Der Predigtpreis - Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG

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Predigt über Josua 1,5 und Matthäus 6,22

Pastor Reiner Fröhlich (ev.)

09.04.2006 in der Christuskirche Kierspe

Liebe Gemeinde,

Heute möchte ich über einige Dinge sprechen, die Gott mir am Anfang dieses Jahres gezeigt hat.
Ich denke in jedem Jahr im Januar an die Jahreslosung. Die gilt als ein Wort der Bibel als Motto für das ganze Jahr. In diesem Jahr kommt sie aus dem Buch Josua. Dort heißt es:
Gott spricht: Ich lasse dich nicht fallen und verlasse dich nicht. (Jos 1,5)

Durch dieses Wort und durch das ganze Buch Josua hat Gott zu mir gesprochen.
Was ist die Situation im Buch Josua tief drin im Alten Testament? An welcher Station seines Weges befindet sich das Volkes Israel, das in einer lebendigen Beziehung zu Gott lebt?
Gott hat das Volk Israel aus der Unterdrückung in Ägypten errettet. Durch Mose wurden sie aus dem Machtbereich des Pharao geführt. Und dann zog das Volk 40 Jahre durch die Wüste. Gott wollte sie in das gelobte Land führen, nach Kanaan. Aber es ging durch 40 Jahre Wüstenwanderung.
In dieser ganzen Zeit in der Wüste hat Gott sein Volk mit allem versorgt. Gott gab ihnen Essen und Trinken. Sie fanden Oasen, Gott ließ Wasser aus einem Felsen entspringen. Und Gott versorgte sie täglich mit Manna, so dass sie nicht verhungerten. 40 Jahre in der Wüste, 40 Jahre unter Führung des Mose.
Ich denke mir, das war eingespielt. Ich denke mir, die Israeliten waren zufrieden. Es war zwar Wüste, aber es ging ihnen gut. Sie kannten den Ablauf ihrer Tage und ihrer Jahre. Zelte abbauen, weiterziehen. Zelte aufbauen, Wasser suchen. Von Gott das Manna zum Essen geschenkt bekommen. Automatisch, jeden Tag Manna vom Himmel. Und Mose und die Ältesten, die sich um 10 oder 50 oder 100 Israeliten kümmerten, die trugen die Verantwortung.

Aber jetzt kommen einige Katastrophen auf einmal.
Das Volk Israel wird durchgerüttelt und durchgeschüttelt und weiß kaum noch, wo ihm der Kopf steht.
1. Mose ist gestorben. Die Israeliten fühlen sich mutterseelenallein.
2. Die Zeit in der Wüste ist zu Ende. Die Israeliten sollen ins gelobte Land einziehen. Also völliger Umbruch. Völlig neue Verhältnisse. Große Unsicherheit.
3. Aber das Schlimmste: In dem Land, das Gott dem Volk schenken will, wohnen Feinde, die bis an die Zähne bewaffnetet sind und die nicht in Zelten wohnen, sondern in Städten mit meterhohen Mauern. Und diese Feinde haben gut bewaffnete Armeen, die kampferprobt den Israeliten entgegenziehen. Die Israeliten sind dagegen eher ein ungeordneter Beduinenhaufen.
Also: Der Untergang der Gemeinde Israel steht bevor. Ohne Führung, ohne die gewohnte Wüstenumgebung und ohne Abwehr - oder Angriffsmöglichkeiten. In diese Situation hinein kommt Gott und spricht mit Josua, einem der Ältesten Israels. Gott sagt:

Mein Knecht Mose ist gestorben; so mach du dich nun auf und zieh über den Jordan, du und dies ganze Volk, in das Land, das ich ihnen, den Israeliten gegeben habe. Sei nur getrost und ganz unverzagt, dass du hältst und tust alle Dinge nach den Weisungen, die dir Mose geboten hat. (Jos 1,2)

Da gebot Josua den Ältesten des Volkes und sagte: Geht nur durch das Zeltlager und befehlt dem Volk und sprecht: Schafft euch Vorrat, denn nach 3 Tagen werdet ihr hier über den Jordan gehen, dass ihr hineinkommt und das Land in Besitz nehmt, das euch der HERR, euer Gott, geben wird. (Jos 1,10+11)

