Foto von aufgeschlagenen Büchern

Predigt über Lukas 2,(1-14)15-20

Pastor Andreas Dreyer (ev.-luth.)

25.12.2014 in Landesbergen

Weihnachtsgottesdienst

Es begab sich aber zu der Zeit, dass ein Gebot von dem Kaiser Augustus ausging, dass alle Welt geschätzt würde. 2 Und diese Schätzung war die allererste und geschah zur Zeit, da Quirinius Statthalter in Syrien war. 3 Und jedermann ging, dass er sich schätzen ließe, ein jeder in seine Stadt. 4 Da machte sich auf auch Josef aus Galiläa, aus der Stadt Nazareth, in das jüdische Land zur Stadt Davids, die da heißt Bethlehem, weil er aus dem Hause und Geschlechte Davids war, 5 damit er sich schätzen ließe mit Maria, seinem vertrauten Weibe; die war schwanger. 6 Und als sie dort waren, kam die Zeit, dass sie gebären sollte. 

7 Und sie gebar ihren ersten Sohn und wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe; denn sie hatten sonst keinen Raum in der Herberge. 8 Und es waren Hirten in derselben Gegend auf dem Felde bei den Hürden, die hüteten des Nachts ihre Herde. 9 Und der Engel des Herrn trat zu ihnen, und die Klarheit des Herrn leuchtete um sie; und sie fürchteten sich sehr.10 Und der Engel sprach zu ihnen: Fürchtet euch nicht! Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird; 11 denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr, in der Stadt Davids. 12 Und das habt zum Zeichen: Ihr werdet finden das Kind in Windeln gewickelt und in einer Krippe liegen.13 Und alsbald war da bei dem Engel die Menge der himmlischen Heerscharen, die lobten Gott und sprachen: 14 Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden bei den Menschen seines Wohlgefallens.1 15 Und als die Engel von ihnen gen Himmel fuhren, sprachen die Hirten untereinander: Lasst uns nun gehen nach Bethlehem und die Geschichte sehen, die da geschehen ist, die uns der Herr kundgetan hat. 16 Und sie kamen eilend und fanden beide, Maria und Josef, dazu das Kind in der Krippe liegen.17 Als sie es aber gesehen hatten, breiteten sie das Wort aus, das zu ihnen von diesem Kinde gesagt war. 18 Und alle, vor die es kam, wunderten sich über das, was ihnen die Hirten gesagt hatten. 19 Maria aber behielt alle diese Worte und bewegte sie in ihrem Herzen. 20 Und die Hirten kehrten wieder um, priesen und lobten Gott für alles, was sie gehört und gesehen hatten, wie denn zu ihnen gesagt war. 

Die Predigt sollte in mehrere Abschnitte aufgeteilt werden, die jeweils durch ein oder zwei Liedstrophen (z.B. aus EG 39, Kommt uns lasst uns Christum ehren) kurz unterbrochen werden.

I .

Sein Radiowecker schlug wie immer früh an. Doch irgendwie musste sich der Sender vor Tagen schon verstellt haben, denn im Radio kam schon wieder so eine Morgenandacht anstelle der üblichen Musik seines Lieblingssenders.

Nein, sonst hörte er sich so etwas nie an, das war nicht sein Ding, aber er war einfach noch zu schläfrig, um ausgerechnet jetzt den Sender neu einzustellen. Und ein paar Minuten konnte er ja schließlich noch im Bett liegenbleiben und zuhören. Also gut, warum nicht, schließlich steht Weihnachten vor der Tür - und heute nach der Arbeit geht’s zur Familie, um endlich miteinander zu feiern, wieder beisammen zu sein. Die Stimme im Radio sprach von Weihnachten, vom Weg des Paares nach Bethlehem, von der Geburt und von den Hirten und den Weisen, die zum Stall kamen. Gott wird Mensch, wird ein Kind. Und sie sprach davon, dass eigentlich alle Menschen in dieser Geschichte permanent unterwegs gewesen wären damals, praktisch alle Beteiligten von zuhause weg, warum auch immer, merkwürdig irgendwie. Und Gott wäre mit dabei gewesen, auf ihren Wegen. Bis hin zur Flucht von Maria, Joseph mit ihrem Kind nach Ägypten. Daran nun konnte er sich gar nicht mehr erinnern, wie auch, denn wann war er überhaupt das letzte Mal in der Kirche gewesen? Das musste sehr, sehr weit zurückliegen, vielleicht bei Johannas Beerdigung damals? … Seine Konfirmandenzeit war ja schließlich auch schon eine kleine Ewigkeit her. Aber es wird schon so stimmen, das mit Ägypten, dachte er bei sich, schließlich ist sie die Expertin, nicht ich. Und sie sprach weiter von den Weisen aus dem Morgenland, die wohl aus dem Zweistromland, dem heutigen Irak gekommen seien. Merkwürdig, dachte Günter Menig, Ägypten, Irak, Israel - wenn ich jetzt doch die Nachrichten gehört hätte anstelle dieser Andacht, dann wären es wohl die gleichen Länder gewesen, die da genannt worden wären. Wie wenig sich doch geändert hat über all die Jahrhunderte. Und Gott lässt den Dingen dort einfach so seinen Lauf… –

