Foto von aufgeschlagenen Büchern

Predigt über "Krieg im Namen des Herrn"

Magdalene Imig

29.04.2004 in Kirche im WDR 3,4,5

Krieg im Namen des Herrn

Es gibt Handelskriege, und den Rosenkrieg, Kleinkriege, Nervenkriege und es gab lange Zeit den kalten Krieg. Außerdem gab und gibt es den Krieg im Namen des Herrn. Dessen Teilnehmer sind vor einiger Zeit zu zweifelhaftem Ruhm gekommen. 2001 wurde die Bezeichnung Gotteskrieger zum Unwort des Jahres gekürt. Ist der Radikalismus eine Form von Religionstreue? Oder ist es nur die Kehrseite unseres westlichen Religionsverständnisses, das als Überzeugung eigentlich gar nicht mehr wahrgenommen wird. Gibt es nur das eine oder das andere dies oder das? Sind wir im christlichen Abendland zu sehr verkopft und säkularisiert, um der tiefwurzelnden Spiritualität anderer Völker und ihrer hundertprozentigen Gläubigkeit adäquat gegenübertreten zu können? Haben wir vor lauter Verstand die Beseeltheit verloren und damit eine Achillesferse, die uns verletzbar macht?

Darüber hinaus scheinen mir die Worte Krieg und Gott überhaupt nicht kompatibel, besonders wenn wir in Jesus unseren Herrn und Heiland sehen, der ja eindeutig gegen das Töten ist und gegen jede Art von Gewalt, ein Grundsatz, der übrigens auch in den Lehren des Islam verankert ist. Tatsächlich gilt hier wie dort das Leben als Geschenk. Wer Leben zerstört, zerstört die Menschheit, wer Leben rettet, rettet die Menschheit. Vom Buddhismus wird gesagt, er sei die einzige Religionsgemeinschaft, in deren Namen noch kein Krieg geführt wurde. Aber die Gewaltlosigkeit ist ja auch und ganz besonders in der christlichen Lehre verwurzelt, nur leider wird ausgerechnet diese eindeutige Aussage im neuen Testament von der anderen Wange, die man herhalten soll, gerne übergangen oder zumindest nicht wirklich ernst genommen, wie sonst könnten manche Großen in der westlichen Welt die Lizenz zum Töten verteilen an Verbände, die dann wiederum von sich behaupten, eine Mordmission zu haben. Liefern sie damit nicht auch ihren christlichen Glauben ans Messer?

Hat Gewalt jemals zum Frieden geführt? Müssen die einen Stärke zeigen, damit die anderen zur Vernunft kommen? Oder ist womöglich doch auf Dauer die Liebe eine stärkere Siegermacht gegen den Schrecken der Welt. Das wäre jedenfalls eine Chance, meinten die 250 Vertreter der Weltreligionen, die sich Anfang des Jahres 2002 von Rom aus auf den Weg machten nach Assisi, um dort feierlich ihren Willen zum Frieden zu proklamieren: Indem wir jede Gewaltanwendung und den Krieg im Namen Gottes oder der Religion verurteilen, verpflichten wir uns, alles Mögliche zu unternehmen, um die Ursachen des Terrorismus zu beseitigen. Ich hoffe, Gott verbindet seinen heiligen Geist mit dem von Assisi und schickt ihn über die Welt, damit wir Menschen endlich begreifen, das Kriege keine wirkliche Lösung sind, dass Hass niemals vom Hass besiegt oder beseitigt werden kann, und dass es keine Gotteskrieger mehr geben darf, nirgendwo auf dieser Erde, die Gott für uns alle bewohnbar gemacht hat.

Amen.