Alles wurde neu. Aber Gott ruft Menschen, die er in die Verantwortung stellt und führen will. Josua und die Ältesten werden von Gott angesprochen, berufen und ermutigt. Und sie packen die Sache an, weil Gott sich zu ihnen stellt.
Das Volk Israel ist in keinster Weise mutterseelenallein. Das ist nur das mulmige Gefühl, das viele haben. Gott, der HERR, ist mit ihnen. Gott, der HERR, führt sie und hat einen Plan für ihre Zukunft. An der Hand dieses Gottes können die Israeliten weitergehen. Aus der Wüste, der altvertrauten, weg, in ein völlig neues Land hinein. Nicht mehr Mose ist der Anführer, vielleicht haben die Israeliten das falsch gesehen: Mose war nie der Anführer. Entweder Gott führt und alle gehen hinterher, oder alle sind auf dem Holzweg.
Aber egal: Jetzt, wo Mose gestorben ist, erkennen alle: Gott selbst geht voran. - Gott selbst geht voran, und Josua und die anderen Ältesten gehen hinterher. Das ganze Volk, das nicht aus noch ein weiß, merkt: Gott ist da. Es ist nicht alles verloren. Gott steht uns bei. Wir werden nicht untergehen. Gott sieht den Weg und wie es weitergeht. Wir sehen noch nicht, wie es werden soll. Gott weiß es, und er hat es in seinen Händen.
Ein Aufatmen geht durch das Volk. Nicht sofort bei allen. Aber hier und da spüren die ersten und dann immer mehr Gläubige: Mit unsrer Macht ist nicht getan, wir sind gar bald verloren. Es streit für uns der rechte Mann, bei dem nie was verdorben.
Sie atmen auf und dann können sie ihre Köpfe heben, die nur nach unten gesehen haben vor Angst und Trauer. Sie heben ihren Kopf, und dann sehen sie, daß sie einen Auftrag haben. Das Zentrum ihres Daseins ist eigentlich nicht ihr Überleben und ihr Wohlbefinden. Das Zentrum ihres Daseins ist der Auftrag und die Verheißung, die Gott ihnen gegeben hat:

Dieses Land habe ich euch gegeben. Deshalb zieht über den Jordan und nehmt dieses Land in Besitz und heiligt dieses Land für Gott. Treibt allen Götzendienst aus diesem Land. Es soll Gottes heiliges Land werden.

Die Israeliten schauen von sich selbst weg und von ihren Ängsten weg. Sie schauen auf Gott. Sie hören auf die Verheißung. Sie erinnern sich an die Kundschafter von vor 40 Jahren, die riesige Früchte brachten und sagten: Dies ist ein Land, in dem Milch und Honig fließt.
Und dann ziehen sie los. Sie gehen voran, hinein in das Land Kanaan. Ihre Aufgabe ist es, das gelobte Land in Besitz zu nehmen. Und: - sie erlebten Wunder auf Wunder. Ihre größten Ängste - werden von Gott überwunden. Ihre Horrorvorstellungen, was alles an Schlimmem passieren könnte, - treten nicht ein, denn Gott ist mit ihnen.
Sie können eine Armee besiegen, die ausgerückt war, um sie zu vernichten. Sie erobern eine Stadt, deren Mauern riesengroß waren, - durch Posaunenklang. Gott gibt ihnen das gelobte Land. Das einzige, was sie zu tun haben: auf Gott vertrauen.
Ach, welch eine aufregende und mutmachende Geschichte! könnten wir jetzt sagen. Ein Glück, dass das schon so lange her ist und dass wir in einer viel wohligeren Situation sind, in Kierspe, in der Christuskirche, bei Orgelklang, geheizter Kirche und bekannten Liedern.
Aber, liebe Gemeinde, Ihr habt schon gemerkt und gespürt bei der Schilderung des damaligen Geschehens: wir sind mitten drin in dieser Geschichte. Wir sind mitten drin im Umbruch der Zeiten. Was bei uns bis gestern galt, gilt heute nicht mehr.
Die Israeliten mussten die Wüste und das 40 Jahre lang gewohnte Leben darin verlassen. Genauso ist es bei uns: An was wir uns 40 oder 60 Jahre gewöhnt haben, wird in kurzer Zeit weggepustet - und weit weg - hinter uns sein.

