Foto von aufgeschlagenen Büchern

Predigt über Lukas 15, 11-32

Lic. Theol Kaplan Thomas Biju (rk)

10.03.2013 in St. Maria Magdalena in Wuppertal-Beyenburg

Jugendgottesdienst

Thema: Versuchung Jesu und unsere Versuchung (Evangelium: Lukas 15, 11-32)

Das Thema des heutigen Jugendgottesdienstes ist Versuchung- Versuchung Jesu und unsere Versuchung.

Am ersten Fastensonntag, am Anfang unserer Fastenzeit, haben wir im Evangelium gehört, dass Jesus am Ende seines Fastens, gerade als er sich körperlich schwach fühlte, von Satan versucht wurde.

Sogar Jesus, der Gottessohn, wurde versucht.

Auch wir erfahren Versuchungen.

Was aber sind unsere Versuchungen?

Und wie müssen wir mit unseren Versuchungen umgehen?

Darüber wollen wir uns heute Gedanken machen.

Liebe Schwestern und Brüder,

Was ist eine Versuchung überhaupt?

Eine Versuchung ist ein Anreiz, eine Anregung, ein Antrieb,

etwas zu tun oder etwas zu vermeiden.

Denken Sie an Ihre Lieblingsversuchung!

Eine Versuchung ist so reizvoll, dass man ihr kaum widerstehen kann.

Sie ist so attraktiv, so verlockend, dass man alles zu riskieren bereit ist.

Denken Sie an Ihre größte Versuchung!

Eine Versuchung hat eine so anziehende Kraft, dass man davor ohnmächtig wird.

Das Objekt der Versuchung ist so begehrenswert,

dass sich die Vernunft plötzlich ausschaltet und man der Versuchung nachgibt.

Denken Sie an Ihre dümmste Versuchung!

Eine Versuchung ist manchmal nach Maß geschneidert!

Sie ist sehr individuell.

Was einen 18- Jährigen eine Versuchung ist,

ist für einen, der seit 40 Jahren Auto fährt, nicht der Versuchung Wert.

Was für eine Frau eine große Versuchung ist,

macht einem Mann keine Schwierigkeiten.

Was einem ambitionierten Politiker eine Versuchung ist,

ist kein Thema für eine Frau, die im Supermarkt an der Kasse sitzt.

Was einem Mönch eine Versuchung ist,

macht kein Problem für einen Familienvater.

Was uns als Zwanzigjährige eine Versuchung war,

ist nicht mehr attraktiv für uns, wenn wir vierzig sind.

Ja, eine Versuchung ist manchmal sehr individuell, ist nach Maß geschneidert!

Jetzt denken Sie nach: was sind Ihre Versuchungen!

Welcher Situation, wem oder was können Sie nicht widerstehen?

Es kann etwas Materielles sein, oder auch Geistiges.

Geld, Macht, Ruhm, Prestige, Ansehen, Wünsche des Körpers…

Nur Sie wissen, was für Sie eine Versuchung ist.

Nur Sie wissen, was Ihnen eine Versuchung wert ist.

Auf jeden Fall ist es sehr reizvoll.

Deswegen hat Oscar Wilde einmal gesagt:

"Ich kann allem widerstehen - außer der Versuchung."

Eine Versuchung verleitet uns, von unserem Ziel abzuweichen,

sie leitet uns ab von unserem Gleis,

sie stört unseren friedlichen Rhythmus.

Sie ist schädlich für unser Leben.

Wir wissen, dass das Objekt der Begierde nicht gut für uns ist,

dennoch ist es so verlockend,

so reizvoll, so anziehend, so attraktiv,

dass wir der Versuchung nicht leicht widerstehen können!

Was ist es für Sie?

Denken Sie nach!

Wovor werden Sie machtlos?

Welcher Situation können Sie kaum widerstehen, obwohl es Ihnen schadet?

Was ist für Sie so reizvoll, dass Sie dafür alles riskieren wollen,

obwohl Sie wissen, dass es nicht gut für Sie ist?

Was mache ich, wenn ich mich in so einer Situation der Versuchung befinde?

Wie reagiere ich, wenn ich versucht bin, das zu tun, was ich nicht tun will?

Was soll ich machen, wenn ich verführt bin etwas zu vermeiden, was ich eigentlich tun soll?

Liebe Schwestern und Brüder,

Das heutige Evangelium spricht von drei Menschen,

die versucht wurden!

Von dem Sohn, der den Versuchungen seiner jungen Jahren nachging,

der von den Verlockungen der Freiheit verführt wurde,

der sein Leben vermasselte,

der sich selbst viel Schaden anrichtete,

der durch seine Handlungen alles, was er hatte, verlor.

Er ist bei der Versuchung gescheitert.

Das Evangelium spricht auch von einem anderen Sohn,

der seinen Versuchungen,

z.B. mit seinen Freunden zu feiern und ein freizügiges Leben zu führen widerstand.

Als der jüngere Sohn zurückkommt, spricht er über seine Wünsche und Versuchungen:

„…mir aber hast du nie auch nur einen Ziegenbock geschenkt, damit ich mit meinen Freunden ein Fest feiern konnte“.