Jetzt sprang Menig doch auf, machte sich rasch im Bad fertig, brühte sich just noch einen Kaffee, um dann von seiner kleinen Appartementwohnung , wo er die Woche über immer lebte, zur Arbeit zu fahren. Der letzte Tag vor der Heimfahrt zur Familie. Wie sehr freute er sich doch auf diese freien Tage, auf Anita, und auf seine beiden Kinder! Man sah sich viel zu selten. Dieser dämliche Umzug der Firma hatte ihm sein ganzes Familienleben umgekrempelt. Wochenendehe. Schon seit drei Jahren. Die langen einsamen Abende in seinem Appartement. Die Kinder wuchsen heran, doch er bekam sie kaum zu sehen. Zum Glück gab es Skype, immerhin, aber trotzdem. Merkwürdige Zeiten, alles scheint in dieser Zeit aus den Fugen zu geraten. - Der Koffer und die Tasche mit den Geschenken standen schon im Flur und warteten nur noch drauf, gleich ins Auto geladen zu werden.

II.

Im Büro war es an diesem Morgen des Heiligabends natürlich auch nicht anders als sonst. Hatte er das denn erwartet? Nein, eigentlich auch wiederum nicht: die übliche Hektik auf den Fluren, vielleicht sogar noch etwas schlimmer als sonst, denn alle wollten schnell noch eben etwas erledigen, um rasch loszukommen. Jemand rief laut durchs Treppenhaus. Warum sagt man eigentlich morgens schon „Abend“ an diesem Tage? Warum nicht Heiligmorgen? Nein, das wäre ein komisches Wort, dachte er bei sich, Heiligmorgen. Jeder sagt Heiligabend, und das auch schon früh am Morgen. Ganz so, als wäre man schon da, wo man erst noch hin will, zum Ziel. Den Tag nicht vor dem Abend loben, sollte das nicht auch heute gelten? Dabei lagen ja noch die 600 km bis daheim vor ihm. Sechs, sieben Stunden würde es schon dauern, davon war auszugehen, wenn der Stau am Autobahnkreuz dazukam gewiß auch länger. Wie weit war eigentlich der Weg damals für Maria und Joseph, fragte er sich. Einmal Bethlehem und zurück. Per Pedes, oder auf einem Eselsrücken. Wie auch immer. Er würde das mal googeln, wenn er etwas mehr Zeit hätte, das interessierte ihn, aber nicht jetzt. – Ja, auch die Firma machte natürlich auf Weihnachten. Da stand dieser grässliche Plastik-Adventskranz im Foyer der Firma, wie schön auch. Kerzen hatte der nicht, aus Feuerschutzgründen, das war logisch. Menig fand ihn ziemlich deplatziert. Überhaupt, die Firma und Weihnachten, nein das passte irgendwie nicht. Hubers Ansprache vor der Belegschaft am 1. Advent, das war doch ein Hohn gewesen. Wenn es nach ihm gegangen wäre, hätten sie sich diesen Kranz auch schenken können, gerade bei ihrer Firmenpolitik. Er dachte an seinen Kollegen, den sie entlassen hatten nach so vielen Jahren. Restrukturierung. Das neue Modell der Firmenpolitik. Auch nicht gerade christlich das alles. Was der wohl jetzt macht? Und was Gott wohl dazu sagen würde, wenn es ihn denn gäbe... Aber was soll‘s, bei der Konkurrenz ist es sicher auch nicht anders. Ja, er hatte viel vorgearbeitet die letzten Tage, weil er früh loskommen wollte. Doch auf seinem Schreibtisch stapelten sich dennoch schon wieder alle möglichen Vorlagen, und -zig Emails waren auch noch reingekommen, tagaus, tagein das tägliche Kleinklein. Und der Chef wollte auch noch dies und das erledigt haben. Das würde dauern. - Dann auf einmal entdeckte er diesen kleinen Schoko-Nikolaus unter der einen Akte, mit einer kleinen Grußkarte versehen. Gesegnetes Fest. Kein Name darauf. Doch das war bestimmt die Sagemann gewesen, auch wenn nichts dabeistand. Niemand anderes kam hier dafür in Frage. Er schrieb ihr eine Mail ins Nachbarbüro. Er bewunderte sie. Obwohl sie hier wirklich den letzten Job hatte, war sie dennoch zu allen freundlich und hatte immer noch etwas Zeit für solche Sachen übrig. Er tippte auf seine Tastatur: Danke für die Überraschung, habe mich gefreut, frohes Fest auch für Sie! - Endlich einmal etwas Positives, eine Abwechslung. Gut, dass es solche Menschen gab. Und wenn wir alle so wären, durch Weihnachten, verändert, durchfuhr es ihn… Er ertappte sich bei einem für ihn eigentlich unmöglichen Gedanken. Nein, das ginge natürlich auch nicht, wie war er nur darauf gekommen, was für ein Unsinn.

