Foto von aufgeschlagenen Büchern

Predigt über Johannes 4,13-14a

Pastor Thomas Berke

28.01.2007 in der Ev. Kirche zu Mülheim (Mosel)

© privat

Liebe Gemeinde,

regelmäßig flattern bei uns Kataloge von verschiedenen Versandhäusern ins Haus. Da wird die neueste Mode für Damen und Herren gezeigt, oder sogenannte Lifestyle-Angebote (schöne Sachen zum Verschönern der Wohnung in Klein und groß). Immer häufiger entdecke ich in diesen Katalogen, die ja meist sehr ansprechend aufgemacht sind, einen Buddha-Kopf.
Ich muss dann ein wenig lächeln und denke bei mir: „Wenn die wüssten, dass Buddha vom Kauf aller dieser schönen Sachen dringend abraten würde, er würde sofort aus allen Katalogen und Schaufenstern entfernt werden!“ Es ist schon ein merkwürdiges Phänomen: Buddha, der Feind aller Lebensgenüsse, der allen Durst nach Leben zum Verlöschen bringen will, ist in Europa zum Kultsymbol der Lebensfreude geworden.
Dabei hat Buddha durchaus richtige Einsichten, die wir auch in der Bibel finden. Zum Beispiel, dass mein Durst nach Leben Ursache für das Leiden ist. Leben im Luxus ist immer auch Leben auf Kosten anderer. So sagt es auch Jesus im Gleichnis vom reichen Mann und armen Lazarus. Da wird etwas Wahres aufgedeckt. Oder die Einsicht, dass nichts auf der Welt den Durst nach Leben eigentlich stillen kann, dass wir getrieben werden, ihn zu stillen, aber niemals dabei Frieden und Erfüllung finden, weil alle weltlichen Dinge sogleich wieder verrinnen und verrauschen. Diese Wahrheit deckt auch Jesus auf. Zum Beispiel im Gespräch mit der samaritischen Frau am Brunnen. Er sagt zu ihr: „Fünf Männer hast du gehabt, aber wenn du von diesem Wasser weiter trinkst, wirst du immer noch mehr Durst bekommen.“ Auch da: Keine Erfüllung, kein gestillter Durst auf diesem Weg.
Hier werden Wahrheiten über unser Leben aufgedeckt, die heute noch gültig sind, und die wir auf Schritt und Tritt erfahren: Mein Durst nach Leben ist die Ursache von Leiden. Und: Mit den schönen Dingen dieser Welt werde ich niemals meinen Durst nach Leben stillen können.
Aber was folgt aus dieser Einsicht? Da gehen die Wege von Buddha und Jesus fundamental auseinander.
Buddha rät, den Durst nach Leben zum Verlöschen zu bringen und gibt dafür methodische Anweisungen: Absonderung von der Welt, Fasten, Meditieren bis hin zu Kloster und Ehelosigkeit.
An dieser Stelle deckt das Evangelium eine weitere Wahrheit auf: Jesus spricht hier ein radikales „Nein“: Du kannst den Durst nach Leben gar nicht zum Verlöschen bringen. Du kannst beides nicht: du kannst deinen Durst nach Leben nicht mit den Dingen der Welt stillen, und du kannst den Durst nach Leben nicht zum Verlöschen bringen, weder durch Fasten noch durch Meditieren, noch durch Absonderung, auch nicht durch Ehelosigkeit. Du schaffst es nicht! Beides führt in eine Sackgasse. Radikal durchgestrichen!.
Hier fällt der gottlose Mensch in ein tiefes, dunkles Loch. Ohne Gott zählt nur maximal das, was Menschen tun können. „Kaufen, machen, erleben ...“ oder „Fasten, Entsagen, Meditieren“ als Tun des Menschen unabhängig von Gott. Es ist der gottlose Mensch, der nur die Scheinalternative zwischen materiellem Rausch und Entsagung kennt.
Mir hat schon einmal jemand gesagt: „Ach, da wird mir ja alles genommen, alle meine Illusionen, alle meine Träume – was bleibt da noch übrig?“
Es bleibt dann der übrig, der einzig und alleine den Lebensdurst stillen kann. Nämlich
- der eine Gott, der die Welt geschaffen hat (auch die schönen Dinge darin),
- der eine Gott, der dir das Leben gegeben, ohne dein Zutun,