Er hat sich immer mit seinen Versuchungen beschäftigt,

obwohl er ihnen nicht nachgab.

Er ist ein Mensch, der mit seinen Versuchungen, mit seinen Herzenswünschen, krampfhaft/ verbissen umging.

Er sprach nie vorher mit dem Vater über seine Wünsche- seine Wünsche mit Freunden zu feiern.

Er war nie befreundet mit seinen Versuchungen.

Er hat gegen sie gekämpft, statt sich mit ihnen auseinanderzusetzen.

Dieser Mensch wird später zur Vergeltung versucht.

Er wird zur Durchführung der falschen Gerechtigkeit versucht.

Der Bruder muss büßen, er soll nicht zurückgenommen werden,

weil er sein Vermögen verschwendet hat.

Ihm soll keine zweite Chance gegeben werden.

Das Evangelium sagt,

dass er richtig sauer war, weil der Vater den jüngeren Sohn nicht verstieß!

Er wusste, dass er Recht hat.

Aber er kann auf sein Recht verzichten und seine Hand reichen

und zur Versöhnung bereit sein.

Er hat die Versuchung nicht bestanden, er wollte Recht haben.

Das Evangelium ist auch die Geschichte eines Menschen,

der versucht wurde, seine Überzeugung aus seiner Lebenserfahrung

über die Freiheit seines Sohnes durchzusetzen.

Er wurde versucht, seine Überzeugung- dass das Weggehen des Sohnes für ihn schädlich sein wird-

über die Überzeugung des jüngeren Sohnes durchzusetzen.

Er hat die Versuchung bestanden und lässt den Sohn gehen,

obwohl er weiß, dass er Recht hat!

Dieser Vater hatte später die Versuchung,

die Gerechtigkeit der Barmherzigkeit vorzuziehen.

Er wurde versucht, seinen Sohn, der einen großen Fehler machte,

mit harten Gerechtigkeitsmaßnahmen zu konfrontieren.

Er wurde versucht, dem Wunsch des älteren Sohnes,

der ihm immer treu geblieben war,

nachzugeben.

Aber er hat auch dieses Mal die Versuchung bestanden,

obwohl er wusste, dass das, was sein älterer Sohn sagt, wahr ist!

Das Evangelium erzählt auch davon,

dass der jüngere Sohn noch einmal versucht wurde.

Er wurde versucht, als er alles verlor,

seinen Stolz und seinen Eigensinn der Vernunft nicht unterzuordnen.

Er hat sich mit der Versuchung auseinander gesetzt.

Wie viele Tagelöhner meines Vaters haben mehr als genug zu essen

und ich komme hier vor Hunger um.

Ich will aufbrechen und zu meinem Vater gehen und zu ihm sagen:

Vater, ich habe mich gegen den Himmel und gegen dich versündigt.

Ich bin nicht mehr wert, dein Sohn zu sein;

mach mich zu einem deiner Tagelöhner.

Dann brach er auf und ging zu seinem Vater“.

Bei der Auseinandersetzung mit der Versuchung hat er dieses Mal

das Richtige gewählt

und hat die Versuchung bestanden.

Wie werde ich reagieren?

Wenn ich wählen muss, zwischen meiner Überzeugung und der Freiheit der anderen?

Wird es mir gelingen der Vernunft zu folgen, wenn dies mein Stolz verletzen würde?

Bin ich bereit auf mein gutes Recht zu verzichten, für das allgemeine Wohl?

Wie würde ich reagieren, wenn Gerechtigkeit und Barmherzigkeit in Konflikt raten würde?

Liebe Schwestern und Brüder,

Versuchungen sind da, damit wir bewusst werden,

was für uns gut ist und was für uns nicht gut ist.

Das müssen wir wissen, durch Leben, durch Erfahrung.

Während des Lernens machen wir Fehler, das ist normal.

Gott hat uns durch seinen Heiligen Geist Vernunft geschenkt.

Menschen, die das erkannte Gute immer vermeiden

und das erkannte Schlechte wiederholen, sind keine vernünftigen Menschen.

Versuchungen aller Art wird es geben,

unser ganzes Leben lang.

Sie als Feinde zu betrachten, würde uns unruhig machen.

Ihnen immer nachzugeben, würde uns schaden.

Sich ihrer bewusst zu werden, ihnen jedes Mal mit Hilfe Gottes zu begegnen,

würde unser Leben lebendig machen,

würde uns menschlich machen, würde uns menschlicher machen.

Vielleicht hat Oscar Wild deswegen gesagt:

"Der einzige Weg eine Versuchung loszuwerden, ist, ihr nachzugeben"

Denn in der Versuchung sind wir nicht allein.

Gott ist auch da, wie bei Jesus.

Er gibt uns die nötige Kraft.

Er begleitet unser Leben.

Wir brauchen keine Angst vor Versuchung zu haben.

Denn Gott liebt uns nicht, weil wir brav sind,

sondern weil wir seine Kinder sind! Amen.