Foto von aufgeschlagenen Büchern

Predigt über Johannes 7,37-39

Superintendent Dr. Michael Führer

08.05.2005 in der Ev.-Luth. Kirchgemeinde Elterlein

Meistens arbeite ich gern. Besonders liebe ich es, am Computer zu sitzen; wie am vergangenen Mittwochnachmittag:

Auf dem Bildschirm zeigte sich der Predigttext. Ich hatte drei Stunden Zeit, um an der Predigt zu arbeiten. Ich las von Jesus, der Wasser anbot. Und er behauptete auch: Wer an ihn glaube, würde zu einer Quelle.

Hinter mir auf dem Schreibtisch stand ein Napf mit Kaffee. Auf das Kaffeepulver hatte ich heißes Wasser aufgegossen. Ansonsten war auch in dieser Situation "Wasser" für mich kein Thema. Und mit dem Stichwort "Quelle" habe ich eigentlich nur zu tun, wenn ich wieder einmal Hochglanzwerbung, Quelle-Kataloge zum Altpapier schaffe.

* Anders als mir ging es im vorletzten Sommer dem Bauern in Mecklenburg. Jeden Morgen ging er als erstes vor die Tür und hielt Ausschau nach Wolken, Regenwolken. Die Begeisterung der Urlauber auf dem benachbarten Campingplatz teilte er nicht: "Wunderbar: Herrliches Wetter. Nur Sonne. Kein Regen."

Der Bauer bangte um die Ernte. Der Boden war schon weitgehend ausgetrocknet. Nicht nur die Wege waren staubig. Und die Pflanzen standen kümmerlich.

* Zwischen 1500 und 1200 vor Christus gab es zwischen Ägypten und dem Land Kanaan mancherlei Wanderbewegung. Hirten, Nomaden und Halbnomaden versuchten immer wieder, ihren Lebensunterhalt der Wüste abzutrotzen. Doch auf eines blieben sie immer angewiesen: auf Wasser.

Der aus Ägypten kommenden Gruppe um den Gottesmann Mose war damals mehr als deutlich: "Ohne Wasser haben wir keine Chance zu überleben. Wenn wir nicht regelmäßig Wasser finden, reißt uns die Wüste in ihren sandigen und steinigen Schlund." Jeder Regen, jede Quelle mit Süßwasser wurde begrüßt als Gabe des Himmels.

* Und daran erinnerte noch nach Jahrhunderten das Laubhüttenfest. Am siebenten und letztes Tag dieses großen jüdischen Festes gab es ein besonderes Ritual: Noch vor dem Morgenopfer stieg ein Priester zum Teich Siloah hinab. Dort wurde er mit drei Trompetenstößen begrüßt. Das von ihm geschöpfte Wasser wurde dann mit Wein vermischt ins Kidrontal vergossen.
Unter lauten Gesängen wie "Danket dem Herrn, denn er ist freundlich!" tanzen
männliche Israeliten um den Brandopferaltar. Mit Zweigen verschiedener Bäume war der geschmückt.

Zu den Besonderheiten dieses Tages zum Laubhüttenfest gehörten auch die Bitten um den für das ganze Land Israel so notwendigen Regen. Ein Rabbi behauptete sogar einmal: "Ein Regentag ist so groß wie der Tag, da Himmel und Erde erschaffen wurden."

* Diesen Satz würde ich als Campingurlauber nicht so gern unterschreiben. Wenn die Rede von "einem" Regentag ist, vielleicht schon. Doch viel Regen stört mich eher, zumal, wenn ich viel im Freien sein will oder muss.

Wenn ich Wasser brauche, drehe ich lieber den Hahn auf; je nachdem: blau oder rot oder beides ein wenig.

Wenn ich Durst habe, hole ich mir aus der Speisekammer eine Saftpappe oder eine Flasche. Ein kleiner Schnitt oder kurzer Zisch - und die Flüssigkeit rinnt durch meine Kehle.

