Foto von aufgeschlagenen Büchern

Predigt über Lukas 1,31-33 + 46ff + 2,10f und Markus 1,15

Pfarrer Reiner Fröhlich (ev)

02.12.2012 in Kierspe in der Margarethenkirche

Liebe Gemeinde! Gottes Reich kommt!

Wir haben Advent. Advent heißt Ankunft. Wer oder was kommt? Gott kommt. Gott kommt! Gott kommt, um seine Herrschaft, sein Reich anzutreten.

Gottes Reich kommt!

Ich predige heute über das Thema: Gottes Reich kommt.

Wir beten das ja in jedem Vaterunser: Dein Reich komme!

Ich weiß nicht, was Ihr dann denkt, wenn Ihr das im Vaterunser betet.

Wahrscheinlich denken manche: „Gottes Reich wird schon kommen - am Ende der Zeit, in der Ewigkeit. Mich betrifft das jetzt erst mal gar nicht, nur später mal.“

Oder kommt Gottes Reich doch jetzt schon?

Vielleicht denken andere: „Kann ja sein, dass Gottes Reich kommt, aber wir sehen es nicht. Gottes Reich kommt irgendwie. Wird schon stimmen. Aber mit mir hat das wenig zu tun.“

Hat Gottes Reich mit dir und mir wenig zu tun?

Jetzt sagt aber bestimmt einer: „Doch natürlich, das hat was mit mir zu tun. Gottes Reich kommt halt, wenn du zum Glauben kommst und wenn andere zum Glauben kommen.

Gottes Reich kommt, wenn wir mit Gott leben. Irgendwie ist Gottes Reich dann da, bei uns.“

Stimmt, Gottes Reich kommt nicht nur am Ende der Zeit, sondern auch heute. Jesus sagt: „Das Reich Gottes ist mitten unter euch.“

Nun gibt es Leute, die denken: „Ja! Gottes Reich ist auch jetzt da. Aber hoffentlich merkt das keiner, dass ich dazu gehöre.

Hoffentlich halte ich mit meinem Glauben durch,

  • in meiner Klasse, wo sie mich auslachen würden,

  • in der Oberstufe mit dem vielen Lernen.

Hoffentlich halte ich mit meinem Glauben durch,

  • wenn ich mal die Schule aus habe,

  • wenn ich mal im Beruf stehe.

Hoffentlich halte ich mit meinem Glauben durch,

  • jetzt wo ich eine Familie habe und dazu noch die ganze Arbeit im Beruf.

  • jetzt, wo ich älter geworden bin und bei allem nicht mehr so mitkomme.“

Aber, kann das sein, dass Reich Gottes heißt: Hoffentlich halte ich meinen Glauben durch?

Am besten blättert man in seiner Bibel und schaut mal nach.

Advent heißt: Gottes Reich kommt, Gott kommt. .OHP 1.

Gott hat beschlossen, er kommt auf die Erde .OHP 2., einen Planeten am Rande einer Galaxis in den Weiten des Universums.

Gott hat beschlossen, er kommt auf seine Welt.

Gott will seine Schöpfung für sich zurückgewinnen.

Gott ist unterwegs und sammelt Leute, seine Leute.

Gott ist unterwegs und sammelt dich und mich und viele.

Gott ist unterwegs und will diesen ganzen Planeten, dieses ganze Weltall OHP 3 umgestalten und erneuern.

Gott will herrschen und regieren.

Advent heißt: Gott hat beschlossen: Sein Reich kommt!

Gott hat beschlossen, er kommt in einer ganz bestimmten Art und Weise zu uns, .OHP 4. auf unseren Planeten Erde.

Und er hat uns im Alten Testament viele Verheißungen darüber gegeben, was er tun wird und wie er es tun wird:

  • Er kommt, um Frieden zu machen zwischen den Völkern und Nationen.

  • Er kommt, um den Armen Gerechtigkeit zu bringen und die Reichen zurechtzustutzen.

  • Er kommt, um die Kinder mit ihren Eltern zu versöhnen und die Eltern mit ihren Kindern.

  • Er kommt, um Ehen und Familien zu heilen.

  • Er kommt, um Frieden zu machen zwischen Menschen und Tieren, und heute muss man dazu sagen: auch mit der sonstigen Natur.

