ende.)

Grund Nummer 1 Gott zu preisen, ist, dass er nicht so ist. Amen? Paulus sagt: "Ich wollte euch Christus vor Augen malen." Ich habe es ein bisschen versucht. Das Gegenteil natürlich davon. Jesus ist an der Beziehung mit dem Petrus interessiert. Er rechnet ihm das nicht vor, was er falsch gemacht hat, er sagt ihm: "Liebst Du mich?" "Liebst Du mich?" - Das ist die Frage. Gehören wir noch zusammen? Darf ich noch der für Dich sein, der ich am Tag Deiner Bekehrung für Dich sein wollte, und auch war? Liebst Du mich? Er fragt ihr dreimal, weil ihm das wichtig ist. Das macht den Petrus ein bisschen unsicher, aber er bleibt dran. Woran erkennt man die Liebe des Petrus? An seinen Werken? - Nein. Erkennt man Deine Liebe an Deinen Werken? Vielleicht doch, das wäre schön! Denn im Schreiben an die Epheser in der Offenbarung gibt es die sogenannte zweite Liebe, wo Jesus sagt: "Ich kenne Deine Werke, aber die erste Liebe hast Du verlassen." Deswegen sind die Werke nicht schlecht. Natürlich möchte Gott, dass wir auch an den Werken, an unserem Wesen, erkannt werden. Aber das Wichtigste, was macht die Liebe aus? Die Sehnsucht, ihn zu wollen, die Sehnsucht, Beziehung mit ihm zu haben trotz allen Versagens. Und es ist ja nicht das erste Mal, dass Jesus mit dem Petrus so umgeht. Jesus spricht, und Petrus - das sind wir, das sind die Gläubigen, das sind die Gemeinden, das sind wir als Einzelne - Jesus spricht in Dein Leben hinein: "Ich nenne Dich Felsen." Nicht weil er es ist, sondern weil er es in Jesu Augen werden kann. Er sieht Dein Potenzial heute Morgen. Drum schau heute Morgen nicht auf Dein Versagen der Vergangenheit, oder auf das, was gerade schief gelaufen ist, sondern schau auf den Plan Jesu mit Deinem Leben, was er mit Dir tun will, egal, ob Du das weißt oder nicht. Dass Du heute Morgen vertrauen fasst und sagst: "Jesus, egal was ich verbockt habe, egal was zwischen uns schief gelaufen ist, Du hast einen Plan, einen guten Plan, Du willst Deine Freundschaft mit mir, Du willst mich führen, auch vielleicht manchmal wo ich nicht hin will, aber ich weiß es wird gut. Das ist etwas, was heute Morgen passieren kann in deinem Leben, dass dir das neu bewusst wird. Jesus sagt zu Petrus: "Ich werde Dich zum Menschenfischer machen." Er spricht in die Alltagssituation des Petrus hinein. Sein Beruf, seine Lebenserfahrung wird in die Berufung miteinbezogen. Er soll Menschenfischer sein, aber, das habe ich schon oft erzählt, wäre Petrus Architekt gewesen oder Eisverkäufer oder Hausmeister, hätte Jesus ein anderes Wortspiel benutzt. Also geht es auch darum, was sagt Jesus zu dir. Und zunächst mal bedeutet das eine Ermutigung für den Petrus: "Du wirst hier nicht nur bleiben in deinem Alltag, sondern du wirst mehr mit mir erleben." Mit diesem unzuverlässigen, schnell mit der Zunge seienden, vorlauten Menschen. "Ich nenne Dich Felsen." Für Petrus die besondere Berufung war tatsächlich: darauf baue ich meine Gemeinde auf. Und das ist der Petrus ja später geworden, er war der Wortführer, er hat's irgendwann begriffen und hat diese Rolle, diese Verantwortung, eingenommen. Als Petrus angibt beim Abendmahl und sagt: "Wenn dich alle verlassen, ich werde es nicht tun." Und Jesus eben zu ihm sagt: "Der Satan hat begehrt, dass er euch alle wie Weizen sichte, die Spreu vom Weizen trenne." Da sagt er ja natürlich, du wirst in Anfechtung vielleicht fallen, du wirst versagen, aber ich bete für dich, dass dein Glaube nicht aufhört. Jesus betet für Dich, dass Dein Glaube nicht aufhört, denn er ist derselbe, gestern, heute und in Ewigkeit. Er betet für Dich! Das ist ein Grund, ihm zu danken heute Morgen, dass er uns nicht loslässt.

