Foto von aufgeschlagenen Büchern

Predigt über Lukas 20,20-26

Pfarrer Werner Breiter

01.01.2002 in der Kirche zu Langensteinach

Für den "Euro"

Liebe Gemeinde,

heute beginnt ein neues Jahr, die Feiertage sind vorüber. Hoffnungen wie auch Ängste haben wir im Blick auf ein neues Jahr. Gerade bei uns in der Bauwirtschaft, wie auch zum Teil in anderen Bereichen der Deutschen Wirtschaft sieht es nicht so rosig aus. Wir hören ständig von Entlassungen, Stellenabbau oder Betriebsverlagerungen ins Ausland. Wahlen stehen heuer an. Im Frühjahr Kommunalwahl, und im Herbst dann die Bundestagswahl. Was hat das für Auswirkungen für unsere Dörfer?
Heute beschäftigt viele die Umstellung unseres Bargeldes auf den "Euro". Neue Münzen und Scheine kommen in unseren Geldbeutel. Der "Euro" ist Bargeld geworden!
Etwas nachdenklich kann uns das alles schon stimmen.
Die einen sagen es wird besser werden, wir Konsumenten geben in den nächsten Monaten wieder mehr Geld aus, wenn wir sehen wie sich die Preise entwickeln. Das eine oder andere Produkt wird vielleicht durch die Gemeinschaftswährung billiger.
Andere sagen, der "Euro" ist eine verdeckte Preiserhöhung und manches wird noch teuerer. Steuererhöhungen kommen auch noch dazu " kein Wunder dass man nichts mehr Sparen kann."
Sehen wir es doch gelassen und warten es einmal ab!
Auf jeden Fall etwas umgewöhnen müssen wir uns schon, die gute alte "DM" ist uns genommen, seit 1948 war sie unser Geld. Bei ihrer Einführung vor 54. Jahren gab es große Schwierigkeiten mit der damaligen UDSSR. Russland lies es fast wieder auf einen Krieg ankommen, so kam es zur Berliner Blockade.
In den 50er und 60er Jahren hatte die " DM" einen Höhepunkt, sie war das Zeichen für das Wirtschaftswunder und Demokratie in Deutschland. Ein weiteres großes Ereignis war es für die "DM" als sie Einzug hielt in den neuen fünf Bundesländern, und die "DDR-Mark" in die "DM" überging.
Doch seit es Zahlungsmittel gibt hat die Menschheit sich immer mit Geld und Münzen beschäftigt, über 100 mal ist in der Bibel über Geld etwas berichtet worden.
So auch in unseren heutigen Predigttext:

Und sie stellten ihm nach und sandten Leute aus, die sich stellen sollten, als wären sie fromm, auf dass sie ihn in der Rede fingen, damit sie ihn überantworten könnten der Obrigkeit und Gewalt des Statthalters
Und sie fragten ihn und sprachen: Meister, wir wissen, dass du aufrichtig redest und lehrest und achtest keines Menschen Ansehen, sondern du lehrest den Weg Gottes recht.
Ist's recht, dass wir dem Kaiser den Steuern geben, oder nicht?
Er aber merkte ihre List und sprach zu ihnen: Was versuchet ihr mich?
Zeiget mir den Groschen! Wes Bild und Überschrift hat er.
Sie antworteten und sprachen: Des Kaisers.
Er aber sprach : So gebet dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist!
Und sie konnten sein Wort nicht tadeln vor dem Volk und verwunderten sich seiner Antwort und schwiegen still.

Liebe Gemeinde,
Das Verhältnis zum Römischen Staat war für die Juden damals eine Existenzfrage, die an der Steuerfrage zu Konflikten führte. Die einzelnen Jüdischen Gruppen waren in sich sehr zerstritten. Die Zeloten sagten ein klares "nein" zu der Frage, ob den Römern Steuern zu zahlen sind oder nicht.
Die Zöllner sagten ein klares "ja"
Auf was es aber ankam, war dass die Römer den Frieden garantierten, so hatten die Steuern eine Art Schutzgeldfunktion. Dazwischen gab es aber noch die Pharisäer, sie waren ohnehin der Überzeugung die Steuern brauche man nur noch, solange zu bezahlen, bis der Messias kommt. Der würfe dann ohnehin die Römer mit Geld, und Steuern aus dem Land hinaus.
Für Jesus ist die Lage also ganz schön bedrohlich geworden bei dieser Frage. Seine Feinde wollten ihn ja überführen und verhaften.
Wenn gibt er recht?
Wen stößt er da vor den Kopf?
Ist er am Ende gezwungen den Zuhörern nach dem Mund zu Reden?
"Nein" Jesus tut das nicht und muss es auch nicht tun?
Er weist auf seinen Vater im Himmel hin, er sagt den Juden damals wie auch uns heute;
Nur auf Gottes Willen, kommt es an, auf sonst nichts!

