Foto von aufgeschlagenen Büchern

Predigt über Johannes 5,39-47

Julia Illner (ev.-luth.)

26.06.2011 in der Kirchengemeinde Behringersdorf (evang-luth) in der Maria Magdalena Kirche

Die Predigt wurde von zwei Autorinnen (Julia Illner und Romina Rieder) gemeinsam verfasst.

 

 

Streit am Sabbat[1] (Er- Erzählung)

Traurig sitzt Johannes am Teich Betesda und lässt seine Füße ins Wasser hängen. So ein Streit liegt ihm immer schwer im Magen. Derweil hatte der Tag so gut angefangen. Ein großes Fest wird an diesem Sabbat in Jerusalem gefeiert, deswegen ist er mit Jesus und den anderen Jüngern in die Stadt gekommen. Fröhlich und ausgelassen war die Stimmung gewesen. Doch dann war es zum Streit gekommen.

Johannes seufzt, er taucht die Hand ins Wasser und lässt die Tropfen durch die Finger gleiten. Klar, Jesus erregt Anstoß, das hat Johannes immer wieder erlebt, seit er sich Jesus angeschlossen hat und mit ihm durchs Land zieht. Aber besonders schmerzhaft ist es immer, wenn es zu Auseinandersetzungen mit jüdischen Glaubensgeschwistern kommt. Johannes verzieht schmerzvoll das Gesicht,  schließlich gehören sie alle zum Gottesvolk, da sollte es nicht so böse Worte geben. Auch Jesus ist ja mit der jüdischen Tradition und Glauben aufgewachsen. Er hat seinen Jüngern davon erzählt, wie er als Kind immer mit seinen Eltern zu den Wallfahrtsfesten nach Jerusalem gepilgert ist.  Der Tempel hat ihn so angezogen, dass er einmal sogar wieder dorthin zurück gelaufen ist. Johannes lächelt, ja, schon als Kind hat sich Jesus mit der Tora, dem Gesetz, beschäftigt und damit, wie sie richtig zu verstehen ist.

Inzwischen ist Jesus ein großer Lehrer, wohin er auch kommt, immer erregt er Aufsehen. So ist es auch heute gewesen. Jesus hatte einen Kranken geheilt, und einige der Umstehenden hatten daran Anstoß genommen, dass er am Sabbat Arbeit verrichtet hatte. Johannes seufzt, es gibt eben verschiedene Wege die Tora, also das Gesetz, auszulegen. Jesus war, wie viele Rabbiner, der Meinung, dass eine Rettung aus Lebensgefahr die Gesetze am Sabbat nicht verletzte. Dass darüber so böser Streit entstehen musste. Aber Johannes weiß schon, dass es bei der Auseinandersetzung noch um mehr ging. Für Jesus steht etwas ganz Wichtiges auf dem Spiel, das hat Johannes gleich gemerkt, als sich Jesus an seine Gesprächspartner wandte und folgendes sagte:

Ich lese aus dem Johannesevangelium im 5. Kapitel:

Jesus sagt: 39 „Ihr lest die Heilige Schrift gründlich, um ewiges Leben zu finden. Und tatsächlich weist sie auf mich hin. 40 Dennoch wollt ihr nicht zu mir kommen, um ewiges Leben zu haben. 41 Ich suche nicht die Anerkennung von Menschen!
42 Ich kenne euch und weiß genau, dass ihr Gottes Liebe nicht in euch habt. 43 Mein Vater hat mich zu euch geschickt, doch ihr lehnt mich ab. Wenn aber jemand in eigenem Auftrag zu euch kommt, den werdet ihr aufnehmen.
44 Kein Wunder, dass ihr nicht glauben könnt! Denn ihr seid doch nur darauf aus, voreinander etwas zu gelten. Aber euch ist völlig gleichgültig, ob ihr vor dem einzigen Gott bestehen könnt.
45 Es ist gar nicht nötig, dass ich euch vor dem Vater anklage: Mose wird euer Ankläger sein - genau der, auf den ihr eure ganze Hoffnung setzt! 46 Denn in Wirklichkeit glaubt ihr Mose gar nicht; sonst würdet ihr auch mir glauben. Schließlich hat doch Mose von mir geschrieben. 47 Wenn ihr aber nicht einmal glaubt, was er geschrieben hat, wie könnt ihr dann glauben, was ich euch sage?"

Deutliche Worte sind das gewesen, denkt sich Johannes. Den Blicken der Zuhörer nach zu urteilen, hatten sie gleich verstanden, was Jesus da gesagt hatte. Erstaunt, erschrocken aber auch ehrfürchtig hatten sie Jesus angesehen. Mein Vater hat mich zu euch geschickt hat er gesagt und damit deutlich gemacht, dass er Gottes Sohn ist. Damit war natürlich klar gewesen, dass er eine besondere Autorität einfordert. Wenn Jesu Worte direkt von Gott kommen, dann konnte es doch keine Frage sein, wer in Auseinandersetzungen recht hat. Johannes glaubt fest daran, jedoch hatte er heute wieder gemerkt, dass nicht alle aus dem Volk Gottes Jesus anerkennen. Deswegen hat Jesus auch zu ihnen über die Heilige Schrift gesprochen und über Mose. Aber was Jesus genau gemeint hat? Nachdenklich sieht Johannes aufs Wasser. So ganz hat er ihn ja noch nicht verstanden. 