III.

Endlich war Günter Menig von der Arbeit losgekommen, natürlich auch wieder viel zu spät. Es war von ihm sicherlich völlig naiv gewesen anzunehmen, dass heute weniger zu tun sein würde, dass es heute schneller gehen würde, dass man ihn ausnahmsweise von der Zusatzarbeit entlasten würde. Es hatte sogar länger gedauert als sonst. Und jetzt natürlich auch noch die Rote Welle auf der Ausfallsstraße. Auf der Autobahn war auch schon die Hölle los, denn der Feierabendverkehr hatte natürlich früher eingesetzt als sonst. Nein, Hölle sollte man heute vielleicht doch nicht gerade sagen, fuhr es ihm durch den Kopf. Schließlich wollten sie ja alle irgendwie nach Hause, jeder zu seiner Familie, ein jeglicher in seine Stadt. Hatte die Pastorin im Radio nicht so gesagt? Verückt. Die Worte hatten sich ihm eingeprägt, auch wenn er noch gar nicht ganz wach gewesen war. Und jetzt all die Tausende Autos, nein, die Leute darin natürlich. Heim zur Familie, jeder so schnell wie möglich. Zumindest die, die noch eine haben. Da fallen schon viele raus… Und ihm fielen die Worte der Pastorin aus der Radioandacht wieder ein: Das erste Weihnachten wurde nicht daheim gefeiert, so hatte sie sich ausgedrückt. Sondern weit weg davon. An so etwas hatte er noch nie gedacht, aber natürlich hatte sie recht, das war ja logisch. Worauf diese Leute doch alles kommen. Sicher wären Maria und Joseph auch lieber bei ihren Familien geblieben, allein schon wegen der Geburt. Aber Weihnachten musste im Stall bei Bethlehem stattfinden. Ob damals auch so viele Leute unterwegs waren, allesamt auf Eseln oder zu Fuß? Oder ob die beiden eine Ausnahme bildeten - Keine Ahnung. Immerhin, da stand ja wohl: Ein jeder, dass er sich schätzen ließe, so hatte er es noch irgendwie im Ohr. Warum konnte man das nicht dort erledigen, wo man wohnte? Warum solch ein Aufwand? Was für eine unendliche Zeitverschwendung, was für eine Schikane. Heute wäre das ja alles online möglich, sein Steuerberater erledigte ohnehin alles im Netz. Merkwürdig, was er sich auf einmal für Fragen stellte, dabei hatte er die Andacht nur mit halbem Ohr gehört heute früh. Daheim und doch nicht daheim - was wohl deren Eltern gedacht haben mögen, falls die noch gelebt haben. Das arme Mädchen, erst die frühe Schwangerschaft und jetzt auch noch das? Was machen bloß die, die kein Daheim mehr haben, keine Familie, keine Heimat? Lieber gar nicht dran denken. Er drückte aufs Gas, denn endlich war die Strecke etwas freier geworden, jetzt etwas Zeit rausholen. Vielleicht würde er es doch noch rechtzeitig nach Hause schaffen. Ein wenig verschnaufen, bevor man dann zum Abendessen und der Bescherung übergehen würde. Menig überlegte, ob er Anita vorschlagen sollte, am Weihnachtstag mal wieder in die Kirche zu gehen, wie früher zu der Zeit, als ihre Kinder noch klein gewesen waren? Nein, sie würde sich bestimmt ziemlich wundern, wenn ausgerechnet er dies sagen würde, und ihn dann vielleicht fragen: hast Du etwa ein paar Sünden zu beichten, Du und Kirche, wie kommst Du denn überhaupt darauf?