  • Er kommt, um Kranke gesund zu machen.

Advent heißt: Gott hat beschlossen: Sein Reich kommt!

Gott hat beschlossen, er kommt zu uns, auf unseren Planeten Erde.

Und das geht so: Eines Tages kommt ein Engel zu einer Frau mit Namen Maria. Die wohnt in Nazareth in Galiläa. Der Engel berichtet ihr:

Siehe, du wirst schwanger werden und einen Sohn gebären, und du sollst ihm den Namen Jesus geben. Der wird groß sein und ein Sohn des Höchsten genannt werden. Und er wird König sein über das Haus Jakob in Ewigkeit. Und sein Reich wird kein Ende haben. Lk. 1,31-33 i.A.

Liebe Leute, Gottes Reich kommt. Gott will seine Herrschaft aufrichten.

Aber kaum einer merkt es. Nur Maria weiß es, nur Maria spürt, dass etwas Ungewöhnliches vor sich geht und etwas Neues angefangen hat.

Maria betet .OHP 5.:

Gott hat große Dinge an mir getan, der da mächtig ist und dessen Name heilig ist.

Und seine Barmherzigkeit währt von einer Generation auf die andere bei denen, die ihn fürchten.

Er übt Gewalt mit seinem Arm und zerstreut diejenigen, die hochmütig sind. Er stößt die Gewaltigen vom Thron und erhebt die Niedrigen.

Die Hungrigen füllt er mit Gütern und lässt die Reichen leer. (Lk. 1, 46ff)

Gottes Reich kommt und beginnt, auf der Erde sichtbar zu werden.

Das beginnt in der Nacht von Bethlehem. Die Volkszählung des Augustus hat Maria und Josef nach Bethlehem gebracht.

Das beginnt bei den Armen, bei den Hirten. Die Untersten der Gesellschaft bekommen mitten in der Nacht - wie Könige durch Königsboten - von Engeln eine Botschaft überbracht: OHP 6

Fürchtet euch nicht, denn euch ist heute der Heiland geboren. Der Messias, der Herr in der Stadt Davids. Lk. 2,10f

Gottes Reich kommt.

Das geht so weiter, dass die Hohen und Reichen von ihrem Thron herunter-müssen. OHP 7

Die Weisen aus dem Morgenland, angesehenen und reiche Leute, kommen in den Palast in der Königsstadt Jerusalem, um dem neugeborenen König der Juden zu huldigen. Sie werden von dort weggeschickt in das hinterletzte Dorf, nach Bethlehem und kommen zu einem Stall. Sie müssen von ihren Reittieren absteigen und sich neigen vor dem Kind armer Leute.

Gottes Reich kommt und macht alles neu. Gott beginnt mit der Umgestaltung der Welt, seiner Welt. Gott stellt seine Welt auf den Kopf. Die Hohen müssen herunter aus ihrer Hoheit, die Niedrigen werden erhöht und bekommen Würde.

Das merkt niemand. In Rom interessiert das keinen. In Jerusalem bekommt das niemand mit, außer einigen wenigen, die auf Gott vertrauen. Fast niemand merkt es, aber Gott handelt.

Danach lange Zeit nichts. Jesus wächst heran. Keine Besonderheiten, nichts Außergewöhnliches. Aber Gott wirkt. Sein Reich kommt. Seine Herrschaft wächst.

30 Jahre später steht da urplötzlich jemand in der Mitte das Volkes Israel, Jesus, und er sagt: OHP 8

Die Zeit ist erfüllt, und das Reich Gottes ist herbeigekommen. Kehrt um und glaubt an die gute Botschaft! (Mk. 1,15)

Gottes Reich ist da. Jesus sucht sich 12 Lehrlinge, seine Jünger, und zieht mit ihnen durch das Land Israel.

Und wo er hinkommt, da predigt er und heilte alle Kranken und treibt die bösen Geister aus.

Gottes Reich kommt in diesem Jesus und macht es hell. Gottes Kraft wirkt in diesem Mann aus Nazareth und macht die Menschen heil und gesund.

Jesus lehrt die Menschen, wie sie recht leben sollen im Sinne Gottes, im Herrschaftsbereich des Reiches Gottes.