Jesus spricht zu… (Meditation)         

Was meint Jesus nur?
Da ist ein Streit.

Ein Streit am Sabbat.
Ein Streit zwischen Jesus und anderen Juden.
Ein Streit über die Auslegung der Heiligen Schrift.
Jesus streitet mit seinen jüdischen Glaubensgeschwistern.
Er hat eine andere Meinung als sie.
Er macht ihnen Vorwürfe.

Ein Streit am Sabbat.
Ein Streit über die Auslegung der Heiligen Schrift.

Für das Gottesvolk gelten Verheißungen.
Für alle Völker ist Jesus geboren, als Jude unter dem jüdischen Volk.
Für alle Völker gilt: Jesus ist Gottes Sohn.

Ein Streit am Sabbat
Ein Streit über die Auslegung der Heiligen Schrift.

Jesus spricht zum Gottesvolk.
Jesus spricht zu uns.
Hören wir zusammen, was Jesus sagt.
Hören wir Jesu Worten zu, in unserer heutigen Zeit.
Hören wir, was Jesus sagt und was Menschen antworten.
Über das Leben mit der Heiligen Schrift.

Hören wir die Worte des Johannes Evangeliums in unsere Zeit hineingesprochen und mögliche Antworten darauf.

In eigenem Auftrag  (Statements)

Im Johannes Evangelium sagt Jesus:
39 „Ihr lest die Heilige Schrift gründlich, um ewiges Leben zu finden. Und tatsächlich weist sie auf mich hin. 40 Dennoch wollt ihr nicht zu mir kommen, um ewiges Leben zu haben.

Da antwortet einer:
Ob ich die Bibel kenne? Ja, klar doch. Gut genug auf jeden Fall. Man soll sich eben immer gut gegenüber den Leuten verhalten, die einen auch gut behandeln, dann passt das schon…oder so ähnlich. Ich meine, ich halte mich auf jeden Fall besser an die Bibel als manch anderer. Also wirklich, ein besserer Christ als mein Nachbar bin ich auf jeden Fall. Vorne rum bin ich aber immer freundlich zu ihm, ist doch klar. Soll man ja sein.
Na ja, im Privatleben auf jeden Fall. Denn im Berufsleben lässt sich dieses ganze Gutmenschentum eh nicht umsetzen.

39 „Ihr lest die Heilige Schrift gründlich, um ewiges Leben zu finden. Und tatsächlich weist sie auf mich hin. 40 Dennoch wollt ihr nicht zu mir kommen, um ewiges Leben zu haben.

Im Johannes Evangelium sagt Jesus:
43 Mein Vater hat mich zu euch geschickt, doch ihr lehnt mich ab. Wenn aber jemand in eigenem Auftrag zu euch kommt, den werdet ihr aufnehmen.

Da antwortet eine:
Jesus Christus? Ob ich was von dem weiß? Na klar, Weihnachten und Ostern und so weiter. Obwohl, so ernst darf man diese Jesus Geschichten natürlich nicht nehmen. Sind ja mehr übertragen gemeint. War sicher ´ne faszinierende Persönlichkeit, der Jesus. So wie Lady Di. Deswegen finden ihn heute auch noch viele gut, und ich hab da ja nichts dagegen, natürlich. Kann man sich ja auch mal anhören, was die Leutchen so sagen.

43 Mein Vater hat mich zu euch geschickt, doch ihr lehnt mich ab. Wenn aber jemand in eigenem Auftrag zu euch kommt, den werdet ihr aufnehmen.

Im Johannes Evangelium sagt Jesus:
44 Kein Wunder, dass ihr nicht glauben könnt! Denn ihr seid doch nur darauf aus, voreinander etwas zu gelten. Aber euch ist völlig gleichgültig, ob ihr vor dem einzigen Gott bestehen könnt.

Eine Antwort darauf:
Spiritualität und so finde ich schon irgendwie wichtig. Man will ja auch mitreden können, ist jetzt ja wieder aktuell das Thema. Buddha Statuen habe ich auch im Garten aufgestellt, hat beim FC Bayern damals ja auch nicht geschadet. Na ja, aber mal ehrlich, mein Leben lass ich mir von so was nicht bestimmen. Religion ist ja auch mehr so eine Art Freizeit-Interesse.  Eigentlich kommts im Leben ja auf was anderes an. Erfolg, gutes Aussehen, die richtigen Freunde, das ist was zählt, da mach ich mir nichts vor. Ich meine, zum Beispiel Botox gehört inzwischen schon zum guten Ton, ohne geht’s ja fast nicht mehr. Da hab ich jetzt halt auch damit angefangen.  Ja, sicher, Angst hab ich schon, mal nicht mehr mithalten zu können. Aber was soll ich machen, ich habe die Regeln nicht gemacht. So läufts nun mal.