Und zweit weitere Aufträge bekommt er: "Stärke Deine Brüder." Das ist ein Auftrag, den wir, wenn wir so eine Beziehung, wie der Petrus sie hatte, und wir so ein freundschaftliches Vertrauen zu ihm haben, dann dürfen wir das tun, genauso die Brüder stärken. Durch unser Wesen, durch unsere Worte, durch unseren Zuspruch. Und der zweite, oder der letzte Auftrag, der hier geredet ist von Jesus, heißt: "Weide meine Schafe!" Mehr nicht, "Weide meine Schafe!" Er vertraut ihm aufs Neue, ohne sichtbaren Grund, aber er weiß, Jesus darf sich bei Petrus investieren.

Darf Jesus sich in Dein Leben investieren? Darf er Dich zu jemandem machen, der andere weidet, der auf andere aufpasst, der anderen Gutes tut, der für andere ein Wegweiser ist? Das möchte er tun, ganz unkompliziert, da wo Du bist. Und er wird Dich führen. Aber das Wichtigste ist mir heute Morgen, dass wir eben uns klar werden über seinen Charakter, über seine Treue. Und mein Wunsch ist, dass Du heute Morgen alles, was zwischen Dir und IHM vielleicht steht, dass Du das ausräumen kannst, dass Du neu sagst: "Ja." Wie der Petrus: "Ich weiß, es war nicht alles zum Besten, aber ich will. Ich will mit Dir weitergehen." Wenn Du Jesus noch nicht kennst, und hier sitzt heute Morgen, ist es eine gute Gelegenheit, das zum ersten Mal zu tun. Denn das ist der Gott, dem wir glauben, dem wir vertrauen, der hier uns vor Augen gemalt wird. So wie er in der Bibel zu Lebzeiten, zu irdischen Lebzeiten mit Menschen umgeht, geht er heute mit Dir und mir um. Möchte er das. Er möchte aus Deinem Mangel, möchte er Fülle machen. Aus Deinem Versagen möchte er Segen machen. Und das wird er tun, wenn Du Dein Leben in seine Hand legst.

Der Satz, der für mich verändernd war, war dieser eine Vers, wo es heißt: "Petrus folgte von Ferne", als es zum Kreuz ging. Petrus folgte von Ferne. Ja, er war ein Jünger, aber als es darum ging, ganze Sache mit Jesus zu machen, folgte er von Ferne. Er ist nicht den ganzen Weg mit zum Kreuz gegangen. Ich wusste, ich bin so einer, der sich gläubig nennt, und Christ nennt, aber nicht bereit ist, wenn Jesus alles für mich getan hat, alles für ihn zu geben. Wenn Du ihn nicht kennst heute Morgen und diese Entscheidung noch nie getroffen hast, es lohnt sich, ihm ganz zu gehören. Es lohnt sich, mit ihm ganze Sache zu machen. Nicht nur von Ferne zu folgen, "Ja, ein bisschen bin ich auch Christ", sondern Dein ganzes Leben mit ihm ans Kreuz, damit die ganze Fülle, die er verspricht, in Deinem Leben durchbrechen kann. Das gilt für Dich, der Du Jesus nicht kennst. Ich möchte Dich einladen heute, wenn wir beten nachher, wenn wir singen, ganz einfach zu IHM zu sagen: "Jesus, ich will Dich kennen lernen, komm in mein Herz." Und er wird es tun. Und für die, die schon lange hier sitzen, die möchte ich einladen, wenn wir ihn anbeten, mit Jesus klare Sache zu machen. Mit ihm ehrlich zu reden, nichts zurückzuhalten, und zu sagen: "Ja, Herr." Und ich bin sicher, der Herr wird Dir keine lange Liste vorlegen, und keinen Angelo vorbeischicken, sondern er wird Dir etwas sagen. "Liebst Du mich?" Und vielleicht gibst Du ihm eine Antwort heute Morgen.

Amen