Die Katastrophen des Volkes Israel aus dem Buch Josua sind da. Aber seien wir auf der Hut: sind es Katastrophen? Wenn Gott da ist, seien wir vorsichtig mit diesem Begriff. Gott hat die ganze Welt in seiner Hand. Gott hat die Zukunft in seiner Hand. In uns brodelt es, wie bei denen damals. Uns ist angst und bange.
Was sind unserer schlimmen Dinge?
1. Mit der großen Kirche geht es steil bergab. Überall werden Kirchen verkauft, umgebaut in Restaurants oder abgerissen.
2. Das Geld der Kirche, die Kirchensteuer nimmt ab, wie der Schnee im Frühling. Küster werden entlassen, Kindergärten wie in Willertshagen werden dichtgemacht.
Die Zeit dieser Kirche, die wir kennen, ist zu Ende.
Eine neue Zeit kommt, 1. für die große Kirche, 2. für uns als Kirchengemeinde, 3. für jeden einzelnen, der an Gott glaubt. Alles wird neu.
Hohe Mauern vor uns: Wie sollen wir das Geld dafür zusammenbekommen, dass es Kirchen, Gemeindehäuser, Pfarrer geben kann?
Gut ausgerüstete, schlagkräftige Armeen kommen uns entgegen: Der Glaube spielt immer weniger eine Rolle. Menschen lachen uns aus, weil wir an Gott glauben.
Doch: Gott selbst geht jetzt voran. Gott beruft jetzt Josuas und Älteste.
Du sollst vorangehen. Du sollst ein Ältester, ein Josua sein. Du sollst lernen, Gott zu folgen. Du sollst ein reifer und in Gottes Güte gegründeter Nachfolger Jesu werden.

Liebe Schwestern und Brüder, jetzt fängt die Zeit des Gebets an. Gemeinde Gottes ist immer eine Gemeinde des Betens. Aber bisher hat man das nicht so sehr gemerkt: Bisher lief vieles automatisch in der Kirche. Es gab immer Leute, die dafür bezahlt wurden, dass etwas lief, dass etwas getan wird. Die Zeit des Geldes ist vorbei. Jetzt fängt die Zeit des Betens an.
Wir müssen jetzt beten lernen (wenn wir es nicht schon immer getan haben). Wir müssen jetzt im Beten Jünger sein und von Jesus uns weiterbilden lassen. Im Beten kann man wachsen. Beim Beten will Gott uns in die Tiefe des Betens führen. Das geht nicht auf einmal und hoppla-hopp.
Wir sind als Kirchengemeinde in keinster Weise mutterseelenallein. Wir sind in keinster Weise verloren und einer bösen Zukunft ausgeliefert. Das ist nur das mulmige Gefühl, das wir haben. Das sind nur die Wellen, die uns drohen und uns Angst einjagen wollen. Gott, der HERR, ist mit uns. Gott, der HERR, führt uns und hat einen Plan für unsere Zukunft. Die Zukunft von jedem persönlich und für uns als ganze Gemeinde liegt in Gottes starker Hand. An der Hand dieses Gottes konnten die Israeliten weitergehen. An der Hand dieses Gottes können wir weitergehen. Aus dem altvertrauten Land und Leben weg, in ein neues Land hinein. So sind wir im letzten Sommer aus dem Gemeindehaus Felderhof ausgezogen, es wird verkauft. Und in der ganzen Trauer und Angst und auch mancher Wut, die es im Bezirk Felderhof hier und da noch gibt, gilt:

Gott selbst geht voran.
Gott selbst geht voran, und es gibt Menschen in unserer Mitte, die Gott schon berufen hat, die gehen hinterher. Gott bricht auf, er will hin zu neuen Ufern. Es ist eben nicht Katastrophenzeit und Gottesferne. Es ist Gnadenzeit. Gott ist uns nahe und geht uns voran. Gott hat etwas vor.
Und Gott wird neue Menschen berufen. Krisenzeit ist Gottes Zeit. Unsere menschlichen Kräfte sind am Ende. Gottes Kraft fängt dann oft an. Gott hat schon Menschen berufen, Menschen von denen noch keiner weiß, dass sie berufen sind. Wir werden es merken, dass Gott schon welche berufen hat. Gott wird auch noch neue Menschen berufen, die vorangehen in das neue Land. Das sind nicht nur die Presbyter, was wäre das für eine Last, wenn alles auf den Schultern von 12 Presbytern liegen müsste. Gott ist ein Gott der Fülle. Er handelt unter uns.
Und auch wir, wenn nicht aus noch ein wissen, Gott spricht uns zu: Ich lasse dich nicht fallen und verlasse dich nicht. Es ist alles in meiner Hand. Ich mache keine Fehler. Vertraut auf mich. Trachtet am ersten nach dem Reich Gottes, dann wird euch solches alles zufallen.
Und ein Aufatmen soll auch durch unsere Reihen gehen, hier in Kierspe, ob am Felderhof, im Dorf oder hier am Bahnhof. Zunächst bei einigen, dann bei immer mehr Gläubigen. Ein Aufatmen, weil: Gott ist mit uns. Gott geht uns voran. Gott will unsere Häupter erheben, dass wir nicht nur nach unten sehen.
Denn Gott hat etwas vor.
Gott will uns durch die Mauern der fehlenden Finanzen hindurchführen. Durch Glaube und Lobgesang, durch Gotteslob mit Orgel und Posaunenklang werden wir die unbezwingbaren Mauern überwinden. Mit meinem Gott kann ich über Mauern springen.
Und Gott will sein Ziel erreichen. Dieses ganze Land, diese ganze Stadt soll erreicht werden mit seinem Evangelium. Die Armeen der Menschen, die Gott nicht kennen, die sollen ihre Herzen öffnen für Gott und errettet werden. Dieses Land, diese Stadt soll geheiligt werden für Gott. Dass die Menschen ihm Lob singen für ihre Errettung. Das ist unsere Aufgabe.
Das Zentrum unseres Daseins ist eigentlich nicht unser Überleben und unser Wohlbefinden. Das Zentrum unseres Daseins ist, dass wir Gott loben mit Herzen, Orgel und Posaune, und dass wir sein Evangelium weitersagen, damit viele in unserer Stadt errettet werden.
Trachtet am ersten nach dem Reich Gottes, dann wird euch alles andere zufallen. In dieser Zeit der Krise müssen wir uns gegenseitig ermutigen, nicht auf die Wellen zu sehen, sondern auf den HERRN.

Und Jesus sagt zu seinen Jüngern und auch zu uns: Ihr sollt diese Generation erreichen mit der Retterliebe Gottes.

Eure Klassenkameraden und eure Arbeitskollegen sollen durch euch erfahren, wie Gott ist. Durch wen sonst. Die Mauern der Ablehnung sollen fallen. Die euch heute noch auslachen, weil ihr festen Glauben an Gott habt, die sollen morgen eure Schwestern und Brüder sein und vom Glauben weitererzählen an wieder andere.
Betet, und Gott wird handeln. Mit unserer Kraft ist nichts getan.
Ihr sollt euren Glauben fest gründen. Ihr sollt in der Bibel euch Kraft und Wegweisung holen für euren Auftrag.
Ihr sollt als einzelne und als kleine Gemeinschaften und Gruppen das Beten lernen - mehr und mehr.
Sucht nach Vorbildern, die euch im Glauben vorangehen und eueren Glauben wachsen lassen.

Gott spricht in diesem Jahr: Ich berufe dich zu einem Ältesten und einem Josua. Ich werde Dich zu einem Leiter und Verantwortlichen in dieser Gemeinde in Kierspe machen.
Du sollst vorangehen in deiner Jugendgruppe, in Deinem Hauskreis, in deiner Gruppe.
Gott führt euch in ein neues Land. Ihr werdet die Mauern überwinden. Ihr werdet beten lernen und die Hindernisse im Gebet überwinden lernen. Gott spricht: Ich lasse dich nicht fallen und verlasse dich nicht.

Amen.


 


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