44 Kein Wunder, dass ihr nicht glauben könnt! Denn ihr seid doch nur darauf aus, voreinander etwas zu gelten. Aber euch ist völlig gleichgültig, ob ihr vor dem einzigen Gott bestehen könnt.

 

 

Worte im Herzen (Innerer Monolog)

Worte des Johannesevangeliums in unsere Zeit hineingesprochen, zu uns Christen.
Anfragen an uns, Anfragen an mich.
Um die Heilige Schrift geht es, und um Jesus.
Noch ein anderer Name springt mir ins Auge, wenn ich die Zeilen des Johannes Evangeliums lese: Mose. Es heißt:
In Wirklichkeit glaubt ihr Mose gar nicht; sonst würdet ihr auch mir glauben.

Ich frage mich: Mose glauben? Wie soll das gehen? Und was hat das mit Jesus zu tun?
Da fallen mir die Worte des 5. Buch Mose ein, die wir gerade in der Lesung gehört haben.
Da heißt es:

5 Und du sollst den HERRN, deinen Gott, lieb haben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und mit all deiner Kraft.
6 Und diese Worte, die ich dir heute gebiete, sollst du zu Herzen nehmen

Da habe ich die Antwort: Gott lieben, von ganzem Herzen, von ganzer Seele und mit all meiner Kraft. Das ist es!
Diese Worte sind es, die ich zu Herzen nehmen soll. Deswegen sprechen die Evangelien von Mose. Denn in den Mose-Büchern wird von der Liebe zu Gott erzählt wie auch in den Evangelien des Neuen Testaments.  Die Evangelien erzählen auch, wie Jesus die Worte der Mose Bücher aufnimmt.

Jesus sagt: 29 Das höchste Gebot ist: »Höre, Israel, der Herr, unser Gott, ist der Herr allein, 30 und du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele, von ganzem Gemüt und von allen deinen Kräften«. 31 Das andre ist dies: »Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst« (3.Mose 19,18). Es ist kein anderes Gebot größer als diese.

Die Liebe zu Gott, wie sie schon in den Büchern des Mose beschrieben ist, die ist es, an die Jesus uns erinnert.

Anders gewendet            (Übertragung)     

Deutliche Worte Jesu haben wir gehört. In einer anderen Situation, ohne so viele Emotionen, wenn Jesus sich nicht angegriffen gefühlt hätte, oder er nicht den Eindruck gehabt hätte, es geht um alles oder nichts.
Dann hätte er seine Worte im vielleicht positiver gewählt.
Für seine Jünger
für Johannes
für seine Glaubensgeschwister, die Juden
und für uns.
Dann hätten Jesu Worte vielleicht so geklungen:

Lest die Heilige Schrift gründlich und ihr findet darin ewiges Leben. Auch wenn es oft schwierig ist, ihr findet Hinweise dazu. Ihr müsst euer Leben nicht darauf aufbauen, ob ihr vor anderen etwas geltet. Gott nimmt euch an und liebt euch als seine Kinder. Euer Leben wird von der Liebe getragen.
Glaubt Mose und den Verheißungen des Alten Testaments. Die Liebe zu Gott und euren Mitmenschen, die ist es, die euch mit mir und meinen Worten verbindet.

Befreit von der Selbstsucht – frei zur Tora            (Vision)

Liebe Gemeinde, vertrauen wir den Worten der Bibel. Denn sie verändert: Menschen, die Welt und einen selbst.

Das Wort Gottes weckt Sehnsucht in mir. Es regt in mir Hoffnung an, auf ein Leben getragen von der Liebe Gottes.

Ich sehe Menschen, ein Leben in der Nachfolge Jesu wagen. Die sich in Liebe begegnen und Liebe empfangen. Die aus der Liebe heraus die Kraft haben, auch einmal unbequem zu sein.

Ich sehe Menschen das Wort Gottes in ihrem Herzen tragen. Dass es sie stärkt und befreit vom ewigen Zwang zum mehr Können und mehr haben müssen.

Ich sehe Menschen sich vom Wort Gottes in ihrem Leben leiten lassen. Ein Leben, in dem nicht der Eigennutz bestimmend ist, sondern die Liebe zueinander, weil alle erkennen, dass es dann allen besser geht.

Spuren der Sehnsucht, die in mir geweckt ist. Ich halte sie lebendig. Nur dann kann sich aus der Sehnsucht Wirklichkeit entwickeln.


[1] Die Zwischenüberschriften und in Klammern angegebenen Stilmittel dienen der Komposition der Predigt und werden nicht mit vorgetragen.