IV.

Jetzt fiel Günter Menig auch wieder ein, was er am Vortag vergessen hatte: natürlich wollte er den Wagen da schon vollgetankt haben. Doch vor lauter Besorgungen war ihm das entfallen, und jetzt senkte sich die Tanknadel schon bedrohlich gen Rot. Ärgerlich das. Egal, die nächste Raststätte würde er ansteuern müssen, ob er wolle oder nicht. Die Strecke dahin zog sich, ein Lämpchen leuchtete bereits auf. Auch das noch. Ob die damals für den Esel genug Hafer hatten? Ob es da schon Raststationen am Wegesrand gab? Und was das gekostet haben mag. Keine Ahnung, aber irgendwie werden sie es ja geschafft haben, bis zur Herberge, nein zum Stall. Dann endlich tauchte das Tank- und Raststättenschild auf. Geschafft. Er musste zwei Autos vor ihm abwarten, bis er endlich an die Zapfsäule konnte. Und das gleiche Bild auch wieder vor der Kasse: alle drängelten. Als Menig dran war, hörte er, wie die eine Kassiererin die andere fragte: musst du an den Feiertagen auch arbeiten? Ja leider, sagte sie, mein Mann ist auch tierisch sauer deswegen, und die Kinder erst. Aber was willst Du dagegen machen, wer tauscht hier schon im Dienstplan? Meine Mutter kommt, um das Essen für alle zu kochen. ‚Hallöchen, warum geht’s da vorn denn nicht weiter, könnten sie vielleicht mal ihre Privatgespräche am Arbeitsplatz einstellen‘ zischelte jemand scharf hinter ihm in Richtung der beiden. Normalerweise hätte er ähnlich gehandelt oder mit Kopfnicken zugestimmt, denn er mochte es nicht, derartigen Gesprächen zuhören zu müssen, von der Zeitverzögerung ganz abgesehen. Aber irgendetwas durchfuhr ihn an diesem Tage und er reagierte anders: so lassen Sie den beiden Damen doch mal einen Augenblick für ein Gespräch! Glauben Sie, die können sich nichts Schöneres vorstellen als hier heute und morgen arbeiten zu müssen? Verdutzt schaute der Mann hinter ihm ihn an. Ist ja schon gut, sagte er. Die Kassiererin warf ihm einen dankbaren Blick zu und gab ihm sein Restgeld: Danke übrigens, dass sie das eben gesagt haben. Das erlebt man nicht oft, die meisten schimpfen sofort los, manche wollen gleich den Chef sprechen. Ein schönes Fest Ihnen und gute Weiterfahrt. - Danke, Ihnen auch, trotz der Arbeit. Menig wunderte sich über sich selbst, das war überhaupt nicht seine Art. Ob das etwas mit Weihnachten zu tun haben sollte? Das Fest der Liebe, wie es immer hieß. Er verscheuchte den Gedanken, ließ sich wieder in seinen Fahrersitz fallen und startete den Motor erneut.

V.

