Foto von aufgeschlagenen Büchern

Predigt über Lukas 10,38-42

Ellen Bürger (ev.-luth.)

06.03.2011 in der evangelisch-lutherischen Inselkirche Norderney

Estomini (Faschingszeit)

Lk 10, 38-42

Als Jesus mit seinen Jüngern weiterzog, kam er in ein Dorf. Dort nah ihn eine Frau namens Marta gastlich auf.

Sie hatte eine Schwester mit Namen Maria, die setzte sich zu Füßen des Herrn nieder und hörte ihm zu. Marta dagegen war überbeschäftigt mit der Vorbereitung des Essens.

Schließlich trat Marta vor Jesus hin und sagte: „Herr, kümmert es dich nicht, dass mich meine Schwester die ganze Arbeit allein tun lässt? Sag ihr doch, dass sie mir helfen soll!“

Der Herr antwortete ihr: „Marta, Marta, du machst dir so viele Sorgen und verlierst dich an vielerlei, aber nur eines ist notwendig. Maria hat die gute Wahl getroffen; sie hat sich für das unverlierbare Gute entschieden, das ihr nicht genommen werden kann.“

 

Gnade sei mit euch…

 

Karneval, Fasching, Narrenzeit – liebe Gemeinde, seid ihr bereit?

Die Kanzel ist ja fast ’ne Bütt

Und wenn hier auch ’ne Zuch nicht kütt,

so will ich es doch wieder wagen,

euch die Predigt in Reimen zu sagen.

Schon Paulus – intellektuell im Sinn – schreibt:

Narren sind wir ohnehin.

Wir, die wir an die Liebe glauben;

Lassen uns nicht den Friedenstraum rauben –

Selbst wenn die Welt voller Gaddafi ist,

wir vertrauen auf Gottes Werte und Jesus Christ.

Bin ich auch ein Narr für diese Welt –

Ich weiß, wer sie in Händen hält;

Schreibt Paulus, dieser fromme Mann,

dem schließen wir uns doch glatt an.

Mia auch, das ist sehr fein,

Gott liebt ja alle, groß und klein.

Und wir sind wieder eine mehr,

braucht die Welt das denn nicht sehr?

Dass wir beten, lieben, kämpfen – aber nur mit Worten,

für Gerechtigkeit, für Leben, für Brot

es muss doch mal weniger werden mit der Not!

Hey, liebe Leute, das kann doch nicht sein –

Da streichen sich die einen die Milliarden ein

Und nicht weit weg, ein paar Flugstunden nur

Hungern die Menschen in einer Tour.

So hat unser Chef sich das nicht gedacht

Als er die Erde zurechtgemacht.

DA wächst doch alles, und genug,

wann werden wir nur endlich klug?

Klug sein, das Richtige zu tun, scheint manchmal wie verhext,

denn darum geht’s heute auch im Predigttext.

Jesus und die Jünger wandern

So von einem Dorf zum andern.

Autos gab es ja noch keine,

so machen sie sich auf die Beine.

So zwei, drei Stunden, dann war Pause.

Wir klopfen mal an diesem Hause.

DA wohnte Martha, macht gleich auf

Und denkt: Uih, kommen die zuhauf!

Soviele passen nicht ins Zimmer,

das kann nicht gehen, nie und nimmer.

Die Jünger schickt sie in den Hof,

das

fanden die wahrscheinlich doof.

Jesus darf mit und sich gleich setzen

Und nun ging’s los, sich abzuhetzen.

Ein Glas Wasser, auch en Wein,

mein Gast soll doch zufrieden sein!

Was hol ich schnell, was hab ich da?

Obst, Süßes – wozu sagt er ja?

Wo ist die Schüssel, wo der Teller?

Ich hol auch von den Vorräten im Keller.

Als Gastgeberin ist sie famos.

Doch ärgert sich: wo steckt Maria bloß?

DA hab ich schon die Schwester hier,

doch merk ich leider nichts von ihr.

Könnt ja auch mal Hand anlegen,

doch da is’ nichts zu bewegen.

Sitzt bei Jesus, hört ihm zu

- toll! Mir die Arbeit, ihr die Ruh,

Mensch Jesus, was sagst denn du dazu?

Rede ihr mal ins Gewissen,

ihr, auf dem Ruhekissen!

Und Jesus sagt – ist das gemein! –

Martha, nein, das lass ich sein!

Maria macht es ja ganz richtig.

Zuhören sie jetzt gerade wichtig.

Du machst dir so viel Sorgen, Frau,

umsorgst mich, doch nimm es mal genau:

gerade jetzt, in dieser Stunde

könntest du lauschen auf meine Kunde,

könntest wie Maria hören

statt dich um den Haushalt zu stören.

Der läuft nicht weg. Doch ich bald wieder,

ergreif die Chance, setz dich zu uns nieder.

Für Marthe war das ganz schön hart,

so gar nicht gewürdigt wurde ihr Part.

Da rackert sie sich ab, und dann

Kommt noch nicht mal ein DANKE von dem Mann.

Im Gegenteil, sagt er doch glatt:

Maria macht’s richtig. Da ist man platt.

Doch überlegen wir mal weiter,

was waren wir Werder-Fans doch heiter,

als in letzter Sekunde der Ausgleich fiel

kein Abstiegsplatz, das war und bliebt das Ziel.

