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Predigt über Johannes 6,47-51

Sabine Indorf

in Wesel - Sonntag Lätare

Zur Ordination

Zur Ordination

Liebe Gemeinde,

was brauchen wir zum Leben?
Nahrung und Kleidung, Zuwendung und Liebe, ein Dach über dem Kopf, eine sinnvolle Tätigkeit und eine Aufgabe im Leben, Arbeit, und natürlich das tägliche Brot, würden wir vielleicht antworten.
Oft ist dies sogar nicht genug. Darüber hinaus sind wir auch auf der Suche nach dem, was unseren Lebenshunger stillt. Nach dem, was uns ausfüllt, nach dem „Mehr“, dem „Besonderen“, was sozusagen sättigt im übertragenden Sinn.
Liebe Gemeinde,
der heutige Predigttext für den Sonntag Lätare erzählt auf sehr eindrückliche Weise, was wir zum Leben brauchen, was sozusagen einen höheren Nähr-Wert hat als das Genannte. Er steht im Evangelium nach Johannes, Kapitel 6, die Verse 47-51:
Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer glaubt, der hat das ewige Leben.
Ich bin das Brot des Lebens. Eure Väter haben in der Wüste das Manna gegessen und sind gestorben.
Dies ist das Brot, das vom Himmel kommt, damit, wer davon isst, nicht sterbe.
Ich bin das lebendige Brot, das vom Himmel gekommen ist. Wer von diesem Brot isst, der wird leben in Ewigkeit. Und dieses Brot ist mein Fleisch, das ich geben werde für das Leben der Welt.
Herr, tue meine Lippen auf, dass mein Mund deinen Ruhm verkündige. Amen.
Liebe Gemeinde,
der Evangelist Johannes stellt zwei Gaben Gottes gegenüber. Da ist auf der einen Seite das Manna - die wunderbare Speise der Israeliten auf ihrem Wüstenzug. Es wurde auch als Himmelsbrot bezeichnet (2. Mose 16, 4: Da sprach der Herr zu Mose: Siehe, ich will euch Brot vom Himmel regnen lassen, und das Volk soll hinausgehen und täglich sammeln, was es für den Tag bedarf, dass ich´s prüfe, ob es in meinem Gesetz wandle oder nicht.“) Gott nährt sein Volk auf seinem Weg ins gelobte Land.
Gott steht ihnen in der Wüste bei.
Aber das Volk Israel erhält 40 Jahre lang das Manna und doch erreicht die Generation des Auszugs dennoch nicht das gelobte Land. Die Frauen und Männer der ersten Generation sterben. Manna reicht immer nur für einen Tag.
Auf der anderen Seite spricht Jesus davon, wer er ist. In dem bekannten „Ich-bin-Wort“ stellt er sich den Juden als „Brot des Lebens“ vor, das gegenüber dem Manna aus der Wüste eine ganz andere Qualität besitzt.
Liebe Gemeinde, die Ich-bin-Worte im Johannes-Evangelium, das sind Worte des Lebens. Sie sagen uns nicht nur wer dieser Jesus ist, sondern wonach wir unser Leben ausrichten sollen.
Brot des Lebens - was kann das sein?
Das ist ein Zuspruch: ich gebe dir, was du zum Leben brauchst, ich bin für dich da - das ist Ermutigung: du kannst mir vertrauen: dein Lebenshunger kann gestillt werden.
Das ist ein Angebot: verlass dich auf mein Wort. Denn Jesus Christus ist ja auch das lebendige Wort Gottes und in dem Brot wird dies noch einmal anschaulich verdeutlicht.
Im Johannesevangelium sagt Jesus von sich: ich bin nicht von dieser Welt - er ist das Brot des Lebens, das vom Himmel gekommen, herabgekommen ist. Der Evangelist Johannes betont, dass die Herkunft Jesu eine andere ist, dass er der von Gott Gesandte ist.
Dadurch handelt Gott an uns Menschen durch Jesus Christus.
Er gibt sich selbst.
In der Feier des heiligen Abendmahles können wir uns dies auch vorstellen, können Gottes Zuwendung, seine Liebe schmecken, spüren und erfahren, wird dieses „Ich-bin-das-Brot-des-Lebens“ erlebbar.
Liebe Gemeinde, Jesus sagt zu den Menschen, dass er das lebendige Brot ist.
Wenn ich im Kindergottesdienst oder im Konfirmandenunterricht danach fragen würde: Kennt ihr lebendiges Brot? Dann würde die Antwort vielleicht lauten: Ja, klar. Das ist Bernd das Brot.
Bernd das Brot - spricht, ist lebendig, tanzt und singt. Aber eine Schaumstofffigur in Form eines Brotes, das den Blues tanzt, ist wohl kaum gemeint. Lebendiges Brot, das Brot des Lebens offenbart sich in dem Menschen Jesus, dem Sohn Gottes. Er selbst ist das Zeichen, durch das Gott erkannt werden kann. Dieses Brot macht satt über das irdische Leben hinaus - es ist sozusagen eine Wegzehrung für die Ewigkeit.
Wer den Worten Jesu vertraut, der hat ewiges Leben, heißt es im Johannesevangelium.
Wer darauf vertraut, dass Jesus von Gott gekommen ist, ihn als den Sohn Gottes erkennt, dem wird das ewige Leben geschenkt.
Vertrauen auf Gott bedeutet Lebensgewinn.
