Der Predigtpreis - Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG

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Predigt über Lukas 12,16-21

Pastor Martin Beinhauer


Zur Weihe einer Sparkasse

Zur Weihe einer Sparkasse

„Noch heute wird man...”

Liebe Angestellte der Sparkasse,
Liebe Gäste,

Erinnern Sie sich noch an das Jahr 1999? Der Dax stand knapp vor 8.000 Punkten. Menschen, die nie etwas von der Börse gehört haben, investierten plötzlich in Aktien. Der Neue Markt wurde erfunden und die Geschäfte mit den Aktien von Computerherstellern boomten. Geld versprach in dieser Zeit grenzenloses Wachstum. Der Horizont war zum greifen nahe. Die Gier stand vielen Menschen ins Gesicht geschrieben - immer mehr Geld und noch mehr Gewinne sollten erwirtschaftet werden. Und dann
(Pause)

ging es bergab. Immer Weiter stürzten die Kurse bis ins Jahr 2002 hinein. Manch einer hatte viel Geld in dieser Zeit in Aktien gesetzt. Die Computermärkte brachen zusammen. Und die Hoffnungen vom schnellen Reichtum platzten wie ein Ballon, in den eine Nadel gestochen wird.

Ein Witz aus dieser Zeit gibt die Enttäuschung wieder:
Wie kann man am besten einen Betrieb zugrunde richten?
Mit Alkohol - das ist am sichersten.
Mit Männern oder Frauen - das ist am schönsten.
Und mit Computern - das geht am schnellsten.

Hoffnungen zerplatzen - für die einen an der Börse, für die anderen durch Schicksalsschläge im Leben. Der Mann in unsern Predigttext machte es genauso. Er setzt seine Hoffnung auf Güter, die er in dieser Welt erwirbt. Noch nachts im Bett sinnt er über sein Geld nach - und wieviel Ertrag er erwirtschaftet hat. Und es ist ja auch ein schöner Gedanke zu wissen, im nächsten Jahr im Wohlstand zu leben. Macht es nicht auch stolz auf die Früchte der eigenen Arbeit zu schauen?
Ich verstehe den Satz: Noch heute wird man dein Leben von dir nehmen nicht nur als Bedrohung mit dem Tod. Wenn man die eigene Gesundheit verliert, oder am Grab von geliebten Menschen steht, oder Lebensträume mit einem Mal zunichte sind, ist es auch so, als würde das eigene Leben damit verloren sein. Und kein Geld der Welt kann das wieder zurückkaufen.
Die Geschichte von diesem Mann ruft uns auf, das Geld und den Wohlstand nicht als die wichtigste Sache zu sehen. Geld ist wichtig. Aber die Liebe zu Gott ist wichtiger. An ihr sollen wir unser Leben binden und auf sie unser Leben ausrichten.

Ein Liederdichter brachte es auf die Formel:
Lebe so, wie wenn du stirbst,
Dir wünschen wirst, gelebt zu haben.

Sie, liebe Sparkassenangestellte arbeiten mit vielen Menschen zusammen an deren Zukunft. Sie sammeln Geld an für Wünsche, die man sich später erfüllt. Sie legen Geld an für das Alter. Und wir alle wissen, daß das heute notwendiger ist, als es noch vor 20 Jahren war. Und doch gibt es Gott, der alle unsere Vorbereitungen für ein gelungenes Rentenalter durchkreuzen kann. Und Gott, dem wir unseren Wohlstand verdanken. Es ist ein Geschenk, was wir verwalten - zum Wohle der Menschen, die hierher kommen. Aber Wohlstand kann nicht das sein, um das sich unser Leben dreht. Denn mit noch soviel Geld kann sich niemand Gesundheit kaufen, noch verlorenes Glück zurückbringen. Was wichtig ist, können sie nachprüfen mit dem Satz:
Lebe so, wie wenn du stirbst,
dir wünschen wirst, gelebt zu haben

Trifft der für sie zu? Wenn sie heute nacht sterben - haben Sie so gelebt, wie sie sich das gewünscht haben? Wenn sie diese Gewißheit haben, schauen sie gelassener den Börsenstürzen der Zukunft entgegen. Mit dieser Gewißheit kann man sich an den Erträgen freuen, ohne die Opfer zu bereuen, die man für sie gebracht hat. Mit diesem Satz im Hintergrund läßt es sich ganz anders mit Geld umgehen, als wenn die Gedanken nur auf den nächsten Gewinn und auf die noch größere Hausse gerichtet sind. Der Bezug zu Gott verleiht Gelassenheit bezüglich de Steigens und Fallens der Kurse - Gelassenheit, die wir alle nötig haben. Das wünsche ich ihnen in ihrer Sparkasse, daß sie so leben. Darum erbitten wir den Segen Gottes, der sich auch im Gelde, was wir besitzen zeigt.

Amen.


 


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