Foto von aufgeschlagenen Büchern

Predigt über Johannes 6, 30-35

Studiendirektorin Iris Magdalena Blum (rk)

16.04.2013 in der katholischen Kirche „Mariae Namen“ in Felsberg-Gensungen

Wort-Gottes-Feier am Dienstag der 3. Osterwoche

[Auf dem Altar liegt ein Brot und steht ein Wasserkrug]

Welches Zeichen geben Sie mir, damit ich sehe, dass Sie mir freundlich gesonnen sind, und ich glaube, dass Sie mir aufmerksam zuhören werden? Was tun Sie?

Wir Menschen halten gerne Ausschau nach Zeichen und Beweisen, um uns einer Sache sicher zu werden.

Welches Zeichen tust du, damit wir es sehen und glauben? Was tust du?

Was tut der andere, um uns zu zeigen, dass er unsere Arbeit anerkennt?

Wir freuen uns über ein Danke und ein Schulterklopfen als Zeichen dafür, dass unsere geleistete Arbeit anerkannt wird.

Was tut der andere, um uns zu zeigen, dass er uns friedlich gesonnen ist?

Beim Friedensgruß in der Messe freuen wir uns über den Händedruck verbunden mit einem Lächeln als Zeichen dafür, dass der andere uns wirklich wohlgesonnen ist.

Was tut der andere, um uns zu zeigen, dass er uns liebt?

In einer Partnerschaft freuen wir uns über einen Kuss und werten es als Zeichen, dass der Partner uns noch wirklich liebt.

Was tut der andere, um uns zu zeigen, dass wir bei ihm sicher und geborgen sind?

Wir freuen uns über eine innige Umarmung als Zeichen, das uns sagt „Ich bin bei dir; ich gebe dir Sicherheit und Geborgenheit!“.

Ja, wir Menschen hungern nach diesen Zeichen, um Sicherheit zu erlangen, dass wir nicht ohne Liebe, Anerkennung, Frieden, Freiheit, Gerechtigkeit und Sicherheit durch unser Leben gehen.

Hunger ist ein Zeichen für ein Defizit. Wenn Menschen nach Liebe, Anerkennung, Frieden, Freiheit, Gerechtigkeit, Sicherheit, ja sogar nach dem Leben selbst hungern, dann zeigt dies, dass hier eine Sehnsucht dahinter steht, nämlich die Sehnsucht das Defizit der Unsicherheit zu überwinden und die Zusage zu erlangen:

Ja, du wirst geliebt! – Ja, du bist anerkannt! – Ja, du erlangst Frieden, Freiheit und Gerechtigkeit! – Ja, du bist sicher und geborgen! – Ja, du wirst Leben!

Ich bin das Brot des Lebens; wer zu mir kommt, wird nie mehr hungern.

Brot ist das Grundnahrungsmittel überhaupt; Brot gilt als Zeichen der ursprünglichsten Form, seinen Hunger zu stillen.

Wenn Jesus hier von sich spricht „Ich bin das Brot des Lebens“, dann macht er uns eine wunderbare Zusage. Er sagt uns zu, dass er es ist, der den Hunger, das Verlangen, die Sehnsucht nach Liebe, Anerkennung, Frieden, Freiheit, Gerechtigkeit, Sicherheit, Geborgenheit und dem Leben selbst stillen kann. Wer zu ihm kommt, wer sich auf ihn einlässt, der wird nicht mehr hungern. In seinem Leben, in seinem Leiden, Sterben und Auferstehen offenbart Jesus sich als das wahre Brot vom Himmel, als das Brot, das Gott gibt und das der Welt das Leben gibt. In seiner Auferstehung überwindet er die Unsicherheit und unterstreicht die Zusagen: Ja, du wirst geliebt! – Ja, du bist anerkannt! – Ja, du erlangst Frieden, Freiheit und Gerechtigkeit! – Ja, du bist sicher und geborgen! – Ja, du hast das Leben! Konnte man vorher nur unsicher sein, was dem Leben Sinn gibt, weil der Tod als endgültiges Ende jeden Lebens das Leben selbst in Frage stellte, so bejaht die Auferstehung Jesu Christi die Zusagen für das Leben. Wie das Brot als Grundnahrungsmittel den leiblichen Hunger stillt, so stillt Jesus den Hunger nach wahrem sinnerfüllten Leben.

