Foto von aufgeschlagenen Büchern

Predigt über "Johannes der Täufer"

Pfarrer Gunter Buffo

in der Kapelle Oststadt-Krankenhaus, Hannover

Wir verlassen die Stadt
raus geht es
aus dem gewohnten Leben
aus unseren Mauern
und schlechten Gewohnheiten.

Runter müssen wir
Vom hohen Roß
und unseren Beobachtungsposten
ganz runter
bis auf den Boden
der Tatsachen.

Erstaunlich
Wieviele gehen
um zu sehen
um zu hören
um dabei zu sein
um sich zu finden
um sich auszurichten.

Wir sehen ihn stehen.
Wir hören ihn reden
vom anderen Ufer her.

Zwischen uns der Fluß.

Donnernd seine Stimme
glaubhaft sein Leben
unerbittlich seine Rede:
Unwürdig der Mensch
tief gespalten
er redet so
und handelt anders.

Es ist allerhöchste Zeit.
Gott wird nicht länger warten
die Axt ist bereitgelegt
und umgehauen wird der Baum
der keine Frucht bringt.
Die Ausreden haben ein Ende.
Die Ungerechtigkeit schreit zum Himmel.
Gott wird antworten.

Wir sollen uns entscheiden:
verloren sein an unserem Ufer
oder es wagen über den Jordan zu gehen
und das neue Ufer zu betreten.

Diese Rede wirkt.
Alle gehen.
Doch nicht allen vertraut er.
Er sieht Heuchler.
So nicht!

Ist das nicht unsere Sehnsucht
klar und eindeutig zu sein
in Übereinstimmung mit uns
und unserer Welt
und Gott?
Was dürfen wir nicht leugnen
was dürfen wir nicht verschweigen
was müssen wir ändern?

Und während wir so
mit unserem Leben beschäftigt sind -
geht einer
wieder zurück
durch den Fluß
auf die Stadt
und die Menschen zu.

Da liegt einer am Weg
niedergeschlagen und ausgeraubt
Er hilft ihm auf.

Da ruft ein Blinder
Er heilt.

Und über die Stadt
und ihre Bewohner weint Er.

Und Er segnet
und bricht das Brot
und breitet die Arme aus -
keine Gewalt!

Und stirbt am Kreuz.