Durstig bin ich selten; und wenn, dann nicht lange.

* Jesus war mindestens einmal beim Laubhüttenfest dabei. Johannes erzählt davon. Bestimmt tanzte er mit seinen Jüngern mit um den Altar. Doch dann stellte er sich an den Rand.

Vielleicht wurde er gar nicht gleich bemerkt. Schließlich hörten es viele:
"Wen da dürstet, der komme zu mir und trinke!" - Diese seltsamen Worte kamen aus Jesu Munde.

"Was hat er denn?" Die Verwunderung über den Rabbi Jesus verbreitete sich. "Wasser regnet aus dem Himmel. Oder es sprudelt später aus Quellen. -
Wieso sollen wir zu Jesus kommen, wenn wir Durst haben?"

* Durst haben - das ist mehr als ein Zeichen für Flüssigkeitsmangel; genauso wie Lebenshunger sich nicht stillen lässt durch den Verzehr einer großen Pizza.

* Heute steht Jesus wieder Leuten gegenüber. Und wer seine Ohren nicht ausschließlich an Fernseher, CD-Player und Radio vermietet hat, hört ein leises, aber dennoch sehr klares: "Wen da dürstet, der komme zu mir und trinke!"

Haben Sie einen Durst, den Sie mit Kaffee, Mineralswasser, Saft und Cola nicht löschen können? Kennen Sie den Hunger, der größer wird, je mehr Sie gegessen haben? Haben Sie eine ungestillte Sehnsucht, ganz tief in Ihnen drin? - Wenn ja, haben Sie jetzt die Chance, zu Jesus hin zu gehen.

* "Typisch Kirche. Dauernd reden die davon, wir könnten zu Jesus kommen.
Aber keiner sagt, wo er wirklich ist. -
"Im Himmel". Na schönen Dank auch.
Doch Fahrkarten nach Wolkenkuckucksheim gibt es nicht zu kaufen!"

* Manchmal treffe ich Jesus wirklich. Wenn ich mich zurück ziehe, alle Ablenkungen abschalte und in der Stille auf Empfang stelle. Dann kann ich ihm meine Sehnsucht hinhalten wie einen Becher. - "Wie er den Becher füllt?"
Davon rede ich jetzt nicht. Sie können es selbst ausprobieren: "Jesus, du hast versprochen den Durst und den Lebenshunger zu stillen. Hier bin ich."

* Für alle, die doch vorher wissen wollen, was passiert, wenn Jesus uns einschenkt, ist der zweite Satz wichtig, der selbst beim Laubhüttenfest nicht im Lärm untergegangen ist. Da hörten die Männer, die vielleicht noch ganz erschöpft waren vom Tanz um den Altar: "Wer an mich glaubt, wie die Schrift sagt, von dessen Leib werden Ströme lebendigen Wassers fließen."

* Das gibt mir zu denken: Wer an Jesus glaubt, wird zwangsläufig zu seinem Mitarbeiter, seiner Mitarbeiterin! - Feierliche und erbauliche Gottesdienste sind also nur geistvoll, wenn sie wie Quellen sind, die zu Bächen und Flüssen werden, die in den Alltag hineinströmen.

* Jetzt steht Jesus uns gegenüber: "Wen da dürstet, der komme zu mir und trinke! Wer an mich glaubt, wie die Schrift sagt, von dessen Leib werden Ströme lebendigen Wassers fließen." - Das sagt er von dem Geist, den die empfangen sollen, die an ihn glauben.

Es gibt eine lange Schlange gläubiger Menschen durch die ganze Geschichte: alte Hirten und Nomaden gehören da hinein; Mose mit seiner wankelmütigen Wandergruppe durch die Wüste; die um den Brandopferaltar tanzenden Juden; und nach einem proppevollen 2000jährigen Abschnitt der Kirchengeschichte komme schließlich ich dazu - mit meiner Kaffeetasse bei der Computerarbeit. - Und Sie? Sie gehören genauso dazu. Gott sei Dank!

Amen.