Wo Jesus ist, da versöhnen sich Kinder mit ihren Eltern, da teilen Reiche mit den Armen.

Gottes Reich kommt auch, wenn Jesus Pause macht und sich ausruht. Nicht nur durch Arbeiten und Schaffen wächst Gottes Herrschaft, auch durch Ausruhen und Warten.

Schließlich geht Jesus nach Jerusalem. Er wird verhaftet, verurteilt und getötet für unsere Sünden, damit wir frei sind.

Aber am 3. Tag wird Jesus auferweckt von den Toten.

Seit Ostern gilt: Der Tod ist besiegt. Die Mächte des Bösen sind gebrochen. Gottes Reich ist stärker als der Tod. Gottes Kraft ist stärker als alle Macht des Bösen, stärker als alle Versuchungen und alle Drohungen des Bösen.

Ostern, die Auferstehung von Jesus ist der Durchbruch des Reiches Gottes. OHP 9 Und heute, 2012, gilt: Gottes Reich ist mitten unter uns.

Mit seiner Kraft und mit seiner Macht ist Gott am Wirken.

Aus dem hintersten Winkel in Israel ist Gottes Reich gewachsen, hat das ganze römische Weltreich auf den Kopf gestellt, obwohl die Jesusleute schlimm verfolgt wurden. Aber Rom wurde überwunden. Der Kaiser selbst stieg von seinem Thron herunter und ließ sich taufen.

Gottes Reich kommt und wächst immer weiter. Gottes Kraft ist noch nicht am Ende.

Von Anfang an gehörten Sklaven OHP 10 mit zur Gemeinde der ersten Christen. Das war unerhört. Im römischen Reich waren Sklaven keine Menschen, sondern Dinge. Aber Gottes Reich kommt OHP 11 und macht aus Sklaven Menschen. In der Geschichte haben Christen dafür gesorgt, dass die Sklaverei abgeschafft wurde. Gottes Reich breitet sich aus.

Gottes Reich gibt den Armen und Unterdrückten ihre Würde zurück.

Gottes Reich wächst. In den Zeiten der industriellen Revolution, OHP 12 als bei uns noch die Kinder arbeiten mussten und die Arbeiter gar keine Rechte hatten, da gab es Christen, die sich für die Not der Arbeiter einsetzten, den Kindern halfen, Suppenküchen und anderes organisierten. Johann Hinrich Wichern und andere. OHP 13 Diese Christen halfen auch mit bei der staatlichen Gesetzgebung und setzten sich dafür ein, dass soziale Rechte entstanden, Sozialgesetze. Gottes Reich kommt, schenkt den Menschen den Glauben und gibt den Unterdrückten Würde und Rechte.

Gottes Reich wächst: OHP 14 In der ganzen Welt werden Menschen befreit von Aberglauben, von bösen Göttern, von Zauberei und Wahrsagerei. Gemeinden, die an Jesus, den Messias, glauben, gibt es überall. Gottes Reich wächst.

In der Unterdrückung durch den Kommunismus in China kommen heutzutage Millionen Menschen zum Glauben an den Auferstandenen. Gottes Reich ist nicht aufzuhalten.

Gottes Reich ist hier. Gottes Reich kommt nicht irgendwann am Ende der Zeit, da wird es vollendet. Gottes Reich kommt jetzt OHP 15 und ist mitten unter uns. Gottes Reich ist auf dem Vormarsch. Und deshalb brauchst du dich nicht zu verstecken, wenn du dazu gehörst, wenn du an Jesus Christus glaubst. Du bist bei den Pionieren einer ganz großen Sache: Gottes Sache, die sich unaufhaltsam ausbreitet und diese ganze Erde, ja die ganze Welt

um - gestalten will.

  • Du bist in diesen Gottesdienst gekommen, weil dich Leute mitgenommen haben und dir sagten: „Ey, komm ´mal mit! Schau dir das ´mal an, das iss cool.“

  • Oder du musst vielleicht in diesen Gottesdienst gehen, weil du Punkte für dein KU 9 – Kärtchen sammelst.

  • Oder du glaubst schon lange an Gott und hast schon viel mit ihm erlebt. Du freust dich, dass du mit anderen zusammen jetzt Gottesdienst feiern kannst.