- der eine Gott, der dein Leben erfüllen, bewahren, retten kann, ohne dein Zutun stillt er deinen Durst nach Leben.
Dafür ist Gott Mensch geworden in Jesus Christus. Es gibt nicht mehrere Quellen, es gibt nicht mehrere Wege zu Gott und zum wahren Leben. Es gibt allein Jesus Christus. Und in ihm kommt Gott zu dir!
Wir nennen uns Christen und können nicht glauben, dass unser Durst nach Leben durch Jesus Christus gestillt wird. Nicht durch Fasten, nicht durch Konsumrausch, nicht durch Buddha, sondern durch Jesus Christus. Weil in ihm Gott Mensch wurde, in ihm und in keinem anderen! Aber genau das wollen viele nicht. Wir wollen uns selbst retten, so vergeblich es ist. Wir wollen uns nicht retten lassen. Denn sich retten lassen bedeutet Bekehrung zu Gott!
Alles Fasten, alle Entsagungen können dein Leben nicht retten. Auch wer fastet, wird eines Tages sterben müssen.
Jesus Christus sagt hingegen: „Wer aber von dem Wasser trinken wird, das ich ihm gebe, den wird in Ewigkeit nicht dürsten.
Weder konsumieren noch fasten, weder Erlebnisrausch noch Meditationsstille können deinen Lebensdurst stillen. Erfüllung erfahrt ihr allein durch den Glauben, dass Jesus der Christus ist, und dass Gott in ihm euch alles gibt, was Bestand hat.
Glauben heißt: Ich vertraue auf das, was Gott für mich getan hat. Und das macht mich frei und froh. Da kommt alles unter ein anderes Vorzeichen:
Als von Christus erfüllter Mensch gehe ich ganz anders an Dinge und Menschen heran: ich bin nicht abhängig davon, die schönen Dinge aus Werbung und Katalog selbst haben zu müssen. Ich „muss“ es nicht haben. Aber: Ich kann mich an allem Schönen erfreuen und dankbar sein, wenn ich es habe.
Das gilt auch für Ehe, Partnerschaft, Familie und Freundschaft. Als von Christus erfüllter Mensch gehe ich befreit und dankbar eine Beziehung zu einem Menschen an. Es ist nicht mehr der andere, der mein Leben erfüllen muss (eine totale Überforderung, an der viele Beziehungen scheitern). Ich werde frei davon, ständig nach jemanden zu schauen, der mein Leben besser erfüllen könnte. Selbst wenn ich einsam und verlassen bin, bin ich noch erfüllt durch Christus. Ich kann in allem dankbar sein.
Viele Menschen können nicht Ja sagen zu einem Kind, weil Erfüllung an den falschen Stellen gesucht wird. Immer wieder höre ich die Frage: „Kann ich einem Kind genug geben, kann ich einem weiteren Kind genug geben?“ Viele sehen das als rein materielles Problem. Dabei brauchen Kinder gar nicht so viel Geld, sondern Zeit, Zuwendung, Auseinandersetzung und Liebe. Eher sollten Eltern fragen: „Kann ich meinem Kind genug Zeit und Zuwendung geben?“ Aber auch da darf die Antwort nicht vorschnell „Nein“ lauten. Wichtiger ist die Gewissheit des Glaubens: Für meine Kinder und für mich selbst wird genug da sein. „Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln.“
Frei und froh sein heißt: Mein Leben hängt weder von den schönen Dingen der Welt ab noch von meiner Entsagungsleistung. Nicht ich kann mein Leben retten, sondern allein er bewahrt, trägt, erfüllt, rettet mein Leben. Mein Leben hängt also einzig von Jesus Christus ab. Dass er mir sein Leben schenkt. Dass er für meine Schuld eintritt, dass er allen Mangel ausgleicht. Das stillt meinen Durst nach Leben, und ich werde frei davon, ihn woanders zu stillen. Das macht mein Leben hell und es bleibt hell in der größten Dunkelheit, in der Dunkelheit von Schuld, Versagen, Leid und Tod.
Darum kann ich mich am Leben freuen. Das, was mich erfüllt, finde ich jedoch allein in Jesus Christus, nirgends sonst. Weil allein in ihm Gott Mensch wurde.

Amen.