Die Strecke hatte ihn wieder. Noch 150 km, dann hatte er es geschafft. Mit mindestens drei Baustellen, davon eine über die lange Distanz. das kann noch nervig werden, und anstrengend, gerade die schmale Fahrbahn. Volle Konzentration war da gefordert. Solche Probleme hatten die damals nicht, als sie mit ihrem Esel unterwegs waren dafür andere. Obwohl die Römer ja auch schon einiges in den Straßenbau investiert hatten, und das alles ohne Maschinen! Er hatte darüber eine Fernseh-Doku gesehen vor einigen Wochen, an einem dieser langen einsamen Fernsehabende im Appartement. Schlafen konnte er eh kaum, meist hatte ihn die Arbeit im Büro so aufgewühlt. Da wurde es dann oft spät vor dem Fernseher. - Im Radio dudelte jetzt der Weihnachtssong schlechthin, Last Christmas. Was auch sonst. Wie oft hatte er dieses Lied wohl schon gehört, wie oft das Video schon gesehen, das von einer gescheiterten Beziehung erzählt. Schade eigentlich, ist das nun überhaupt weihnachtlich oder nicht? Er dachte zurück an damals, an Britta, seine Jugendfreundin. Was die wohl macht jetzt, lange hatte man sich aus den Augen verloren. Und weiter an die Zeit, als Anita und er noch zum Winterurlaub in die Berge gefahren waren. Kostbare Erinnerungen. Und jetzt, jetzt war er schon froh, zu Hause etwas Ruhe zu haben. - Vor ihm lieferten sich zwei LKW ein Elefantenrennen. Er tippte die Hupe kurz an, um es sich dann doch anders zu überlegen. Natürlich wollten die auch nach Hause. Dennoch kompletter Unsinn, sich hier am Berg zu überholen. Auf seinem Handy in diesem Moment kam eine Nachricht rein. Wahrscheinlich Anita, die ihn schon erwartete. Ich kann doch auch nicht hexen, nun warte doch…. Er überlegte, nach dem Smartphone zu greifen und die Nachricht zu lesen, entschied sich dann doch anders. Es passiert auch so schon genug auf den Straßen. Auf den letzten Kilometern war er ganz in Gedanken, der Zeit schon voraus. Hoffentlich hatte er die Box mit den Geschenken nicht vergessen einzuladen heute Morgen. Er kramte in seiner Erinnerung und konnte es doch nicht genau sagen. Dieser verflixte Radiowecker, nur dadurch war es heute Morgen so knapp geworden. Ach nein, so kannst Du es auch nicht sagen. Er fuhr die Abfahrt herunter und die letzte Wegstrecke bis in seinen Heimatort. Jetzt endlich konnte Weihnachten kommen.

VI.

Menig bog um die Ecke und fuhr auf sein Grundstück. Anita hatte den Hauseingang geschmückt, die Lichterkette musste neu sein, das kannte er so nicht, schön sah das alles aus. Wie sehr hatte er sich auf diesen Moment gefreut. Ja, Weihnachtsschmuck, dafür hatte sie wahrlich ein Händchen. Das ist etwas anderes als der Plastik-Adventskranz in der Firma. So, die Herberge ist erreicht, sagte er sich; jetzt kann es Weihnachten werden. Beruhigt sah er unter die Ablage seines Wagens: er hatte die Geschenkbox doch eingepackt, ein Glück. Wahrscheinlich war er dabei in der Früh noch derart in Gedanken vertieft gewesen, dass ihm die Erinnerung daran fehlte. Was diese Andacht in ihm doch angerichtet hatte. Nun komm erst mal rein, sagte sie, die Sachen kannst du später reinholen, das eilt doch jetzt nicht, du bist doch gut in der Zeit. Wie war deine Fahrt? Es ging eigentlich, sagte er, hatte es mir schlimmer vorgestellt. Obwohl auch so schon genug los gewesen ist. Zum Glück keine Unfälle. Anita sagte nur: Na, da bin ich froh.

Ich hab mir übrigens etwas für dieses Fest überlegt: Wie wäre es, wenn wir morgen mal wieder in den Gottesdienst gehen würden, ganz so wie früher? Ich hab das Essen soweit vorbereitet, dass das kein Problem sein sollte. Was meinst Du dazu? Menig war überrascht, das war gar nicht Anitas Art. Er sagte zu ihr: Du, das muss Gedankenübertragung gewesen sein, ich hatte vorhin die gleiche Idee. So wollen wir es halten, mir soll es recht sein. - Ob der da oben dabei seine Hände mit im Spiel gehabt haben sollte? -

Vielleicht würde er der Radiopastorin mal mailen und ihr sein Erlebnis erzählen, dann, im neuen Jahr.

Amen.