  • Oder du bist im Alphakurs gewesen und hast gespürt: Diese Sache mit Gott ist doch nicht so ganz unmöglich, wie du früher gedacht hast. Und du glaubst so ein bisschen an Gott.

Egal, warum du hierhergekommen bist, heute Abend.

Sieh, wie gewaltig Gott am Werk ist! Mach die Augen auf und schau, was Gott schon getan hat und was er vorhat. Lass dich begeistern für sein Reich und seine Umgestaltung der Welt.

Das merken nicht viele. Das kann man übersehen.

Da kann man darüber hinweggehen und darüber lachen. Viele um dich herum, gehen darüber hinweg und schmunzeln über die Leute, die an Gott glauben. Das hat Kaiser Augustus auch getan. Aber Gottes Reich kommt, damals wie heute.

Also: Du sollst nicht versuchen, deinen Glauben so gut es geht zu behalten und vor Versuchungen zu schützen.

Das wäre viel zu wenig. Du bist ein Königsbote. Gottes Reich dringt immer weiter vorwärts in unserer Welt und in unserer Gesellschaft. Und du bist ein Bevollmächtigter Gottes. Gott breitet seine Herrschaft aus im ganzen Universum, und du gehörst zur seiner Kavallerie.

Du sollst in der Schule und im Beruf nicht auf Tauchstation sein, nach dem Motto: „Hoffentlich merkt keiner, dass ich an Gott glaube und in die Kirche gehe.“ Du gehörst zum Botschaftspersonal Gottes. Gott ist mit dir. Sein Reich wächst auch durch dich. Also: Kopf hoch, Flagge raus! Flagge zeigen in der 9.5 oder bei GWK! Gottes Reich ist da.

Und dann ist deine Aufgabe, für dein Umfeld zu beten. Gottes Reich soll da überall hinkommen: in deine Klasse, in deine Schule, in deine Firma, in deine Familie, in unsere Stadt, in unsere Welt.

  • Bete einmal in der Woche für deine Klasse. Bete einfach drauf los und lass dich von Gott führen, was du beten sollst. Und pass auf, was dann passieren wird. Bete und handle entsprechend. Gottes Reich kommt.

  • Bete einmal in der Woche für deine Firma, das Arbeitsklima, die Kollegen, den Chef, die Aufträge. Bete beharrlich und lass dich von Gott im Gebet führen. Und pass auf, was sich verändert. Bete und handle entsprechend. Gottes Reich kommt.

  • Bete für unsere Stadt! Das ist eher für die Erwachsenen? Unsere Stadt hat zu wenig Geld, sie hat alle möglichen Problem und Aufgaben vor sich. Bete regelmäßig für unsere Stadt, und warte, welche Entwicklungen entstehen. Bete und handle. Gottes Reich kommt.

  • Bete für unser Land: für die Armen und für die Super – Reichen.

  • Bete für die Weltklimakonferenz. Meint Ihr, Gott freut sich über eine kaputte Erde, mit Überschwemmungen, Dürrekatastrophen und ausgestorbenen Eisbären? Bete regelmäßig, und warte, was sich verändert. Bete und handle. Gottes Reich kommt.

  • Bete für deine Gemeinde, dass Menschen zum Glauben kommen. Bete für deinen Bibelkreis oder deinen Jugendclub. Bete und handle entsprechend. Gottes Reich kommt.

Keiner muss alles machen. Jeder an seinem Platz. Lass dir von Gott zeigen, wofür er dir Verantwortung gegeben hat. Lass dir von Gott zeigen, wofür du beten sollst. Und lass dir von Gott zeigen, was du tun sollst. Denn in dem, was wir tun, ist Gottes Reich in die Welt gekommen. Ob ich mit dem Auto oder zu Fuß oder mit dem Fahrrad zur MK komme, wenn ich es nicht ganz so weit habe, macht einen Riesenunterschied. Gottes Reich breitet sich aus, wenn ich weniger CO 2 in die Luft blase, durch mein Tun.

Advent heißt Ankunft. Gott kommt. Gott kommt, um seine Herrschaft, sein Reich anzutreten. Das ist wunderbar und gibt uns Rückenwind. Amen.