[Vor den Altarstufen mit dem Gesicht zum Altar – gleichsam aus der Gemeinde heraus]

Gepriesen bist du, Herr unser Gott, Schöpfer der Welt. Du schenkst uns das Brot, die Frucht der Erde und der menschlichen Arbeit. Wir haben dieses Brot auf deinen Altar gelegt als Zeichen dafür, dass du für uns das Brot des Lebens bist und wir dadurch die Zusage haben: Ja, Gott liebt dich! – Ja, du bist von Gott anerkannt! – Ja, Gott schenkt dir Frieden, Freiheit und Gerechtigkeit! – Ja, bei Gott bist du sicher und geborgen! – Ja, Gott will, dass der Tod nicht das Letzte ist; Gott will, dass du lebst!

[Stille! - Wieder der Gemeinde zugewandt]

Wenn wir ein Stück trockenes Brot essen, ist zwar unser Hunger gestillt, dennoch bleibt dann oft ein Defizit. Das Brot macht unseren Mund trocken. Wir bekommen Durst.

Wer an mich glaubt, wird nie mehr Durst haben.

So ist es auch mit den Zusagen, die wir eben erhalten haben. Sie bleiben trockene Theorie, sie können noch nicht ihre eigentliche Wirksamkeit im Leben entfalten. Es fehlt noch etwas Wesentliches: der Glaube. Wir dürsten nach Glauben; denn nur im Glauben bleiben die Zusagen nicht nur einseitig von Gott ausgehend, sondern können ihrerseits auch von uns im Glauben bejaht werden und somit in unserem Leben wirksam werden.

Lassen Sie die eben gemachten Zusagen im Glauben formuliert noch einmal auf sich wirken:

Ja, ich glaube, dass Gott mich liebt! – Ja, ich glaube, dass ich von Gott anerkannt bin! – Ja, ich glaube, dass Gott mir Frieden, Freiheit und Gerechtigkeit schenkt! – Ja, ich glaube, dass ich bei Gott sicher und geborgen bin! – Ja, ich glaube, dass Gott will, dass der Tod nicht das Letzte ist! – Ja, ich glaube, dass Gott das Leben will!

Schwingt da nicht ein hohes Maß an Zuversicht mit, das uns fröhlich macht? Ich kann diese Zusagen nicht anders sprechen als mit einem Lächeln! Sie erquicken mich, wie mich ein Schluck kühlendes Quellwasser erquickt und mir Labung bringt und meinen Durst stillt.

[Vor den Altarstufen mit dem Gesicht zum Altar – gleichsam aus der Gemeinde heraus]

Gepriesen bist du, Herr unser Gott, Schöpfer der Welt. Du löschst unseren Lebensdurst, indem du uns den Glauben schenkst. Wir haben diesen Krug mit Wasser auf den Altar gestellt, als Zeichen dafür, dass, wer an dich glaubt, nie mehr Durst haben wird. Denn voll Zuversicht können wir sagen: Ja, ich glaube, dass Gott mich liebt! – Ja, ich glaube, dass ich von Gott anerkannt bin! – Ja, ich glaube, dass Gott mir Frieden, Freiheit und Gerechtigkeit schenkt! – Ja, ich glaube, dass ich bei Gott sicher und geborgen bin! – Ja, ich glaube, dass Gott will, dass der Tod nicht das Letzte ist! – Ja, ich glaube, dass Gott das Leben will!

JA – AMEN!

Lied als Nachklang zur Predigt [Gotteslob 620]:

V Das Weizenkorn muss sterben, sonst bleibt es ja allein;

Der eine lebt vom andern, für sich kann keiner sein.

A Geheimnis des Glaubens: im Tod ist das Leben

V So gab der Herr sein Leben, verschenkte sich wie Brot.

Wer dieses Brot genommen, verkündet seinen Tod.

A Geheimnis des Glaubens: im Tod ist das Leben

V Wer dies Geheimnis feiert, soll selber sein wie Brot;

So lässt er sich verzehren von aller Menschennot.

A Geheimnis des Glaubens: im Tod ist das Leben

V Als Brot für viele Menschen hat uns der Herr erwählt;

Wir leben füreinander, und nur die Liebe zählt.

A Geheimnis des Glaubens: im Tod ist das Leben