Jesus redet uns Menschen nicht nach, dem Mund!
Er verwendet eine Bildliche Erklärung und sagt:
Zeigt mir den Groschen! Wesen Bild und Überschrift hat er.
Sie zeigen Jesus eine Römische Silbermünze, ein "Dinar" wird es wohl gewesen sein, die einem Tageslohn eines ungelernten Arbeiters entsprach, und sie zeigt den römischen Kaiser.

Man hatte offensichtlich keine Bedenken sie öffentlich zu zeigen, obwohl die aufgeprägten Bilder teilweise, göttliche Symbole darstellten, die mit dem Bilderverbot des Mose in Spannung standen.
Die Gestalter des "Euro" Geldes haben offensichtlich die Spannungen erkannt die sich in den "Euro" Ländern, mit seinen verschiedenen Kulturen und Gesellschaftsgruppen ergeben können.
Die "Euro" Scheine sie sind nicht mehr mit Politikern der jeweiligen Länder oder großen Erfinder, oder Märchenerzählern bedruckt, sondern zeigen wie ich finde, menschenverbindende Bilder. Auf einer Seite der Euroscheine sind Fenster und Türen zu sehen die man öffnen kann. Auf der anderen Seite des Scheines ganz einfache "Brücken" die nach Osten, nach Westen, nach Süden und nach Norden führen können.

Doch bringt der "Euro" mehr Völkerverständigung mit sich und die einzelnen Staaten sich näher.
Die "Euro-Banknoten wurden von dem österreichischen Künstler Robert Kalina entworfen. Seinem Entwurf liegt das Thema "Zeitalter und Stile in Europa" zugrunde. Sie stellen die Architekturstile aus sieben Epochen der europäischen Kulturgeschichte dar. Bekannte Brücken sind es wie die Königin der Brücken "Ponte la Reina" bei der sich sämtliche Jakobswege, aus Europa zu einem einzigen vereinen. Von dieser Brücke in Nordspanien aus führt einen Weg die Jakobspilger ans Ziel: nach Santia de Compostella.

Die Euro-Scheine sind überall gleich. Es gibt nicht wie bei den Münzen nationale Unterschiede. Die Euro-Scheine drücken also mit ihrer Symbolik zwei Ziele aus: Offenheit und Verbundenheit unter den Euro-Ländern. Europa wird durch eine gemeinsame Währung noch mehr zusammen wachsen und ein größeres politisches Gewicht bekommen.
Bleibt zu hoffen, dass die Offenheit und Verbundenheit mit anderen Ländern an den Grenzen Europas, nicht aufhört.
Ich denke langfristig gesehen, gibt es bessere wirtschaftliche Verknüpfungen, denn man muss sehen welche Länder ab heute schon mit dem "Euro" verbunden sind, 15 afrikanische Staaten, Kosovo-, Montenegro- und verschiedene Kleinstaaten wie Andorra. Gerade diese Länder brauchen ganz bestimmt unsere Hilfe. So bringt der "Euro" vielleicht in jenen Ländern eine kleine Entschärfung der Lage, und sie bekommen langfristig etwas mehr ab von unserem Wohlstand aus den Industriestaaten.

Jesus sagt: So gebt dem Kaiser was des Kaisers ist. und Gott was Gott ist. Jesus erweist sich hier nicht als Fanatiker, der zum Anschlag gegen die römische Besatzungsmacht aufruft. Er sieht die Tatsache dass ein Staat für seine Aufgaben Geld braucht und Steuern kassieren muss.
Ein Staat oder eine Staatengemeinschaft wie die EU sollen verantwortlich die anstehen Aufgaben angehen.
Doch eines darf nicht geschehen, das ein Staat das Recht auf Religionsfreiheit verletzt.
Dem Staat stehen die Steuern zu, nicht aber der Glaube der Menschen.
"Gebt Gott was Gott gehört"
Darauf legt Jesus die Betonung:

Liebe Gemeinde! Was Steht Gott zu?
Ich meine in erster Linie unser Vertrauen.
Um unsere Zukunft machen wir uns vielleicht, zur Zeit Sorgen, sei es beruflich, wirtschaftlich, finanziell oder vielleicht auch gesundheitlich, doch eines können wir nicht wissen, wie sich die Weltpolitische Lage
Wandelt. Zu viele zündeln zur Zeit mit dem Feuer.
Als Christen werden wir weiter auf Gottes Wort hören und uns an unsere Verantwortung für Frieden und Gerechtigkeit und die Bewahrung der Schöpfung erinnern lassen.
Dazu gehört auch die Offenheit für die Menschen außerhalb "Euro-Geld" Bereiches.
Geben wir Gott was ihm allein zusteht!
Unser Vertrauen.
Sehen wir den Euro nur als Zahlungsmittel an, der wie die "DM" seine Zeit hat.
Es ist nur einer ewig und an allen Enden und wir vertrauen uns in seinen Händen.

Amen