Worauf es ankommt, in diesem Moment,

wie gut, wenn man das jeweils erkennt.

Da gibt es den Karl-Theodor,

der nahm sich so viel Großes vor.

Hätt er gebeichtet, gleich und klar,

er stünde heute besser da.

Wir gucken auch auf unsre Insel,

da gibt es manche Einfaltspinsel,

gönnen uns wohl unsre Stiftung nicht,

wenn der Gemeindehaussaal auch zusammen bricht,

denn dafür brauchen wir die Knete;

was ist der Bauausschuss etepetete –

jetzt muss es erst ein B-plan sein.

Doch geht mal in die Siedlung rein,

was da für dolle Häuser stehn

- nur Mainstraße 17 kann das nicht gehn

Tausende Euros sind schon verloren

Und wo sollen sie Chöre proben,

wenn der Saal zusammen kracht,

lieber Bauausschuss – schon mal drüber nachgedacht?

Andere, das macht uns Mut, z.B., was sich in Nordafrika tut.

Die Zeit ist reif, die Zeit ist nun

Dass sie die Menschen zusammen tun.

Good-bye ihr Diktatoren alle,

ihr hattet sie viel zu lange unter der Kralle.

Doch Libyen macht große Sorgen,

wir beten um Frieden – möglichst schon morgen.

Gehen wir in der Zeit nun noch einmal zurück.

Sehen Marthe und Maria, der zweite Blick.

Lukas heißt der Schriftgelehrte,

der sich gar nich lange wehrte,

sondern schnell den Griffel fasste,

dass er ja nicht viel verpasste,

sondern liebvoll erzählte,

welche Worte Jesus wählte.

Und dann überlegt der Lukas auch.

Macht es nicht „so aus dem bauch“,

wie die Reihenfolge wäre,

damit er’s uns recht gut erkläre.

Lesen wir Kapitel 10

Können wir ganz schnell verstehn,

was Jesus für geboten hält:

Liebt Gott und den Nächsten in der Welt.

Das Doppelgebot der Liebe – ach, na klar,

das ist das Höchste, das ist wahr.

Und nun erzählt uns Lukas dann

Beispielhaft, wie’s aussehen kann.

Die Nächstenliebe, schreibt er flink,

dazu gibt Jesus uns ’nen Wink

Ein Samariter auf der Reise

Hörte ein Stöhnen, nur noch leise.

Da lag ein Mann, geschlagen und beraubt

- andere gingen einfach vorbei, wer hätte das geglaubt?

Der Samariter hat ein Herz,

er hilft dem Mann in seinem Schmerz.

Und Gottesliebe, wie geht die?

Na komm mal her lies und sie:

Maria nimmt sich grad die Zeit

Für Gott und seine Ewigkeit.

Wer nur hilft, ist bald ausgebrannt,

ich denke, das ist euch bekannt.

Deswegen hat Jesu hier betont,

wie sehr sich auch die Muße lohnt.

Der Gottesdienst die freie Stunde,

der Spaziergang mit dem Hunde,

zu sich selbst, zu Gott zu kommen,

grad das brauchen meine Frommen.

Die Arbeit soll euch nicht ersticken,

ihr müsst auch mal zum Himmel blicken.

Auf Leistung seid nicht nur versessen,

sonst werdet ihr ganz gottvergessen.

Kein Zufall, das ist sicher wahr

Ist Jesu Besuch beim Schwesternpaar.

Die ihm ja beide Gutes tun,

das hilft ihm, um sich auszuruhn.

Dabei erzählt er mancherlei

Von Gott. Und wie der gütig sei.

Ob Marthe sich wohl hingesetzt,

im ihm zu lauschen, ganz zuletzt?

Lukas lässt das Ende offen,

also bleibt uns doch zu hoffen,

dass Martha den Moment erwischt,

nachdem sie so viel aufgetischt.

Und nun erfährt, dass Gott sie liebt,

ganz gleich, was sie an Leistung gibt.

Und hinterher, wie wär das schön,

lässt Mary sich in der Küche sehn.

Verkrümelt sich nicht in die Ecken,

lässt sich zum Dienen nun anstecken.

Doch alles schön zu seiner Zeit

Lernen die Schwestern nun zu zweit.

 

 Das wäre echt ein großer Hot,

wir kriegten das nun auch ganz mit:

ganz Ohr zu sein für Gottes Worte,

ganz helfende Hand am nötigen Orte.

Präsent zu sein im Augenblick

- das ist vom Himmel schon ein Stück.

Die Mia macht’s uns vor als Kind,

die Jesus so besonders find(et),

weil sie im Hier und Jetzt verweilen,

dabei vertrauen und Liebe verteilen.

Ganz ohne Berechnung, einfach so –

Könnten wir das doch auch, die Welt würde froh.

Gott macht uns Mut: Mensch, wagt es doch!

Ich bin doch bei euch noch und noch!

Wagt es, seid Narren für die Welt,

das bringt auch mehr als alles Geld.

Und zu Erinnerung an heute

Denkt an Maria und Martha, liebe Leute,

behaltet sie in eurem Sinn,

weil ich jetzt nämlich fertig bin.

Nun singen wir uns Gottes Namen

Die 42, damit: Amen