Der Glaube gibt im Leben Halt und Sinn, das sind Lebens-Mittel, die man nicht kaufen kann, in keinem Supermarkt oder in keiner Boutique dieser Welt. Denn auch der Glaube wird einem von Gott geschenkt.
Liebe Gemeinde, der Sonntag Lätare steht in der Mitte der Fasten- der Passionszeit. Im Leitvers „Freuet euch mit Jerusalem“ klingt bereits die Vorfreude auf Ostern an. Dennoch bedenken wir den Leidensweg Jesu. Und der letzte Satz des Predigttextes weist uns auch deutlich auf das Kreuz Jesu hin, wenn es heißt: „Und dieses Brot ist mein Fleisch, das ich geben werde für das Leben der Welt.“ (Fleisch meint hier das irdische Leben. Jesus stirbt am Kreuz) Diese Spannung zwischen dem Leiden des Sohnes zur Rettung der Welt und der Osterfreude über die Auferstehung Jesu und den Sieg über den Tod, die noch vor uns liegt, gilt es, uns vor Augen zu führen. Dieser Widerspruch, der dann doch keiner ist, klingt in dem Lied „In dir ist Freude in allem Leide“ an, das wir im Anschluss an die Predigt miteinander singen werden.
Das bedeutet: Mit Jesus weitet sich der Horizont; wird uns Zukunft und Leben mit und bei Gott eröffnet, weil er der Mittler ist.
Jesus verspricht, dass der Hunger, der Lebenshunger gestillt wird, dass Fülle gegeben,
dass wir bei Gott geborgen sein werden.
Jesus Christus sagt von sich: ich bin das Brot des Lebens, d.h. auf ihn kommt es an, darauf, dass ich daran glaube, dass er Gottes Sohn ist, dass er für uns der Retter ist. Weil Jesus selbst das Brot des Lebens ist und damit das ewige Leben verheißt, deshalb gibt es auch nur diesen einen Weg über Jesus zu Gott.
In dem Lied „Vielleicht“ von den „Söhnen Mannheims“ heißt es auch „Ich will keine Versprechen, die mir Menschen geben, die sie dann wieder brechen, so sind Menschen eben. Alles, was zählt, ist die Verbindung zu dir. Und es wäre mein Ende, wenn ich diese Verbindung verlier.“
Gottes Wort, lebendiges Wort Gottes in Jesus Christus, ist gewiss wahr, hat Bestand, gilt für alle Zeit und darüber hinaus.
Darum: Wer mir vertraut, so sagt es Jesus, der hat das ewige Leben. Das heißt: er ist und bleibt untrennbar mit Gott verbunden, bei ihm geborgen.
Liebe Gemeinde,
ich finde, dass ist ein ermutigender - ein Mut machender Satz. Denn es bedeutet ja auch: Ich hänge mich an Christus, mache mich an ihn fest, so würde es Luther wohl formulieren, dass er für mich eintritt vor Gott. Das heißt doch Glaube und Vertrauen: dass ich mich voll und ganz in die Hände Gottes begebe, mit allem, was ich bin, was ich mir wünsche, was mich bedrückt und ängstigt.
Und deshalb finde ich, ist dieser Predigttext ein ganz wunderbares Wort zur Ordination. Eines, das einen Horizont offen hält und den Weg in die Zukunft weist für mich ganz persönlich, für die Gemeinde, für unsere Kirche, auch wenn Prognosen und Beschlüsse zum Teil eine andere Sprache sprechen. Jesus sagt: Ich bin das Brot des Lebens. Wer an mich glaubt, der hat das ewige Leben. Martin Luther würde sagen: Solus Christus. Auf der Rückseite Ihres Liedblattes hat der Maler Lucas Cranach das dargestellt (Predella des Altars der Stadtkirche zu Wittenberg, 1547). Wir haben in der Kirche Christus, den Gekreuzigten und Auferstandenen zu verkünden. Auf ihn weist der Reformator hin. Christus steht im Mittelpunkt.
Einer stirbt für die Sünden der Welt und ist unsere Rettung.
Einer tritt für uns vor Gott ein und versöhnt die Welt.
Einer gibt sich hin, gibt sich selbst, damit wir Hoffnung haben.
Einer überwindet die Ferne zwischen Gott und den Menschen - nichts anderes bedeutet die Vergebung der Sünden.
Einer besiegt den Tod und schenkt ewiges Leben.
Solus Christus.
Die Blickrichtung ist klar. Das Kreuz steht uns, hier in der Gnadenkirche ganz deutlich und schlicht vor Augen. Ich halt mich an Christus, das Brot des Lebens, das Licht der Welt, den Weg, die Wahrheit und das Leben.
Durch den Glauben an Jesus Christus hält Gott für mich, für jede und jeden einzelnen von uns eine Zukunft bereit.
Das Brot des Lebens, das Gott uns gibt in Jesus Christus, das stärkt uns durch die Wüstenzeiten in unserem Leben hindurch und eben darüber hinaus. Es gibt Kraft, auch schwierige Wege zu gehen. Es nährt uns mit Hoffnung und Zuversicht, mit Trost und Liebe. Es stärkt uns, unsere Wege im Leben bis in die Ewigkeit zu gehen.
Eine Strophe des Liedes „Die Erde ist des Herrn“, das wir noch gemeinsam singen werden, lautet: „Verlier nicht die Geduld. Inmitten aller Schuld ist Gott am Werke. Denn der in Jesus Christ ein Mensch geworden ist, bleibt unsere Stärke.“
So sei es.

Amen.